Albenherz: Last, but not least …

Dead Soft hat’s leider gerade nicht so mit rechtzeitigen Ankündigungen und so was, daher wurde von mir unbemerkt vor zwei Tagen das E-Buch von „Albenherz“ veröffentlicht. Für den Print müssen wir uns noch eine Woche gedulden.

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Das große A hat die Variante für Kindle, der Verlag den Rest.

Worum geht’s?

Nach einem Schiffbruch im letzten Herbst erinnert sich Cassius weder an seinen richtigen Namen noch an seine Herkunft. Trotzdem schlägt er sich erfolgreich als Gladiator durch und genießt sein neues Leben. Doch dann entkommt er nur knapp einem Mordversuch durch eine Zauberin. Der ebenso geheimnisvolle wie attraktive Magier Marron beschützt ihn. Da Cassius sich in seinem früheren Leben Feinde gemacht hat, bietet ihm Marron ein Geschäft an: Er wird dafür sorgen, dass Cassius sein Gedächtnis wiedererlangt. Im Gegenzug soll dieser Marron helfen, dessen Mutter zu befreien, die als politische Geisel festgehalten wird — und an deren Entführung Cassius angeblich beteiligt war. Halb aus schlechtem Gewissen, halb aus Begehren stimmt er zu.

Albenherz ist der vorläufig letzte Band des Alben-Universums und kann — wie jeder Band ohne „2“ drauf — unabhängig vom Rest gelesen werden.

Leseprobe

Cassius lag im Sand, spürte die Klinge seines Gegners im Nacken und bereute, heute Morgen aufgestanden zu sein. Vom Rand des Übungsplatzes hallte der Applaus von etwa zwei Dutzend Leuten herüber.

Die Niederlage, die ihm sein Kollege gerade zugefügt hatte, war ein gefundenes Fressen für die Buchmacher, zumal Cassius nicht einmal mit seinem links geführten Schwert den Hauch einer Chance gehabt hatte. Falls er übermorgen den Kampf in der Arena entgegen der Wetten gewann, könnte sich das hier als eine nette Einkommensquelle erweisen.

Allerdings … die Spätsommerluft brannte wie Feuer in seinen Lungen, er schwitzte wie ein Minensklave und sehnte sich nach seinem Bett, obwohl er erst vor zwei Stunden unter den Laken hervorgekrochen war. Eher unwahrscheinlich, dass er bis dahin die letzten Reste seiner Gelbsucht loswurde.

Die Lemures sollten alle glutäugigen Seemänner in der Luft zerreißen und den nichtsnutzigen Heiler am Hafen gleich mit. Wozu bezahlte der Fürst denn diese Leute, wenn sie nicht mal eine verfluchte Hepatitis fanden, die irgendwelche Ausländer einschleppten?

„Cassius!“, brüllte der Lanista. „Beweg endlich deinen selbstmitleidigen Arsch vom Platz!“

Verglichen mit den Verwünschungen, die er in den letzten zwei Wochen benutzt hatte, um seiner Enttäuschung Luft zu machen, war Cassius’ Arbeitgeber heute recht höflich. Besser, ihn nicht weiter zu reizen.

Also stemmte Cassius sich hoch, sammelte das Langschwert ein und schleppte sich zur Absperrung, wo sein Gegner schon lehnte und irgendetwas mit einer der Buchmacherinnen flüsterte.

Die Suche nach einem freundlichen oder wenigstens mitfühlenden Gesicht erwies sich als unnütz – offenbar herrschte die Meinung vor, dass er selbst schuld an dieser Schmach war.

Gesenkten Blickes schlurfte er an dem Holzgeländer entlang, das den Übungsplatz begrenzte. Nur sein Stolz verhinderte, dass er sich daran festhielt.

Auf halbem Weg zum Ausgang griff eine zarte Hand nach seinem Unterarm. Sie gehörte zu einer äußerst kurvenreichen Frau, die ein Kleid aus zwei so transparenten Lagen grünen Stoffes trug, dass ihre dunklere Brustbinde durchschien. Ihre schwarzen Locken fielen trotz des warmem Wetters ungebändigt über ihre Schultern, ein schwerer Blütenduft umwaberte sie.

„Verzeihung.“ Sie verzog die vollen Lippen zu einem Lächeln. „Cassius? Ich bin Eusebia Iobanidis.“

„Und?“ Wer auch immer diesem Sklavenkind aus Iobaneh einen göttergefälligen Lebenswandel gewünscht hatte – das Kleid bewies, dass sie ihrem Vornamen zum Trotz alles andere als maßzuhalten gedachte.

„Ich hätte etwas Geschäftliches zu besprechen.“

Er hob die Brauen.

„Gehen wir ein Stück?“

Obwohl er keine Lust auf Geschäftliches hatte, nickte Cassius, denn in seiner Lage würde es seinem Ruf nützen, wenn er in Gegenwart einer schönen Frau gesehen würde. Er duckte sich unter der Latte hindurch und fing dabei den Blick des Schmieds ein. Alea Sidero grinste schief, als durchschaute er Cassius’ Beweggründe und wäre nicht einverstanden mit dem Versteckspiel.

Eusebia folgte Cassius zu seinem Bündel, das er an einem der wenigen schattigen Plätze lagerte. Während sie mit verschränkten Armen und beeindruckendem Schmollmund wartete, wühlte er seine Wasserflasche heraus und trank in kleinen Schlucken.

„Worum geht es?“, fragte er, sobald er sich nicht mehr ganz so ausgetrocknet fühlte.

„Ich komme im Auftrag der Lanista der Goldenen Gladiatorenkaserne in Aquilium.“

Oha. Die Leiterin einer der berühmtesten Truppen in ganz Centerre war auf ihn aufmerksam geworden? In der ehemaligen Hauptstadt gab es noch drei Kasernen – Gold, Silber und Schwarz. Äußerst renommiert. Außerdem lebten in Aquilium-Stadt angeblich dreihunderttausend Menschen – fast so viele wie auf der ganzen Insel hier. Dementsprechend waren die Wetteinsätze höher.

„Ihr wollt mich abwerben?“

Mit einer Geste bestätigte sie, dass er richtig geraten hatte. „Wie oft habt Ihr hier auf Purpurea Gelegenheit, Euch mit Kämpfern zu messen, die nicht von der Insel stammen? Zwei, drei Mal im Jahr?“

Er brummte unverbindlich. Die Truppe aus der Serentà war seit dem Frühjahr angekündigt, davor hatten sich zwei Haufen vom südlichen Festland blicken lassen.

„Sobald Euch die frischen Gegner ausgehen, schrumpfen die Einnahmen“, erklärte sie das Offensichtliche. „Meine Lanista würde Euch garantieren, dass Ihr mindestens vier Mal im Jahr auswärts kämpfen könnt. Sie wäre bereit, Euch hier auszulösen …“

„Ich denke darüber nach.“ Eine Lüge, um das Gespräch zu vertagen. Cassius würde in seinem Leben nie mehr einen Fuß auf ein Boot, Schiff oder sonstiges Wasserfahrzeug setzen.

Eusebia sah ihn schief an. „Das heißt, dass ich mit Eurem Lanista sprechen darf?“

„Fragt mich nach den Terminalia“, sagte er. „Ich muss mich auf meinen Kampf vorbereiten. Ich habe jetzt keine Zeit, mich um so etwas zu kümmern.“

„Selbstverständlich.“

„Auf Wiedersehen“, fügte er hinzu, da sie keine Anstalten machte, sich zu entfernen.

Ihre Brauen schossen nach oben. Offenbar war sie nicht gewohnt, dass Männer auf die Aussicht verzichten wollten, die sie bot.

Hätte er ihr mehr schmeicheln sollen? Obwohl sie nicht hässlich war und er Gerüchte über eine mögliche Abwerbung gut brauchen konnte, wollte er sie unter keinen Umständen auf ein Geschäft hoffen lassen.

Weil sie sich immer noch nicht rührte, wischte er das Schwert mit einem ölgetränkten Lappen ab, bevor er es zurück in die Scheide beförderte. Alea hatte genug Zauber an beidem gewirkt, um es gegen fast jeden unerwünschten Zugriff zu schützen, deshalb konnte es an der Wand lehnen bleiben, während Cassius diesem aufdringlichen Wesen auswich.

Der Schmied würde ihn retten, obwohl er sich gerade mit einem anderen jungen Mann unterhielt: mittelgroß, schmal, mit raspelkurzen, braunen Haaren und Augen, die im Gegenlicht golden schimmerten. Ziemlich genau Cassius’ Beuteschema, auch wenn der Fremde seine Figur unter loser Kleidung nach nordischer Art verbarg.

Leider – oder glücklicherweise – verabschiedete der sich schon wieder. Er drückte Aleas Unterarm, eine seltsam vertrauliche Geste für den Schmied. Die beiden gäben ein hübsches Paar aus einem guten und einem bösen Geist ab. Einer größer und zerbrechlich scheinend, passend dazu eine Aura, die unwirklich lichtgrau schimmerte, der andere kurz und muskulös, unter dessen Oberfläche die Magie brodelte wie das rachsüchtige Herz eines Vulkans.

Der Fremde schenkte Cassius ein strahlendes Lächeln.

Es erwischte ihn wie ein Schlag vor das Brustbein. Der andere war bei Licht noch schöner als …

Cassius blieb stehen. Schöner als was? Wer? Dieses Gesicht kam ihm bekannt vor, obwohl er es noch nie zuvor gesehen hatte. Andererseits – seine Erinnerung reichte gerade einmal elf Monate zurück, insofern musste er mit derlei Behauptungen vorsichtig sein.

Trotzdem. Ein seltsamer Sog ging von dem Fremden aus, der die Daumen in seinen Gürtel hakte und davonschlenderte. Um den Schaulustigen nicht zu viel Grund zu Lästereien zu bieten, zwang Cassius sich, den Blick abzuwenden, und suchte nach Alea.

„Du hast auch nichts dazugelernt“, bemerkte der aus zwei Schritt Entfernung. Hatte sich angeschlichen, wie so oft.

„Nicht jeder von uns kann oder will so langweilig wie du sein.“ Der Schmied war verheiratet, im Alter von zwanzig, wenn andere gerade einmal anfingen, sich auszutoben. Cassius hatte geschätzte zehn Jahre mehr auf dem Buckel und allein die Vorstellung verursachte Fluchtgedanken. Auswärtige hielten Alea gelegentlich für Cassius’ jüngeren, zu klein geratenen Bruder, aber außer einer Schwäche für Klingen und Männer hatten sie nichts gemeinsam.

Eins jedoch musste er Alea und seinem Tankred lassen: Die beiden waren das einzige verheiratete Paar aus zwei Männern auf dieser Insel und wahrscheinlich sogar in ganz Centerre. Ein „Ihr könnt uns mal“ an alle, die für sie nur Beleidigungen übrig hatten.

„Wenn du mit Marron anbandelst, ist dir ein unangenehmes Gegenteil von Langeweile sicher“, sagte Alea, anstatt wie üblich die Vorzüge des Erwachsenseins zu betonen. „Er hat versucht, mich über dich auszufragen. Wo du wohnst, ob du dich mittlerweile an deine Vergangenheit erinnerst. Das verheißt Ärger.“

Trotz des mahnenden Tonfalls bekam Cassius bei dieser Drohung keine Gänsehaut. „Ich hätte lieber mit ihm Ärger als mit dieser Schmeißfliege da.“ Er nickte in Richtung von Eusebia, die nunmehr neben dem Lanista an der Absperrung lehnte.

„Ja?“

„Eine Eusebia aus Aquilium, von den Goldenen. Soll mich abwerben.“

Alea zuckte mit der Nase. „Die hatte noch nie in ihrem Leben eine Waffe in der Hand. Wenn überhaupt, ist diese Honigfliegenfalle auf Giftmorde spezialisiert.“

„Vielleicht die Geliebte der Lanista dort.“

„Gehört es zum guten Ton, einen Gladiator direkt nach einem Kampf wegen so einer Sache anzusprechen? Es sei denn, man reicht ihm Wasser und ein Handtuch.“

„Hmm.“ Ja, das war reichlich merkwürdig. Aber zurück zu dem Fremden. „Woher weiß dein Bekannter, dass ich mein Gedächtnis verloren habe?“

„Das könnte er in jeder beliebigen Taverne erfahren haben. Du solltest dich lieber fragen, warum Marron dem Klatsch nicht traut.“

Oh. „Das gerade war Tankreds Verehrer?“

Alea hob eine Braue. Obwohl er seinen Liebsten oft mit ihrem letztjährigen Abenteuer aufzog, hatte er nie erwähnt, dass Marron umwerfend gut aussah. Einerseits wollte Cassius herausfinden, was dieser Mann unter seinen Kleidern verbarg, andererseits … „Du meinst, dass er etwas über meine Vergangenheit weiß?“

„Es ist sein Beruf, Dinge zu wissen, die ihn nichts angehen.“

Zugegeben. Cassius senkte die Stimme. „Was zum Henker will ein Spion mit mir?“

„Frag mich was Leichteres. Aber mit ein bisschen Pech hast du zwei davon am Hals.“

Also gut. Aber Eusebia fiel wenigstens auf und war überhaupt nicht magisch begabt, im Gegensatz zu Marron. „Wie überaus beruhigend.“

Alea lachte auf. „Pass auf dich auf, ja? Anscheinend hat dein Erfolg in der Arena ein paar schlafende Drachen aus deinem mysteriösen Vorleben geweckt.“

Mit dem Ellenbogen schob Cassius ihn zur Seite. „Jawohl, Herr Papa.“

Manchmal war es äußerst praktisch, zu groß für Kopfnüsse zu sein.

Am Nachmittag verlor Cassius zwei weitere Übungsrunden und überzeugte den Lanista, dass er nicht vorhatte, Eusebias Angebot anzunehmen.

Gegen Abend tauchte Aleas Tankred auf und sammelte den Schmied ein, während alle, die sich angestrengt hatten, im privaten Dampfbad der Kaserne erst schwitzten und sich dann vom Lanista durchwalken ließen. Statt danach mit den anderen einen Absacker in der Taverne um die Ecke zu nehmen, kaufte Cassius sich ein Abendessen in der besten Garküche der Stadt und ging heim.

Weil er im oberen Stockwerk lebte, hatte er eine kleine Terrasse, auf der eine Liege und ein Orangenbäumchen im Topf Platz hatten.

Nach dem abendlichen Opfer für die Götter und die guten Geister des Hauses wägte er seine Erschöpfung gegen das Wetter ab. Schließlich machte er es sich mit einem Becher Rotwein draußen bequem, wie noch einige andere Erwachsene der Umgebung. Die Witwe von gegenüber prostete ihm stumm zu, während unten seine Mieter und andere Eltern mehr oder weniger vergeblich nach ihren Kindern riefen.

Die abendliche Brise, die vom Meer her kam, sorgte endlich für angenehme Temperaturen. Hier im Talkessel südlich der Arena staute sich die Hitze zwischen den Häusern noch schlimmer als anderswo in der Stadt.

Irgendwann würde Cassius sich eine Villa an einem der Hänge außerhalb leisten können, immerhin hatten die Gewinne von acht Monaten für dieses Haus hier gereicht. Aleas Großmutter besaß Weinberge, von der konnte er sicher welche pachten. Ein Ruhestand als Bauer und mit besserer Aussicht, das würde auch ohne Eusebias Geld gehen.

xxx

In Gestalt eines Leoparden lungerte Marron auf dem Dach eines Hauses gegenüber der Kaserne herum. Wenn Alea ihm nicht sagen wollte, wo der Gladiator wohnte, musste er es eben selbst herausfinden. Gewiss hätte er auch zugeben können, wie verzweifelt er war, nachdem alle anderen Spuren im Nichts geendet hatten, aber das musste dieses eifersüchtige Rabenaas von einem Schmied nicht wissen. Dass Cassius Marrons Nähe nicht suchte, war ebenfalls hinderlich, bewies aber, dass dieser den Albenzauber vom letzten Herbst schadlos überstanden hatte. Anscheinend erkannte er Marron gar nicht wieder. Demnach ließen die Ahnen doch manchmal Nachsicht vor Recht walten.

Irgendwann schlenderte Tankred die Straße herauf, genau zu dem Zeitpunkt, als Alea den Übungshof verließ. Der Schmied bekam einen Kuss auf die Wange, sie hakten sich unter, unterhielten sich flüsternd. War es sehr vermessen, sich einen großzügigen und zuverlässigen Mann wie Tankred zu wünschen?

Aber wer würde sich schon auf Dauer mit einem wie Marron abgeben, dessen Seele einem alten Stiefel glich, auf dem ein Hund herumgekaut hatte? Benutzt, löchrig und voll fremdem Sabber.

Die Gladiatorentruppe erschien etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang, teilweise noch mit feucht glänzenden Haaren. Selbst von seiner Warte aus roch Marron das Massageöl mit Minze und Rosmarin.

Cassius löste sich von der Gruppe und schlenderte nach Westen, Richtung Stadttor. Die anderen strömten in die Taverne zwei Häuser weiter, als hätte jemand Marrons Bitte gehört.

Er stand auf, streckte sich und machte sich an die Verfolgung. Fast ein Jahr Arbeit, das jetzt endlich Früchte tragen würde. Ein Jahr in billigen Absteigen, immer auf der Suche nach der nächsten losen Zunge, gekrönt von einem Einbruch ins Schloss in Bellolca. Das Diebesgut, ein Amulett, das so poetisch wie unpassend zu seiner Form „Kelch der Quellhüterin“ hieß, wartete in einem Beutel an seinem Gürtel und schien sein letztes Opfer geradezu zu wittern.

Kurz vor dem Stadttor gingen Marron die Dächer aus. Er landete in einer Gasse, verwandelte sich zurück in seine zweibeinige Form und schlich dem Gladiator hinterher.

Glücklicherweise war das Tor nicht bewacht, da die zusammengewachsenen Vorstädte um die Arena herum eine eigene Mauer besaßen.

Cassius duckte sich in den niedrigen Eingang einer Garküche. So blieb Marron nichts anderes übrig, als auf ihn zu warten. Allerdings ließ eine Wolke aus Rosenduft ihn von der schattigen Gasse zurückprallen, in der er sich gerne versteckt hätte.

Aber da stand niemand. Er schüttelte den Kopf und beschloss, ein paar Häuser weiter Deckung zu suchen.

Nach einer knappen halben Stunde schlenderte Cassius an ihm vorbei, umgeben von Bratendunst. Marron wollte ihn schon weiter beschatten, da trieb die Wolke aus Rosenduft an ihm vorbei. Er schnupperte. Rosen und etwas Erdigeres – eine Frau? Wieso war sie unsichtbar?

Er schloss die Augen und tastete nunmehr ausschließlich mit seinen magischen Sinnen nach dem Ursprung des Geruchs.

Da war nichts.

Doch. Ein Knoten, und darum herum leuchtete alles ein wenig heller. Das hatte Marron schon einmal gespürt. Letztes Jahr, von Tankred. Nur, dass er diesen nachher wenigstens noch hatte sehen können.

Kein ganz ungefährliches Kunststück.

Bevor Marron Cassius weiter verfolgte, musste er herausfinden, wer noch hinter ihm her war.

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In den nächsten beiden Tagen ließen sich weder Eusebia noch Marron auf dem Übungshof blicken. Cassius’ Heilerin – eine, die etwas von ihrem Fach verstand und entsprechend Geld verlangte – gelang es, die letzten Reste der Krankheit aus seinem Körper zu vertreiben. Tatsächlich nahm sie ihren Beruf äußerst ernst, deshalb musste er sie eine Viertelstunde lang beschwatzen, damit sie die ungesunde Gesichtsfarbe in Ruhe ließ.

Um seine Fortschritte nicht preiszugeben, verweigerte Cassius außerdem jeden weiteren Zweikampf. Sowohl der Lanista als auch die anderen Gladiatoren begriffen natürlich, was er vorhatte, hielten sich aber mit Kommentaren zurück.

Diesmal konnte es ihnen auch wirklich gleichgültig sein. Bei Kämpfen, in denen es gegen die Kaserne von Thalesia ging, Antinoùms Zwillingsstadt, gebot es der Anstand, nicht zu viel zu schummeln, aber gegen auswärtige Herausforderer war fast alles erlaubt. Zwar erhielt er laut Gesetz einen geringen Anteil an den Einsätzen, ob er nun gewann oder verlor. Wenn er aber entgegen der allgemeinen Ansichten gewann und daher von den Auszahlungen Geld übrig blieb, wurde dieses unter ihm, seinem Lanista und dem Buchmacher aufgeteilt.

An den Nachmittagen zeigten sich die Herausforderer aus der Serentà mit Schaukämpfen auf dem Forum. Auch Cassius ging einmal hin, um seinen Gegner zu begutachten, der ihm mit dem Langschwert gegenüberstehen würde.

Wie ein schwarzer Leopard schob sich Alea neben ihn.

„Was für ein Lackaffe“, meinte er.

Cassius brummte seine Zustimmung.

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