Über Carmilla DeWinter

Carmilla DeWinter schreibt Phantastik und verque(e)re Texte.

Wortloser Wälzer: „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara

Es gibt so Dinge: Je länger man über sie nachdenkt, desto gruseliger werden sie.

Mir geht es so mit dem viel gelobten Roman „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara.

Und damit zunächst eine Inhaltswarnung: Ich muss für meine Überlegungen spoilern —

— und wer komplett überrascht werden will, muss jetzt wegklicken —

— ehrlich —

Ein wenig Leben

— und daher erwähne ich sexualisierte Gewalt, Selbstverletzungen, Ace-Feinlichkeit und Selbsttötung.

Worum geht es?

Wie verfolgen eine Gruppe von vier Freunden in einem New York, das wie in der Zeit eingefroren scheint. Weder gesellschaftspolitisch noch technologisch tut sich in den erzählten fünfzig Jahren viel. Zwei von diesen Freunden, Will und Jude, kommen sich langsam näher, beginnen eine romantisch-sexuelle Beziehung. Diese droht daran zu scheitern, dass Jude Sex absolut nichts abgewinnen kann. Weil er mit Will nicht darüber sprechen kann/will, ritzt er und landet schließlich nach einem Selbsttötungsversuch im Krankenhaus. Erst danach einigen die beiden sich auf eine halboffene Beziehung.

Warum schweigt Jude?

Jude ist eine Waise, der erst in dem Kloster, in dem er aufwuchs, sexuell missbraucht wurde und auch danach immer wieder an Täter geriet, ob auf einem Fluchtversuch oder in einem anderen Waisenhaus. Bei einer solchen Flucht vor einem Täter wird Jude von diesem angefahren und hat seitdem eine Gehbehinderung.

Jude sucht den Fehler immer bei sich, zumal die Täter ja auch immer bequemerweise behaupten, dass er als Opfer schuld ist. Er bekommt es in seinem ganzen Leben nicht hin, über seine Erfahrungen zu sprechen.

Kaum sieht alles halbwegs gut aus mit Judes Leben, stirbt Will bei einem Unfall. Jude hat nach diversen Selbsttötungsversuchen endlich den gewünschten Erfolg.

Und damit zum ersten Problem:

Schon anhand dieser Kurzbeschreibung wird klar: Der Text drückt heftigst auf die Tränendrüsen. Und zwar, wenn man Äußerungen der Autorin glauben darf, mit voller Absicht. Ob eine derartige extreme emotionale Achterbahnfahrt dazu beiträgt, die Message rüberzubringen, sofern man eine hat, lasse ich mal dahingestellt. (Siehe dazu eine andere Kritik.) 

Man will Jude abwechselnd knuddeln, schütteln und feiert jeden seiner Schritte in Richtung Vertrauen zu guten Menschen. Bis zum Ende hofft man, dass dieser Mensch doch noch die Kurve kriegt.

Tatsächlich beschreibt der Roman in teilweise grausam genauen Details nicht nur Misshandlungen, sondern vor allem die Selbstbeschuldigungen im Gehirn eines Opfers von sexualisierter Gewalt und die Katastrophenspiralen, die depressive und PTSD-Gehirne so gerne verfolgen.

Aber: Wir hören diese Worte nicht. PTSD. Depression. Katastrophieren. Wir hören nicht einmal, dass es Worte für diese Phänomene gibt. Dass das bekannte Mechanismen sind, mit denen Gehirne sich aus einer grausamen Welt einen Sinn zusammenreinem, der ihnen am Ende selbst schadet.

Manche Lesende mögen sich in diesen Denkmustern wiedererkennen, aber was tun sie, wenn sie die Worte nicht haben? Werden sie über ihre Gedanken und Gefühle sprechen, statt wie Jude, der sich in all seinem Selbsthass manchmal zum Märtyrer stilisiert, weiterhin ihre Trauer und ihre Wut an sich selbst auszulassen?

Andere, die das Glück hatten, weder Opfer noch depressiv zu sein, werden vielleicht nie merken, dass diese Beobachtungen eine gewisse Allgemeingültgkeit haben. Oder sie werden glauben, dass all diese Katastrophengedanken und Selbstbeschuldigungen erst entstehen, wenn eine Person so (literarisch übertrieben?) leidet wie Jude.

Als Autorin hätte ich da wenigstens ein entsprechendes Nachwort angefügt. Nennen Sie es mein vielleicht zu hoch entwickeltes Verantwortungsbewusstsein, aber ich kenne einfach zu viele Menschen mit Narben an den Armen. (Jeder Mensch ist einer zu viel. Hi! <3 ) Und in der weiteren Familiengeschichte sind ein Paar Tote, über deren Depressionen nur noch spekuliert werden kann. (Aber prinzipiell stürzen sich wenige geistig stabile Personen von Scheunen, wenn sie die Herzallerliebste nicht heiraten dürfen.)

Ob all dies Leid durch einen Roman mit den richtigen Worten vermeidbar gewesen wäre – wer weiß das schon.

Aber wenn in der Zukunft nur eine einzige Person sich Hilfe sucht oder endlich für ihre Erfahrungen einen Kontext hat, dann lohnt es sich, sie mit Worten zu versorgen.

Und dann noch mein zweites Problem.

Jude findet Sex grauenhaft. Da Jude nicht gern drüber nachdenkt und nie darüber redet, kriegen wir (und er) nie heraus, ob das eine Spätfolge seiner Erfahrungen ist oder ob er zufällig auch asexuell ist. Er selbst erwähnt „Asexualität“ mit keinem Wort.

Umso gruseliger ist es, dass Will und die anderen beiden wichtigen Figuren darüber spekulieren, weil Jude nie Verabredungen hat oder flirtet. Und dass Will es dann nicht hinkriegt, Jude auf das Thema anzusprechen, als es aktuell wird.

Also: Ein Typ, der vermutet, dass sein Partner asexuell ist, merkt, dass dieser Partner mit Sex Geduld braucht, aber darüber ungern redet bzw. keine Worte für seine Probleme hat. Und dann spricht der Typ seinen Partner nicht auf diese Vermutungen an und unterlässt es mehr oder weniger absichtlich, seinen Partner mit vielleicht dringend benötigtem Kontext zu versorgen.

Aus Angst, dass der andere das bestätigt und es dann keinen Sex mehr gibt? (Dabei gibt es auch Aces, die Sex haben. Und es gibt je nach Beteiligten kreative Lösungen. Aber dafür braucht es Kontext.)

Jedenfalls: Aua. Consent geht anders.

Keine Ahnung, ob die Autorin darüber nachgedacht hat. Sie verfolgt den Faden, der ja durchaus einiges an der Handlung hätte anders laufen lassen können, nicht weiter. Weil? Tja.

Wenn ich das wüsste.

Hat das Bingo zugeschlagen?

Immerhin: Die Hauptfigur hat ein sexuelles Trauma, ist depressiv und körperlich behindert.

Eins von drei reicht üblicherweise aus, um damit die Selbstbeschreibung einer Person als asexuell zu entwerten.

Wenn die Figur noch von Männern sexualisierte Gewalt erfahren hat und zufällig schwul wäre, dann ergäbe sich daraus die Schlussfolgerung, dass sie da was verdrängt. Oder so.

Wie gesagt, nichts Genaues erfährt man nicht.

Nun mag es sein, dass Erfahrungen sexualisierter Gewalt und Asexualität für manche a_sexuellen Menschen unaufdröselbar verbunden sind. Wenn jemand sagt: „Ich bin ace und das hat den und den Grund“ – wer will sich anmaßen, hier die Identitätspolizei zu spielen?

Aber dazu braucht es Wörter, nicht wahr.

Und wenn wir ein einziges Mal in dem gesamten Text das Wort „asexuell“ für eine Figur hören, die vier Bingofelder bedient, aber sich selbst nur mit „keine Ahnung“ äußert, dann ist das, so aus dem Blickwinkel der Repräsentation, nur so mittelgut.

Unlustige Pointe:

Laut einem Interview, das ich via SpON in der Welt gefunden habe, geht es Hanya Yanagihara bei ihrem Wälzer um Männerfreundschaften auch um Folgendes:

… dass Gefühle wie Liebe oder Angst von den meisten Männern auf vollkommen andere Weise zum Ausdruck gebracht werden als von Frauen, die diese Gefühle direkt ansprechen oder einander einfach nur umarmen. Viel von dem, was meine Figuren im Laufe ihrer jahrzehntelangen Freundschaft sagen, heißt kurz gefasst: „Ich kann darüber nicht sprechen. Ich habe dafür kein Vokabular.“

Nu ja.

Knapp tausend Seiten auf Deutsch, und trotzdem, meiner unbescheidenen Meinung nach, hat sie ein paar echt hilfreiche Wörter vergessen.

Kein Vokabular eben.

Aber auf eine Weise, die mich mal wieder darüber ranten lässt, dass Geschichten niemals im leeren Raum stehen und dass Geschichtenerzählende durchaus so etwas haben wie Verantwortung.

 


 

Wo wir’s grade von Depressionen haben, mein Hirn ist letzten Mittwoch aufgegangen.

Ist halt immer die Frage, wie schlimm es ist, und wenn eine durchschläft, nicht aus Überforderung anfängt zu weinen und jeden Morgen freiwillig aufsteht, isses wohl nicht ganz so heftig.

Aber: Auf einmal bin ich wieder motiviert und so. Muss trotzdem auf mich aufpassen.

Ehrfurcht/Freiheit

In den letzten Monaten durfte ich via meines Schreibvereins einen Herrn näher kennenlernen. Er heißt Mazen Arafeh, ist gesetzteren Alters und war vor dem Bürgerkrieg in Syrien ein Direktor der Nationalbibliothek in Damaskus.

Seine Frau und Kinder flohen schon 2011 von dort nach hier. Er ist erst vorletztes Jahr nachgekommen. Wenn ich ihn richtig verstanden habe (er hat sich innerhalb dieser zwei Jahre Deutschkenntnisse Stufe B1 angeeignet), ging es ihm darum, Dokumente über den Krieg zu sammeln. Hinschauen, Zeuge sein.

Dabei hätte er wohl damals schon politisches Asyl bekommen können. Er hatte zu dem Zeitpunkt einen Roman veröffentlicht, der sich kritisch mit der Diktatur in Syrien auseinandersetzte. Seitdem hat er sich noch öfter mit dem Islamismus und der arabischen Mentalität befasst und einmal dezidiert die Diktatoren muslimischer Länder aufs Korn genommen:

https://www.goldstadt-autoren.de/wp-content/uploads/2019/05/Cover_Die-Riffreiher_GA.jpg

Das ist keine Pflanze, das sind Hüte.

Seine neueste Veröffentlichung erfolgte erst vor ein paar Wochen.

Die neueren Romane sind im Libanon erschienen und in Syrien und anderen arabischen Ländern verboten. Sie enthalten wohl zu viel Kritik an Religion, Sexualmoral und Obrigkeit.

Und dieser freundliche, fröhliche, überschwängliche Mensch also sitzt an einem sonnigen Samstag neben mir (und überfordert mich in meiner beginnenden Tief-Phase ein bisschen*) , albert mit mir und anderen herum und findet es gut, dass ich eine Regenbogenflagge am Handgelenk trage als Zeichen der Solidarität mit sexuellen Minderheiten. Und dass ich über so etwas schreibe.

Und dann sagt er: „Schreiben bedeutet Freiheit für dich.“

Das ist wahr. Einmal ganz wörtlich: Wenn ich nicht schreiben kann, mich die Umstände davon abhalten (oder ich mich selbst), dann fühle ich mich eingeengt, zuweilen sogar fremdgesteuert, und werde sehr unleidlich. **

Im übertragenen Sinne ist es auch wahr.

In einem anderen Land als diesem könnte ich vielleicht schreiben, was ich schreibe, aber ich müsste vorsichtig sein, wem ich es zeige.

Und ob ich den Kontext gefunden hätte, den ich gebraucht habe, um zu schreiben, was ich geschrieben habe? Wer weiß. Ganz so sehr Nonkonformistin, wie ich mir gern einbilde, bin ich nicht. Ich hätte niemals alle Gedanken, die ich bei der Mädchenmannschaft, beim Zaunfink, bei der Asexual Agenda und zahllosen anderen gefunden habe, selbst denken können. Ganz zu schweigen von jenen Büchern, die wohl ebenfalls verboten wären. Hätte ich jemals J. K. Rowling, Terry Pratchett, Douglas Adams, N.K. Jemisin, Madeleine L’Engle, Tamora Pierce, Ray Bradbury, Neil Gaiman, Tad Williams und Michael Ende zu lesen bekommen?

Mein Horizont wäre enger, denke ich.

Ich schreibe außerdem manchmal, um über Freiheit nachzudenken. Ich bin nicht so sehr Nonkonformistin, wie ich mir gerne einbilde. Ich weiß sehr genau, wie Gedanken das Selbst einsperren können. Oft merkt man ja nicht einmal, dass man sich mit dem Glauben an angeblich allgemeingültige Wahrheiten selbst schadet. Ganz zu schweigen von sich verselbstständigenden Gedanken wie beispielsweise bei einer Depression oder posttraumatischen Belastungsstörung.***

Und so sind meine Figuren oft nicht nur von äußeren Umständen, sondern auch von Gedanken und dem Glauben an scheinbar allgemeingültige Wahrheiten eingeschränkt. Sie stecken in Gedankengefängnissen, und mit ihnen schäle ich mich hinaus zu größeren Möglichkeitsräumen.

Ja. Schreiben ist Freiheit für mich.

Dass das ausgerechnet jemand erkennt, dessen Lebenslauf Ehrfurcht fühlen lässt, und der sich so lange schon mit Einschränkungen von außen beschäftigt: Ist das nun Zufall? Oder zwingend logisch?

 


* Falls sich übrigens wer wundert, warum ich nicht so regelmäßig da bin: Das liegt eben an der Tief-Phase. Es geht mir noch nicht mies genug, und das noch nicht lange genug, dass es für eine diagnostizierbare Depression jeglicher Form reicht, aber alles ist gerade ein bisschen anstrengender als sonst, weshalb ich Unmengen soziale Interaktionen vor mir herschiebe. (Und nein, ich möchte keine Tipps, und bleiben Sie mir bitte mit Homöopathie weg.)

** Diese Tief-Phasen haben also die Neigung, zu spiralen. Weniger Antrieb führt zu weniger Geschreibsel führt zu mehr Selbst-Flagellation, weil ich wieder nix geschafft habe … ****

*** Nein, es wird nicht besser, wenn ich mich nur mehr zusammenreiße.

**** Dabei habe ich schon einen Haufen geschafft. Im Zweifelsfalle wär’s zwar traurig, wenn mich ein Klavier erschlägt, aber ich hätte keinen Grund, über einen mangelnden geistigen Nachlass rumzuheulen.

Mittsommerabend (fast)

Sonnenuntergang - panoramio - Augenstein

Es hat 15,5 Grad Celsius, und es hat fast den ganzen Tag über geregnet. In den satt grünen, engen Schwarzwaldtälern hängt der Nebel wie aus der Zeit gefallene Elfenschleier.

Aus den Wiesen steigt Dunst, das Gras hat sich von der Feuchtigkeit niedergelegt — vor Dank? Ab morgen solle es heißt werden. Die hellen Blüten von Klee und Schafgarbe leuchten im Zwielicht, als wollten sie den Mond ersetzen. Die leichten Turnschuhe saugen sich voll auf dem Weg um das Rückhaltebecken.

Im Wald zwitschern die Vögel, während im Nordwesten die untergehende Sonne Lachsrosa-Pfirsichtöne hinter die grauen Wolkenfetzen wirft. Wasser tropft schwer von nassen Buchenblättern und von Fichtentrieben. Nein, das ist kein neuer Schauer, obwohl es fast so klingt. Von oben durchnässt es den Scheitel. Ob da eine Dryade am Werk war? Diesem Abend ist alles zuzutrauen.

Auf dem Heimweg ruft das Käuzchen, als würde es schon die kürzer werdenen Tage betrauern.

 

 

 


 

Bild: Augenstein [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D

Online und Offline, oder: Kognitive Dissonanzen

„The Discourse“ auf tumblr, das ist eine anhaltende Diskussion zwischen Menschen aus dem asexuellen Spektrum und Menschen aus dem klassischen SchwuLesBi-schen Bereich, wo es darum geht, ob Aces echt „queer“ sind, wer „queer“ verwenden darf und ob irgendwelche Wortschöpfungen irgen20180708_114448dwen diskriminieren. Menschen reiben sich daran auf.

Das Internet ist meines Erachtens ein Verstärker für sämtliche Eigenschaften, gute wie schlechte, und hier verstärkt tumblr die Neigung, Linien im Sand zu ziehen und Wir-Die-Dynamiken aufzumachen.

Außerhalb von tumblr ist die Welt anders. Bei WordPress ist die Welt anders, und offline sieht die Welt noch einmal anders aus.

Neugierige Menschen aus der queeren Community fragen Vorträge an. (Und zwar so viele, dass AktivistA nicht alle Wünsche erfüllen kann.) Sie buhen mich nicht aus, wenn sie mir auf einem Szene-Vernetzungstreffen begegnen und lassen sich Infomaterial mitgeben. Menschen bei der AIDS-Hilfe freuen sich über Flyer. Mehr als ein Vorfall von „Unterdrückungs-Olympiade“ von einem Menschen, von dem ich es nicht erwartet hätte, ist mir seit 2012 nicht untergekommen. (Die Infostände sind außen vor, da treffe ich nicht nur Aktivist:innen.)

Das führt zu einer Art kognitiven Dissonanz zwischen denen, die da draußen mit potentiellen Verbündeten reden, und denen, die sich hauptsächlich im Internet aufhalten. Sie leben in komplett anderen Welten. Wir reden manchmal über völlig andere Dinge und haben eine völlig andere Meinung darüber, wo wir willkommen sind.

(Und manchmal, tja. Da überlege ich mir Folgendes: Ich habe keine Zeit, mich im Netz mit ignoranten Menschen zu streiten, ich muss nämlich Blogposts verteilen und Veranstaltungen vorbereiten und Mails wegen Vorträgen schreiben und so. Neben dem anderen Kram, den das Leben halt so erfordert, wie essen, schlafen und Geld verdienen. Der Schluss, dass es den netten Aktivist*innen häufig ähnlich geht, liegt nahe. So Leute haben einfach keine Zeit, ihren Hass über anderen auszukippen, und sind dafür auch viel zu menschenfreundlich. Was Internettrolle zu einer Truppe macht, die ich tatsächlich vor allem bemitleide.)

 

6. Juni. Saarbrücken. Lesung.

cover jinntoechter

Noch gibt es kein offizielles Plakat, aber ich kündige trotzdem mal an:

Mich, die bezaubernde Germaine Paulus und die fantastische Isa Theobald hören Sie

am 6. Juni 2019

um 20 Uhr

beim Unterdeck in der Nautilus Bar, Saarbrücken.

 

In den USA ist Pride Month, daher wird es von mir was in die Richtung. Plus Fantasy.

(Also das, was ich am besten kann.)

Die-A-Karte-Kuchen-und-Sauf-Tour

640

Wer meine A-Karte gelesen hat, weiß, dass alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen beabsichtigt sind. Für Auswärtige weniger offensichtlich ist, dass einige der erwähnten Gaststätten nicht frei erfunden sind, sondern mit offizieller Genehmigung erwähnt wurden.

Wir können also jetzt, wo bald das Wetter besser wird, eine Kuchen-und-Sauf-Tour durch Karlsruhe vorbereiten. (Alle Meinungen über die Örtlichkeiten und deren Angebot sind meine eigenen. Ich bekomme kein Geld dafür.)

Ein Umweg über ein lauschiges Café, eine heiße Schokolade zum Aufwärmen und etwas Leckeres zu lesen, das wäre jetzt nicht verkehrt. Einerseits … ich blickte zum wolkenverhangenen Himmel, dann auf die Uhr. Halb zwölf mittags. Eigentlich sollte ich mich in Richtung der Wohnung meiner neuen Zielperson schwingen und diese ausspionieren. Die Zeit drängte, etc.

Das Café bleibt namenlos. Die mondänere Option ist das Max im Prinz-Max-Palais. Hier gibt es die verspielteren Alkoholika und mehr „was Richtiges“ lies, Warmes zum lecker essen, auch für Leute, die vegetarisch leben.

Die etwas weniger offensichtliche Option ist das derzeitige Stammlokal des echten Karlsruher Ace-Stammtischs: Café Palaver. Lauschig in einem Innenhof gelegen und mit nicht so furchtbar gegenderten Toiletten wartet es hauptsächlich mit Frühstück, Maultaschen, Salat und Kuchen auf. Die Wahrscheinlichkeit, ein veganes Gericht auf der Karte zu finden, ist hier höher.

Es ging tiefer in die Oststadt, offensichtlich vom Handy navigiert, bis wir nach einer viertel Stunde Spaziergang ein hipsterüberladenes Café namens Gold erreichten. Drinnen waren alle Tische besetzt. Auf einem davon stand eine Spardose in Form eines Kuchenstücks, und auf diese steuerte meine Zielperson zu.

Das Gold ist einer meiner Lieblingsläden und hat das beste vegetarische Burgerpatty, das mir je begegnet ist. Die Cocktailauswahl ist ebenfalls nicht zu verachten, Kuchen ist auch immer vorrätig, manchmal gibt es auch vegane Muffins. Einziger Wermutstropfen für mich ist nicht der Wermut, sondern dass es keinen Cidre/Cider gibt.

Den Mittwoch über tat meine Zielperson nichts Außergewöhnliches bei der Arbeit, aber der pünktliche Rückweg führte uns über eine der zahlreichen Dönerbuden zum PRINZs, einer Szenebar. Also eigentlich der Szenebar, denn die schwule Szene in Karlsruhe war überschaubar.

Auch das PRINZs war so freundlich, seinen Namen zu leihen. Es ist eine Szenebar, geführt von zwei sehr unterschiedlich aussehenden, aber herzlichen Herren. Und es gibt Cocktails, oh ja. Über die Bierauswahl kann ich nicht so viel sagen, da ich kein Bier trinke. Angeblich gibt’s auch Kuchen, aber wen interessiert das bei den Cocktails?

Weißt du was“, sagte ich, „um den Schreck wiedergutzumachen, könnte ich dich ausführen.“

Er legte den Kopf schräg.

Samstagabend ins L’Aubergine?“ Ein gay-freundliches, gehobenes Lokal.

Der Laden existiert nicht, Anspielungen auf das zu unanständigen Zwecken genutzte Auberginen-Emoji sind selbstverständlich reiner Zufall. Leider hatte das Speisehaus Gurke, das als Vorbild diente, zum Zeitpunkt meiner „Darf ich euch namentlich erwähnen?“-Runde auf unbestimmte Zeit wegen Umbau geschlossen.

Richtig viel Geld ausgeben können nicht-vegetarische Menschen im japanischen Lokal Kaiseki, das auch mit zwei lauschigen Ecken aufwartet.

Gruppe asKA

Jonah:

Laut Umfrage ist ja nächsten Samstag der Stammtisch. Wir treffen uns wie immer um 14 Uhr, diesmal im MultiKulti, damit Maike mit ihrem Rollstuhl auch teilnehmen kann.

Das MultiKulti, dekorativ am Schlossplatz gelegen, wartet mit lecker Kuchen, einem schönen Biergarten und barrierefreiem Zugang auf.

Nachteil ist, dass das auch andere Leute wissen, weshalb es an Wochenenden im liebevoll dekorierten Inneren ganz schön laut werden kann.

In der dritten REM-Phase kamen wir mit verheulten Augen aus dem Kino (…) Bemerkenswert, dass ihn der Film genauso gebeutelt hatte wie mich. Er zog mich an sich und drückte mich eine Weile, mitten vor dem Kino auf dem Gehsteig, benieselt von kühlem Winterregen. Ich bugsierte uns zum benachbarten Lokal, das eine kleine, aber feine Karte hatte, bestellte Oliven mit Brot und zwei Wodka Lemon, die wir schweigend leerten.

Leute, die sich auskennen, wissen, dass ich mit „Kino“ die Schauburg meine und dass sich nebenan das Soul befindet. Ich weiß nicht mehr, ob wirklich Wodka Lemon auf der Karte steht, aber selbige kann sich sehen lassen. Sehr klein, eher ausgefallen, aber lecker.

Andreas:

Syrisch?

Benedikt:

Gibt’s hier in der Stadt? Haben die Tamarindenlimo?

Andreas:

Haben sie. <Sonnenbrillensmiley 😎> Ein Mann mit oder nach meinem Geschmack. 18 Uhr an der Haltestelle Herrenstraße?

Lose Patenschaft für das Al Ouard stand das La Rose, wo es tatsächlich Tamarindenlimo zu kaufen gibt. Sieht wegen der braunen Fetzen drin gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber sehr bekömmlich. Wer auf syrisch-libanesisches Fastfood steht, ist hier richtig.

Um fünf hatte ich aufgegeben, mich mit Eis über das andauernde Schweigen hinweggetröstet und dann, ganz im Sinne einer ausgewogenen Ernährung, auf dem Heimweg einen Döner hinterhergeschoben.

Bei Pierod gibt es Eiscreme. Schon beim Zugucken könnten manche in den Überzucker rutschen, aber was soll’s. Salzkaramell und so was. Wer fragt da noch nach Zuckergehalt und Laktosetoleranz?

Gruppe asKA

Jonah:

Irgendwer Biergarten heute Abend?

Sanja:

Gern. Halb acht?

Benedikt:

Klingt gut.

DasKris:

Ihr könnt geiles Zeug machen, ich muss arbeiten. Dabei wäre doch bestes Wetter für ein Date?

Biergarten, ja. Außer dem Gold und dem La Rose haben alle erwähnten Cafés einen nicht zu verachtenden Biergarten. (Das Kaiseki ist kein Café.) Im Gold und beim La Rose kann man auch draußen sitzen, aber es fühlt sich nicht nach Biergarten an. Wer noch woanders hin will, bewegt sich entweder zur Kippe 23, der Studentenkneipe schlechthin (günstiges warmes Essen, Kuchen noch nie probiert) oder zu Im Schlachthof. Auch deren Kuchen habe ich noch nie probiert, aber das warme Angebot kann sich sehen lassen, wenn’s nicht vegan sein soll. Menschen, die Whiskey mögen, können sich hier die Birne wegpusten, in der Kippe 23 würde ich eher zu den Cocktails raten, um diesen Zweck zu erreichen.

Vor dem Haus blieben wir stehen. „Burger“, sagte ich.

Gern“, sagte er.

Wir schlenderten, uns verstohlene Blicke zuwerfend, bis zu dem stylischen Burgerladen am Kreisverkehr.

Der Burgerladen, den ich meinte, hat im Spätjahr 2017 dicht gemacht, an seiner Stelle ist mit dem Oxford Café Ost ein Ersatz getreten, der nicht ganz so übertrieben stylisch eingerichtet ist. Da ich sehr viele vegetarische lebende Menschen kenne und selbst auch nicht viel tote Tiere esse, bin ich dort noch nie eingekehrt. Auch hier gibt es einen Biergarten.

Wer nach dieser Tour nicht überfressen und angeschickert ist, dem kann ich auch nicht helfen.

Visibility is a trap

Geiler Scheiß wie immer von Coyote.

The Ace Theist

[Note: This post has been crossposted to Pillowfort.]

This is a post about „visibility“ as the name of (and approach toward) a type of primary community goal. While in the drafting stages, I had considered naming this post something more simple, like „on visibility“ — but it occurred to me that a potential reader just might think this was simply yet another post on „why visibility is important,“ and it is not. This post is not pro-visibility. This is a post inviting the reader to consider the potential for visibility to become a trap.


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