Über Carmilla DeWinter

Carmilla DeWinter schreibt Phantastik und verque(e)re Texte.

Mitleid

Von einem „freundlichen Impuls, andere zu beschützen, der mit einer Spur Verachtung versetzt ist“, schreibt Robert M. Sapolsky. Wahrscheinlich meint er das Mitleid.

Die meisten Menschen, denen das Mitleid anderer offen zugetragen wird, verwehren sich dagegen. Das kann ich verstehen, denn Mitleid bedeutet häufig eine Bevormundung. Mitleid stellt selten das herrschende System infrage.

Insofern gilt wohl, dass Mitleid ein Gefühl ist, das ein Mensch besser für sich behält.

Jinntöchter: Brandneu

Hervorgehoben

cover jinntoechter

Diesmal keine Gay Fantasy, sondern ein Märchen.

Und: Eine Geschichte über das Geschichtenerzählen.

Worum geht’s?

Vor fünfundzwanzig Jahren haben die Helgen aus dem Norden das Land Iradoun eingenommen, doch dessen Reichtümer sind ihnen nicht mehr genug: Die nordischen Besatzer gieren nach den Schätzen südlich der Wüste. Gleichzeitig bereiten königstreue Verschwörer einen Aufstand vor und verbünden sich dafür mit einem Jinn. Dieser Jinn jedoch verfolgt seine eigenen Ziele.

In diesen Zeiten der Wirren und Verschwörungen lebt die Hure Maya, die sich nichts sehnlicher wünscht, als eine eigene Familie zu haben. Die Politik um sie herum ist ihr dabei gleichgültig. Erst als sie dem entlaufenen Zwangsarbeiter Khamer bei der Flucht vor den Besatzern ihrer Heimat hilft, begreift sie, dass sie sich den Intrigen nicht länger entziehen kann.

Noch ahnt niemand, dass in ihr ein Geheimnis schlummert, auf das es einer der Verschwörer besonders abgesehen hat.

Jinntöchter
K_ein orientalisches Märchen
338 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-946425-41-0

Leseprobe, Teaser Trailer 1

Kaufen beim Verlag, beim großen A, bei Thalia, oder bei einer anderen Buchhandlung Ihres Vertrauens.

Und wer neugierig auf den Anfang ist, lese gleich weiter.

Weiterlesen

Vom Ende der Revolution. Oder so.

Les Fouetteuses Révolution française

Während ich meiner Frau Mama das Missy Magazine ausleihe, erhalte ich von ihr in regelmäßigen Abständen den Focus, meist zwei bis vier Wochen nach dessen Erscheinungsdatum.

Die Focus-Redaktion hat’s nicht so mit dem Feminismus. Und so enthielt die Ausgabe 51/2017 eine Klage, die einen Abgesang auf die Freiheit der Kunst darstellt: Feministisch motivierte Proteste gegen eine Ausstellung und ein Gedicht auf einer Hauswand werden als Beispiele herangezogen, dass heutzutage persönliche Befindlichkeiten bevorzugt würden gegenüber der Freiheit von Kunstschaffenden, die Gesellschaft zu provozieren.

Und dann zieht der Autor noch das Awareness-Team bei der Besetzung der Berliner Volksbühne als Beispiel heran. Die von den Protestierenden geforderte Freiheit der Kunst und die Sorge um die schwächeren Mitglieder ihrer Gruppe schlössen sich gegenseitig aus. (Zu Sinn und Unsinn der Besetzung selbst habe ich keine Meinung, da ich darüber nicht gut genug informiert bin.)

Er trauert zudem den damals nicht kritisierten Brüsten von Uschi Obermaier nach (es sind hübsche Brüste, ja) und lobte ein Happening, in dem noch so richtig provoziert wurde, wo also Künstler öffentlich onanierten und im Hörsaal ihre Notdurft auf einer Nationalflagge verrichteten.

Zwischendrin beklagt der Autor, dass ältere Quellen mit heutigen Maßstäben beurteilt und daraufhin verworfen würden. Da fragen eben Feministinnen: Wie viel taugt beispielsweise eine philosophische Betrachtung, wenn sie auf dem Mist eines Mannes gewachsen ist, der gleichzeitig rassistische Positionen vertreten hat?

Der Text über die künstlerische Freiheit enthält einige gute Fragen, aber ich habe den Eindruck, dass da auf einer fundamentalen Ebene aneinander vorbeidebattiert wird. Der Text ist außerdem von einem weißen Mann mittleren Alters verfasst, also von einem Menschen, wie sie häufig in Talkshows als Meinungshaber eingeladen werden, was mich irgendwie nicht erstaunt. (Über die gesamte Person möchte ich bitten, nicht den Stab zu brechen, denn eine Pauschalverurteilung hat niemand verdient.)

Mittlerweile finden wir entblößte Brüste auf vielen Theaterbühnen (ihr Sinn erschließt sich mir nicht immer) und in ausreichend Bildmaterial, und wir brauchen für sichtbar verrichtete Notdurft keine Happenings mehr, denn es gilt Regel 34: Es gibt Porno davon im Internet.

Videos und Schriften beispielsweise zum Thema „watersports“ sollten sich demnach ausreichend finden lassen. Die Schriftstücke werden wahrscheinlich zu einem großen Teil von Frauen verfasste Fanfiction sein und auch von Frauen konsumiert werden. (Ja, gell. Und wenn ihr wissen wollt, wie Pornos für Frauen aussehen sollen, lest mehr Fanfiction.)

Ich sehe daher keinen weiteren Grund, unschuldige Hörsäle damit zu behelligen. Ich frage mich außerdem: Wer hat die Scheiße anno 1968 weggeputzt? Die Künstler oder eine unterbezahlte Reinigungskraft?

Abgesehen von diesem Exkurs über die Lebensrealitäten computeraffiner Englischkönnerinnen erkenne ich zwar, welche Phänomene der Verfasser bedenklich findet, halte es aber für voreilig, das Ende der Freiheit auszurufen.

Ich glaube nicht, dass ich ein Geheimnis verrate, wenn ich feststelle:

Wir suchen hier gerade nach neuen Umgangsformen, nach gerechter Einteilung der Redezeit, nach Ausdrucksweisen, die ohne die Herabsetzung anderer auskommen. Wir suchen nach Kunst, die marginalisierte Gruppen weder instrumentalisiert noch entwertet.

Das beinhaltet aber auch, dass manchmal wer die Klappe halten muss, der (meistens der, seltener die) vorher überall um eine Meinung gebeten und entsprechend hofiert wurde. Das bedeutet eine Machtverschiebung, mithin ist da eine Revolution in vollem Gange. Bloß halt nicht die 68er-Revolution.

Wir suchen nach Räumen, in denen alle sein können und müssen feststellen, dass das nicht immer funktioniert, weil verschiedene Menschen verschiedene Ansprüche an Sicherheit haben.

Wir müssen uns damit herumschlagen, dass Menschen mit klugen Ideen trotzdem im Denken ihrer Zeit verhaftet waren bzw. sind, auch wir. Wir wissen aber auch, dass es nicht immer einfach ist, sich zum Zwecke der Bildung durch Konvolute zu quälen, die Salz in die Fleischwunde reiben.

Wir bekommen das mit der Suche nach sicheren Räumen und neuen Umgangsformen nicht reibungslos hin. Uns fällt es manchmal unerhört schwer, mit der Tatsache umzugehen, dass es keine absolut sicheren Räume geben kann.

Wir fetzen uns über Dinge, die von außen lächerlich anmuten, und ums Rechthaben oder Bessere-Feministin-Sein. Wir fallen wegen gefühlter oder echter Kleinigkeiten übereinander her und machen uns gegenseitig das Leben zur Hölle, statt konstruktiv zu diskutieren.  Manchmal gerät ein Streit so sehr außer Kontrolle, dass interessante Stimmen das Handtuch werfen und keinen Bock mehr haben.

Zu viele von uns bekommen schon beim Wort „Evolution“ einen Ausschlag, weil sie nur wissen, wie der Begriff gegen sie verwendet wurde. (Das heißt, dass der Biologieunterricht seine Aufgabe nur bedingt erfüllt.)

Wir sehen manchmal Herabsetzungen, wo vielleicht keine sind (manchmal wegen der Fleischwunden) und schießen mit unserer Kritik über das Ziel hinaus.

Hier wie überall gibt es innerhalb der Gruppe Machtkämpfe. Das Internet macht die Sache nicht leichter, denn es verführt dazu, einen zivilen Umgangston außen vor zu lassen. Zusammenrotten und immer feste druff ist online zu einfach, und zu schnell wird aus einer Kritik an einer Äußerung eine oben genannte Pauschalverurteilung. (Und wir sind nach mindestens fünfzehn Jahren Shitstorms und Cyberstalking immer noch nicht weiter mit einer echten Netiquette. Evolution?)

Trotz dieser regelmäßigen Querelen will ich die Erkenntnisse der mitgelesenen und mitgeführten Diskussionen nicht missen, so als Kunstschaffende.

An jeder Ecke stoße ich auf Fragen, auch in der verlinkten Klage um die Freiheit der Kunst.

Was ist Provokation?

Muss Kunst provozieren? Jahrhundertelang war es doch eher ihre Aufgabe, diejenigen zu loben, die für sie bezahlten.

Und wenn Kunst denn provozieren muss, wen muss sie provozieren?

Muss Kunst gruppenbezogen provozieren, also „das Bürgertum“, das „Establishment“, „die Frauen“, die Weißichwas?

Wer ist das Establishment anno 2018?

Wie kann Kunst stattdessen Menschen mit gewissen Denkweisen und Vorstellungen provozieren?

Wie sinnvoll ist es, marginalisierte Gruppen zu provozieren, die sowieso jeden Tag einen Spießrutenlauf hinlegen müssen? Und von deren Schwierigkeiten ich als Mehrheitsmensch keine Ahnung habe?

(Wieso ist es einfacher, über vegan lebende Menschen Witze zu reißen als über solche, die ihr täglich Fleisch aus Massentierhaltung für ein gottgegebenes Recht halten?)

Wenn eine Missy-Autorin einen Mösenmonat ausruft, wieso ist der okay? Wenn dafür aber nackte Brüste in satirischen Kontexten kritisiert werden?

Wann kommt es nicht nur auf das Ob an, sondern auch auf das Wie?

Will ich wirklich wieder einen feminin wirkenden Schurken schreiben (hab schon einen, der muss reichen) oder noch einen bösen, muslimischen Ehemann, der hinter einem Cover mit verschleierter Frau lauert?

Merke ich, wie ich in meinen Denkmustern und Wahrnehmungsverzerrungen verhaftet bin?

Will ich ewig diese gleichen Muster reproduzieren? Oder will ich lieber mit meinen Leser*innen neue Pfade beschreiten? So ganz im Sinne der Spekulativen Fiktion?

Und (wie) funktioniert das?

Fragen über Fragen.

Wie gut, dass ich als Romanautorin meinen Job auch darin sehe, meine Fragen unterhaltsam zu stellen. Antworten mögen, wie in der Philosophie, alle für sich selbst finden.

(Pingback.)

Weise Worte

Wenn ich nicht fleißig am Druckfahnenkorrekturlesen bin und nebenher versuche, den vorerst letzten Band der Alben-Reihe in druckbare Form zu bringen, dann ist der nächste CSD nicht mehr so weit hin.

homolobby membership

Im Zuge der Planungen sagte eine Person eine ziemlich kluge Sache über Querelen innerhalb der Szene, wobei ich mich auf den genauen Wortlaut nicht festnageln lassen möchte:

Was auch nicht hilft, ist, dass da viele sehr verletzte Persönlichkeiten unterwegs sind. Wenn du nicht aufpasst, trittst du voll in eine Fleischwunde, und dann ist die Kacke am Dampfen.

Silvester/Gelesen 2017

Schon wieder ein Jahr rum. Falls irgendwer das heute noch liest: Übersteht die Nacht gut und fangt 2018 gut an. Mögen euch viele gute Geschichten und vielleicht auch ein bisschen Weisheit begegnen.

bucheulen

Dieses Jahr habe ich notiert, was ich gelesen habe, das weder ein Sach- oder Fachtext noch Fanfiction war. (Letzteres hätte den Rahmen gesprengt.) Ich hätte mit weniger gerechnet, muss ich gestehen, aber so ist es im Schnitt alle zwei Wochen ein Roman.

Die Einteilung erfolgt nach der Wichtigkeit, die darin enthaltenen heterosexuellen Beziehungen zukommt. Ich bin sicher nicht die einzige nicht-heterosexuelle Person, die bitte gerne einfach mal in Ruhe lesen möchte, ohne dauernd die vermeintlichen Defizite vorgeführt zu bekommen.

Andere mögen auf der Suche nach ihnen fremden Stimmen, nach Neuem sein. Solche Suchende finden in allen Abteilungen Ideen.

Ob ich einen Text gut oder schlecht fand, ist davon völlig unabhängig, wie das geneigte Publikum gleich feststellen kann.

Eher heterolastig:

Elfendiener von Julia Fränkle – erotiklastige Romantasy. Die Romanze ist für mich unglaubwürdig, da es sich bei der Heldin um eine meine Nerven tötende Mary-Sue handelt. Weltenbau aber interessant.

Das tote Herz von Rainer Würth – Schnell und spannend erzählter Psychothriller, aber im Nachgeschmack irgendwie schal: „Organspende ist böse“, oder so.

Tod in Alepochori – Claudia Konrad – deutsch-griechischer Krimi, schnell und spannend, leider ohne richtige Auflösung.

Der blaue Himmel – Galsan Tschinag. Trotz/wegen seiner Abschweifungen hochinteressante und spannende Erzählung über einen Nomadenjungen in der Mongolei und dessen Hund. Endet leider etwas abrupt.

Die Rückkehr – Galsan Tschinag. Autobiographischer Roman, wieder voller interessanter Abschweifungen, schöne Sprache und diesmal auch mit richtigem Ende.

Träume aus Feuer – Maja Winter. Rache und Intrigen von nibelungemhaften Ausmaßen treffen auf einen hochinteressanten Weltenbau.

Zarin Saltan – Katherina Ushachov. Eine mir etwas zu kurz geratene, feministische Nacherzählung des russischen Märchens „Zar Saltan“. Die Bösewichtinnen könnten eine überzeugendere Motivation brauchen, ansonsten gut zu lesen.

Kriegsklingen – Joe Abercrombie. Eine Ansammlung von Ekelpaketen und Hoffnungslosen. Nicht, dass ich was gegen miese Charaktere hätte, aber diese Kerle fesseln meine Aufmerksamkeit nur bedingt. Nach 30% aufgegeben, weil mir ihr weiteres Schicksal völlig gleichgültig ist.

Henkersmarie – Astrid Fritz. Historischer Roman über eine Henkersfamilie um 1540. Das Endefinde ich ein wenig zuckrig, dafür gibt es hochinteressante Einblicke ins Leben und Denken der frühen Neuzeit.

Nicht so heterolastig:

Lippen abwischen und lächeln – Max Goldt – sporadisch zu lesende, sehr erfreuliche und genau beobachtete Miniaturen.

Nachtschatten: unantastbar – Juliane Seidel. Siehe Rezi. Insgesamt ein Lehrstück darüber, dass mensch keine Romanze einfügen sollte, wenn mensch sich damit unwohl fühlt.

Cynthia Silbersporn – Hexengeschichten für Erwachsense – Fred Keller. Nette Ideen, aber leider haben mir die Figuren zu wenig echte Schwierigkeiten.

The Three Body Problem (auch deutsch „Die Drei Sonnen“) – Liu Cixin – äußerst interessante und hochspannende Variation über „Was, wenn wir nicht allein sind?“, kann aber sein, dass diese chinesische Betrachtung der Menschheit manchen nicht schmeckt.

Existenz – David Brin. Fetter Science-Fiction-Wälzer. Extrem interessante und spannende Meditation darüber, was intelligentes/menschliches Leben ist. Nebenbei spinnt es sowohl den Klimawandel als auch das Internet gekonnt weiter.

The Stone Sky – N.K. Jemisin. Dritter Band der „Broken Earth“-Trilogie. Noch eine Ansammlung von Menschen, die selten nett zueiander sind, sich überwinden müssen, trotzdem mit Mitgefühl zu handeln, aber neben dem Weltenbau zum Niederknien weiß die Geschichte um Essun und ihre verlorene Tochter bis zum Ende Echos zu erzeugen und zu fesseln. Absolute Leseempfehlung, wie für alles von dieser Autorin.

Die Ersatzmuse – Fred Keller. (Der ortsnahe und mir liebe Kollege kauft auch alle meine Texte.) Der Autor schreibt sich noch warm, hat aber im Vergleich zu Cynthia oben schon einiges dazugelernt. Insgesamt geht’s in dieser Sammlung von Kurzgeschichten weniger um Spannung als um Feel-Good-Atmosphäre, was gut funktioniert.

Wodans Fluch – Stephan Grundy.  Historische Fantasy/Nibelungenauskopplung über die Blutsbrüderschaft zwischen Hagan (also Hagen von Tronje) und dem fränkischen Prinzen Walthari. Schöne Sprache, überzeugende Recherche zur Spätantike und den Hunnen. Da es im Grunde ein Fanfic ist, verzeihe ich das zum Ende hin holprige Pacing und weiß die nicht gelöste sexuelle Spannung (=UST) zu schätzen.

A Darker Shade of Magic – V.E. Schwab. (Auch deutsch als „Die vier Farben der Magie“). Atemberaubendes Abenteuer zwischen vier Varianten von London (einmal viktorianisch, die anderen sehr anders), das durch Tempo, genaue Beobachtung und originellen Weltenbau besticht.

A Gathering of Shadows (Shades af Magic 2) – V.E. Schwab. Hier merkt eine dann, dass sich die Serie an „Young Adults“ wendet, also Menschen, die gerade erwachsen werden. Ich wollte dementsprechend die komplette Truppe manchmal schütteln, was aber der Unterhaltsamkeit und Spannung keinen Abbruch tat. Fieser Cliffhanger, weshalb ich gleich dranhängte:

A Conjuring of Light (Shades of Magic 3) – V.E. Schwab. Und wir stürzen nach dem Cliffhanger in wörtlich zu nehmende Dunkelheit. Nur zu zwei Dritteln geschafft, bevor dieses Posting zu erledigen war.

Eher verqueer:

Aneiryn von Jona Dreyer – schwule historische Fantasy. Ich kann mit den Figuren nicht genug anfangen, um die Serie weiterlesen zu wollen, qualitativ ist der Text aber völlig in Ordnung. Die Autorin umschifft elegant alle Fallen, die das Arrangierte-Heirat-Trope so mit sich bringt.

Blank Spaces von Cass Lennox – Ein nettes englischsprachiges Häppchen, ace/gay romance, fühlt sich sehr wahr an.

Der Fluch der Herzkönigin – Serena C. Evans – Eine lesbische Variation über Alice im Wunderland. Herzig und originell.

Meine Mutter, sein Exmann und ich – T.A. Wegberg – Ein mir leider etwas zu kurz geratenes Jugendbuch zum Thema „mein einer Elternteil ist trans*. Hilfe!“

Die Akte Daniel – She S. Rutan & Neko Hoshina – Habe ich nicht beendet, denn weder die Figuren noch die unterliegende Weltverschwörung sprechen mich an.

Eine Ahnung von Pan – Jobst Mahrenholz – seufz. Gay Contemporary/Romance. Zarte, zögerliche Annäherung von zwei Männern mit vielen Ecken und Kanten.

Anderswelt – Berlingtons Geisterjäger 1 – Amalia Zeichnerin. Sympathisches Ensemble in einer interessanten steampunkig-fantastischen Welt. Die Autorin schreibt sich offensichtlich noch warm, weshalb weder Stil noch Zeichensetzung durch besondere Eleganz bestechen.

Feierdäg*

Liebe Menschen,

weihnachtsgruß 2017

ich habe zwar keine größere Pause vor, aber für solche, die sich dieser Tage freinehmen, vorträglich ein paar gute Wünsche für egal welches Fest, das ihr feiert (bzw. nachträglich für das, das ihr schon gefeiert habt): Ich hoffe, ihr bekommt ein wenig Frieden, Freude und Liebe ab.

 

(*) Badisch für Feiertage

 

Jinntöchter: Cover und Leseprobe

cover jinntoechter

Wie bereits angekündigt: Ich hab da was geschrieben, und der Rote Drachen hat ein geniales Cover dafür entwerfen lassen.

Zur garantiert kalorienfreien Appetitanregung, Wartezeitüberbrückung und Aufwärmung beim derzeit ungemütlichen Wetter hätte ich außerden einen kleinen Happen:

Ungefähr zur selben Zeit durchschritten die helgischen Soldaten mit ihren Gefangenen das Tor von Taqat. Khamer, dem mittlerweile das Hemd am Leib klebte, meinte, gleich ohnmächtig zu werden.

 

Das Seil war immer noch nicht ganz durchtrennt. Dabei konnte er von hier aus die weiß verputzten Mauern des Palastes sehen.

Dann ein Halt mitten auf der Straße. Ein zweispänniges Fuhrwerk rumpelte ihnen entgegen, beladen mit Balken aus gelbem Holz, das ungewöhnlich, aber angenehm roch. Der Kutscher, ein dicker Helge, rief den Soldaten einen Gruß zu, offenbar kannte er einen von ihnen.

Während die Shubkhin ein Gespräch führten, säbelte Khamer weiter an seinen Fesseln herum. Endlich zerfaserten die letzten Stränge Hanf. Vorsichtig wand Khamer seine Hände frei und rannte los.

Den Weg aus der Stadt versperrte das Fuhrwerk, also duckte er sich in die nächstbeste Gasse nach Osten. Balken spannten sich etwas über Kopfhöhe zwischen den Hausmauern und hielten so beide Gebäude davon ab, einzustürzen.

Hinter ihm wurden Rufe laut, doch auf den Pferden konnten die Helgen ihm nicht folgen. Khamer schlug Haken, benutzte einen Esel, der Gemüseabfälle fraß, als Leiter über eine Mauer, kletterte auf der anderen Seite des winzigen Hinterhofs an einer Dattelpalme empor und fand sich auf einer breiteren Straße wieder, die nach wenigen hundert Schritten auf den Blutplatz traf.

Über die Straße, in die nächste Gasse, umschauen. Weiter südlich einer der Reiter, wahrscheinlich auf dem Weg zum Osttor, um die Wachen zu warnen.

Also der Gasse folgen, zum Nordtor, das war für Reiter am langsamsten zu erreichen. Zu schnell um die Ecke, noch eine Straße, einem Pferd fast vor die Füße fallen, in die braunen Augen des Mannes blicken, der Khamer die ganze Zeit in den Nacken gestarrt hatte. Zift.

Khamer duckte sich zurück, nahm eine andere Abzweigung. Hufschlag auf dem trockenen Boden hinter ihm. „Bleib stehen, du Ungeheuer!“

Noch eine Gasse. In ein Haus ohne Tür, das vor Ruß starrte und frisch verbrannt roch – schwarz weiß grün auf dem Boden, ein von den Helgen geschleifter, verbotener Tempel für die Drei. In einen verwüsteten Innenhof, über eine weitere Mauer auf eine Straße, um eine Ecke, in eine Sackgasse. Eine Frau, die gerade eine Haustüre aufschloss. An ihr vorbei in schattige Deckung.

So schattig, dass Khamer kaum etwas sah. Er blieb stehen, atmete durch, bis seine Augen sich an das Zwielicht gewöhnten. Ein Empfangszimmer? Kniehohe Sitzkissen und Truhen drängten sich an allen Wänden, mitten im Raum standen zwei niedrige Tische aus Zedernholz, links führte eine offene Türe in einen anderen Raum, und geradeaus versperrte eine weitere Tür den Weg nach draußen. Durch einen dunkelblauen Vorhang fiel ein bisschen Licht, dahinter befand sich wohl ein Fenster.

Etwas kribbelte in seinem Nacken. Die Frau wartete in der offenen Türe auf die Gasse und schaute ihn an. An ihrer rechten Hand schwang eine lederne Umhängetasche, ihre linke hatte den Träger gegriffen, als sei sie bereit, ihm eins überzuziehen.

Sie trug einen hellgrünen Mantel und ein passendes Kopftuch, aber keinen Schleier. Ihre Augen hatten die gleiche Farbe wie sehr unreife Zitronen.

Jinnaugen. Das Gesicht dazu war oval, mit einem olivfarbenen Hautton, der geradezu danach verlangte, gestreichelt zu werden. Nur, um zu sehen, ob das samtige Aussehen hielt, was es versprach.

Khamer blinzelte den Gedanken beiseite.

Höfliche Gäste klopfen, bevor sie hereinkommen.“ Sie starrte ihn weiterhin an, die Tasche nahm Schwung auf, und ihm wurde heiß vor Verlegenheit.

Bitte vergib mir, je naha’it.“ Khamer wollte sein Shekh richten, aber da war, wie immer, kein Stoff. Überhaupt – bei Nikra, er trug nur seine Hosen und ein kurzärmeliges Hemd, das die Helgen ihm überlassen hatten. Unanständig. Würde die Frauen nur ablenken. Seine Mutter hätte ihm niemals erlaubt, so vor das Zelt zu treten.

Warum bist du hier?“

Die Türe war offen“, sagte er und wollte sich sofort dafür ohrfeigen. Stattdessen zog er den Kopf ein. „Verzeihung, je naha’it.“

Sie antwortete nicht, aber er wagte nicht, sie anzusehen, und zwang sich, nicht mit den Füßen zu scharren wie ein reumütiges Kind.

Die Helgen. Ich bin auf der Flucht vor ihnen.“

Hm.“

Sie haben die Karawane meiner – die Karawane überfallen und mich verschleppt und … Ich will nur zurück nach Hause.“

Wieder machte sie „hm“, aber wenigstens stellte sie die Tasche ab, schloss die Türe und schob einen Riegel davor. „Du bist von den Yeldin?“

Ja, je naha’it.“

Maya“, sagte sie. „Setz dich.“

 

Amtliches

cover

Da begegnete ich mit knapp vierhundert zum ersten Mal in meinem Leben einem Elfen – und dann war es einer, der fast allen Klischees den Mittelfinger zeigte. Kein klangvoller Name mit „el“ drin, kein mystisch aussehender Schmuck, keine beeindruckenden Kleider. Nur die spitzen Ohren und die Arroganz, die passten.

Ich habe eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und noch ein paar mehr lektoriert.

Zu finden ist alles von Humor bis Horror, von Zuckerwatte bis Blutwurst … Außerdem gibt es einige versalzene Suppen, wie sich das für gute Geschichten gehört. Das Cover war zum Zeitpunkt seiner Erstellung prophetisch, da es entworfen wurde, weit bevor Herr Lindner die Jamaika-Koalitionsverhandlungen platzen ließ.

Weihnachten und andere Amtsangelegenheiten“ ist derzeit nur vom frisch aus dem Ei geschlüpften Bundeslurch-Verlag zu beziehen.

Exotenstatus oder: Wie schreibe ich über Minderheiten? – Teil 3

Ace_Visi_Bi_litiy_jj_linkIn Teil 1 dieses Grundkurses hatte ich davon geschrieben, dass manche Menschen einem anderen Bewertungsmaßstab unterliegend als anderen, und in Teil 2, welche Konsequenzen diese Art Doppelmoral auf das Leben der Menschen mit den markierten Eigenschaften hat. Hier zeige ich (wie immer nach Julia Serano) einige Mechanismen der Entwertung auf, und versuche, ein paar Hinweise zu deren Vermeidung zu geben.

Weiterlesen

Exotenstatus oder: Wie schreibe ich über Minderheiten? Teil 2

homolobby membership

Double Binds oder: Zwickmühlen für Fortgeschrittene

In Teil 1 dieses Grundkurses hatte ich über Wahrnehmungsverzerrungen geschrieben, die dazu führen, dass wir häufig unsinnigen Täuschungen über unsere Mitmenschen erliegen. Hier geht es nun darum, auszuloten, welche sozialen Konsequenzen es hat, zu einer geanderten und damit stigmatisierten Gruppe zu gehören.

Die schlechte Nachricht zuerst: Du kannst nicht gewinnen.

Deswegen schreibt Julia Serano eben von „Double Binds“ oder zu Deutsch: Zwickmühlen. (Und hier wieder auch der Hinweis, dass ich das Untenstehende gern erfunden hätte, aber in Wahrheit nur geschickt zusammenfasse.)

Weiterlesen