Über Carmilla DeWinter

Carmilla DeWinter schreibt Phantastik und verque(e)re Texte.

Ausschreibung: Beweisstück A — Neue Indizien

Hervorgehoben

Beiträge gesucht für eine a*spec-takuläre Anthologie

Kaum zu glauben: Die erste Ausgabe von Beweisstück A ist schon ein Jahr alt.

Daher nehmen wir die diesjährige Ace Week zum Anlass, nach neuen Kurzgeschichten für eine Benefiz-Anthologie zu rufen. Wir brauchen Neue Indizien, dass es spannende Stories mit asexuellen und aromantischen Charakteren zu erzählen gibt.

Ja, richtig gelesen. Das A bleibt nicht für Aces reserviert, sondern wir freuen uns auch über aro Content unabhängig von Aces (also auch alloaro). Geht auch gern so richtig in die Vollen und breit ins jeweilige Spektrum: Das letzte Mal waren beispielsweise wenig (explizit) demisexuelle und gray-ace Figuren dabei.

Wie gehabt suchen wir komische, tragische, gruselige und spannende Geschichten, Kriminalfälle und Abenteuer, die sich auf kreative Weise mit der Asexualität und/oder Aromantik ihrer jeweiligen Figuren auseinandersetzen. Es darf durchaus romantisch werden, allerdings suchen wir bevorzugt Storys, die explizit keine Liebesgeschichten bzw. Romance sind. Wir sind im Genre nicht festgelegt, bitten aber, bei der FSK unter 18 zu bleiben.

Selbstverständlich sind alle herzlich eingeladen, Beiträge zur Anthologie einzureichen. Es besteht keine Verpflichtung zu Own-Voice-Texten.

Benefiz, aber für wen?

Sofern sich InSpektren, der Podcast aus der deutschsprachigen A*spec-Community, bis zur Ace Week 2023 als Verein organisiert hat, gehen alle Einnahmen der Anthologie an den Podcast.

Sofern das nicht klappt, spenden wir die Einnahmen an die Initiative „Projekt 100 % Mensch“, die sich deutschlandweit mit Aufklärungsarbeit für queere Menschen stark macht (mehr unter https://100mensch.de/ – im Shop gibt es auch Ace-Armbänder). Geschichten und Lektorat werden daher nur in Form eines fertigen E-Buchs als Beleg bezahlt.

Und nun zu den Formalitäten.

Die Beiträge sollten eine Länge von 25 Normseiten bzw. 6300 Wörter nicht überschreiten. Eine Beispielnormseite sowie nützliche Hinweise zur Einrichtung einer solchen findet ihr unter:

https://www.autorenwelt.de/blog/federwelt/heute-schon-geschrieben-teil-1-normseite-einrichten-themen-suchen-anfangen

bzw. unter

https://www.literaturcafe.de/normseite-dokumentvorlage-download/

Einreichungen bitte im Format .doc/.docx oder .odt, möglichst ohne Absatzformatierungen: bevorzugt Flattersatz linksbündig, kein Erstzeileneinzug. Von Menschen, die sich mit ihrer Software gut auskennen, freuen wir uns über Anführung in Guillemets (»…«). Euer Name und eure Mailadresse in einer Kopfzeile nehmen uns viel Arbeit ab. Dateibenennung am besten mit „Name Autor*in_Titel“.

Bitte nur unveröffentlichte Texte einsenden.

Wenn wir euren Text annehmen, ist er nach Veröffentlichung ein Jahr für die Anthologie reserviert, danach könnt ihr ihn woanders verwenden.

Einsendeschluss: 31. März 2023.

Einreichen unter: beweisstueck-a[bei]web.de – wie so häufig bitte das [bei] gegen @ ersetzen.

Geplanter Umfang: 250 bis 300 Buchseiten (330 bis 400 Normseiten)

Herausgeberinnen: Carmen Kessler und Carmilla DeWinter

Geplanter Veröffentlichungstermin: Ace Week 2023 – also Ende Oktober.

Wir haben ein Stylesheet vorbereitet, falls ihr wegen Kommas, Gender Gaps und diversen anderen Dingen Fragen habt:

Mehr Informationen zum Thema:

Lesen:

https://aktivista.net/

https://asexualagenda.wordpress.com/

https://aromantik.de

http://www.aromanticism.org

Katharina Kroschel und Annika Baumgart: (Un)Sichtbar gemacht. Perspektiven auf Aromantik und Asexualität.

Carmilla DeWinter: Das asexuelle Spektrum. Eine Erkundungstour.

Podcasts:

https://inspektren.eu/

https://open.spotify.com/show/37DH4LBMpDoJWiq4j9JLWZ (Ace Around The Cake)

https://www.aokpod.com/

Weitere Links:

https://www.instagram.com/ace_arovolution/

https://www.instagram.com/acedadadvice/

https://www.youtube.com/c/AceDadAdvice

https://www.instagram.com/theyasminbenoit/

https://www.youtube.com/c/SliceofAce

https://www.youtube.com/user/swankivy

Cinema Punkt – Lesung plus Kino in München am 23.10.

Ein ziemlich besonderes Veranstaltungsformat hat sich das Rationaltheater in München ausgedacht: Ein Abend mit zwei Lesungen, einem Film und anschließender Diskussion.

Am Sonntag, 23. Oktober um 19:30 Uhr bin ich mit meinem neuen Essay dran, außerdem kommt Olivia Kuderewski mit dem Roman Haha Heartbreak über Trennungen und Singlesein. Mit dem genialen ersten Satz: „Der Moment, in dem ich mich in dich verliebt habe, war richtig dämlich.“ Welchen Film es dazu gibt, da muss ich mich überraschen lassen.

Ist alles sehr auf Kante genäht, leider, daher gibt es auch kein extraschönes Plakat zum Posten und die Veranstaltung steht noch nicht mal im Kalender des Rationaltheaters. Aber ich habe einen Vertrag unterschrieben, und das findet statt. Daher herzliche Einladung an alle, die Mitlesen, in der Nähe wohnen und Zeit und Nerven haben. Der Eintritt kostet wahrscheinlich 15 Euro, ermäßigt 8 Euronen.

Neuerscheinung: Essay, nur echt mit geilem Poster

Selbst Autorinnen rudern manchmal wortlos vor Begeisterung mit den Armen. Ich hab euch mal das Cover des betreffenden Projekts hinkopiert. Ist das geil oder ist das geil?

Worum geht’s?

LOVE & SEX: Wer damit nichts anfangen kann, gilt schnell als langweilig und irgendwie gestört – selbst in queeren Kreisen. Ein MaroHeft gegen die Pathologisierung asexueller Lebenswelten, eine Streitschrift, die sich die Liebeskonzepte unserer Gesellschaft vorknöpft.

Gruppensex im Swingerclub, BDSM-Experimente und Rollenspiele im Darkroom – nichts mehr scheint die sexuell aufgeklärte Gesellschaft aus der Fassung zu bringen. Doch wer auf dem Sektempfang oder im Freundeskreis nicht von seiner polyamourösen Fünferbeziehung berichtet, sondern ausspricht, asexuell zu sein, wird voraussichtlich betretenes Schweigen ernten. Nicht unwahrscheinlich, dass den »Geständigen« sogar ein einfühlsamer Psychotherapeut empfohlen wird: Da muss es doch Hilfe geben! »Asexuell« ist jedoch weder ein Synonym für krank noch unglücklich – und wer sich nicht verliebt, ist kein emotionsloser Roboter.

Carmilla DeWinter schreibt über eine Gruppe, die im berühmten Kinsey-Report als »Gruppe X« bezeichnet und »ins Off« geschoben wird – und über die sonderbare Stellung von Sex und romantischer Liebe als allumfassendes Glücksversprechen in einer Gesellschaft, die meist auswendiggelernten Beziehungsmodellen hinterherhechelt.

Mit Illustrationen und beiliegendem Plakat von Jasmin Dreyer.

Und ein bisschen Hintergrund

Die Leute beim Maro Verlag fanden mein Sachbuch „Das asexuelle Spektrum“ und „(Un)sichtbar gemacht“ von Katharina Kroschel und Annika Baumgart so wichtig, dass sie einen Text über das asexuelle (und aromantische) Spektrum bei mir anfragten, der weniger erklärt und mehr Diskussionsbeitrag ist.

Ich wünschte jetzt, dass ich da „(zu)gesagt, getan“ hinschreiben könnte, allerdings: Ich hatte in meinem Leben noch nie ein Essay verfasst, das was taugen sollte. Meine Blogposts sind meist doch kurzgefasste Polemik und Meinung, das Sachbuch ist ein 200 Seiten-Sachbuch, bei dem ich ausholen durfte. 40’000 Zeichen pointierte Gesellschaftskritik sind noch mal was anderes. Daher brauchte ich einige kluge Rückmeldungen von meinem Lektoratsteam beim Verlag, Unmengen Geduld, beidseits, und Temperamentszügelung, meinerseits. Ich kann mich schon manchmal echauffieren, daher ist es gut, dass ich nicht bei Twitter bin und ich mich meistens schnell wieder abrege (aber nicht schnell genug für Twitter).

Jasmin Dreyer war mal bei Asexual Artists und macht auch sonst coole Sachen.

Wo könnt ihr das kaufen?

Aus dem Off. Asexualität, Aromantik und die Sache mit dem Glück. Ein heißes Heft · MaroHeft #8

36 Seiten, fadengeheftet, ISBN 978-3-87512-623-5, 16 Euro

Signierte Exemplare gibt’s bei mir. (Kontaktmail nutzen oder im Zweifelsfall hier kommentieren, damit ich eure Mail habe.)

Ansonsten zu bestellen bevorzugt beim Verlag, bei den Buchhandlungen eures Vertrauens wie z. B. GeniaLokal, Thalia, Osiander und beim großen bösen A.

Neuerscheinung: Kurzgeschichte

Schon vor einigen Jahren rief die bezaubernde Birgit Otten nach Fantasy-Geschichten mit „starken Frauen“ in den Hauptrollen. Aus den SP-Plänen wurde leider nichts, dafür hat sich der Machandel Verlag des Projekts angenommen.

Worum geht’s?

Sie müssen keine Kriegerinnen sein, um zu kämpfen. Aber den Umgang mit Schwert, Dolch und Lanze zu kennen ist überaus nützlich, wenn man sich mit störrischen Nordmännern, vagabundierenden Rittern und schwangeren Drachen herumschlagen muss, die gerade Appetit auf Menschen haben. Allerdings ist das Arsenal der Frauenwaffen nicht auf Eisen und Stahl beschränkt. List, Tücke und diebische Finger gehören ebenso dazu wie Magie, sei sie lodernd heiß oder eisig kalt. Eine Portion Unberechenbarkeit kann auch nicht schaden. Und wenn das alles nicht reicht, kann eine Frau immer noch auf Wissen und Weisheit ihrer Ahninnen zurückgreifen. Falls sie es nicht mit der Universalwaffe aller Menschen zu allen Zeiten probiert: Liebe.

Achtzehn Autorinnen und Autoren stellen Ihnen in einundzwanzig Fantasy-Geschichten starke Frauen vor, die mit Mut, Magie und mancherlei Waffen um Leben, Freiheit, Stärke und nicht zuletzt um ihre Träume kämpfen.

Und ein bisschen Hintergrund.

Das Cover finde ich schon mal saugeil — obwohl Eusebia, meine Hauptfigur, gar kein Schwert schwingt.

Jedenfalls erhalten solche, die irgendwann mal Albenherz gelesen haben, ein bisschen Background zur zwielichtigen Geheimagentin Eusebia. Ansonsten viel Abwechslung, aber leider nichts Queeres.

Wo könnt ihr das kaufen?

Schwertgesang und Zauberschatten, 378 Seiten, Taschenbuch-ISBN: 978-3-95959-352-6, EPub-EAN 9783959593557

Signierte Exemplare gibt’s bei mir. (Kontaktmail nutzen oder im Zweifelsfall hier kommentieren, damit ich eure Mail habe.)

Ansonsten zu bestellen bevorzugt beim Verlag, bei den Buchhandlungen eures Vertrauens wie z. B. GeniaLokal, Thalia, Osiander, Hugendubel und beim großen bösen A.

Lesungsvideo!

Es gibt dieser Tage einige Neuigkeiten. Ich eröffne mit einem Video, das im Livestream der Tübinger TolkienTage entstanden ist.

Ich hatte Spaß mit einer nächtlichen Ruhestörung und darf nun außerdem eine meiner Lieblingswortschöpfungen aus Lokis Fesseln aufgezeichnet wissen. (Tipps bitte in den Kommentaren abgeben.) Interessierte wandeln hinüber zu YouTube.

Eine gute Stunde später gab es außerdem ein Panel über Diversity, bei dem ihr unter anderem Pia Backmann hören könnt, deren Elbischen Patienten ich vor einigen Jahren lektorieren durfte. Ich selbst muss noch mindestens das Panel über „Urban Fantasy going fat nachhören“ … geschweige denn ein halbes Dutzen Lesungen.

QUEER gelesen – dieses Jahr mit Loki

Nach der Corona-Zwangspause kehrt dieses Jahr das Lesefestival QUEER gelesen nach Mainz zurück.

Ich konnte mich in der Bewerbungsrunde unterbringen, aber ich bin nicht das einzige Highlight, das euch am 27.und 28. August in der Bar jeder Sicht erwartet. Jennifer Hauff (die mit dem brillianten Thriller) hat sich auch angesagt, außerdem Tanja Meurer, Juliane Seidel und mir nur leidlich bekannte Namen wie Georgie Severin, Michael Bohl, Sabine Brandl, Talia May und Verena Fries.

Da freue ich mich also auf eine Horizonterweiterung – neben dem Publikum, natürlich.

Alle Infos zum Programm und zur Anfahrt gibt es auf der offiziellen Veranstaltungswebseite.

Daumendrücken angesagt: Lesung in Stuttgart

Sofern ich mir gestern beim Iron-Maiden-Konzert in Stuttgart kein nerviges Virus eingefangen habe, gastiere ich am Dienstag, 19.7.2022 ebenfalls in Stuttgart. Allerdings nicht auf dem Cannstatter Wasen, sondern im Zentrum Weissenburg (Weissenburgstr. 28a, 70180 Stuttgart).

Beginn ist um 19 Uhr, Eintritt ist frei.

(Aber, für manche Gänsehautmomente nehm sogar ich ein Risiko auf mich.)

Loki: Die Vorher-Nachher-Show

Wie schon das eine oder andere Mal vorher wollte ich euch einen Einblick in das geben, was Überarbeitungen und professionelles Feedack von Lektorinnen am Rande der Verzweiflung so können.

Für die rein sprachlichen Änderungen habe ich keine Fußnoten ergänzt, denn es geht, wie sich das gehört, um ein zentrales Thema beim Erzählen: Konflikte. (Mal wieder.)

Früheste bequem auffindbare Rohversion („v6“, Februar 2020):

Loki und Vali mussten (1) drei Runden durch den dunklen Park schlendern, bevor Jör sich näherte. Falls sich sonst irgendwer an diesem sehr frühen Samstagmorgen hier herumdrückte, entdeckte Loki niemanden davon, was auch Valis ungetarnter Anwesenheit geschuldet sein mochte. Normalerweise achtete Vali darauf, sich wie ein Hund zu geben – nur das Kläffen hatte er sich nicht angewöhnt. Und normalerweise sorgte das Halsband mit dem Runenzauber dafür, dass die Leute ein gezähmtes Haustier mit Dackelblick statt eines echten Wolfs wahrnahmen.

Schließlich harrten sie an der Anlegestelle aus, bis bei beginnender Dämmerung Jörmungands stacheliger Drachenkopf aus dem Wasser tauchte.

Loki blieb fast das Herz stehen, als hätte sie den sichtbaren Beweis gebraucht, um es zu glauben. Ihre Hände krallten sich in ihre Kapuzenjacke, und sie konnte sich nicht rühren. Wieso hatte Jör von allen Wesen nach ihr gerufen, die es am wenigsten verdient hatte?

Das Wasser ist anders dreckig als früher, bemerkte Jör scheinbar unbeeindruckt von Lokis Schweigen, hievte sich über die niedrige Kaimauer und watschelte auf seinen kurzen Beinen an Land: Ein vier Meter langes, oberschenkeldickes Wesen mit einem beeindruckendem Gebiss und sturmfarbenen Schuppen. Schmeckt weniger nach Scheiße und mehr nach Steinöl und Seife. Er schüttelte sich.

Vali sprang auf ihn zu und leckte ihm die Schnauze ab.

Hei, hei, kleiner Bruder. Endlich treffe ich dich. Das letzte Mal, als ich dich gespürt habe, warst du eine Kaulquappe in Vaters Bauch. Eine gespaltene Zunge gab die Begrüßung zurück. Dir geht’s gut, hm?

Valis Schwanz wedelte so sehr, dass Loki befürchtete, er würde sich die Hüften auskugeln. Aber statt das Kind zu beruhigen oder irgendetwas anderes zu tun oder auch nur zu sagen, schluckte Loki um einen Kloß in ihrem Hals.

Die beiden beschnüffelten sich noch eine Weile. Endlich wandte Jör seinen Drachenblick aus schlitzförmigen Pupillen Loki zu.

Vater. Ich sollte Wergeld von dir fordern.

Nichts mehr mit Papa, was auch zu erwarten gewesen war. „Sohn.“ Lokis schlechtes Gewissen wich insoweit, dass sie trotz der Drohung die paar Schritte zu Jör machen konnte und vor ihm ins Gras auf die Knie sank.

Du erwartest doch nicht einfach so Vergebung?, meinte Jör. Nur, weil wir verwandt sind? Ein Kind, das zu schnell hatte erwachsen werden müssen. Seine Nüstern stießen fast gegen Lokis Stirn, er roch nach Salzwasser und Tang. Du hast Mutter betrogen und uns an deinen Blutsbruder verraten. (2)

Ich weiß. Loki schluckte. Jahrhunderte hatte sie Zeit gehabt, sich Vorwürfe zu machen und über dem „Was wäre wenn?“ zu brüten. Die Nochehefrau hatte ihr diesbezüglich oft genug Vorträge gehalten. (3) Es tut mir leid. Alles tat ihr leid. Es war keine Floskel diesmal.

Gut.

Loki senkte den Kopf, obwohl sie sich lieber zusammenkrümmen wollte. Aber das war es eben, was Jör von den gläubigen Christen trennte, die Loki begegnet waren: Die Vergebung erfolgte nicht automatisch. Man konnte ihm nicht einreden, dass es seine Schuldigkeit sei, auf eine Bitte um Verzeihung diese auch zu gewähren. Zu einem Friedensschluss gehörten Gaben oder Taten. (4)

Etwas Kühles streift Lokis Nase.

Bei passender Gelegenheit werde ich dich um Wiedergutmachung bitten, sagte Jör.

Danke. Das war mehr, als Loki hätte hoffen sollen. Sie hob die Hand, und Jör ließ sich die Stacheln seiner Halskrause streicheln. Vali drängelte sich dazu.

Lange hatte Loki sich nicht mehr so warm gefühlt. Die Nornen hatten doch manchmal ein Einsehen. (5)

Irgendwann zuckten Valis Ohren.

Da kommt wer angerannt, stellte Jör fest. Kein Krieger.

„Jogger?“, fragte Loki.

Vali neigte den Kopf in Zustimmung.

„Die Menschen hier rennen als reines Freizeitvergnügen“, sagte Loki. Sie fand das immer noch seltsam. Ein wenig Dauerlauf in Rüstung war sicherlich sinnvoll, um als Krieger in Form zu bleiben, aber einfach aus reinem Spaß an der Freude rennen? (6) „Wir sollten sowieso erst einmal nach Hause. Essen und schlafen. Und dann müssen wir uns überlegen, wie du weniger auffällst, Jör.“

Sie können mich nicht sehen, wenn ich es nicht will.

Vali machte ein kleines, neidisches Geräusch.

„Aber sie können über dich stolpern.“

Das ist wahr. Mit einem Schnaufen schrumpfte Jör auf die handlichere Länge von einem Meter und kletterte Lokis Arm hinauf, ringelte sich um ihren Hals. Die Stacheln verfingen sich in Lokis schulterlangen Locken und zogen Strähnen aus dem Zopf. Ein paar Haare rissen auch aus, aber sie ließ sich die Schmerzen nicht anmerken.

Eigentlich hätte Jörmungand leicht sein sollen, doch Loki wankte, als sie aufstand. Da ruhten sowohl ein kleiner Drache als auch die Weltenschlange selbst auf ihren nicht allzu breiten Schultern.

Odin schuldet mir mindestens die Fähigkeit, als Zweibeiner aufzutreten, merkte Jör an, der natürlich wusste, wie viel er wog, und was er Loki aufbürdete.

Auf dem Heimweg (7) ernteten sie trotz Jörs Unsichtbarkeit ein paar schiefe Blicke in Valis Richtung. Loki hätte das Halsband mit den Runen einpacken sollen.

Anmerkungen zur Rohversion – Logik

(1) Warum „mussten“? Dass Loki die Füße schlecht stillhalten kann, ist nicht offensichtlich.

(3) Was hat Sigyn noch mal mit Lokis Fehlern zu tun? Da musste eine Änderung her.

(4) Nicht der richtige Platz, um den Monotheismus zu bashen, oder?

(6) Ich weiß nicht mehr, was ich da geraucht habe. Falls es eine zweite Auflage gibt, fliegen Lokis Kommentare übers Joggen komplett raus.

Anmerkungen zur Rohversion – Konflikt

(2) Das musste etwas ausführlicher werden. Immerhin ist Jörmungands Problem mit Loki der Konflikt, der Loki zwingt, einigen Dingen nicht mehr auszuweichen.

(5) Geht das nur der Lektorin so, oder ist das zu wenig Drama dafür, dass ich ein Familiendrama angekündigt habe?

(7) Der Lektorin war auch das zu wenig Drama. Und mir fiel auf, dass ich das mit dem Gastrecht für Edda-Noobs vielleicht noch mal erklären sollte.

Ein paar sprachliche Ungereimtheiten und nötige Pointierungen waren mir bereits aufgefallen. Die Betas hatten an der Szene erstaunlich wenig zu kritisieren, weshalb das meiste auf Anraten meiner Lektorin ausgebessert wurde. Unter anderem wanderte die Erklärung für das Halsband an eine andere Stelle.

Fertige Printversion (Seite 12 ff):

Loki und Váli drehten aus Langeweile drei Runden durch den dunklen Park, bevor Jör sich näherte. Niemand begegnete ihnen an diesem sehr frühen Samstagmorgen. Vielleicht, weil Váli ungetarnt als Wolf an Lokis Seite lief.
Zuletzt harrten sie an der Anlegestelle aus, bis bei beginnender Dämmerung Jörmungands stacheliger Drachenkopf aus dem Wasser tauchte.
Loki blieb fast das Herz stehen, als hätte sie den sichtbaren Beweis gebraucht, um an die Rückkehr ihres Sohnes zu glauben. Ihre Hände krallten sich in ihre Kapuzenjacke. Sie konnte sich nicht rühren. Wieso hatte Jör von allen Wesen nach ihr gerufen, nach ihr, die es am wenigsten verdient hatte?
Das Flusswasser hat sich verändert, bemerkte Jör scheinbar unbeeindruckt von Lokis Schweigen, hievte sich über die niedrige Kaimauer und schlängelte auf seinen kurzen Beinen an Land: Ein vier Meter langes, oberschenkeldickes Wesen mit fingerlangen Reißzähnen und sturmgrauen Schuppen. Schmeckt weniger nach Kacke und mehr nach Steinöl und Seife. Er schüttelte sich.
Váli sprang auf ihn zu und leckte ihm die Schnauze ab.
Hei, hei, kleiner Bruder. Endlich treffe ich dich. Das letzte Mal, als ich dich gespürt habe, warst du eine Kaulquappe in Vaters Bauch. Jörs gespaltene Zunge tanzte über Vális Nase. Dir geht’s gut, hm?
Vális Schwanz wedelte so sehr, dass Loki befürchtete, er würde sich die Hüften auskugeln. Aber anstatt das Kind zu beruhigen oder irgendetwas anderes zu tun oder auch nur zu sagen, schluckte Loki gegen den Kloß in ihrem Hals. Den Nornen sei Dank, dass Jör nicht eifersüchtelte.
Die beiden beschnüffelten sich noch eine Weile. Schließlich wandte Jör seinen Blick aus schlitzförmigen Pupillen Loki zu.
Vater. Ich sollte eine Mutsühne von dir fordern.
Kein Papa mehr, was vorherzusehen gewesen war. »Sohn.« Lokis Erstarrung löste sich insoweit, dass sie trotz der Drohung die paar Schritte zu Jör machen konnte und vor ihm ins Gras auf die Knie sank.
Du erwartest doch nicht einfach so Vergebung?, meinte Jör. Nur, weil wir verwandt sind? Seine Nüstern stießen fast gegen Lokis Stirn, er roch nach Salzwasser und Tang. Du hast Mutter betrogen und uns deinem Blutsbruder ausgeliefert. Wenn du uns nicht verlassen hättest, wer weiß, ob Odin und seine ach so heldenhaften Asen uns dann überfallen hätten. Deinetwegen stecken meine Geschwister in Helheim und auf einer felsigen Insel fest. Selbst ich muss mich glücklich schätzen, dass ich überhaupt aus dem Wasser steigen kann.
Ich weiß. Loki schluckte. Obgleich sie nicht zur Grübelei neigte, hatte sie in all den Jahrhunderten genug Zeit gehabt, über dem »Was wäre wenn?« zu brüten. Auch wenn es zu nichts führte, mit dem Schicksal zu hadern, das die Nornen webten. Allerhöchstens sorgte es dafür, Fehler nicht zu wiederholen: Schlussendlich hatte Loki in einem Anfall von geistiger Umnachtung einmal zu oft Odins Ratschlüssen vertraut. Es tut mir leid. Alles tat ihr leid. Sie sich selbst am allermeisten. Es war keine Floskel.
Gut.
Loki senkte den Kopf, obwohl sie sich lieber zusammenkrümmen wollte. Sie hätte es ahnen sollen, denn sie hatte dieses Kind aufgezogen. Jör vergab ihr nicht automatisch. Zu einem Friedensschluss brauchte es Gaben oder Taten. In jedem anderen Zusammenhang wäre sie vor Stolz geplatzt, ein Kind zu haben, das für sich einstand.
Etwas Kühles streifte Lokis Nase. Bei passender Gelegenheit werde ich die
Wiedergutmachung fordern,
beschied Jör ihr.
Dass Jör einen Friedensschluss in Erwägung zog, war mehr, als Loki erhofft hatte. Dennoch hätte sie seine Bedingungen lieber gleich gehört. Konnte sie ihn überreden, schneller eine Entscheidung diesbezüglich zu treffen? Sie hob die Hand, und Jör ließ sich die Stacheln seiner Halskrause streicheln. Váli drängelte sich dazu.
Lange hatte Loki sich nicht mehr so warm gefühlt. Wenn es Jör ähnlich ging, könnte sie …
Vális Ohren zuckten.
Da kommt jemand angerannt, stellte Jör fest. Kein Krieger.
»Jogger?«, fragte Loki.
Váli neigte den Kopf in Zustimmung.
»Die Menschen hier rennen zum puren Freizeitvergnügen.« Ein wenig Dauerlauf half, um als Krieger in Form zu bleiben, aber als erwachsene Person einfach aus Spaß an der Freude zu rennen, fand Loki seltsam. Wie auch immer, es war der falsche Ort, um Jör Zugeständnisse abzuringen. »Wir sollten erst einmal nach Hause. Essen und schlafen. Du bist mein Gast, Jör. Und dann müssen wir uns überlegen, wie du weniger auffällst.«
Sie können mich nicht sehen, wenn ich es nicht will.
Váli machte ein leises, neidisches Geräusch.
»Aber sie können über dich stolpern.«
Das ist wahr. Mit einem Schnaufen schrumpfte Jör auf die Länge von einem Meter, kletterte Lokis Arm hinauf und ringelte sich um ihren Hals. Die Stacheln verfingen sich in Lokis Haaren und zogen Strähnen aus ihrem Zopf. Dabei riss er ihr ein paar Locken aus, aber sie ließ sich die Schmerzen nicht anmerken.
Bei dieser Größe hätte Jörmungand keine zehn Kilo wiegen dürfen, doch Loki wankte, als sie aufstand. Da ruhten sowohl ein kleiner Drache als auch die Weltenschlange selbst auf ihren nicht allzu breiten Schultern.
Odin schuldet mir mindestens die Fähigkeit, als Zweibeiner aufzutreten, merkte Jör an, der natürlich wusste, wie viel er wog und was er Loki aufbürdete.
»Und was schulde ich dir?«, fragte sie.
Jör rupfte ihr mehr Haare aus, als er ihr aus zwei Zentimetern Entfernung ins Auge sah. Du hättest wohl gern, dass alles abgegolten ist, wenn du mir ein Obdach bietest und ein paar Erklärungen zu dem, was sich in den letzten Jahrhunderten geändert hat? Das täte dazu passen, dass du seit meiner Verbannung ganze drei Mal mit mir geredet hast.
Damals hatte Loki Jör von den neuesten Entwicklungen zu berichten versucht. Zu diesen Gelegenheiten war ihr nur stumme Wut entgegengeschlagen, was jegliche Aussprache verhinderte. Im Vergleich dazu benahm Jör sich heute manierlich.
Dass ich dir helfe, ist selbstverständlich. Aber irgendetwas musst du dir doch wünschen.
Jör schniefte. Darüber werde ich nachdenken. Derweil bin ich dein Gast. Wie du gesagt hast.
Jör meinte wahrscheinlich, dass er würdevoll klang, und erinnerte sie doch nur an den Teenager, den die »Kaulquappe« in Lokis Bauch so fasziniert hatte, wie ihn der Streit seiner Eltern verwirrte. Sie unterdrückte ein Seufzen und winkte Váli.
Auf dem Heimweg ernteten sie ein paar schiefe Blicke in Vális Richtung. Loki hätte doch das Runenhalsband einpacken sollen.


Loki- Lesepröbchen

Längst überfällig: Ein kleiner Romanexzerpt.

PROLOG

Tief im Süden der Welt war Eis mürbe geworden. Unter jahrzehntelanger Wärme hatte sich eine tiefe Spalte ins Schelf gegraben. Es löste seine frostige Umklammerung um ein Wesen, das gleichzeitig sehr groß, sehr klein, und nicht da war. Ebenso wenig wäre auf naturwissenschaftlichem Wege zu ermitteln gewesen, seit wann das Wesen dort schlief.

Schließlich brach das Eis. Ein Eisberg, fast siebenmal so groß wie Berlin, trieb ins antarktische Meer hinaus, nervös beobachtet von den Menschen. Elektronische Augen am Himmel halfen ihnen, den Fortgang der Ereignisse zu vermessen.

Zum ersten Mal seit langer Zeit kitzelte nun eine Strömung die Nase des Wesens. Es blinzelte, züngelte. Der Geschmack frischen Salzwassers war ihm aus Vorzeiten bekannt. Langsam wurden seine Gedanken geschmeidiger.

Aus Träumen, da es sich bei seiner Schwester wähnte, geliebt und aufgehoben im Nebel am Ende aller Dinge, erwachte es in Kälte und ungewohntem Lärm. Um das Wesen herum ratterte und dröhnte es. Aber sollte sein Schädel nicht schmerzen? Das war das Letzte, woran das Wesen sich erinnerte: ein Stechen im Gaumen und dann ein Schlag auf den Kopf.

Nein, das stimmte nicht, denn zum Schluss hatte Schwärze es umfangen. Kurz davor hatte es nach dem einen Lebewesen gerufen, von dem die meisten menschlichen und von menschlichem Denken beeinflussten Geschöpfe annehmen, dass es sie ohne Wenn und Aber beschützen wird.

Auch jetzt rief das neu erwachte Wesen.

Mama?

Aber die Mutter rührte sich nicht, wie sie sich auch die letzten Male nicht gerührt hatte.

Blieb eine zweite Möglichkeit, obwohl das Wesen diesbezüglich noch weniger Hoffnung hegte.

Vater?

Irgendwo fuhr jemand aus dem Schlaf hoch. Daher bekam es lediglich ungeordnete Silben zur Antwort.

Vater!, rief das Wesen wieder.

Dabei erschreckte es ein paar Wale.

Deren verwirrte Lieder hörten zwar ein paar Menschen, aber sie wussten sie nicht zu deuten. Und selbst wenn sie die Sprache der Wale verstanden hätten, so hätten sie die Neuigkeiten doch nicht geglaubt.

Jörmungand, die Midgardschlange, schüttelte sich einen Rest Eis vom Körper und schwamm zielstrebig in die Richtung, in der er seinen Vater vermutete. Mit dem hatte er ohnehin noch eine Rechnung offen.

Weiterlesen

Loki-Lesetermine

Da die „Termine“-Spalte ja nicht viel informativen Inhalt zulässt, hier eine vollständige Liste von Gelegenheiten, zu denen ich, so Corona, Zar Vlad der Blutige und andere höhere Gewalten es erlauben, aus Lokis Fesseln lesen werde.

Am Mittwoch, 11. Mai, werde ich ab 20 Uhr beim Drachenhort-Stream lesen. Da meines Wissens nach der Verleger höchselbst hostet, werden wir nicht nur aus dem Nähkästchen plaudern, sondern vielleicht auch ein bisschen was diskutieren können. Heidentum? Mythologie und Queerness oder … ? Wer sich bei Twitch anmeldet, kann Fragen in den Chat werfen.

Am Freitag, den 20. Mai, erleben Sie mich nicht nur live und in Farbe, sondern tatsächlich offline ab 19 Uhr in der Nordstadt Buchhandlung in Pforzheim. Mein sehr sympathischer Schreibkollege Fred Keller wird seine frisch geschlüpfte Kurzgeschichtensammlung voller Zwerge präsentieren, während ich für alte Gottheiten zuständig bin — es gibt Loki und eine kleine Gemeinheit als Rausschmeißer. Die Veranstaltung kostet weder Ein- noch Austritt. Anmeldungen hingegen werden unter 07231 5891965 vom Gastgeber und Buchhändler gern entgegengenommen.

lesungsplakat 2022-05-20 v3

Ich habe ein Lesungsplakat entworfen. Stolz, oder so.

Und gleich am Sonntag darauf, den 22. Mai, bin ich bei der Zoom-Lesung von #allabendlichqueer eingeplant. Los geht es wie immer 19.30 Uhr (Einlass 19.20 Uhr) über diesen Link:

https://us02web.zoom.us/j/87067127177?pwd=ejk4cjRyOGsrT3dQcTFlYXd1WnE0UT09

Meeting-ID: 870 6712 7177 — Kenncode: 051461