Linkspam: Statt Zensur

Für mich wichtiges Zeugs gerade:

Sara darüber, was in den Niederlanden wegen Amanda Gormans Gedicht passiert ist.

Der Zaunfink über „Identitätspolitik“: Wie viele normale Menschen verträgt die Demokratie? (Nicht so viele.)

Der Nollendorfblog über Lob von der falschen Seite: Gauland findet, dass Thierse recht hat. Oder warum ich gerade ein echtes Problem mit der SPD und beleidigten weißen Heten habe.

Etwas älter, aber da mein einer Verleger etwas fremdelt: Was ist eigentlich „Sensitivity Reading“? Oder: Wenn du als Schriftstellerin keine Ahnung von Panzern hast, recherchierst du und gibst es eventuell wem zu lesen, die sich auskennen. Oder du musst halt damit leben, dass sich wer drüber beschwert, wenn es falsch ist. Dieselbe Sorgfalt sollte eins wohl auch auf Menschengruppen anwenden, mit denen eins sich nicht auskennt. Oder es halt sein lassen und sich dann nicht wundern, wenn sich wer beschwert … (Das Internet ist trotz all seiner Fehler eine ersklassige Beschwerdestelle. Wie wir an den ersten drei Links sehen.)

Und zuletzt eine sehr ausführliche Kopfwäsche für neuheidnisch Interessierte von Stefanie von Schnurbein: Es ist mehr Nazi drin, als Sie gern hätten. Und da wäre ich ohne das Riesenheim nie drauf gekommen.

„Neoliberal“ für Dummies und Heid*innen

Auf der Buchmesse in Leipzig und der ComicCon umschlich ich unter anderem „Aussen – Asgard – Tag“ von Axel Hildebrand und nenne ein Printexemplar nun schon seit jener Con mein eigen.

Hier ist der Anfang des Klappentextes:

„Ordnung trifft Chaos – Beschützer der Menschen trifft Chaosbringer – Thor trifft Loki – zwei Götter, die unterschiedlicher nicht sein können.
Nicht selten sind die beiden, die durch die Blutsbruderschaft Lokis mit Odin von Amts wegen her Onkel und Neffe sind, vor den Toren von Asgard unter sich. Und dabei kommen sie ins Gespräch über dieses und jenes in Midgard und Asgard und werfen so manche philosophischen Fragen auf …“

Neben einigen Sachen, die nur lustig sind, fand ich auch den Neoliberalismus eloquent erklärt, nämlich im Kapitel „Yoga“. Ich zitiere mal ab Seite 175 unten:

THOR

Der große Vorteil ist auch noch: Weniger Verantwortung für uns.

LOKI

(interessiert) Ach …?

THOR

Ehrlich. Weil der Kern von dem Esoterik-Gesumse ist immer: Egal, was dir passiert … du hast es dir selbst so ausgesucht.

Das gilt aber derzeit nicht für Esoterik-Gesumse allein.

Neoliberalismus ist auch, wenn dir alle einreden, dass du dein Glück nicht nur schmieden, sondern es aus nichts machen kannst. Dass du dich nur genug anstrengen musst, weil logisch niemand auf den alterhergebrachten, gewohnten Privilegien sitzt und diese mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Sie reden dir ein, dass jede Krankheit entsteht, weil du dich falsch ernährt hast oder die falsche mentale Einstellung zum Leben hattest. Und wenn du mit den zunehmend nervigen Arbeitsbedigungen allerorten Probleme hast, dann mach doch bitte in Achtsamkeit, statt die Arbeitsbedingungen zu kritisieren.

In den elf Jahren, seit ich das erste Mal in einer Apotheke gearbeitet habe, hat sich der bürokratische Zeitaufwand verdoppelt. Und das ist bestimmt nicht das einzige Arbeitsfeld, in dem es mehr um Controlling, Abrechnung und Formulare als um das geht, was mensch eigentlich gelernt hat. (Hallo, liebe Ärzt*innen, Pflegende, etc.) Nebenbei frisst die ach so gerühmte Flexibilität ihre Kinder und produziert Alterseinsamkeit und schlechte Pflege.

Aber wir sind alle nicht tiefenentspannt genug. Eindeutig.