Wort zum Sonntag/Tanz-Teaser

jinntöchter in tanzklamotten_klein

Anlässlich einer kurzen Spontanlesung bei einem Tanzklamotten-Basar gestern:

… Nachdem die Diener eine letzte Runde Tee aufgetragen hatten, rief Gahif nach Tanz, also trommelten immer zwei von ihnen, während die Dritte tanzte.

Oh, ich sehe schon, wie einige von Euch genauso anfangen zu sabbern wie Gahif und seine Gäste. Es ist schon sehr lange her, dass der Tanz aus dem Osten reine Frauensache war, etwas, das die Frauen unter sich taten, um den Göttinnen zu huldigen und sich die Geburt zu erleichtern. Ganz davon abgesehen, dass dieses Gewackel mit dem Hintern grauenvoll schwierig ist.

Ja? Versuch du mal, mit den Schultern zu rütteln und deine Hüfte dabei still zu halten. Oder mit dem Hintern zu wackeln, dabei elegant zu laufen und gleichzeitig mit dem Oberkörper einen Kreis zu beschreiben.

Geht nicht?

Geht schon. Siehst du?

Aber ein Mensch muss lange dafür üben. Wenn ihr also irgendwann eine Dame den Tanz aus dem Osten vorführen seht, dann wisst ihr jetzt, woran ihr erkennen könnt, ob sie weiß, was sie da tut.

 

… So viel zu: Oh, du schreibst was, das nach „Tausend und einer Nacht“ klingt. Da kannst du ja was mit orientalischem Tanz reinpacken!

Ich wollte es erst aus reinem Trotz weglassen. So, wie ich auf die fliegenden Teppiche und die drei Wünsche verzichtet habe.

Aber dann bot sich die Gelegenheit bei dieser Szene, und zu dem Zeitpunkt hatte ich genug Geschichten von mir bekannten Tänzerinnen beisammen, um die mysteriöse Exotik des Ambientes hoffentlich konsequent wegzupflücken.

Kurz: Ich beneide keine der Tänzerinnen, die tatsächlich vor einem Publikum tanzen (müssen), das keine Distanz hält. Und selbst mit räumlicher Distanz ist eine vor blöden Sprüchen nicht sicher.

Die Klamotten, die eine Person trägt, oder auch nicht trägt, sollten sich nicht auf den Respekt auswirken, der ihr entgegengebracht wird

Ich habe was gegen Kleidervorschriften, die nicht mit Hygiene und Arbeitssicherheit zu tun haben.

Jedenfalls, zum Beweis, wie schwierig dieses „Gewackel“ ist, und dass es nicht immer neckische Erotik sein muss: Einmal Trommelsolo eher klassisch von Jillina (Maya wird so tanzen, mit mehr Kleidern und weniger Artistik) und einmal Tribal Style von Rachel Brice.

Linkspämmchen zu Lage der Nation

Ausgehend von einem Gespräch mit einem Menschen, der Shahak Shapira persönlich kennt, fand ich einen besorgniserregenden Vorfall von Politikern, die die Adresse eines ihnen ungenehmen jüdischen Künstlers veröffentlichten. Wir erinnern uns, dass im Umfeld von Chemnitz so ein AfD-Mensch den Sturm auf Rundfunkhäuser ankündigte und an einen geleakten Haftbefehl.

Wie das mit den Faschos funktioniert, legt Naika Foroutan ausführlich dar. Wie sie Minderheiten gegeneinander ausspielen … und dass Intellektuellenschelte und Bedrohungsrhetorik zum Standardrepertoire gehört. Dass es ohne Faschos keine Antifa bräuchte, die die Faschos bedroht, ist aber hoffentlich allen klar.

Dazu passend beobachtet Margarete Stokowski , wie die Hashtags #MeToo und #MeTwo als Meinung von Eliten kleingeredet werden.

 

 

Jungfrau, Mutter, Vettel, Ass?

Ich war im Juli in der Medienlandschaft präsent. (SpOn, Baby.)

CH-NB-Kartenspiel mit Schweizer Ansichten-19541-page057Jedenfalls wurde ich mal wieder danach gefragt, was ich in den vergangenen zwanzig Jahren sexuell so erlebt habe, und ich habe wie immer keine detaillierte Antwort gegeben.

Andere interviewte Menschen aus dem asexuellen Spektrum mögen das anders sehen (winkt), aber von mir gibt es prinzipiell keine Detailauskünfte. Vielleicht habe ich auf einem Konzert mit wem rumgemacht, vielleicht auch nicht. Vielleicht habe ich mich auf einer Fete aus Neugier betrunken abschleppen lassen, vielleicht auch nicht. Vielleicht habe ich nichts zu berichten, vielleicht auch nicht. Vielleicht hab ich etwas getan, auf das ich nicht besonders stolz bin, vielleicht aber auch nicht.

Es sollte eigentlich egal sein.

Oder? Es ist 2018.

Wenn wer freiwillig aus seiner/ihrer sexuellen Vergangenheit erzählt, dann finde ich das völlig in Ordnung und teils sogar bewundernswert. Denn einige sind mit Details großzügig, um unsicheren und fragenden Menschen zu versichern, dass das nicht nur ihnen so geht/ging.

Und wenn eine nicht mit Details rausrückt?

Dann sollte eins nicht danach fragen. Weil’s den Rest der Welt nichts angeht. Was ich getan oder nicht getan habe, ist sowieso je nach Gusto der Lesenden entweder zu viel, um noch als asexuell durchzugehen, oder zu wenig, um zu beweisen, dass ich versucht habe, „normal“ zu sein.

Abgesehen davon scheint es mir, dass Frauen mehr diesbezügliche Dinge gefragt werden. Mag auch daran liegen, dass in einschlägigen Interviews meistens Frauen  zu Wort kommen.

Insgesamt aber habe ich das nagende Gefühl, dass diese Gesellschaft sich immer noch auf einem geradezu mittelalterlichen Niveau dafür interessiert, ob, wie oft, wie und mit wem Menschen mit Gebärmutter ihre Geschlechtsteile benutzen. Um dann zu bewerten, ob es zu oft, zu selten, mit der richtigen Person (Notiz: es darf nur eine gleichzeitig sein) und in einer derzeit akzeptablen Weise stattfindet und ob zu wenige oder zu viele Kinder dabei rausgekommen sind.

Dabei leben wir nicht mehr im Mittelalter.

Es gibt mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Wir könnten im Grunde ein paar weniger gebrauchen, vor allem von denen, die per Gewohnheitsrecht jede noch so kurze Strecke mit dem Auto fahren, täglich tote Viecher essen und jedes Jahr mindestens eine Flugreise unternehmen. (Eigene Nase? Ich? Wo? … Habe außerdem den nagenden Verdacht, dass die Verfechter:innen des herbeifantasierten „reinen deutschen Blutes“ sowas ahnen und auch deswegen gegen Schulaufklärung sind.)

Die Menschheit stirbt nicht mehr aus, wenn ein paar gebärfähige Menschen gar nicht oder nur zum Vergnügen poppen und keine Kinder haben.

Ehrlich nicht.

Ob’s nun aus Profession Neugierige sind oder der Rest der Republik, der beleidigt ist, wenn wer nicht mit den Infos rausrückt, und auf jeden Fall die, die meinen, ein Recht darauf zu haben, über fremde Gebärmuttern zu bestimmen: Entspannt euch mal.