Mit Sozialdemokrat:innen reden? — der zaunfink

„Mit Rechten reden?“ Das ist eine seit einiger Zeit immer wieder zu Recht gestellte und unterschiedlich beantwortete Frage. Macht das Sinn? Wenn ja, wie bekommt man es hin, der Auseinandersetzung mit Menschen, die gar nicht sachlich diskutieren wollen, trotzdem irgendeinen Mehrwert abzutrotzen? Spätestens seit heute frage ich mich: Mit Sozialdemokrat:innen reden? Geht das?  […]

Mit Sozialdemokrat:innen reden? — der zaunfink

… zu Posteritätszwecken. Zum tief Seufzen und zum Fremschämen über sozialdemokratische Heten.

Dabei hatte der Guardian erst erklärt, wie gute Debattenkultur funktioniert. (Via La Mère Griotte.)

Weise Worte

Wenn ich nicht fleißig am Druckfahnenkorrekturlesen bin und nebenher versuche, den vorerst letzten Band der Alben-Reihe in druckbare Form zu bringen, dann ist der nächste CSD nicht mehr so weit hin.

homolobby membership

Im Zuge der Planungen sagte eine Person eine ziemlich kluge Sache über Querelen innerhalb der Szene, wobei ich mich auf den genauen Wortlaut nicht festnageln lassen möchte:

Was auch nicht hilft, ist, dass da viele sehr verletzte Persönlichkeiten unterwegs sind. Wenn du nicht aufpasst, trittst du voll in eine Fleischwunde, und dann ist die Kacke am Dampfen.

Klassentreffen?

In der Siegessäule vom Juli 2017 postuliert Dirk Ludigs, dass diejenigen, die sich zur LSBTTIQAetc.-Buchstabensuppe gehörig fühlen, eine Familie seien – nicht ausgesucht, sich nicht immer grün, verschiedenartig und verschiedener Meinungen sowieso, aber doch mit der Gemeinsamkeit, dass wir alle als Minderheiten oftmals damit zu kämpfen haben, dass unsere Blutsverwandschaft das mit dem Minderheitenstatus nicht nachvollziehen kann (anders beispielsweise als bei Marginalisierung aufgrund von Rassismus oder Klassismus, aber ähnlich wie Marginalisierung aufgrund von Ableismus).

dr dewinter in heroischer pose

Ich persönlich finde, dass sich CSD wie Klassentreffen anfühlt. Eins sucht sich ja die Klasse nicht aus, sondern wird einsortiert – in der Schule wie mit der LSBTTIQAetc.-Sache.

Die Gesellschaft hat irgendwann beschlossen, was die Norm sei, und unsereins landet dann in der Out-Group, bei den „Anderen“ aufgrund von sehr ähnlichen Vorstellungen. Also, normal sei, dass es zwei Geschlechter, nämlich Männer und Frauen, aber nichts anderes gäbe, diejenigen hätten einen von zwei festgelegten Chromosomensätzen und äußerliche Merkmale und müssten zwingend das jeweils andere Geschlecht sexuell begehren und mit diesem dauerhafte monogame Partnerschaften eingehen wollen (vulgo „Heteronormativität“).

Fällst du aus diesen Annahmen raus, bist du nicht mehr normal. Aufgrund der Tatsache, dass die Menschheit für alles Ungewöhnliche eine Erklärung sucht, wird es als gegeben und gutes Recht angesehen, dass dieses Nicht-Normal-Sein bemerkt, hinterfragt und gegebenenfalls abgestraft wird.

An eine als Out-Group markiert bzw. geanderte Gruppe werden immer andere Maßstäbe angelegt als an die nicht weiter bemerkenswerte Mehrheit. Sobald du als anders markiert bist, kannst du machen was du willst, du hast schon verloren, egal ob du dich outest oder nicht, egal was du anziehst, egal ob du Fragen nett oder gar nicht beantwortest, egal ob du behauptest, du seist so geboren oder hättest dir es ausgesucht, egal ob du CSD feierst oder nicht. (Dazu später mal mehr.)

Diese Klassifizierung geschieht im gesellschaftlichen Konsens, diese Anderung hat sich das LSBTTIQAetc.-Volk nicht ausgesucht. Genauso wie eins sich die Klasse nicht aussucht.

Und wie es bei Klassen so ist – manche cliquen gleich zusammen, manche können sich  nicht riechen, und um schlimmsten Falle wird auch schon mal gemobbt, gern, um die eigene Unsicherheit zu überspielen.

Ähnlich mit Klassentreffen: Manche kommen immer, andere finden das Konzept nicht gut bzw. ihnen kann der Rest der Klasse gestohlen bleiben, manche haben auch nach Jahren nichts miteinander zu reden, einige streiten sich immer noch, andere verstehen sich erstaunlich gut.

Und ähnlich wie bei Klassen auch – manche heulen rum, dass sie lieber mit der Kindergartenbekanntschaft in der Parallelklasse gelandet wären. Bringt aber nichts, die Heulerei. Die da draußen haben dich sortiert. Einzige Lösung ist, mal mit dem Rest des Haufens zu reden. Eventuell ergeben sich ungeahnte Gelegenheiten.

Daher der Vergleich mit dem Klassentreffen. Bloß ist ein CSD größer, lauter und bunter und hat mit einen sehr viel grimmigeren Hintergrund als Abi 2001.

 

Zur Konzeption von Homophobie in „Albenerbe“

Meineeine knobelt immer noch am Klappentext rum, aber das Nixblix ist mit einem Schreibblog neu am Start und hat sich auf eins meiner Postings berufen, also bekommt das geschätzte Publikum jetzt ein veritables Monster über einen Teil meines Weltenbaus.

Sexismus = Homophobie?

(tw: sexualisierte Gewalt)

Irgendwann habe ich mal Spekulationen gelesen, dass der hiesige Hass auf Männer, die Sex mit Männern haben, einiges mit Sexismus zu tun hätte, und dass sich Frauen und solche, die dafür gehalten werden, am besten mit schwulen Männern verbünden sollten.

Die Probleme sind eindeutig assoziiert – historisch gesehen haben diejenigen Männer, die Bottoms sind oder als solche bzw. als feminin wahrgenommen werden, mit mehr schlechten Meinungen zu kämpfen als Tops.

Klassiche Nonsens-Frage daher: „Welcher von euch ist die Frau?“

Ein anderer assoziativer Ansatz ist der Ableismus: Du verhältst dich anders, also musst du krank sein, also therapieren wir dich. Im Zweifelsfall, bis du als Gemüse rauskommst oder aus Verzweiflung Selbstmord begehst.

Vor derlei Vorurteilen sind auch Fantasy- und SF-Autor*innen nicht gefeit – wir können immer nur in einem gewissen Rahmen spekulieren und reflektieren grundsätzlich die Gesellschaft, in der wir leben. Wir extrapolieren immer vom Status Quo, enweder nach vorne oder seitwärts. Weiterlesen

Von wegen unausweichlich, oder: Internalisierter Sexismus

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Wie logisch ist es eigentlich, dass eine Figur mit weiblichen Pronomen von sich sagt, sie sei froh, kein Mädchen zu sein? (Band 1, Seite 271 in der Printausgabe.)

Wieso nehmen sogar viele Frauen immer noch an, feminin/weiblich sei nicht so gut wie männlich? Schlechter bewertet mag etwas sein, aber macht das etwas an sich schlechter?

Wieso ist „kreischt wie ein Mädchen“ eine Beleidigung? Wieso verwenden Frauen*, die fiktionale Texte schreiben, derlei Vergleiche? Und wieso lassen wir uns das durchgehen?

Wie logisch ist es eigentlich, dass in einer Welt, in der Leute zaubern können, immer Männer an der Macht sind?

Wieso sollte eine Frau, die zaubern kann, sich von einem Mann, der es nicht kann, irgendetwas sagen lassen? Würde es in einer solchen Welt sexualisierte Gewalt geben, und wenn ja, wie sähe sie aus? Wer würde wem warum auf der Straße anzügliche Sprüche hinterherrufen?

Wieso sollte es in einer Welt, die eine Heilerzunft/-gilde/-weißichwas hat, nicht möglich sein, die Verwandtschaft von Personen festzustellen? Braucht es in einer solchen Welt Frauen, die unberührt in die Ehe gehen? Müsste überhaupt irgendwer in die Ehe gehen? Wie würde sich Prostitution in einer solchen Welt darstellen, und wäre „Hure“ eine Beleidigung?

Wie funktioniert Schwulenhass, wenn er nicht auf Frauenverachtung basiert? Kann eine solches Konstrukt dann überhaupt existieren?*

Fragen über Fragen.

Es ist bezeichnend, dass viele sich solche Fragen gar nicht stellen. Dass ich mich jahrelang als Feministin bezeichnet habe und trotzdem nicht auf die Idee kam, solche Fragen zu stellen. Dass ich 2009 eine fiktive Landkarte zeichnete und automatisch annahm, dass das alles Königreiche sind.

Manchmal finde ich es erschreckend, wie sehr wir alle in unseren Denkmustern gefangen sind. Sogar solche, die sich gern als freie Denker*innen gerieren.

*Das mit der Homophobie geht im Übrigen schon, aber ich musste erst recherchieren und dann nachdenken. Ergebnisse hoffentlich 2016 in Romanform.

Verspätete CSD-Fragezeichen

CSD Koeln 2013 portrait

Wenn bei einem CSD die Zuschauer*innen wie bei einem Karnevalsumzug verkleidet sind …

Wenn sich Zuschauer*innen erst mit einer Drag-Queen ablichten lassen und hinterher über den „Homo“ lästern …

Wenn selbige Zuschauer*innen dann andere anpöbeln, die sie höflich darauf hinweisen, dass das keine angemessene Sprache ist …

Wenn Zuschauer*innen bei einem CSD völlig überrascht sind, dass die Nebensteherin nicht heterosexuell ist …

… dann fragst du dich schon manchmal, welche Botschaft wie bei wem ankommt.

Allerdings: Nix machen ist auch keine Lösung. Wie sagte schon Captain America: „You start running they’ll never let you stop.“ (Wenn du anfängst wegzurennen, lassen sie dich nicht mehr anhalten.)

„Angst(mache) mit System“ – Eine Analyse konservativer Manipulation und Rhetorik

Köln 2013 182

Ausgehend auch von Antje Schmelchers Pädophilie-Vorwürfen rollt im Zuge der Debatten um den Bildungsplan Baden-Württemberg eine Welle von Falschmeldungen über Deutschland hinweg: LSBTTIQ-Menschen wollten Kinder verwirren und homosexuell machen, der „Genderismus“ plane den Verfall der deutschen Sprache, etc.

Zahlreiche Leser_innen glauben die Argumente. Warum sie so gut funktionieren und was eins entgegnen kann, haben Jürgen Kaufmann und ich im Auftrag des LSBTTIQ-Netzwerkes Baden-Württemberg aufgeschlüsselt.

Da die besprochenen Manipulationstechniken nicht nur in der Bildungsplandebatte auftauchen, sondern auch in Bezug auf z.B. „Homo-Ehe“ und Inklusiondebatten, möchten wir das Paper auch für Menschen bereitstellen, die nicht zum Netzwerk gehören.

Hier geht’s zum Download der PDF-Datei: angst-mache- mit system

Fröhlicher IDAHO?

ritter sport regenbogen

Auf Facebook war eine Rainbowflash-Blogparade angesagt: Eins sollte Bilder von Luftballons posten.

Irgendwie fand ich keine hübschen Bilder, und habe daher geklaut, und zwar auf der Facebook-Seite des Netzwerks LSBTTIQ.

Schoki ist eh viel leckerer als Luftballons.

Schoki fungiert außerdem als Seelentröster. Immer noch wird Gift versprüht – die Lieblingsanschuldigung der Bildungsplangegner*innen ist, dass dieses böse queere Volk unschuldigen Kindern an die Wäsche will.

Weil: Die Erwähnung, dass es queeres Volk gibt und eins selbiges Volk nicht diskriminieren sollte (darum geht’s beim Bildungsplan BaWü, wir erinnern uns) ist offensichtlich das Gleiche wie die Thematisierung von Sexualpraktiken im Grundschulunterricht und das wiederum ist offensichtlich das Gleiche wie pädophile oder hebephile Erwachsene, die darauf abgehen, mit Kindern oder Jugendlichen über Sex zu sprechen.*

Offensichtlich.

Wie könnte es anders sein.

Abgesehen davon, dass immer noch Übergriffe von (vermutet) heterosexuellen Männern auf Mädchen die Statistiken anführen … und die meisten Übergriffe „Ersatzhandlungen“ von nicht-pädophilen Täter*innen darstellen …

Abgesehen davon frage ich mich, wer da „übersexualisiert“ ist.

Die Argumentationskette erschließt sich nämlich nur, wenn da irgendwer seine Hirnwindungen so auf „Sex“ eingestellt hat, dass keine Logik mehr durchpasst.

*Keine Ahnung, ob der Biolehrer hebephil, parthenoohil oder einfach nur sexistisch war, jedenfalls haben mir die entsprechenden Sprüche völlig gereicht. Ich hatte Glück, meistens saß er auf den Tischen von Mädels mit großen Ausschnitt.

Nachdenklich machende öffentliche Auftritte

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/11/Glass-of-water.jpg/328px-Glass-of-water.jpg - Halb voll oder halb leer?

 

Diverse Neuigkeiten:

Am Montag werde ich mit der Lokalzeitung sprechen. Wir werden sehen, was dabei rauskommt.

Am Freitag, den 21. November bin ich mit meinem Amtsleiter und Jennifer J. Grimm beim Ghibli-Festival-Abschluss im Cineplex Mannheim.

Am Freitag, den 05. Dezember ist eine Gruppenlesung der Goldstadt-Autoren in Pforzheim.

Da stellte sich dann die Frage: Was lese ich vor? Albenbrut, logisch. Erste Szene, und dann was? *Blätter.* Tankreds erster Auftritt. Aber die Leiche, die ist schon ein bisschen detailliert, so für ein All-Age-Publikum im Advent. *Blätter.* Kann ich dem hypothetischen Publikum zwei sich umarmende Jungs mit ein bisschen homoerotischer Spannung zumuten?

Äh. Halt. Halt! Wieso muss ich mich so was überhaupt fragen?

Aber, Jungs, Mädels und Sonstige: In dieser Welt leben wir nun mal.

Wir sind die Bösen

Wir sind diejenigen, die nur aus Kalkül flirten.

Wir sind diejenigen, für die du niemals das Ein und Alles sein kannst.

Wir sind diejenigen, die dir niemals das Gefühl geben werden, das Wichtigste auf der Welt zu sein.

Wir sind die Beziehungsunfähigen.

Wir haben unter uns Casanovas und Nymphomaninnen. Wir sind diejenigen, die Sex mit allem haben, was sich bewegt und in unser Beuteschema passt.

Wir sind die Verantwortungslosen, die Risikobehafteten. Wegen uns dürfen schwule und bisexuelle Männer in Deutschland kein Blut spenden. Wegen uns gelten alle Bisexuellen als irgendwie promiskuitiv und unfähig, treu zu sein.

Wir sind diejengen, von denen du glaubst, dass sie nur dadurch gerettet werden können, dass sie sich endlich verlieben.

Wir sind diejenigen, die du nicht durch eine Romanze retten kannst, denn wir verlieben uns nicht.

Wir sind die Sherlockhaften Egoman*innen, die manchmal nicht begreifen, warum wir und unsere Gefühle nicht reichen, warum es immer mehr sein muss, mehr Romanze, mehr Liebeserklärungen, mehr Nähe. Wir begreifen vielleicht auch das dazu gehörige Besitzdenken nicht.

Gestatten. Wir sind aromantisch.

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