#lbm2018 – Messenachlese

Schon die Hinfahrt mittwochs gestaltete sich abenteuerlich, aber da alle meine Züge Verspätung hatten, kam ich tatsächlich beinahe pünktlich in Leipzig an. Danach musste ich mich noch um eine Reservierung für den Sonntag kümmern, denn der ursprünglich geplante Zug war samt reserviertem Platz so lautlos verschwunden, dass ich nicht einmal einen Verspätungsalarm von der Bahn bekam.

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Sprachvorschriften und neutrale Pronomen

cover jinntoechter

In meinem neuen Roman arbeite ich mit neutralen Pronomen für die namensgebenden Jinn (oder eher: Jnun). Dazu habe ich einen bestehenden Vorschlag leicht abgewandelt und landete  für die Personalpronomen bei „sier, sien(…), siem, sien“, und dem passenden Artikelset „dier, dies, diem, dien“.

 

Anna Heger hat noch mehr eigene und fremde Vorschläge gesammelt, und auch sonst sind mir schon Optionen begegnet.

„nin, nimsen …“ aus der Sylvain-Konvention gefällt mir klanglich sehr gut, ist aber unintuitiv.

Neuere Vorschläge sind „xier, xies …, oder gar nur „x“.

So als Sprachschaffende mit Ansprüchen an den Klang: Aua.

Von einem literarischen Standpunkt aus sind „xier“ oder „x“ nicht hübsch, weil X kein besonders deutscher Buchstabe ist, vor allem nicht am Wortanfang. Tatsächlich komme ich auf 334 Druckseiten Roman mit 9 Wörtern aus, die ein X beinhalten. Davon ist nur eins kein aus dem Lateinischen entlehntes Fremdwort, nämlich „feixen“.

Über Sinn und Unsinn von Gender werde ich nicht diskutieren, denn ich halte die Tatsache, dass manche Menschen ein Ich-Geschlecht haben, das weder männlich noch weiblich ist, schlicht für eine statistische Notwendigkeit.

Und hier differiere ich von Jordan Peterson.

Wie komme ich auf diesen Hochschulprofessor aus Kanada?

Tatsächlich hat eine mir bekannte Person, die am liebsten „das“-Pronomen hätte, einen Link zu einem Video mit Jordan Peterson geteilt.

Und ich muss sagen, der Typ hat was drauf und versteht es, Leute zu ermutigen.

Kurz auf deutsch zusammengefasst: „Sprich deine Wahrheit. Du wirst auf den Deckel bekommen. Sprechen ist gefährlich, aber noch gefährlicher ist es, zu schweigen, denn ohne Meinungsäußerungen passiert nichts. Dann hör anderen zu, die dir ihre Wahrheit sagen. Und im Gespräch und in dessen Verfielfältigung kommt ihr dann zu einer besseren Welt.“

Was für eine Motivation, die Klappe aufzureißen, nicht wahr?

Leider erlangte Jordan Peterson negativen Internetruhm, weil er gegen eine Gesetzesnovelle in Kanada protestierte. In dieser geht es um den Sprachgebrauch in Institutionen. Dieses Gesetz macht eine Verwendung von neutralen Pronomen bei genderqueeren Personen verpflichtend.

Grund für den Shitstorm: Jordan Peterson weigert sich, Worte zu benutzen, die ihm aufgrund politischer Ziele von oben aufoktroyiert werden. Er hält es für unmöglich, dass Menschen tatsächlich ein Ich-Geschlecht haben können, das weder männlich noch weiblich ist (oder beides, etc.)

Allerdings sagte er auch in einer Fernsehdebatte etwa Folgendes: „Bring mir ein Pronomen – im Gegensatz zu dem halben Dutzend, das rumschwirrt. Eines, das Leute tatsächlich verwenden und das ich nicht mit dem Plural „they“ verwechseln kann. Dann habe ich kein Problem, obwohl ich nicht daran glaube. Aber ich weigere mich, mir das derzeitige halbe Dutzend Optionen zu merken und eine Abmahnung zu kassieren, wenn ich sie mir nicht merken kann oder sie versehentlich der falschen Person zugeordnet habe.“

Und da muss ich sagen, das Argument kann ich verstehen.

Englisch und Deutsch funktionieren von unten nach oben. Irgendwer prägt ein neues Wort oder eine neue Verwendung für ein bestehendes Wort. Findet der Rest der Welt das nützlich, verbreitet es sich, und wenn es eine gewisse Verbreitung erreicht hat, wandert es als Teil des Sprachschatzes ins Wörterbuch.

Demzufolge muss bei den neutralen Pronomen Folgendes passieren: Die Vorschläge werden zunächst von einer kleinen Gruppe getestet. Wenige Vorschläge schaffen es in eine breitere Öffentlichkeit. Sofern die Menschen in dieser breiteren Öffentlichkeit einen dieser Pronomenvorschläge nützlich finden, wird er sich verbreiten und irgendwann im Duden ankommen.

Sehr viele Unwägbarkeiten. Sehr viel irgendwann.

Jedenfalls besah ich mir alle Pronomenvorschläge und wählte dann den aus, den ich für intuitiv erfassbar hielt und von dem ich glaube, dass er in der gesprochenen Sprache tatsächlich eine Chance hat.

Wir sehen uns dann in fünf bis zehn Jahren deswegen wieder und schauen, ob ich richtig geraten habe.

LBM 2018

Nicht mehr lange hin bis zur Buchmesse. Derzeit bin ich noch mit Grippesymptomen an die Wohnung gefesselt, das gibt sich aber hoffentlich bald wieder.

Dieses Jahr trefft ihr mich, so die Höheren Mächte, die Drei, die Götter oder sonst wer es zulassen und die Druden mich nicht zwischendrin holen …

…bei Dead Soft:

Bild könnte enthalten: 1 Person, Text

Ganz sicher werde ich am Donnerstag, den 15. März, von 15 bis 16 Uhr, in Halle 5, Stand E 211 sein. Falls wer da keine Zeit hat, plane ich am Samstag ab 17 Uhr anwesend zu sein.

… Oder bei der Edition Roter Drache. Diese wird in Halle 2, J 318 zu finden sein. Hier habe ich noch keine Standzeiten.

Last Minute hat sich noch eine Lesung ergeben:

Ich unterstütze am Freitag, 16.03. um 20 Uhr die Drei Damen vom Thrill (Anja Bagus, Sonja Rüther und Isa Theobald) beim TheaterPACK in der Kohlgartenstr. 51, Leipzig. (Online-Ticket-Shop, Facebookveranstaltung)

Ansonsten gilt, falls das nicht passt: Bitte einfach hier, auf Facebook oder per Mail melden, dann machen wir was aus.