Vergesst explizite Szenen …

https://i1.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a1/Aesculap-serpentine.jpg/311px-Aesculap-serpentine.jpg… ich habe hier ein viel besseres anatomisches Rätsel.

Diese Woche hatte ich das Vergnügen mit einem Notdienst in der Apotheke.

Und da rief mich also kurz nach zehn ein Mensch an, der meinte: „Also, äähh, ich hatte da eine kleine Auseinandersetzung mit meiner Freundin … und, ähm, dabei hat sie eine Tür zugeschlagen und dabei mein bestes Stück eingeklemmt.“

Ich denke: Will der mich verarschen? Neue Belästigungsmasche? Und wie zum Henker hat er das hingekriegt? (Unmöglich ist es nicht, aber ich hätte eher erwartet, dass in einem solchen Fall Finger oder Nasen leiden.)

Die Treffsicherheit der Dame ist m. E. zu bewundern.

Jedenfalls war sie durchaus ernst gemeint, die Frage. Ich riet zu ausdauernder Kühlung und einen Arzt aufzusuchen. Eventuell noch eine Ibuprofentablette gegen Schmerzen und Entzündungen.

Der Unglückliche fragte noch, ob ein männlicher Kollege vor Ort sei (nein, nicht um die Uhrzeit, da managen wir den Laden jeweils alleine), aber auch der hätte ihm wohl kaum etwas anderes erzählt.

Leben halt. Falls wer von den geschätzten Autorenkolleg*innen die Episode brauchen kann, dürft ihr sie gerne verwenden …

Patriarchat bei der Arbeit:

Aesculap-serpentine

Wenn die unverheiratete Frau mit dem antibiotika-verursachten Vaginalpilz lieber zur Frauenärztin geht, um sich mit Fluconazol-Kapseln zum Einnehmen ihre Leber zu vergiften, statt mit ein paar freiverkäuflichen und wesentlich harmloseren Tabletten zum Einführen ihr Jungfernhäutchen zu gefährden.

(So viel kann ich gar nicht fressen, wie ich kotzen möchte.)

Chemie für Laien

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Die Modepraline lästerte über eine Apothekerin bzw. Drogistin ohne Humor. Deutsche Medien haben ebenfalls keine Hemmungen, über meinen Beruf herzufallen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass allen Apotheker*innen ein Heiligenschein gebührt und unsere Westen so weiß sind wie ein frisch gewaschener Kittel, aber manchmal, manchmal … verzweifelt eins schon an der Welt.

Jedenfalls dachte ich, das kann ich auch. Aber von der anderen Seite des HV-Tisches (so heißen die Verkaufstheken im bundesdeutschen Apotheken-Sprech).

Aber fangen wir mal an:

Eine recht edel angezogene Dame betritt die Apotheke, es folgen die üblichen Begrüßungsfloskeln.

„Ich hätte gerne Vitamin C. Ohne Ascorbinsäure.“

Die DeWinter blinzelt erst mal, weil sie sich verhört haben muss. „Ohne Ascorbinsäure.“

Ein herrisches Nicken seitens der Kundin. „Genau.“

„Äh.“ Die DeWinter ist zu geschockt, um in einen Lachanfall auszubrechen. „Vitamin C ist Ascorbinsäure.“

„Nein, es muss welches ohne Ascorbinsäure geben.“

„Ehrlich? Wie kommen Sie darauf?“ (Es sage keine*r, die DeWinter sei besonders einfühlsam. Außerdem will sie wissen, wer solchen Unfug verzapft.)

Die Kundin, schon recht verschnupft: „Es muss Vitamin C ohne Ascorbinsäure geben.“

Die DeWinter nickt: Keine Quellenangabe heißt Internet, irgendein Forum. Faszinierend, dass sie trotzdem an ihrer Meinung festhält.

Weil Menschen grundsätzlich lieber „dem Internet“ glauben als einer Person, die Geld dafür bezahlt bekommt, so etwas zu wissen, ist das Gespräch hiermit als gescheitert anzusehen. Jetzt gilt es nur noch, die Dame so zu verabschieden, dass sie nicht merkt, was die DeWinter von ihrem Intellekt hält. Es gelingt ihr leider nicht:

„Also, selbst wenn ich Ihnen jetzt ein Präparat aus Hagebutten verkaufe, die natürlich reich an Vitamin C sind, kommen Sie damit nicht um die Ascorbinsäure drum rum. Weil Vitamin C Ascorbinsäure ist.“

Die Dame schüttelt den Kopf und verlässt den Laden.