Aces, Zitate und seltsame Startseiten …

… oder: Die DeWinter prokrastiniert.

In den letzten zwei Tage ist meine asexy Facebook-Blase voll von Werbung für eine neue Partnerbörse names Acedate.de.

Eine Person meines Vertrauens hatte sich die Startseite angeschaut und eine Ungereimtheit gefunden, und da ich es gerade vermeide, an meinem neuen Roman weiterzuschreiben, habe ich mal genauer hingeschaut.

Am Anfang klingt das natürlich geil: Eine neue, kostenlose Singlebörse für Menschen aus dem asexuellen Spektrum! Und sogar aromantische Leute sollen sich da wohlfühlen. Wow.

Ist natürlich werbefinanziert, deshalb muss die angemeldete Person ihre Daten von Google Analytics analysieren lassen.

Ein wenig seltsam auch, wenn man weiterscrollt:

screenshot Acedate cropped

„Acedate ist eine seriöse und 100% kostenlose Dating und Partnersuche Plattform für Menschen mit Depression, Phobien oder Burnout Syndrom, Sowie Menschen mit Beziehungsangst und psychisch stabilen Menschen für die besagte Erkrankungen kein Beziehungs-Hindernis darstellen.“

Abgesehen von der grausigen Verwendung und Unterlassung von korrekten Kommas und anderen Satzzeichen klingt das nun nicht besonders, als seien a_sexuelle Menschen angesprochen.

Oder wendet sich das an die Leute, die glauben, dass wir Aces alle einen an der Waffel haben? Nach dem Motto: „Wir wissen ja, dass a_sexuelle Menschen gar nicht existieren und dass die unterliegende Schwierigkeiten haben, die sie nur nicht zugeben wollen. Wenn Sie normal sind und Ihnen das nichts ausmacht, können Sie sich trotzdem umtun.“

Die Person meines Vertrauens meinte, es sei nur schlecht abgeschrieben, oder dass da eigentlich was anderes hingehört.

Was es nach einer Copy-Paste-Suchmaschinennutzung ohne die ersten Worte auch tatsächlich tut.

Ein wenig hat wer dann doch mitgedacht, denn es erscheint, wenn wir den „Mehr“-Button drücken:

„Acedate.de ist eine kostenlose Dating und Kennenlern Plattform, die sich an Menschen im asexuellen Spektrum richtet. Acedate versucht hierbei eine Anlaufstelle zu sein, für asexuelle Singles mit Wunsch nach Partnerschaft und/oder evtl. Kinderwunsch sofern vorhanden. Dar Asexualität wenn überhaupt dann nur bedingt auf konventionellen Partnersuche Seiten berücksichtigt wird, freut es uns ebenjene Lücke zu füllen und Menschen auf der Suche nach einer Beziehung behilflich zu sein, wo anderenorts Asexualität als widriger Umstand empfunden und behandelt wird. Ebenso sind gerne Angehörige oder Interessierte willkommen, die sich über die Themen Asexualität, Aromantik, Demisexualität oder Greysexualität erkundigen wollen, da Acedate ebenso über ein Forum zwecks Wissenstransfer verfügt. Eben genannte Ausprägungen der Asexualität werden zum Zeitpunkt dieser Niederschrift von Acedate unerstützt und können auf der persönlichen Profilseite ausgewählt werden. Sämtliche Nutzungsfunktionen von Acedate sind und bleiben kostenfrei. Uns würde es freuen Asexuelle Menschen mit dem Wunsch nach Liebe, Beziehung und Familie zusammenzuführen.“

Das ist jetzt, lassen wir die Rechtschreibung, das Überangebot an fetter Schrift und die weiterhin kreative Anwendnung von Leerzeichen beiseite, eigentlich ein ganz nettes Statement über die Mission.

Scrollen wir nach Klicken des „Mehr“-Buttons weiter, finden wir Links zu schlecht lesbaren Informationen über Asexualität (ohne Quellenangabe von Wikipedia und Anthropedia kopiert, wie man problemlos an den Fußnoten erkennen kann) und Demisexualität, das ohne Quellenangabe bei GoFeminin kopiert wurde.

Es wäre jetzt nicht das erste Medium, das fremde Texte über Demisexualität kopiert. (Ich finde den Link auf Anhieb nicht mehr, aber ihr wisst, wer ihr seid.) Und während ich bei meinen Webtexten und Wikipedia zumeist umgänglich sind, ist das ungefragte Klauen bei einer kommerziellen Seite jetzt vielleicht nicht ganz so klug.

Bei Greysexualität kommen wir an einem Artikel über Depression raus. Das nährt den Verdacht, dass es schlecht abschrieben/adaptiert wurde, aber wenigstens hat der Artikel  eine Quellenangabe.

Dennoch ist es so absurd, dass ich nicht umhin kam, diese Kopie davon bei der Wayback-Machine zu speichern. (Das geht. Wenn Sie seltsame Sachen im Netz finden, können Sie diese zu Beweiszwecken dort speichern lassen, falls es noch nicht getan wurde.)

Der Text über Aromantik ist ohne Quellenangabe beim Asex-Wiki kopiert.

Also, da hat offenbar jemand etwas sehr schnell aus dem Boden gestampft. Und mit Urheberrecht haben die es auch nicht so, aber ehh. Was ist schon ein ordentliches Zitat?

 

 

5 Gedanken zu „Aces, Zitate und seltsame Startseiten …

  1. Hm Sorry, aber der Beitrag wirkt irgendwie verbittert. Ich war eben auf der Seite und anscheinend hat der Betreiber die Seite mittlerweile überarbeitet. Das man Inhalte zu Beginn rüberkopiert, finde ich jetzt auch nicht verwerflich, warum das Rad 2 mal erfinden? Und da die Seite kostenlos zu seinen scheint, hätte ich auch keine Probleme mit Werbung, wird denk ich mal die Servergebühren abdecken. Ich finds aufjedenfall begrüßenswert, wenn sich jemanden anschickt eine Seite für asexuelle zu machen. Wenn wir das jetzt auch noch weghaten tun wir niemandem einen Gefallen, schon gar nicht uns.

    • Na, nicht verbittert. War halt etwas befremdet, weil ich schon zu oft am falschen Ende von „die haben eh bloß einen an der Waffel“ saß. Und der „Klappentext“ wirkte halt ein wenig arg danach.
      Ich hatte denen am gleichen Tag auch deswegen geschrieben, denn eins ist klar, wie du schon sagtest: Prinzipiell eine ausgewogene Sache (wer mit Daten bezahlen will, muss das selbst wissen) und im Gegensatz zu anderen will niemand AktivistA oder AVEN feindlich übernehmen. Je weniger Grund wer hat, ihnen ans virtuelle Bein zu pinkeln, desto besser.

  2. Der Betreiber ist forenbekannt und hat schon diverse Partnerbörsen gebastelt. Wohl immer das gleiche Grundsystem mit jeweils unterschiedlichen Zielgruppen. Siehe dazu:
    https://www.aven-forum.de/viewtopic.php?t=14198

    Zur Seriosität kann ich mangels Nutzungsinteresse nichts sagen auch wenn ich insgesamt eine Meinung zum gesamten Themenkomplex habe. Das betrifft dann allerdings im Kern eher die Tendenz den Begriff Asexualität insbesondere in Zusammenhang mit Partnersuchambitionen etwas frei auszulegen. Vieles würde ich persönlich dann doch eher in die Kategorie „ungewöhnliche sexuelle Präferenzen“ einordnen.

    bzgl. Werbung: Ob es nun problematischer ist google Analytics zu verwenden oder Texte über z.B. den WordPresserver laufen zu lassen bzw. diverse externe Funktions-Plugins zu verwenden (hier z.B. „Akismet“, die eine Kopie aller Kommentare erhalten) und deren Betreiber zumeist in den USA sitzen (und im Zweifelsfall alles für immer speichern und/oder weitergeben egal was sie behaupten) muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Wirklich Drittanbieterfrei ist ja leider so gut wie keine Seite mehr, wobei AVENde natürlich ein löbliche Ausnahme darstellt aber alles was Bots sehen können ist im Endeffekt natürlich nicht zu schützen.

    Die Waybackmachine ist übrigens diesbezüglich auch so ein Fall. Fremde Inhalte ungefragt auf der eigenen Seite anzuzeigen verstößt ganz klar gegen internationales Copyright (imho ist das auch mit US-fair use nicht wirklich gedeckt aber die Amis pinkeln sich nicht selbst ans Bein) und vor allem ignoriert sie seit einiger Zeit die robots.txt, d.h. es wurden Seiten, die dem Bot eindeutig signalisiert haben nicht gespeichert werden zu wollen nicht nur trotzdem gespeichert sondern sie werden nun nach Jahren des nicht auftauchens plötzlich wieder öffentlich angezeigt. So gesehen fällt die Wayback Machine ganz klar in die Kategorie „Bad Bot“. Als mir das aufgefallen ist hab ich zumindest deren IP Range für zukünftige Inhalte geerdet.

    • Hmm, okay, lauter Zeugs, das ich noch nicht wusste.
      Außer Akismet. Ich weiß, wie AktivistAs Spamfilter ohne aussieht, deswegen ist es wieder an.
      Ich würde jetzt nicht behaupten, dass die Betreibenden der Wayback Machine grundsätzlich böse sind, aber jedes Verfolgen der eigenen Ziele kann, ganz klar, irgendwann über die Stränge schlagen. Zugegeben ist das Teil saumäßig praktisch für Recherchen.
      Und wie das eben bei saupraktischen Sachen ist, liest eins höchstens den ersten Absatz der Datenschutzerklärung. (Wenn überhaupt.)
      Food for thought, danke!

  3. Um Spambots abzuwehren gibt es ein paar einfache Tricks, wie z.B. Zeitmessung bei der Formularausfüllung. Dafür braucht man eigentlich keine externen Filtersysteme oder gar Datenschutzkatastrophen wie reCaptcha. DSGVO und co. sind im Internet nur Augenwischerei. Man kann zwar die Datenschutzerklärung oder AGB lesen aber das ändert dann am Ergebnis ja auch nichts mehr. Spätestens wenn man bei Facebook oder Google angemeldet ist, ist wohl sowieso alles egal, zumal man dann gerade in Kombination mit Smartphones auch die Daten andere Leute übermittelt. Von den meisten Unternehmen an die Ebay, Paypal, Amazon, etc. pp. die Daten weiterleiten hatte ich zuvor auch noch nie etwas gehört. Den Rest erledigt dann der „Patriot Act“. Die Amis bekommen also auch ohne die NSA sowieso alles mit.

    Die Waybackmaschine ist gerade als Archiv des alten Internets natürlich ganz interessant (die „Official Asexual Society“ ist dort nun z.B. auch wieder einsehbar) nur wenn man als Privatperson das gleiche täte stünden wohl die Anwälte Schlange. Am ärgerlichsten ist, dass es wohl keine Möglichkeit gibt dort Inhalte wieder rauszubekommen wenn man aufgrund eines Domainwechsels nicht mehr beweisen kann der Inhaber der damals archivierten Inhalte zu sein. Andernfalls sollte das zumindest auf Anfrage hin prinzipiell noch möglich sein.

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