„Neoliberal“ für Dummies und Heid*innen

Auf der Buchmesse in Leipzig und der ComicCon umschlich ich unter anderem „Aussen – Asgard – Tag“ von Axel Hildebrand und nenne ein Printexemplar nun schon seit jener Con mein eigen.

Hier ist der Anfang des Klappentextes:

„Ordnung trifft Chaos – Beschützer der Menschen trifft Chaosbringer – Thor trifft Loki – zwei Götter, die unterschiedlicher nicht sein können.
Nicht selten sind die beiden, die durch die Blutsbruderschaft Lokis mit Odin von Amts wegen her Onkel und Neffe sind, vor den Toren von Asgard unter sich. Und dabei kommen sie ins Gespräch über dieses und jenes in Midgard und Asgard und werfen so manche philosophischen Fragen auf …“

Neben einigen Sachen, die nur lustig sind, fand ich auch den Neoliberalismus eloquent erklärt, nämlich im Kapitel „Yoga“. Ich zitiere mal ab Seite 175 unten:

THOR

Der große Vorteil ist auch noch: Weniger Verantwortung für uns.

LOKI

(interessiert) Ach …?

THOR

Ehrlich. Weil der Kern von dem Esoterik-Gesumse ist immer: Egal, was dir passiert … du hast es dir selbst so ausgesucht.

Das gilt aber derzeit nicht für Esoterik-Gesumse allein.

Neoliberalismus ist auch, wenn dir alle einreden, dass du dein Glück nicht nur schmieden, sondern es aus nichts machen kannst. Dass du dich nur genug anstrengen musst, weil logisch niemand auf den alterhergebrachten, gewohnten Privilegien sitzt und diese mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Sie reden dir ein, dass jede Krankheit entsteht, weil du dich falsch ernährt hast oder die falsche mentale Einstellung zum Leben hattest. Und wenn du mit den zunehmend nervigen Arbeitsbedigungen allerorten Probleme hast, dann mach doch bitte in Achtsamkeit, statt die Arbeitsbedingungen zu kritisieren.

In den elf Jahren, seit ich das erste Mal in einer Apotheke gearbeitet habe, hat sich der bürokratische Zeitaufwand verdoppelt. Und das ist bestimmt nicht das einzige Arbeitsfeld, in dem es mehr um Controlling, Abrechnung und Formulare als um das geht, was mensch eigentlich gelernt hat. (Hallo, liebe Ärzt*innen, Pflegende, etc.) Nebenbei frisst die ach so gerühmte Flexibilität ihre Kinder und produziert Alterseinsamkeit und schlechte Pflege.

Aber wir sind alle nicht tiefenentspannt genug. Eindeutig.

 

Männlichkeiten und Stammesdenken

Arnold Böcklin - Germanen auf Eberjagd

Das traditionelle Germanenbild kämpferischer Männlichkeit via Wikimedia Commons: Zwei Kerle in seltsamen Leibchen, die so bei den germanischen Stämmen gewiss niemand getragen hat. (Und wer ohne Speer oder Schusswaffen Wildschweine fangen will … und draufgeht: Selber schuld, sag ich.) Immerhin ist einer davon nicht blond.

Über einen kurzen Link bei der Mädchenmannschaft fand ich zu einem Artikel über Männlichkeit bei LOTTA, einer antifaschistischen Zeitschrift für NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Der gesamte Artikel zitiert zur Argumentation einen Haufen misogyner Äußerungen, in denen neue und alte Rechte teilweise die Vergewaltigung feiern. Insofern sei beim Lesen Vorsicht geboten. Da manch ein zitierter Herr heuer für die AfD-Fraktion arbeitet, braucht eine vielleicht auch einen Eimer zum Reinkotzen.

Jedenfalls stehen nachdenkenswerte Sätze in dem Artikel.

Männer_Bande(n) und Krieg?

Männlichkeit, so Connell, steht nicht nur mit der Weiblichkeit als Gegenüber im Verhältnis, sie setzt vor allem die Männer untereinander in Beziehung. Diejenigen Männer, die selbst nicht (…) dem leitenden Bild von Männlichkeit entsprechen, müssen enorm viel Energie darauf verwenden, dem Idealbild des „echten Mannes“ hinterher zu jagen. Damit schaffen sie das Ideal immer wieder neu und erhalten somit das System aufrecht, das sie dazu antreibt.

Klar gibt es Konkurrenzdruck innerhalb jedes Geschlechtersystems — die meisten als Frauen sozialisierten Menschen werden wissen, dass niemand so sehr auf deinem Körper und Outfit herumhacken kann wie andere Frauen. Allerdings geht es nicht unbedingt darum, anderen Frauen die eigene Weiblichkeit beweisen zu müssen — meine weiblichen heterosexuellen Bekannten denken wohl kaum darüber nach, ob es unweiblich ist, wenn eine von ihnen ein Bier zischt, wohingegen ein heterosexueller Mann mit einem fruchtigen Cocktail in der entsprechenden Runde schon eher nachdenken müsste.

In der extremen Rechten herrschte seit jeher das Bild des „soldatischen“ und „kriegerischer“ Mannes vor, das eng mit der Weltsicht des Daseins als Kampf verknüpft ist. (…)

Donovan propagiert (…) eine „natürliche“, triebgesteuerte Männlichkeit, die durch Kampf, Revier, Antiintellektualität und Frauenhass geprägt ist. (…) Donovans Vorstellungen sind nicht nur extrem misogyn, sondern sie haben einen antiegalitären und antidemokratischen Kern. Männlichkeit ist für ihn gleichbedeutend mit Kampf und Durchsetzung der eigenen Interessen. Diskussion und Intellektualität sind für ihn weiblich, Zeichen der Dekadenz und des Niedergangs …

Bande/Stamm und Boden?

Witzigerweise habe ich mich in den letzten Wochen zwecks Recherche auf einem echt sympathischen heidnischen Blog rumgetrieben. (Ja, solche gibbet auch.) Dabei stieß ich auf eine kleine und äußerst lesenswerte Serie über Stämme: Teil 1, Teil 2, Teil 3

Und da fiel mir dann auf, dass diese Verteidiger der ursprünglichen Männlichkeit mit ihren Thor-Steinar-Uniformen ein echt schräges Bild von den germanischen Stämmen haben, die sie so gern als Idealbild heranziehen.

Zum Thema Blut und Boden schreibt MartinM:

Zu einer „typischen“ Stammesgesellschaft gehört in aller Regel ein Mythos über den Ursprung des Stammes. Meistens betrachten sich die Stammesangehörigen als Nachkommen eines mythischen Vorfahrens (…) und daher als eine einzige große Familie. Die Betonung liegt dabei auf „Mythos“, denn praktisch alle Stammesgesellschaften adoptieren Stammesfremde, nehmen sie in die „Stammesfamilie“ auf (…) Die West- und Ostgoten der Spätantike waren ebenso wenig alle Nachkommen (…) des legendären Königs Berings, wie die heutige weißen englischsprachigen protestantischen Bürger der USA allesamt Nachkommen der mit der Mayflower gelandeten Pilgerväter wären.

Ein Stamm kann zwar ein Gebiet als „Stammesland“ beanspruchen, ist aber, anders als ein (National-)Staat, nicht unbedingt an ein bestimmtes Territorium gebunden: Ein Stamm besteht, wie die Goten, fort, auch wenn er die ursprüngliche Heimat verlässt …

Und was da ist das mit Diskussionen, die als zu feminin verschrieen sind?

Stammeshäuptlinge (männlich / weiblich) müssen sich durch besondere Fähigkeiten auszeichnen. Besonders talentierte Jäger werden „Jagdhäuptling“, begabte Strategen „Kriegshäuptling“ usw. . Diese Häuptlinge üben ihr Amt meistens nur für eine begrenzte Zeit aus. Alle Häuptlinge müssen gute Diplomaten und Organisatoren sein. (…) Da Stammeshäuptlinge in der einen oder anderen Weise in ihrer Macht sehr beschränkt sind, herrschen sie vor allem durch die „Kraft ihrer Persönlichkeit“.

Allerdings neigt die Menschheit bekanntermaßen zum Tribalismus — siehe oben — Stammesdenken, wo keines hingehört.

In der Verhaltensforschung bezeichnet „Tribalismus“ etwas Anderes: Es ist die in allen menschlichen Gesellschaften zu findende moralisch-psychologische Anlage fast aller Menschen, ihre Stellung als Individuum immer in Beziehung zu konkreten Bezugsgruppen zu definieren. (…) Fühlen wir uns einer Gruppe zugehörig, zeigen wir intuitiv – manche Verhaltensbiologen würden sagen: instinktiv – altruistisches und kooperatives Verhalten. Gegenüber Menschen aus Fremdgruppen ist oft das Gegenteil der Fall. Wir sind misstrauisch, weniger empathisch und „Fremden“ gegenüber sogar tendenziell feindlich eingestellt. …

Stamm und Häuptling?

Und die Suche nach dem „starken Mann“, der sagt, wo’s langgeht?

Zwischen der Stammesgesellschaft im eigentlichen Sinne und staatlich verfassten Gesellschaften gibt es eine Übergangsform, das in der Politenthnologie als „Häuptlingstum“ bezeichnet wird. Häuptlingstum gibt es bei sesshaften Ethnien, die permanent herrschende Oberhäupter anerkennen. Solche Häuptlinge werden in der Geschichtsschreibung oft „Stammesfürsten“, manchmal auch „Stammeskönige“ genannt. Unter anderem unterscheiden sie sich von den „Häuptlingen“ in Stammesgesellschaften durch ihre umfassenden Befugnisse: der „Stammesfürst“ / die „Stammesfürstin“ ist in jeder Hinsicht Chef.

Das Häuptlingstum ist Folge einer zunehmenden gesellschaftlichen Ungleichheit, die verstärkt in arbeitsteilige Ackerbaukulturen, aber auch in manchen Hirtenkulturen auftritt. (…) Die arbeitsteilige Gesellschaft mit organisiertem Ackerbau und spezialisiertem Handwerk ist (…) so produktiv, dass Überschüsse erzielt werden, die gehortet oder getauscht werden können. Die (…) Ungleichheiten (…) führen dazu, dass diese Überschüsse nicht gleichmäßig verteilt werden und auch dazu, dass sie nicht jenen zukommen, die sie durch ihre Arbeit erwirtschaftet haben. (…)

Von staatlich organisierten Gesellschaften unterscheiden sich Häuptlingstümer unter anderem dadurch, dass es kein Gewaltmonopol gibt. Zum Gewaltmonopal gehört ein ausreichend großer „Erzwingungsstab“ in Form einer Garde (…), aber auch von Steuereintreibern usw., mit dessen Hilfe die Regierung ihre Entscheidungen durchsetzen könnte. Häufig können die Häuptlinge nicht einmal allein entscheiden, sie sind auf die Mitwirkung des Stammes oder der Ältesten angewiesen und müssen ständig mit Intrigen und Revolten rechnen.

Eine fragt sich da schon, ob daher die Paranoia mancher Möchtegern-Häuptlinge stammt. (Ahem.)

Diverse Intrigen und derlei gibt’s in den isländischen Sagas übrigens zuhauf zu begutachten. Wer zum klassischen Altertum neigt, lese bei Homer etc. nach.

Noch wichtiger allerdings finde ich diese Bemerkung:

Nur wenn die (erweiterte Familie), der Clan oder die Gefolgschaft des Häuptlings über zahlreiche Arbeitskräfte verfügt, kann sie einen Produktionsüberschuss erwirtschaften, der für ihre Verpflichtungen und die für Häuptlingstümer typischen internen Machtkämpfe ausreicht. Nicht zufällig ist Sklavenhaltung in Häuptlingstümern weit verbreitet; in einer egalitären Stammesgesellschaft wäre sie unsinnig. Häuptlingstümer sind häufig expansiv bis eroberungssüchtig, getrieben u. A. vom ständig steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Kriegsgefangene werden normalerweise versklavt.

(Hervorhebung von der Zitierenden.)

Wenn ich jetzt mal um zwei Ecken denke und ein paar Vergleich ziehe:

Wir hatten das anno 33 bis 45 ja schon, das mit dem starken Mann und dem tribalistischen Denken. Wir hatten einen Häuptling namens Adolf Hitler, der einen kompletten Staat zum expansiven, parasitären Häuptlingstum ummodelte. Im Gegensatz zu den alten Stammeskönigen konnte er sich dabei eines Gewaltmonopols bedienen.

In Häuptlingstümern sterben laut MartinM circa 25 Prozent ihrer Mitglieder eines gewaltsamen Todes. In Staaten zehn Prozent oder weniger.

Wir haben derzeit weniger.

Fazit

Wir brauchen alles Mögliche in diesem Land. Starke Männer, die sagen, wo’s langgeht, fehlen auf dieser Liste allerdings.

Gender-Gaga: Erwischt!

Also, ich habe einen kleinen Kurs bei der Volkshochschule über Kommunikationsformen gemacht. Auch über so Zeugs, das Menschen tun, die als Frauen sozialisiert wurden.

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Im Bildwörterbuch des Duden von 1956 kommt zwar kein Herrenkuchen vor, dafür aber ein „Herrenzimmer“. Das Pendant „Damenzimmer“ fehlt logischerweise, dafür sind im „Schlafzimmer“ eine Frau im Negligée und eine Zofe zu finden.

Gestern habe ich mich dabei ertappt, wie ich ein Lob/Dankeschön kleingeredet habe.

Ich habe nicht gesagt, „Gern geschehen“, sondern einen ganzen Wust von Wörtern benutzt, um nur nicht zu besonders erscheinen. Das war sowohl eher gaga als auch dem Gender geschuldet, daher die Überschrift.

Dabei ist es so im Nachhinein keinesfalls selbstverständlich, fünf mittelgute Bekannte zum Zwecke eines CSD-Schlachtplans daheim zu verköstigen. Immerhin, ich musste nicht fahren, aber trotzdem. Selbst wenn es „nur“ Nudeln mit diversen Saucen aus dem Glas waren statt selbstgekochtem vegetarischem Ragù oder gar einem Drei-Gänge-Menü. (So was gibt’s bei mir nicht, auch wenn ich einigermaßen kochen kann.)

Es ist aber auch keinesfalls selbstverständlich, dass Leute einige Stunden Anfahrt für so was in Kauf nehmen. Insofern: Ihr wisst wer ihr seid, ich lüpfe das Hütchen. Auch für die Gastgeber:innen vor mir.

Mich jetzt zu fragen, warum ich so reagiere – und das schon seit Jahren – ist wahrscheinlich müßig. Ich bin mir relativ sicher, dass meine Eltern, wenn, dann vor allem indirekt dran schuld sind. Meine Mutter kann sich auch prima für Leistungen entschuldigen und bei Komplimenten verlegen werden, wenn ich so drüber nachdenke.

Also gilt das nächste Mal: Nur „Danke“ bzw. „Bitte gern“ sagen und dann lieber die Energie für Produktiveres nutzen. Also zum Beispiel dafür, der sogennanten Mehrheitsgesellschaft in den Hintern zu treten.

Paradox/andauerndes Schweigen

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Ich habe ja die letzte Zeit nicht besonders viel hier von mir vermelden lassen. Unter anderem stehen noch ein paar Gedanken zu einer Podiumsdiskussion bei der Buchmesse aus, die ich gehört habe.

Meine Gedanken kreisten in den letzten Monaten leider vermehrt um meinen Hauptberuf — nicht, weil so viel zu tun gewesen wäre (war es allerdings auch), sondern weil mir einige ungelöste Konflikte schwer im Magen lagen. Allgemein blankliegende Nerven wegen einer leichten Unterbesetzung und vier Wochen Überstunden meinerseits, deren Abfeiern zunächst auf unbekannt vertagt wurde, sorgten dafür, dass ich seit Oktober auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch ging. Ich war nicht mehr in der Lage, das tägliche Auf und Ab abzufedern, ganz zu schweigen von schwierigen Kunden und den eben vorhandenen Konflikten im Team. Nebenbei zwei, drei undurchdachte Entscheidungen meinerseits, die mit mehr Schlaf vielleicht nicht getroffen worden wären: Dadurch wachten einige schlummernde Drachen auf, die besser nicht gekitzelt worden wären.

Tatsächlich habe ich offline so viel darüber rumgemosert (also geschimpft), dass ich mir schon selbst nicht mehr zuhören wollte.

Jedenfalls haben die aufsummierten Unannehmlichkeiten nun dafür gesorgt, dass ich gekündigt habe und zunächst in ein selbstfinanziertes Sabbatquartal gehen werde. Ansonsten wären es wahrscheinlich zum Herbst eine Krankschreibung und Stresshelferlein namens Antidepressiva geworden. Und ich nehme keine verschreibungspflichtigen Sachen als Lifestyle-Drug.

Falls also wer ein Lektorat braucht, bitte melden.

Mich erstaunt, dass ich diesen Hauptberuf, der mir seit einem knappen Jahr so was von auf die Nerven ging, auf einmal wieder gern ausübe — auch wenn’s jetzt vorläufig nur noch ein paar Wochen sind. Was ein gelöster Konflikt alles bewirken kann …

 

Was man noch sagen darf

Derletzt habe ich mich mit einem befreundeten Autoren über folgende Phrase diskutiert: „aber das darf man heutzutage ja nicht mehr sagen“.

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Andere haben diese Phrase an anderen Stellen oft genug zerlegt, aber ich plane, die werten Kolleg*innen zu pieksen, von denen ich „aber das darf man ja nicht mehr sagen“ schon oft genug lesen musste.

Und ausgerechnet von Autor*innen finde ich das eine äußerst peinliche und kurzsichtige Form der Selbstbeweihräucherung.

Aber von vorne.

Ursachen

Wir stellen fest, dass heutzutage die Debattenkultur sehr zu wünschen übrig lässt. Derzeit sind Shitstorms, Mobbing und Beschimpfungen in fast jeder Nische von Social Media nicht mehr wegzudenken. Und live sieht es manchmal nicht viel besser aus.

Meine Lieblingsschrifstellerin N.K. Jemisin hat wohl aus solchen Gründen große Teile ihres Blogs verschwinden lassen, was sehr schade ist, denn sie hat viele kluge Dinge über Rassismus in Büchern geschrieben.

Aufgrund dieser kommunikativen Schieflage ensteht der Eindruck, dass manche Meinungen es mit mehr Widersprüchen zu tun bekommen als andere.

Konkret scheinen es häufiger die eher konservativen Menschen zu sein, die mit Vorwürfen von Rassismus, Homophobie, Tierquälerei und sonstigem überhäuft werden, je nachdem, wo sie ihre Meinung äußern. Das ist nicht schön, Leute werden mehr oder weniger grundlos verletzt, und es hilft der Diskussion nicht weiter.

Wer dann nicht nachdenkt, findet, dass „aber das darf man ja nicht mehr sagen“ ganz prima diesen Sachverhalt der Totschlagargumentation zum Ausdruck bringt und schreibt die Phrase einfach mal ab.

Wie verquer diese Denkweise ist, zeigt sich spätestens daran, dass diejenigen ihre kontroverse oder vermeintlich kontroverse Meinung ja eben doch in die Welt hinausposaunt haben, und zwar, ohne staatliche Zensur oder gar eine Verhaftung befürchten zu müssen.

Da also der Blockwart nicht die Gestapo gerufen hat und eins selbst unbehelligt weiter schreibt/spricht, ist der Inhalt der Phrase „aber das darf man ja heutzutage nicht mehr sagen“ sachlich falsch, sobald über die deutsche Gesellschaft gesprochen wird.

Damit beißt sich die Katze in den Schwanz:

Ohne die heutige Meinungsfreiheit hätten wir das Problem mit der Debattenkultur gar nicht: Alle dürfen die eigene Meinung öffentlich äußern (mit kleinen Einschränkungen, Aufrufe zum Mord beispielsweise werden nicht gern gesehen) und dazu gehört dann eben auch, dass ich Meinungen anderer Leute öffentlich als Mist bezeichnen darf.

Wir müssen also damit leben, dass andere unsere Meinungen mistig finden und uns das auch mitteilen

Aber das ist halt sehr unerotisch. Lieber behaupte ich, dass meine Meinung unterdrückt wird. Dann kann ich sicher sein, dass mich irgendwer bemitleidet und es ganz super findet, wie mutig ich meine Meinung gesagt habe.

Mut ist was Anderes. Tut mir leid, Leute.

Daher also mein Vorwurf der peinlichen Selbstbeweihräucherung.

Die Geister, die ich rief …

Nun ist es aber so: Indem zahlreiche Menschen fälschlicherweise behaupten, sie würden unterdrückt, entsteht eine Atmosphäre der Bedrohung. Manche Leute überlegen sich dann tatsächlich, was sie noch sagen dürfen. Und sie werden diejenigen hassen, die sie vermeintlich unterdrücken.

Furcht führt zu Hass. Das wussten schon die Jedi, aber die Botschaft ist noch nicht angekommen.

Es besteht Grund zur Annahme, dass manche Kräfte die Spaltung dieser Gesellschaft anhand von unversöhnlichen Meinungen voranzutreiben wünschen, und die monierte Phrase ist da eine erstklassige Möglichkeit.

Divide et impera – teile und herrsche – ist als Weisheit sogar noch älter als Star Wars.

Glücklicherweise gibt es aber Parteien, deren Wahlprogramme direkt oder indirekt davon sprechen, wieder mehr Ordnung und Sicherheit und Höflichkeit und gesunden Menschenverstand und Einigkeit in Deutschland fördern zu wollen.

Klingt auch erstmal ganz toll, nicht wahr?

… die werd ich nicht mehr los?

Bis dann die beispielsweise die AfD meint, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nahelegen zu müssen, dass das Idealbild einer deutschen Frau ist, drei Kinder zu haben, und dieses Idealbild auch schön immer gezeigt werden solle.

Und, sagen wir mal, in letzter Konsequenz würden dann meine Romane nicht mehr gedruckt, weil die ganz offensichtlich von der Genderlobby und der homosexuellen Weltverschwörung gefördert wurden, um die Jugend zu verderben.

Und eben nicht nur meine Romane. Wie lange würde es dauern, bis z.B. Amazon seine Regeln akzeptabler Texte in vorauseilendem Gehorsam einschränkt?

Wie lange bis zur echten Zensur,

… wenn wir weiter ohne Grund Furcht verbreiten, die Spaltung vorantreiben und zu viele Leute sich davon kopfscheu machen lassen?

Im einig Vaterland wird der Herrscher bejubelt, und sonst regiert die Grabesstille. Heißt, diejenigen, die nicht jubeln, werden schon mal einen Kopf kürzer gemacht.

Hatten wir schon mal, inklusiver Verbrennung nicht genehmer Bücher. Brauchen wir nicht wieder.

Und daher also mein Vorwurf der Kurzsichtigkeit, werte Kolleg*innen.

Ich hätte da wirklich Besseres von euch erwartet.

 


Bildquelle: Pixabay, https://pixabay.com/de/zensur-unterdr%C3%BCckung-schweigen-1315071/

Nicht zum Prekariat …

… gehört meineeine.

Ich weiß auch nicht, ob diejenige freischaffende Journalistin, die mich am letzten Samstag besuchen sollte, und das zugehörige Kamerateam sich zu den prekär arbeitenden Menschen zählen.

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Aber fest steht, dass die drei oben genannten Menschen sich einen Tag reserviert hatten, um Aufnahmen von mir zu machen und ein Interview mit mir zu führen. Die Journalistin hatte für ein längeres Vorgespräch mit mir telefoniert, Flugtickets bzw. Bahnkarten gekauft, mit dem Kamerateam die Logistik besprochen … dienstags und mittwochs.

Am Donnerstag fiel dann dem ZDF bzw. einer von diesem beauftragten Produktionsfirma ein (die Quelle war hier leider nicht sehr genau), dass das doch nichts wird mit dem Thema, und stattdessen ein anderes gesellschaftspolitisches Thema drankommt (ich weiß leider nicht, was, und ob ich die Aufmerksamkeit gerne abtrete).

Donnerstags also die Absage. Zwei Tage vor einem Termin, der seit zwei Wochen feststeht, und der, wohlgemerkt, recht eilig gemacht wurde. Also Juli ginge auf keinen Fall mehr, das sei zu spät, sagte die Dame von der Produktionsfirma.

Nun ja. Ich hoffe, irgendwer muss die eigenen Worte (also, den Bullshit) essen, wie das auf Englisch so schön heißt.

Den monetären Verlust, den ich durch einige Stunden Vorbereitung  hatte, durch zwei längere Telefonate und die erforderliche Kommunikation mit der Tanztruppe, die ebenfalls erscheinen sollte, kann ich nicht beziffern, da ich als Autorin nicht nach Stunden bezahlt werde.

Fest steht: Ich hätte in den geschätzten drei bis vier Stunden Vorbereitung auch mindestens drei bis vier Normseiten Roman tippen können. Oder mich um diesen Blog und/oder das Marketing bereits erschienener Romane kümmern können.

Das Kamerateam und die Journalistin, die von solchen Aufträgen tatsächlich leben müssen, wissen sicher besser, wie viel Geld sie verloren haben, und ich hoffe, dass in ihrem Vertrag eine Klausel steht, die derartige kurzfristige Absagen wenigstens etwas abmildert.

Trotzdem: Eine sollte meinen, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht nur sendungsbewusst tut, sondern seiner gesellschaftlichen Verantwortung auch sonst etwas gerechter wird.

Achtung vor dem Plotkaninchen

The American pet stock standard of perfection and official guide to the American fur fanciers' association (1915) (17539427083)

Ich so: Ich hab keinen Bock mehr auf Kerls, und schon gar nicht gay, ich mach dann als nächstes (zensiert).

Ein Plotbunny hoppelt vorbei, sieht eine achtlos rumliegende Möhre, auch bekannt als „Das Inkubus-Thema ist noch nicht voll ausgereizt, außerdem braucht Urban Fantasy nicht so viel Recherche wie (zensiert), das geht quasi nebenher“. Das Bunny frisst die Möhre, mutiert zum Monsterkarnickel und zeigt mir böse grinsend den Mittelfinger.

Tja … dreimal darf das werte Publikum raten, was ich gestern Abend nach der  Queer Gelesen gemacht habe, statt die Ereignisse in Wiesbaden (und die netten Leute dazu) gemütlich sacken zu lassen.

Antwort: Recherche und Plotplanung.

Aargh./Freu.

Hilfe, ängstliche Menschen!

Bezüglich der allgemeinen Verunsicherung (die EAV und Titanic haben ihre Ziele erreicht) gab es in der Brigitte 1/2017 (vom 21.12.16) ein Interview mit Heinz Bude, einem Professor der Makrosoziologie. Prof. Bude hat unter anderem ein Buch über Angst geschrieben, das ich mir demnächst zu Gemüte führen möchte.

Jedenfalls dachte ich, ich muss aus dem Interview zitieren, mit Absätzen für die Lesbarkeit:

Lange Zeit galt: Wenn du dich einigermaßen anstrengst, wirst du schon irgendwie einen Ort in der Gesellschaft finden, von dem du im Nachhinein sagen wirst, dass er mehr oder minder in Ordnung ist. Und wenn du strauchelst, wirst du aufgefangen.

Diese Versprechen bestehen nicht mehr. Immer wieder steht unser Lebensentwurf heute vor Prüfungen, und damit wächst die Sorge, in seinem Leben etwas falsch zu machen, unter seinen Möglichkeiten zu bleiben, einmal Erreichtes wieder zu verlieren, etwas zu verpassen oder zu übersehen und dafür auch die Rechnung präsentiert zu bekommen.

Wir erleben gerade einen generellen Wandel unserer Gesellschaftsordnung: weg von einem kollektiven Versprechen, hin zu einer individuellen Drohung.

Ich finde das sehr weise Worte.

Hier in Deutschland sitzen Leute, die es sich nicht bequem einrichten können, sicher, aber auch ein ganzer Haufen so wie ich: was „Ordentliches“ gelernt/gut ausgebildet. Sieht sich trotzdem mit der Tatsache konfrontiert, dass si*er die Eltern nicht an Reichtum übertreffen wird, wenn kein Lottogewinn/Bestseller ins Haus flattert, und muss sich um die Rente sorgen. Habe ich mich oft genug fort- und weitergebildet? Wieso habe ich etwas studiert/gelernt, das mich jetzt in prekären Verhältnissen versauern lässt?

Hierzulande geht’s also für viele Menschen nicht aufwärts und für ziemlich viele eher gefühlt abwärts oder nicht schnell genug aufwärts … und wir wissen ja, wie ungern wir alle auf Annehmlichkeiten verzichten, an die wir uns einmal gewöhnt haben.

Außerdem herrscht nicht nur bei Job und Rente ein Zwang zur Selbstoptimierung. Möglichst viele Likes sammeln. Alle hippen Serien kennen müssen, um mitreden zu können. Zu viel Auswahl von allem, nicht einfach in den Laden rennen und was kaufen, sondern erst in zehn Online-Shops die Angebote vergleichen, könnte ja irgendwo günstiger sein und ich müsste zugeben, zu viel bezahlt zu haben. (Oder doch nicht das richtige Gespons fürs Leben gefunden zu haben oder …)

Der Mist ist: Du kannst beim „Was wäre, wenn“-Spiel nur verlieren.

Das wäre dann eben diese individuelle Drohung, auf die Prof. Bude bezugnimmt.

Und dann kommen Leute und brauchen ein Dach über dem Kopf, Arbeit und Geld zum Leben. Anderswo liegen Länder nämlich in echt und nicht nur gefühlt am Boden, und dass es bei uns gefühlt abwärtsgeht, hat sich nicht rumgesprochen, deshalb möchten gern Leute aus selbigen Ländern hier leben.

Überraschung.

Haken bei der Sache: Wir müssten auf eine ganze Ecke Privilegien (wie z.B. günstige Rohstoffe und Gewinne aus Waffengeschäften) verzichten, wenn wir einen ernsthaften Versuch wagen wollten, die Welt zu einem Ort zu machen, wo nicht alle bei uns im gefühlten Niedergang leben wollen.

Wenig überraschend auch, dass nicht nur gegen die ausländischen, sondern auch gegen die inländischen Verkomplizierer*innen via „Gender-Gaga“ etc. pp. gehetzt wird. Noch mehr Privilegien und einfache Kategorien abgeben? Nein, danke.

Ich habe erstmal kein Problem damit, dass Menschen Angst haben. Aber die wenigsten scheinen zu wissen, wie sie damit umgehen sollen. Oder überhaupt zugeben zu wollen, dass sie Angst haben. Stattdessen vergessen sie sämtlichen Anstand und hassen lieber lautstark wenigstens eine Gruppe, die sie als Bedrohung empfinden. (Und lassen sich ob mangelnder Selbsterkenntnis von Leuten wie Trump, Putin und Erdogan instrumentalisieren?)

von wegen wahrheit

Presse angeblich ohne Lügen bei der Leipziger Buchmesse 2016

Nicht umsonst meinen die Jedi:

“Fear is the path to the dark side. Fear leads to anger. Anger leads to hate. Hate leads to suffering.”

„Furcht ist der Weg zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut. Wut führt zu Hass. Hass führt zu Leid.“

Leiden tun dann erstmal diejenigen, die gehasst werden, wie die Geschichte beweist.

Doch weder aus der Geschichte noch von Star Wars scheinen die Leute ausreichend gelernt zu haben.

… Ich bin im Übrigen ein sehr unängstlicher Mensch. Aber vor den ängstlichen Schreihälsen hab ich dann doch ein wenig Angst.

(Siehe auch den Lindwurm über „Meinungen“ und der Freitag über die Schreihälse.)

(Endlich wieder mal was Politisches, R.)

Jahresend-Gedöns 2016

So, das Jahr ist beinahe rum. Mal wieder. Weihnachten habt ihr hoffentlich entweder feiern können oder wenigstens gut überstanden.

Was war 2016?

Zweiundhalb Buchmessen (1, 1 1/2, 2), zwei Lesungen (1, 2), zwei Buchveröffentlichungen (Albenerbe und der zweite Arbeitsbericht des Amts aller Ämter), ein Roman in Rohversion fertig (zu lange gebraucht, weil schlecht geplant), die zweite Rohversion eines alten Teils in Überarbeitung, zweimal im Fernsehen gewesen (mit dem gleichen Beitrag in zwei Versionen). Ein Zeitschriftenartikel. Nicht gezählte Blogposts bei größtteiligem Umzug hierher. (Hi, Follower*innen!). Drei CSDs beehrt.

Nur für den Job oder das Ehrenamt größer durch die Gegend gefahren, dabei aber immerhin in Leipzig Touri spielen können.

Eine kleine Konferenz mitgemanagt, mehr als einmal über asexuellen aktivistischen Kram Frust geschoben, vor allem mit dem Finanzamt und der lieben Bank, die unser Konto bereitstellt.

Mich über Captain America: Civil War aufgeregt.

Schon wieder keine Lust, über die persönlichen Lieblingsromane des Jahres oder derlei zu schwadronieren.

Verflucht viele Musiker*innen tot, und noch mehr Zivilist*innen. Irgendwann aufgehört, mich über Anschläge zu wundern und die veränderte Sicherheitslage als neuen Standard akzeptiert, weil ich sonst nur zähneklappernd in der Ecke säße oder erfolglos Morde planen würde, die eh nichts bewirken täten. Faktisch diesbezüglich also etwas abgestumpft. (Dann ist es eben jetzt etwas gefährlicher als früher, auf einem CSD zu protestieren. Hätte ich vor vier Jahren so noch nicht gedacht.)

Insgesamt mit der persönlichen Statistik recht zufrieden, gefühlt aber zu wenig auf die Reihe gekriegt und mehr im Hamsterrad gewesen.

Island 2015 452In der Hoffnung, dass das nächste Jahr mit mehr positiven Nachrichten für uns alle aufwarten kann, wünsche ich euch/Ihnen allen einen guten Rutsch.

Sex ist eben nicht überall

Siegelmarke Der Rath zu Dresden Direktion der Fleischbeschau W0323469Nachdem ich mir „Fleischmarkt“ von Laurie Penny zugelegt habe und beinahe zum zweiten Mal durch bin, kann ich nun eine Frage differenzierter beantworten, die mir schon häufiger gestellt wurde.

Es wird ja behauptet, dass Sex überall sei – in der Werbung, in Zeitschriften, in Filmen, Büchern, etc. Wie gehst du als a_sexuelle Person damit um? Findest du das nicht eklig?? Stört dich das nicht???

Ich war dann immer ein wenig verwirrt, denn Bilder von halbnackten Frauen an jeder Ecke stören mich schon, aber nicht, weil ich sie eklig finde.

Die kurze Antwort lautet: Sex ist eben nicht überall.

Auch wenn sehr viele Leute das glauben, und nicht zu wenige anti-sex Aces, Medienvertreter*innen und konservative Populist*innen dieser Verwechslung aufgesessen sind.

Was überall ist, ist Erotik, die einmal von allem organischem Material befreit wurde. Mit der Andeutung von Sex, anzüglichen Witzchen und/oder dem Versprechen auf orgasmisches Vergnügen wird ein Haufen Zeugs verkauft. Deos, Damenrasierer, Pralinen, Autoreifen, etc. Dass dieses Versprechen niemals eingehalten werden kann, ist klar, denn die gephotoshoppten Bilder von weißen Frauen mit Schlafzimmerblick haben mit Schleim, Schweiß und Spucke von echtem Sex ungefähr so viel zu tun wie ein Mittelaltermarkt mit Köln anno 1250.

Was mich also stört, ist, dass cis-weibliche Körper dazu genutzt werden, uns Zeugs zu verkaufen. Gleichzeitig vermitteln sie uns, welchem unerreichbaren Ideal wir hinterherstreben sollen. Weiß, schlank, sauber, immer feminin konnotiert angezogen, rasierte Beine, perfekte Frisur, bloß nicht fordernd, etc pp.

Mich stört, dass du in dieser Gesellschaft als Frau, oder ein Mensch, der dafür gehalten wird, immer perfekt, und damit erotisch sein musst, um anerkannt zu werden, aber dabei niemals billig wirken darfst. Du sollst tanzen können wie eine Stripperin, aber wehe, du strippst tatsächlich für Geld.

Aargh.

Was mich außerdem stört, ist, dass zu viele dieses Märchen glauben. Dass zu viele diese Grundsätze so verinnerlicht haben, sodass sie über (andere) Frauen, und solche, die sie dafür halten, lästern, wenn diese das Ideal nicht erfüllen. Was dann andere wieder dazu zwingt, sich zehnmal zu überlegen, ob sie ihre Beine nicht doch rasieren sollen, aus Angst, zu unsexy zu wirken, selbst, wenn ihr*e Partner*in dazu keine Meinung hat.

Manche quälen sich durch Fitnesskurse (kosten Zeit und Geld), futtern Tabletten gegen sogenannte überflüssige Pfunde (kosten Geld und taugen nichts) und kaufen all das andere Zeug, das sie angeblich brauchen, um dem Ideal nahe zu kommen.

Gelegentlich haben ich den Eindruck, dass ich nur genug von den richtigen Sachen kaufen muss, um eine richtige Frau zu sein …

Diese Ansprüche fühlen sich an wie ein modernes Korsett – und sollen wohl eins sein, denn wenn mehr Frauen, und solche, die dafür gehalten werden, mehr Energie in den gesellschaftlichen Wandel, in die Forderung nach gleicher Arbeit etc. stecken würden … dann wäre schön was los. (Hoffe ich wenigstens.) Immerhin kaufen wir angeblich 80% des Zeugs, das produziert wird.

Im Gegensatz dazu habe ich mit beziehungsratgebenden oder sexspielzeugtestenden Zeitschriften und (gut) geschriebenen, ehrlichen Sexszenen sehr viel weniger Probleme. Auch wenn ich letztere lieber nicht selbst produziere und sie ohnehin selten zu finden sind. Für den mies geschriebenem Sex gibt’s einen „Zurück“-Button oder eine Scrollfunktion.

(Andere a_sexuelle Menschen gehen Sexszenen und explizitem Material aber lieber ganz aus dem Weg, was völlig legitim ist.)

In diesem Sinne: Riot, don’t diet.