A_sexualität, Videos, Schon wieder die

Falls irgendwer nachschauen will, ich war letzte Woche im Livestream von 100 % Mensch:

Teil 1 bei Youtube

Teil 2 bei Youtube

Unter der Ankündigung meckerte eine Person, dass da ja schon wieder die Carmilla DeWinter zu sehen sei.

Entgegen aller anderslautenden Gerüchte bin ich nicht so furchtbar scharf darauf, vor Kameras zu sitzen. Allerdings werde ich verhältnismäßig häufig drum gebeten. Was halt passiert, wenn eine zufällig in einem Verein im Vorstand ist, der sich als einziger in Deutschland ums Thema Asexualität kümmert.

Ich hätte gern mehr Leute in diesem Verein, die ich zu so was schicken kann, und die nicht schon mit fünf anderen, ebenfalls wichtigen Vereinen beschäftigt sind, und die keine 500 Kilometer Anfahrt haben. Auch Männer und/oder welche mit Neopronomen. Nicht immer nur die selben drei bis fünf Leute/Frauen. (Wie immer handelt es sich hier ja um eine geringe Anzahl von Menschen, die Zeugs machen, und eine sehr viel größere Anzahl von Menschen, die erwarten oder hoffen, dass andere Zeugs machen.)

Ich fände es auch geil, wenn es einen separaten Verein gäbe, der sich um a_sexuelle Menschen kümmert und in die Communities wirkt, statt „Bildung und Aufklärung“ zu betreiben. Und/oder eine Truppe, die nach dem Vorbild von Aces NRW hauptsächlich Institutionen wegen Fehldarstellungen anschreibt. Und/oder Stammtische mit soliden Ansprechpartner*innen bzw. welche, die zuverlässig über queere Zentren erreichbar sind, statt sich in Foren oder Discord zu verabreden/verabreden zu müssen. Und/oder …?

Aber so weit sind wir halt noch nicht.

Wenn 50% aller Aces nicht bei ihren Eltern und nur etwa 75% bei ihren Lieblingsmenschen geoutet sind, dann weiß ich auch, warum wir da noch Geduld haben müssen. Weil Öffentlichkeitsarbeit ein Coming-out erfordert. Aber die Reaktionen sind halt oft negativ, insofern beißt sich da die sprichwörtliche Katze in den Schwanz.

Mit bleibt weiterhin die Bitte an alle, die es sich leisten können, mutig zu sein.

Frau. (Rowling, zum Zweiten.)

Ich bin mit J. K. Rowling noch nicht durch, fürchte ich. Zu sehr beschäftigt mich die Diskrepanz von Werk und Twitter-Verlauf.

Poetin_von_Pompeji

Zunächst möchte ich auf ein paar interessante Text zur Debatte verweisen.

Die großartige Laurie Penny zerlegte mit einem langen (und logischerweise englischen) Text das britische Problem mit den trans-exkludierenden radikalen Feministinnen (TERFs).  (Merci an fink für den Hinweis!)

Is womanhood a social construct, a personal identity or a material form of oppression based in biological reproductive difference? The answer is yes. The answer is all of the above.

Ist Frausein ein soziales Konstrukt, eine Selbstbeschreibung oder eine materielle Form der Unterdrückung, die auf einem biologischen reproduktiven Unterschied gründet? Die Antwort ist Ja. Die Antwort ist „alles davon“.

Dass J. K. Rowling jemanden als „tapfere Feministin“ bezeichnet, die offenbar regelmäßig andere auf Twitter mit groben Flüchen überzog, und sich auch die Studienlage nach Gusto zurechtbiegt, beweist Brie Hanrahan in mühevoller Kleinarbeit.

(Grundsätzlich sollten Flüche und Schimpfwörter in Online-Debatten etwas wohldosierter eingesetzt werden, als es derzeit der Fall ist. Egal, worum es geht, und wenn die andere Person noch so rechtsaußen/wasweißich argumentiert.)

Zur Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland und den zugehörigen Verteilungskämpfen um Aufmerksamkeit hier Dorothee Markert über die Eroberung des Ehrentitels „Frau“.

Antje Schrupp bezieht sich bei ihrer Frage „Was ist eine Frau?“ dann darauf und zerlegt ebenfalls die Bedeutungsebenen von Biologie, sozialer und politischer Kategorie.

An Brillianz kaum zu überbieten ist Antje Schrupp aber bei der FAZ: Gibt es Frauen und Männer überhaupt?

Das feministische Projekt, das heute ansteht, bestünde hingegen darin, genau diese Personen – Menschen mit Uterus, die Kinder gebären (möchten) – als politische Subjekte zu positionieren, deren Interessen, Anliegen und Bedürfnisse nicht länger missachtet werden dürfen.

Das ist es nämlich. Menschen, die Kinder gebären (können), sind halt auch Menschen und keinesfalls nur die Ressource, als die sie der Rest der Menschheit lange genug behandelt hat.

Nach dieser ausstehenden Revolution hätte die Menschheit zwar immer noch genug Baustellen, aber eventuell wäre dann auch das mit der Transfeindlichkeit durch, da sich dann aufgrund des Geschlechts keine Hierarchien mehr bilden würden.

Auf der Suche nach einem Wort war ich übrigens auch schon, 2011: Kein Fräuleinwunder.

Denn sowohl „Mädchen“ als auch „Frau“ greifen für ihre Definition auf Sex und Ehe zurück, und mit diesen Konzepten kann ich nunmal persönlich eben wenig anfangen.

Als Jugendliche habe ich mit dem Frausein gehadert, denn das Erwachsenwerden als Menschenweibchen kommt eben mit der Erwartung, dass eins hinterher eine Frau zu sein habe. Damals war das für mich eine ominöse und kaum durchdringbare Mischung aus biologisch bedingter Zuschreibung, dem daraus folgenden Imperativ (Du wirst Kinder haben! Du sollst Kinder haben wollen!) und sozialer Kategorie (sei begehrenswert und verhalte dich auf eine bestimmte Weise, damit du einen guten Mann findest, mit dem du dann die Kinder hast, die du haben wollen wirst).

Dass diese Mischung aus Biologie und sozialer Kategorie auch für die meisten Erwachsenen kaum durchdringbar ist, hätte ich damals nicht vermutet.

Jedenfalls erwartet die zukünftige Frau (oder jemand, der dafür gehalten wird) ein ganzer Schwall von Mist, den, wie J. K. Rowling und auch schon Simone de Beauvoir treffend bemerkten, kein Mensch braucht und der bei vielen Jugendlichen eine verständliche Abwehrhaltung hervorruft.

Ich hatte also nie ein Problem mit meinen Teilen (außer als Jugendliche mit der monatlichen Nerverei, da schmerzhaft), sondern damit, wie diese Teile von anderen wahrgenommen werden.

Mittlerweile habe ich mit „Frau“ Frieden gemacht.

Frau also. Ein Menschenweibchen, das aufgrund dieser Biologie derzeit sozial als „Frau“ verortet wird und sich mit dem Geschlecht „weiblich“ beschreibt, obwohl etymologisch betrachtet „Frau“ weiterhin keinen Sinn für mich ergibt. Bin weder von Adel noch verheiratet, nicht wahr? Gelegentlich eigne ich mir die mittlerweile despektierliche Bezeichnung „Weib“ an, mit dem sächlichen Pronomen und allem.

Aufgrund meiner Sozialisation als zukünftige Frau habe ich unter anderem gelernt, meine Leistungen permanent kleinzureden und mich als impertinent zu fühlen, wo ich es gar nicht bin.

Weil ich möchte, dass es weniger Erwartungshaltungen an Menschen gibt, was ihr Fortpflanzungs- und Geschlechtsrollenverhalten angeht (das allen schadet), und weil ich den noch zu benamsenden Menschen mit der Fähigkeit, Kinder auszutragen, den ganzen Sumpf an Stereotypen ersparen möchte, durch den ich gewatet bin, um jetzt hier zu sein, deswegen bin ich „Frau“ derzeit vor allem als politische Kategorie. Das mag sich ändern und es war nicht immer der Fall.

Andere sind aus anderen Gründen „Frau“. Wäre ich jetzt eine TERF, würde ich meinen, dass mir jemand damit etwas wegnehmen will. Das wäre aber genauso unsinnig wie darauf zu bestehen, dass alle a_sexuellen Menschen gefälligst exakt den gleichen Weg wie ich zur Selbstbeschreibung „a_sexuell“ hinlegen und die gleichen Gründe dafür haben sollen. Ein Ding der Unmöglichkeit, eine verengte Sichtweise.

Sinnvoller wäre es dann doch, den Schulterschluss zu suchen und gegen all die Widerstand zu leisten, die die Durchsetzung Frauen- und Transrechte weltweit behindern oder den hiesigen Zustand zur Gesetzeslage der 1950er oder noch früher zurückdrehen möchten. Solidarität statt Verteilungskampf, sozusagen.

 

Bildquelle: Poetin von Pompeji, By Unknown, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32186465

Unzivilisiertes Volk.

Nach der Schule kam die Meieredermutter, um mir das Kochen beizubringen. In meinem Beisein sagte der Vater, wenn sich’s das Dirndl nicht merkt, haust du ihr eine runter, da merkt sie es sich am schnellsten.

 

Diese Raufereien wurden auch unter den Burschen auf dem Tanzboden ausgetragen. (…) Damals kam es auch oft zu Messerstechereien, jedes Mannsbild trug damals ein feststehendes Messer mit sich.

 

Einmal schaute der Herr Pfarrer alle Kinder durch, ob sie auch ihr Gebet- und Gesangbuch dabeihatten. Er kam zu mir und erkannte sofort, dass ich ein anderes, ein kleineres Buch hatte. Ich musste zu ihm kommen, er sah es an und (…) schlug mich mit seinen schweren Händen links und rechts so ins Gesicht, dass mir der Hut vom Kopf flog.

 

Am nächsten Sonntag kam auch schon der nächste Haufen Wäsche, und wenn ich nicht alles fertig hatte, beschimpften mich die Brüder. Oft stand ich in der Ecke, und ein jeder kam her und schlug mich ins Gesicht.

 

Nach den Ungarn kamen dann Sudetendeutsche, die wollten nur kurze Zeit bei uns bleiben, weil ihnen neue Häuser versprochen worden waren (…). Bald aber zogen sie nach Hessen, weil bei uns die Wohnung zu schlecht war und in Hessen Bekannte waren. Nach kurzer Zeit kamen sie wieder zu uns zurück, weil man in Hessen die Wildsäu [Bayern, Anm. d. Blogerin] und die Flüchtlinge nicht leiden konnte.

 

Die Mutter sagte, wir haben gar nichts zum Essen, geh doch wieder hin, vielleicht wird er doch noch gescheiter. Da ging sie wieder. Am nächsten Tag machte er das gleiche, und weil sie keinen anderen Ausweg wusste, gab sie nach. Nun war sie ihm ausgeliefert, und oft hat sie geweint. Wegen dem bisschen Essen machte der Hammel mit ihr, was er wollte. (…) Das ging gut ein Jahr, dann sagte sie zum ihm, Bauer, ich bin schwanger! Da wurde er ganz narrisch und schrie, aber nicht von mir! Du Hure! (…) Sie sagte es der Bäuerrin. Da halfen der Bauer und die Bäuerin zusammen und jagten die Magd vom Hof. Ihr bisschen Gewand haben sie ihr über die Stiege nachgeworfen.

 

Eine Auswahl aus „Herbstmilch — Lebenserinnerungen einer Bäuerin“ von Anna Wimschneider. Erschienen 1984. In meiner Generation oder jünger dürften das nicht so viele gelesen haben.

Diese Geschehnisse haben sich alle zwischen etwa 1925 und 1955 in Niederbayern zugetragen, sind also noch nicht so lange her.

Zitat Wikipedia: „1980 wurde die Prügelstrafe an Schulen auch in Bayern abgeschafft.“ Seit 2000 dürfen Eltern (und andere) Kinder auch daheim nicht mehr schlagen.

Wie fortschrittlich.

Wobei, Kanada und die USA haben es immer noch nicht so richtig gerafft, dass geprügelte Kinder eher gewalttätig werden als welche, die gewaltfrei aufwachsen.

Nur mal für Leute, die immer noch glauben, dass „die Muslime“ oder „die Flüchtlinge“ ja ach so furchtbar altmodisch sind und Frauen verachten und sich prügeln und sich Messerstechereien liefern.

„Altmodisch“ ist sehr, sehr relativ.

Die Prügeleien und die Sachbeschädigungen von Stuttgart sind natürlich verwerflich. Wir brauchen unter anderem Präventionsmaßnahmen, Chancengleichheit und müssen offensichtlich an die Planung für einen Lockdown anders herangehen, selbst wenn wir es bis dahin (utopischerweise) hinbekommen, arme und völlig mittellose Menschen nicht zusammenzupferchen.

Und die Sozialen Medien erweisen sich mal wieder als asoziale Empörungs- und Like-Tretmühlen.

Ich möchte hiermit also darauf hinweisen, dass der Firnis dünn ist und die Nationalität der Hälfte der in jener Nacht festgenommenen Täter*innen ein größerer und vor allem ein zeitbedingterer Zufall ist, als eins auf dem hohen Ross der Selbstgefälligkeit annehmen sollte.

Mist verfluchter

Also, erster Mist: Das Sachbuch — Expedition Unsichtbar — ist vom Verlag auf September verschoben.

Corona und so. Unpraktisch für Autorinnen wie mich, die schon Werbung gemacht haben.

Muss ich erst mal verdauen.

Zweiter Mist: WordPress hat mir eine knappe Stunde Arbeit geklaut. Ein Artikelentwurf bezüglich J. K. Rowling ist verschwunden. Obwohl die Seite behauptete, dass es gespeichert sei. 400 Wörter für den Arsch.

Und davor den neuen Editor probiert: Einmal zu oft auf den Pfeil nach links geklickt (den Lösch-Pfeil), da waren 100 Wörter weg. Das Teil speichert offenbar nicht so oft zwischen wie der alte es (angeblich) tut.

Graaaah.

Also wieder altmodisch den ganzen Kack in OpenOffice entwerfen.

(Und wer sich jetzt über meine Flüche aufregt, das F*-Wort müssen sich meine Kolleginnen live öfter anhören als ihr.)

 

 

Maske und Paranoia

(Kontroverse Meinungen ahoi.)

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Wiederverwendbare Maskensammlung. Mamas Selbstgenähte, eine zugekaufte, Edda-inspiriertes Kunsprojekt und Tentakelbart.

Jetzt ist also seit dem 27.04. Maskenpflicht bzw. Mund-Nase-Bedeckungspflicht für (fast alle) in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften.Witzigerweise hatte das RKI zunächst ja verkündet, das sei nicht nötig.

Ich war seitdem an fünf Tagen auf Arbeit.

Teil 1: Maskenbesserwissen

Habe ich mich dadurch im Bus oder in der Apotheke als Personal sicherer gefühlt?

Nicht die Bohne.

Warum?

Da unser Plexiglas-Spuckschutz nicht an den Seiten geschlossen ist, hat die Chefin uns als Personal schon vor zwei Wochen dank ausreichend besorgtem Material Masken verordnet. Das ist an sich eine sinnvolle Sache. Wir hängen ja länger als 15 Minuten am Tag aufeinander und sprechen von Berufs wegen sehr viel. Wenn mit Masken die Quarantäne-Wahrscheinlichkeit verringert ist: Yay!

Auch wenn ich nach einem normalen Arbeitstag mit FFP2 schwere Beine habe wie sonst nur ohne Stützstrümpfe im Hochsommer. Offenbar kommt da unten nicht genug Sauerstoff an?

Ist jedoch verschmerzbar, da ich Teilzeit arbeite.

Dann gucke ich mir an, was die Leute mit den Masken machen. Mit bestenfalls lasch desinfizierten Händen Maske hoch und Maske runter, zwei-, drei-, fünfmal im Gespräch mit mir oder der Bekannten im Bus, nicht über der Nase getragen. Falschrum getragen mit dem Nasenbügel unter dem Kinn.

Häufig mehr Rumgefummel im Gesicht als ohne. Und bewahre, dass das Outfit deswegen praktischer gestaltet wird. Die Frau Apothekerin hier verzichtet schon seit Wochen zwangsweise auf Ringe, Halsketten und größere Ohrgehänge und steckt ihre Haare weg. Eben um das Rumgefummel zu minimieren.

Und trotzdem beschlägt die Brille … (was sie nicht sollte, aber hundert Prozent dicht ist halt was anderes, auch bei FFP2).

Von den Leuten, die so was gar nicht tragen können, weil Asthma usw., reden wir jetzt erst mal nicht, und dann gibt es noch Leute, die verstehen mich nicht mehr, selbst wenn ich hinter der Maske laut spreche. Weil sie schwerhörig sind und ihnen meine Mimik fehlt. Oder ich verstehe die nicht, weil Maske und Stottern oder Heiserkeit ist, sagen wir mal, eher kontraproduktiv.

Um bei uns den Verbrauch zu minimieren, werden die Masken personalisiert und dann laut Politik-Empfehlung in den Trockenschrank getan. (Apotheken haben so was im Labor, im Gegensatz zu Krankenhäusern.) Dreimal kann man sie laut dieser Angabe so behandeln, danach ist Schluss.

Diese Empfehlung geben wir auch an die Kundschaft weiter. Deren Öfen sind aber keine fein justierbaren Trockenschränke und haben ihre Hitzequelle nicht grundsätzlich hinter einer Abschirmung. Da schmelzen die schnell und günstig produzierten Teile auch schon mal an.

Und nun kamen das BfArM  und das ZDF und sagen, dass die Empfehlung mit 70 Grad Celsius für 30 Minuten nicht ausreicht. 90 Grad und 90 Minuten oder gleich in den Autoklaven/Heißdampf? Ob das billige Gummizeug bei Wegwerfartikeln das aushält? (Wenn die Gummis nicht gleich abbrechen.) Die von der Frau Mama selbstgenähte Option habe ich bislang drei Mal ausgekocht (also je 10 Minuten Heißdampf), und selbst diese auf häufige Wäschen ausgelegten Gummibänder für die Ohren sind nicht begeistert.

Das mit der Abstandsregel ist mit und ohne Maske eine Sache des Münzwurfs. In der Apotheke ist aber wenigstens immer wer mit offiziellem Aussehen (weißer Kittel!) da, die die Kundschaft höflich, aber bestimmt an den Sicherheitsabstand erinnern können. Bei üblicherweise mit Sonderangeboten und Extras zugebauten und ohnehin selten mehr als 1,50 Meter breiten Supermarktgängen ist das selbst mit gutem Willen und Wagenpflicht schwierig. Und wen zum Aufpassen gibt es sowieso nicht.

(Die Security vor dem dm Drogeriemarkt war nach einer Woche schon wieder verschwunden. In der Innenstadt führt das dann schon mal zu kichernden Gruppen gelangweilter weiblicher Teenager in den Kosmetikgängen.)

(Der Busdienst wurde bei uns zeitweise auf Samstagsniveau reduziert. Jetzt ist Maskenpflicht und Läden offen, jetzt fahren sie endlich wieder alle, bis auf die Schulbusse. Abstand ist zumindest abends einfacher.)

Also, mir ist Abstandhalten lieber als Maskenpflicht, zumal vor allem (häufig schlecht sitzende) Mehrwegteile bei Leuten ohne Grundkurs in Basis-Maskenhygiene (die ist komplizierter, als eine meinen sollte, laut RKI) meiner Meinung nach nix verloren haben.

Die Einmalteile brauchen Kliniken, Praxen, Pflegedienste. Und Leute, die hustend, niesend und/oder rotzend vor die Tür gehen (müssen).

Um den Noordlander zu bemühen: Ja, wenn wer eine geschlossene Hose trägt und lospinkelt, kriegen andere keine nassen Beine. Wenn die Person nicht pinkelt, kann es mir aber egal sein, ob sie Hose trägt.

Gespräche bei mir in der Apotheke dauern normalerweise unter fünf Minuten (mit Plexiglas), im Supermarkt kürzer (also zwei bis drei Sätze), warum um aller Welt soll ich da eine Maske tragen, wenn ich den Rest der Zeit symptomfrei atme?

(Apropos: Können wir die Fern-Arbeitsunfähigkeits-Erstellung bei Erkältungen behalten?)

Mir wäre es lieber, wir hätten eine auf Dauer andere Erkältungsetikette. Schniefnasen und die obligatorischen (Theater-)Hustenden hinter geeignete Masken, Homeoffice-Lösungen für arbeitsfähige Schniefnasen, damit sie die Viren nicht in den Öffis und im Geschäft streuen, und … ?

Aber es sieht jetzt halt aus, als würde was getan, nicht wahr? Wir erinnern die Leute daran, dass Ausnahmesituation ist.

Und insofern haben diese von symptomfreien Menschen zwangsweise getragenen Masken und Behelfsspuckefilter für mich gefühlt hauptsächlich eine politische Funktion.

Teil 2: Politik und Denunziantentum

Schon vor der Maskenverordnung gab es ja Menschen, die wegen des Coronavirus in anderen vor allem eine Bedrohung für ihr eigenes oder ein fremdes Leben gesehen haben. (Wie, du fährst mit dem Bus auf Arbeit? Hast du keine Angst um … ?)

Jede Handlung erhielt auf einmal einen moralischen Wert. Garantiert habe ich hier auch wieder Reaktionen auf meine Maskenmeinung, dass das ja total verantwortungslos sei und ich wollte, dass meine Oma stirbt, einself!! (Meine Omas sind seit 51 bzw. 22 Jahren tot, vielen Dank.)

Viele Handlungen haben zwar an sich schon einen moralischen Wert, vor allem in Zeiten des Klimawandels, aber da ist es ja so, dass das zur Not geflissentlich ignoriert werden konnte, zumal die eigene Blase ja ähnlich gestrickt war. Die Wahrscheinlichkeit, dass es eine Person, die auf ihren neuen Marken-Hausfrauenpanzer/SUV stolz ist, in meine Facebooktimeline spült, ist relativ gering. Genauso kenne ich wenig Personen, die auf Kreuzfahrt gehen.

Nun habe ich in meiner Blase aber Menschen, die eine allgemeine Maskenpflicht das beste seit geschnitten Brot finden und mich wahrscheinlich nach diesem Posting kloppen, egal wie begründet meine Fragen sind. Dazu kommen Leute, die Masken prinzipiell immer kacke finden und solche, die das halt mitmachen, aber sich mehr als ich um ihre Freiheitsrechte sorgen und …

Vor Corona-Lockdown kam ich mit dieser gemischten Truppe erstaunlich gut aus.

Ich habe mich entschlossen, nur Leute zu entfreunden, die echten Bockmist verzapfen und sich nicht einfach um grundverschiedene Dinge sorgen. Bislang habe ich dieses Instrument noch nicht benutzen müssen.

Und das ist nur die Onlineblase.

Live muss ich zwischen „Ähhh, die trägt aber keine Maske!!! Polizei!! Wieso sagen Sie nichts, Fräulein?!“ (aber gern auch mit schlecht schließender Selbstgenähter) und „Ich habe einen Herzfehler, ich kriege keine Luft“ vermitteln.

Ich muss nunmehr von Berufs wegen alle misstrauisch beäugen, die in den Laden stolpern, und nicht nur die rausfiltern, die Rezepte gefälscht haben/ihr Codein  vermutlich weiterverkaufen/ihre Versicherung betrügen wollen/etc.

Ich mag aber nicht jeder Person, die sich (mal) schlampig an die Regeln oder mit guten Gründen nicht an die Regeln hält, unterstellen, dass sie ein völlig verantwortungsloses Arschloch ist, das meine Oma bzw. anderer Leute Omas und Vorerkrankte umbringen wird.

Ich mag dieses Kontrolldenken nicht. Ich mag nicht, was diese ständige Ermahnerei und dieses Misstrauen mit meinem Hirn machen, und ich mag es nicht, wie es selbsternannte Blockwarte bestärkt, die zwar Menschengruppen auf der Straße melden, aber garantiert niemals das misshandelte Kind aus der Wohnung gegenüber.

 

 

 

 

 

 

 

Aces, Zitate und seltsame Startseiten …

… oder: Die DeWinter prokrastiniert.

In den letzten zwei Tage ist meine asexy Facebook-Blase voll von Werbung für eine neue Partnerbörse names Acedate.de.

Eine Person meines Vertrauens hatte sich die Startseite angeschaut und eine Ungereimtheit gefunden, und da ich es gerade vermeide, an meinem neuen Roman weiterzuschreiben, habe ich mal genauer hingeschaut.

Am Anfang klingt das natürlich geil: Eine neue, kostenlose Singlebörse für Menschen aus dem asexuellen Spektrum! Und sogar aromantische Leute sollen sich da wohlfühlen. Wow.

Ist natürlich werbefinanziert, deshalb muss die angemeldete Person ihre Daten von Google Analytics analysieren lassen.

Ein wenig seltsam auch, wenn man weiterscrollt:

screenshot Acedate cropped

„Acedate ist eine seriöse und 100% kostenlose Dating und Partnersuche Plattform für Menschen mit Depression, Phobien oder Burnout Syndrom, Sowie Menschen mit Beziehungsangst und psychisch stabilen Menschen für die besagte Erkrankungen kein Beziehungs-Hindernis darstellen.“

Abgesehen von der grausigen Verwendung und Unterlassung von korrekten Kommas und anderen Satzzeichen klingt das nun nicht besonders, als seien a_sexuelle Menschen angesprochen.

Oder wendet sich das an die Leute, die glauben, dass wir Aces alle einen an der Waffel haben? Nach dem Motto: „Wir wissen ja, dass a_sexuelle Menschen gar nicht existieren und dass die unterliegende Schwierigkeiten haben, die sie nur nicht zugeben wollen. Wenn Sie normal sind und Ihnen das nichts ausmacht, können Sie sich trotzdem umtun.“

Die Person meines Vertrauens meinte, es sei nur schlecht abgeschrieben, oder dass da eigentlich was anderes hingehört.

Was es nach einer Copy-Paste-Suchmaschinennutzung ohne die ersten Worte auch tatsächlich tut.

Ein wenig hat wer dann doch mitgedacht, denn es erscheint, wenn wir den „Mehr“-Button drücken:

„Acedate.de ist eine kostenlose Dating und Kennenlern Plattform, die sich an Menschen im asexuellen Spektrum richtet. Acedate versucht hierbei eine Anlaufstelle zu sein, für asexuelle Singles mit Wunsch nach Partnerschaft und/oder evtl. Kinderwunsch sofern vorhanden. Dar Asexualität wenn überhaupt dann nur bedingt auf konventionellen Partnersuche Seiten berücksichtigt wird, freut es uns ebenjene Lücke zu füllen und Menschen auf der Suche nach einer Beziehung behilflich zu sein, wo anderenorts Asexualität als widriger Umstand empfunden und behandelt wird. Ebenso sind gerne Angehörige oder Interessierte willkommen, die sich über die Themen Asexualität, Aromantik, Demisexualität oder Greysexualität erkundigen wollen, da Acedate ebenso über ein Forum zwecks Wissenstransfer verfügt. Eben genannte Ausprägungen der Asexualität werden zum Zeitpunkt dieser Niederschrift von Acedate unerstützt und können auf der persönlichen Profilseite ausgewählt werden. Sämtliche Nutzungsfunktionen von Acedate sind und bleiben kostenfrei. Uns würde es freuen Asexuelle Menschen mit dem Wunsch nach Liebe, Beziehung und Familie zusammenzuführen.“

Das ist jetzt, lassen wir die Rechtschreibung, das Überangebot an fetter Schrift und die weiterhin kreative Anwendnung von Leerzeichen beiseite, eigentlich ein ganz nettes Statement über die Mission.

Scrollen wir nach Klicken des „Mehr“-Buttons weiter, finden wir Links zu schlecht lesbaren Informationen über Asexualität (ohne Quellenangabe von Wikipedia und Anthropedia kopiert, wie man problemlos an den Fußnoten erkennen kann) und Demisexualität, das ohne Quellenangabe bei GoFeminin kopiert wurde.

Es wäre jetzt nicht das erste Medium, das fremde Texte über Demisexualität kopiert. (Ich finde den Link auf Anhieb nicht mehr, aber ihr wisst, wer ihr seid.) Und während ich bei meinen Webtexten und Wikipedia zumeist umgänglich sind, ist das ungefragte Klauen bei einer kommerziellen Seite jetzt vielleicht nicht ganz so klug.

Bei Greysexualität kommen wir an einem Artikel über Depression raus. Das nährt den Verdacht, dass es schlecht abschrieben/adaptiert wurde, aber wenigstens hat der Artikel  eine Quellenangabe.

Dennoch ist es so absurd, dass ich nicht umhin kam, diese Kopie davon bei der Wayback-Machine zu speichern. (Das geht. Wenn Sie seltsame Sachen im Netz finden, können Sie diese zu Beweiszwecken dort speichern lassen, falls es noch nicht getan wurde.)

Der Text über Aromantik ist ohne Quellenangabe beim Asex-Wiki kopiert.

Also, da hat offenbar jemand etwas sehr schnell aus dem Boden gestampft. Und mit Urheberrecht haben die es auch nicht so, aber ehh. Was ist schon ein ordentliches Zitat?

 

 

Katze tot/Fragezeichen/Systemrelevanz

Physics, Schrödinger'S Cat, Schrödinger

Diese Katze war zum Zeitpunkt, als das Foto entstand, lebendig. Bild von Geralt via Pixabay.

Mein Schweigen seit letzter Woche liegt darin begründet, dass die Katze tot ist: Die Kollegin hat dann doch Corona, Ansteckungsweg unbekannt.

Vielleicht hatte ich mir das auch nach der Nebenhöhlensache eingesammelt und ihr weiterverteilt, und der seltsame Schnupfen war doch keine Grippe mit ein bisschen Rhinovirus?

Ich war garantiert bis zum 8. März ansteckend, und das wäre dann ein später, aber nicht unmöglich später Krankheitsbeginn ihrerseits.

Aber am 2. März hat da noch niemand drüber nachgedacht. Vor allem nicht bei einem doofen Schnupfen.

Viele Fragezeichen. SARS-CoV-2 macht schräge Dinge mit Menschen und manchmal (sehr häufig) halt auch gar nichts. Aber wenn man es bös hat (also eine Lungenentzündung davon bekommt), hat man’s wohl richtig bös, wenn ich den Ausführungen des Robert-Koch-Instituts richtig gefolgt bin.

Jedenfalls ist die Kollegin samt der dazu eingeteilten A-Schicht am Montag dann noch nachträglich in Quarantäne versetzt worden, und ich bin seit Dienstag fast in Vollzeit, was ich irgendwie nicht mehr gewohnt bin. Ein Quartalsbeginn mit erhöhtem Aufkommen von Inkontinenzbedarf und Pflegehilfsmittellieferungen ist auch noch dabei, wir diskutieren uns den Mund fusselig. Nein, Händedesinfektion nur 100 Milliliter, die kriegen wir leider zu einem Preis geliefert wie sonst die 500 Milli. Und nur drei, und nur zwei Packen Handschuhe, weil andere wollen auch noch was. Aber immerhin haben wir welche, ne?

Sagrotan Flächendesinfektion ist aus. Mein Handy bekommt nach jedem Arbeitstag eine Behandlung mit Wasser und Seife. Und Ihres?

(Sprühen ist halt bequemer als Klodeckel mit Lauge putzen, ich weiß.)

Masken kann ich in Rückstellung nehmen. Nein, ich verstecke keine vor Ihrem Kind mit Mukoviszidose oder Ihren gebrechlichen Eltern. Wenn wir unsere letzten Einzelstücke rausgeben, müssen wir bei jedem weiteren Corona-Fall den Laden dicht machen.

Dass ich auf Montag eine Nacht wegen Notdienst und auf Mittwoch eine Nacht hormonbedingt höchstens je vier Stunden geschlafen habe, macht die Sache nicht besser.

Als gestern noch Energie übrig war, habe ich die Punk’n’Roll-Version einer Behelfsmaske zu nähen angefangen.

Public Service Announcement

#GrundeinkommenJetzt!

Nur falls es wer in meiner Blog-Filterblase noch nicht gesehen hat: Es gibt eine Petition, statt Krediten und irgendwelchen Hilfen einfach mal sechs Monaten allen Leuten Geld zu zahlen. Wäre weniger Bürokratie und mehr Sicherheit.

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Zumal die Ladenbetreibenden langfristig zu kämpfen haben werden, daher: Wartet halt mal ein paar Tage mit dem Shoppen und unterstützt diejenigen, die jetzt ihre Läden zumachen müssen. All die kleinen Geschäfte, ohne die eine Innenstadt gähnend langweilig wäre. Keine fünf Packungen Schoki oder Pralinen als Dankeschön für Pflege, Krankenhaus, sonstwo, sondern ein 5- bis 10-Euro-Gutschein von einem der Läden, die jetzt grade geschlossen haben müssen und nicht wissen, ob sie ihre nächste Miete zahlen können.

#supportyourlocals

 

Mit Grüßen an die von DasNixblix passend betitelten Kackbratzen, die uns wahrscheinlich ab übermorgen eine Ausgangssperre bescheren und dann Amazon noch weiter leerkaufen, als sie es ohnehin schon tun.

(Manchmal tät eine sich schon erträumen, dass so ein Virus nach Solidarität selektiert.)

Leipziger Buchmesse/LBM 2020 und SARS-CoV-2

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LBM 2017 — eine Weile her …

Sofern das SARS-CoV-2 der ganzen Sache keinen Strich durch die Rechnung macht und ich selbst von andere Viren verschon bleibe, werde ich zur Buchmesse drei Tage in Leipzig weilen.

Bei dead soft in Halle 1, Stand A 301 bin ich für Freitag, 13. März, von 12-13 Uhr eingeplant.

Wenn ich sonst nicht bei diversen Lesungen und feministischen Diskussionsrunden weile, werde ich vermutlich in Halle 2 bei Edition Roter Drache rumlungern (und zu viele Bücher kaufen — Stand K 310-312) …

… oder auch mal PAN e.V. unsicher machen (Halle 2, K 601).

 

Übrigens, ich bin eine von den Irren, die hat keinen Mundschutz daheim, obwohl sie in einer Apotheke arbeitet und hätte welchen kriegen können, als es noch welchen gab.

Bei uns im Laden hat nur eine mitgenommen, die eine kranke alte Verwandte pflegt.

Weil:

1. Davon bleibe ich auch nicht gesund.

Und 2. Wenn ich jemals ansteckend bin und davon weiß, muss ich eh in Quarantäne. Wenn ich nicht weiß, dass ich ansteckend bin, trage ich auch keinen Mundschutz.

Satz mit X also.

Nur weil’s im Fernsehen ist, braucht ihr das nicht auch. Asiatische Touristinnen haben schon anno 2015 in der besten Luft der Welt (Island) Munschutz getragen, da hattet ihr noch nie was davon gehört.

Guckt lieber, dass ihr regelmäßig eure Pfoten wascht, niest und hustet verflucht nochmal in eure Ellenbeuge und nicht in die offene Hand (ich freu mich immer, wenn dann jemand mit seinen Rotzpatschern bei uns in der Apotheke auf den Tresen tappt oder mir Geld damit überreicht/Ironie Ende), haltet eure Schleimhäute feucht (vor allem in Flugzeugen und bei Klimaanlagen), fasst in der Arztpraxis keine Zeitschriften an, etc.

Also eigentlich der ganze Kram, den so ein Mensch die ganze Zeit beachten sollte, aber irgendwie kriegen es nicht nur rebellische Fünfjährige, sondern auch ganz hundsgewöhnliche Erwachsene hin, sich nach der Benutzung eines WCs nicht die Hände zu waschen.

Oh ja, und Deckel beim Spülen runterklappen. Echt, ey.