Verteilungskämpfe

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Oder: Warum meine neusten Figuren unverbesserliche Hipster ohne eigene Autos sind anhand aktueller Beispiele.

Landtagswahlen in Bayern und Hessen sind rum. Am letzten Sonntagmorgen kam im Radio eine Meldung, dass die CSU jetzt genau analysieren will, warum die Leute zur AfD und den Grünen abgewandert sind. Außerdem noch eine Meldung, dass die SPD wieder ihre Arbeitspolitik in den Vordergrund rücken möchte, um damit Stimmen zurückzuholen.

Ich habe auch irgendwo gelesen, dass Arbeit eben nicht das Thema der Zeit sei, sondern Migration, und dass die diametral gegensätzlichen Positionen eben von AfD und Grünen bedient würden, und sie deshalb so viel Zulauf hätten.

Und ich denke … hmm. Jein.

Seien wir mal ehrlich: Sehr viele Leute reißen sich den Arsch auf, damit ihre Kinder es mal besser haben als sie.

Frage: Was ist eine bessere Zukunft?

Ist ein Skiurlaub in einem für Pisten zur Unkenntlichkeit zerstörten Gebirge plus zwei Flugreisen im Jahr „besser“? Ist ein eigenes Auto für den im Haus lebenden Sprössling „besser“? Wie viele Schränke voll Klamotten zählen als „besser“? Wieso füllen manche Ein-Personen-Haushalte monatlich mehr als einen halben gelben Sack mit Plastikmüll? Ist ein neues Smartphone alle zwei Jahre notwendig oder pervers? Wieso halten die Teile eigentlich auch nicht viel länger, ohne rumzumucken?

Wieso ist es billiger, eine neues Waschmaschine zu kaufen, als die alte zu reparieren?

Ab welchem Grad leben wir über die ökologisch sinnvollen Verhältnisse? Und zwar so, dass wir absehen können, dass die Enkel oder Urenkel es eben nicht besser haben werden, sondern mit Pech eine postapokalyptische Welt besiedeln?

Und zwar ganz ohne Zombies und Nuklearkatastrophe, sondern nur mit verändertem Klima? Also, so die richtige A-Karte …

Dazu müssen wir folgende Fakten rechnen: Eine Welt, in der es seit Jahren auf dem Sparkonto fast keine Zinsen mehr gibt. Eine Welt, in der Leute sagenhaft billige Kredite aufnehmen können, um Wohneigentum zu finanzieren, aber gleichzeitig um ihre Jobs bangen.

Ein mir bekannter Buchhaltungsexperte hat sich aus seiner eigenen Firma wegrationalisiert, indem er ein neues Computerprogramm implementiert hat.

So was blüht angeblich einem Haufen Arbeitsplätzen in den nächsten Jahren. Es gibt Leute, die durch Big Data und künstliche Intelligenz ein Wegsterben von 30% oder mehr aller Arbeitsplätze prophezeihen.

Gleichzeitig sind Arbeitsplätze, die wirklich wichtig sind und nicht ersetzt werden können — in der Pflege, beispielsweise — schlecht angesehen und/oder mies bezahlt und/oder haben offen gesagt beschissene Bedingungen. Wie ein befreundeter Arzt in etwa meinte: „Ich arbeite derzeit um die 52 Stunden die Woche, obwohl ich mir nach Nachtdiensten den Tag freinehmen muss. Ich würde mit Kusshand in einem echten Schichtdienst arbeiten, wenn ich dann tatsächlich eine 40-Stunden-Woche hätte und meine Kinder öfter sehen könnte.“ (Pflegekräften geht’s ähnlich, nur mit weniger Geld, weniger Anerkennung und mehr Rückenbeschwerden.)

Die sogenannte Mittelschicht jedenfalls sieht ihre Privilegien und Felle davonschwimmen — der sinnfreie SUV für die Zone 30 dient dann wohl auch dazu, darzustellen, dass eine sich keine Sorgen machen muss. Während Leute wie ich schon lange damit abgeschlossen haben, dass sie nie den Wohlstand erreichen werden, den ihre Eltern zu den besten Zeiten genossen haben.

Respektive könnte ich es schon versuchen: Als selbstständige Apothekerin mit 60-Stunden-Woche und mit Pech ohne Urlaub. Dazu mangelt es mir aber an dem Willen, Leuten unnötigen Scheiß in Plastikverpackungen und Aluminium zu verkaufen.

Und ehrlich: Wozu? Zumal das entscheidende Wörtchen „versuchen“ heißt. Garantiert ist bei den derzeitigen Marktbedingungen nichts außer Stress. Und, mit sehr viel Pech, siehe oben, apokalyptische Zustände, bei denen ich an die illegal in die Schweiz geschaffte Kohle eh nicht mehr rankomme.

Bei der derzeitigen Aussicht beschließen denn manche mit sozioökomisch niedrigem Status, dass sie gleich fragwürdig wenig Grundsicherung beziehen können, statt für fragwürdig wenig Mindestlohn zu malochen und sich dann eine Wohnung in einer Metropolregion doch nicht leisten zu können. „Hartz Vier und der Tag gehört dir“, um eine Bekannte zu zitieren.

Der Kapitalismus frisst seine Kinder

Dauerwachstum funktioniert ab einem gewissen Grad eben nicht mehr.

Es ist also ein gewisses Unbehagen in der Kultur, behaupte ich mal. Weil halbwegs aufmerksame Personen ahnen, dass viele von uns gerade wie die Haute Volée auf der Titanic feiern, obwohl das Schiff den Eisberg schon gerammt hat.

Es gibt einen Grund, warum Dystopien en vogue sind unter den Jugendlichen. Und es gibt einen Grund, warum Thanos, der Titan, bei Marvel nicht mehr die Dame Tod umwirbt, sondern eine Umweltkatastrophe galaktischen Ausmaßes verhindern möchte.

Die AfD behauptet, dass dieses Unbehagen verschwinden würde, wenn wir alle rauswerfen, die nicht arisch genug aussehen, wenn jede Frau wieder mindestens drei Kinder hat und nicht mehr arbeiten geht, wenn Menschen gleichen Geschlechts nicht heiraten dürfen und wir die Unterstützung für Alleinerziehende genauso kappen wie sämtliche Ziele, den CO2-Ausstoß zu verringern.

Die Grünen behaupten in etwa das Gegenteil: Wir besteuern unnötigen Scheiß, schränken die wüstesten Auswüchse des Kapitalismus ein und haben hoffentlich eine Welt, in der Kinder jedweder Hautfarbe auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik einigermaßen gut leben können. Außerdem wissen sie, dass das Wetter sich einen Scheiß um Landesgrenzen kümmert.

Dieses Gegenteil erfordert aber den Griff an die eigene Nase und davor fünf Minuten Nachdenken, was erklärt, warum die Grünen bei Wahlen nicht so viel besser abschneiden, wie nachdenkende Personen sich das vielleicht wünschen würden.

Ich glaube nicht, dass ich die erste Person bin, die diese Beobachtungen gemacht hat und einen Zusammenhang sieht. Und das mit dem Grundeinkommen nicht so doof findet. Ich würde nämlich gern mehr soziales Ehrenamt, aber das hindert eine so am Geldverdienen.

Da ich keine Politikerin bin, schreibe ich halt über Hipster, die völlig unironisch kein Auto besitzen und Jutebeutel benutzen.

Jedenfalls: Irgendwer muss doch Arsch genug in der Hose haben, mit den Leuten mal Tacheles zu reden, statt ihnen vorzugaukeln, dass die Party ewig so weitergehen kann?

Wort zum Sonntag/Tanz-Teaser

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Anlässlich einer kurzen Spontanlesung bei einem Tanzklamotten-Basar gestern:

… Nachdem die Diener eine letzte Runde Tee aufgetragen hatten, rief Gahif nach Tanz, also trommelten immer zwei von ihnen, während die Dritte tanzte.

Oh, ich sehe schon, wie einige von Euch genauso anfangen zu sabbern wie Gahif und seine Gäste. Es ist schon sehr lange her, dass der Tanz aus dem Osten reine Frauensache war, etwas, das die Frauen unter sich taten, um den Göttinnen zu huldigen und sich die Geburt zu erleichtern. Ganz davon abgesehen, dass dieses Gewackel mit dem Hintern grauenvoll schwierig ist.

Ja? Versuch du mal, mit den Schultern zu rütteln und deine Hüfte dabei still zu halten. Oder mit dem Hintern zu wackeln, dabei elegant zu laufen und gleichzeitig mit dem Oberkörper einen Kreis zu beschreiben.

Geht nicht?

Geht schon. Siehst du?

Aber ein Mensch muss lange dafür üben. Wenn ihr also irgendwann eine Dame den Tanz aus dem Osten vorführen seht, dann wisst ihr jetzt, woran ihr erkennen könnt, ob sie weiß, was sie da tut.

 

… So viel zu: Oh, du schreibst was, das nach „Tausend und einer Nacht“ klingt. Da kannst du ja was mit orientalischem Tanz reinpacken!

Ich wollte es erst aus reinem Trotz weglassen. So, wie ich auf die fliegenden Teppiche und die drei Wünsche verzichtet habe.

Aber dann bot sich die Gelegenheit bei dieser Szene, und zu dem Zeitpunkt hatte ich genug Geschichten von mir bekannten Tänzerinnen beisammen, um die mysteriöse Exotik des Ambientes hoffentlich konsequent wegzupflücken.

Kurz: Ich beneide keine der Tänzerinnen, die tatsächlich vor einem Publikum tanzen (müssen), das keine Distanz hält. Und selbst mit räumlicher Distanz ist eine vor blöden Sprüchen nicht sicher.

Die Klamotten, die eine Person trägt, oder auch nicht trägt, sollten sich nicht auf den Respekt auswirken, der ihr entgegengebracht wird

Ich habe was gegen Kleidervorschriften, die nicht mit Hygiene und Arbeitssicherheit zu tun haben.

Jedenfalls, zum Beweis, wie schwierig dieses „Gewackel“ ist, und dass es nicht immer neckische Erotik sein muss: Einmal Trommelsolo eher klassisch von Jillina (Maya wird so tanzen, mit mehr Kleidern und weniger Artistik) und einmal Tribal Style von Rachel Brice.

Jungfrau, Mutter, Vettel, Ass?

Ich war im Juli in der Medienlandschaft präsent. (SpOn, Baby.)

CH-NB-Kartenspiel mit Schweizer Ansichten-19541-page057Jedenfalls wurde ich mal wieder danach gefragt, was ich in den vergangenen zwanzig Jahren sexuell so erlebt habe, und ich habe wie immer keine detaillierte Antwort gegeben.

Andere interviewte Menschen aus dem asexuellen Spektrum mögen das anders sehen (winkt), aber von mir gibt es prinzipiell keine Detailauskünfte. Vielleicht habe ich auf einem Konzert mit wem rumgemacht, vielleicht auch nicht. Vielleicht habe ich mich auf einer Fete aus Neugier betrunken abschleppen lassen, vielleicht auch nicht. Vielleicht habe ich nichts zu berichten, vielleicht auch nicht. Vielleicht hab ich etwas getan, auf das ich nicht besonders stolz bin, vielleicht aber auch nicht.

Es sollte eigentlich egal sein.

Oder? Es ist 2018.

Wenn wer freiwillig aus seiner/ihrer sexuellen Vergangenheit erzählt, dann finde ich das völlig in Ordnung und teils sogar bewundernswert. Denn einige sind mit Details großzügig, um unsicheren und fragenden Menschen zu versichern, dass das nicht nur ihnen so geht/ging.

Und wenn eine nicht mit Details rausrückt?

Dann sollte eins nicht danach fragen. Weil’s den Rest der Welt nichts angeht. Was ich getan oder nicht getan habe, ist sowieso je nach Gusto der Lesenden entweder zu viel, um noch als asexuell durchzugehen, oder zu wenig, um zu beweisen, dass ich versucht habe, „normal“ zu sein.

Abgesehen davon scheint es mir, dass Frauen mehr diesbezügliche Dinge gefragt werden. Mag auch daran liegen, dass in einschlägigen Interviews meistens Frauen  zu Wort kommen.

Insgesamt aber habe ich das nagende Gefühl, dass diese Gesellschaft sich immer noch auf einem geradezu mittelalterlichen Niveau dafür interessiert, ob, wie oft, wie und mit wem Menschen mit Gebärmutter ihre Geschlechtsteile benutzen. Um dann zu bewerten, ob es zu oft, zu selten, mit der richtigen Person (Notiz: es darf nur eine gleichzeitig sein) und in einer derzeit akzeptablen Weise stattfindet und ob zu wenige oder zu viele Kinder dabei rausgekommen sind.

Dabei leben wir nicht mehr im Mittelalter.

Es gibt mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Wir könnten im Grunde ein paar weniger gebrauchen, vor allem von denen, die per Gewohnheitsrecht jede noch so kurze Strecke mit dem Auto fahren, täglich tote Viecher essen und jedes Jahr mindestens eine Flugreise unternehmen. (Eigene Nase? Ich? Wo? … Habe außerdem den nagenden Verdacht, dass die Verfechter:innen des herbeifantasierten „reinen deutschen Blutes“ sowas ahnen und auch deswegen gegen Schulaufklärung sind.)

Die Menschheit stirbt nicht mehr aus, wenn ein paar gebärfähige Menschen gar nicht oder nur zum Vergnügen poppen und keine Kinder haben.

Ehrlich nicht.

Ob’s nun aus Profession Neugierige sind oder der Rest der Republik, der beleidigt ist, wenn wer nicht mit den Infos rausrückt, und auf jeden Fall die, die meinen, ein Recht darauf zu haben, über fremde Gebärmuttern zu bestimmen: Entspannt euch mal.

„Neoliberal“ für Dummies und Heid*innen

Auf der Buchmesse in Leipzig und der ComicCon umschlich ich unter anderem „Aussen – Asgard – Tag“ von Axel Hildebrand und nenne ein Printexemplar nun schon seit jener Con mein eigen.

Hier ist der Anfang des Klappentextes:

„Ordnung trifft Chaos – Beschützer der Menschen trifft Chaosbringer – Thor trifft Loki – zwei Götter, die unterschiedlicher nicht sein können.
Nicht selten sind die beiden, die durch die Blutsbruderschaft Lokis mit Odin von Amts wegen her Onkel und Neffe sind, vor den Toren von Asgard unter sich. Und dabei kommen sie ins Gespräch über dieses und jenes in Midgard und Asgard und werfen so manche philosophischen Fragen auf …“

Neben einigen Sachen, die nur lustig sind, fand ich auch den Neoliberalismus eloquent erklärt, nämlich im Kapitel „Yoga“. Ich zitiere mal ab Seite 175 unten:

THOR

Der große Vorteil ist auch noch: Weniger Verantwortung für uns.

LOKI

(interessiert) Ach …?

THOR

Ehrlich. Weil der Kern von dem Esoterik-Gesumse ist immer: Egal, was dir passiert … du hast es dir selbst so ausgesucht.

Das gilt aber derzeit nicht für Esoterik-Gesumse allein.

Neoliberalismus ist auch, wenn dir alle einreden, dass du dein Glück nicht nur schmieden, sondern es aus nichts machen kannst. Dass du dich nur genug anstrengen musst, weil logisch niemand auf den alterhergebrachten, gewohnten Privilegien sitzt und diese mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Sie reden dir ein, dass jede Krankheit entsteht, weil du dich falsch ernährt hast oder die falsche mentale Einstellung zum Leben hattest. Und wenn du mit den zunehmend nervigen Arbeitsbedigungen allerorten Probleme hast, dann mach doch bitte in Achtsamkeit, statt die Arbeitsbedingungen zu kritisieren.

In den elf Jahren, seit ich das erste Mal in einer Apotheke gearbeitet habe, hat sich der bürokratische Zeitaufwand verdoppelt. Und das ist bestimmt nicht das einzige Arbeitsfeld, in dem es mehr um Controlling, Abrechnung und Formulare als um das geht, was mensch eigentlich gelernt hat. (Hallo, liebe Ärzt*innen, Pflegende, etc.) Nebenbei frisst die ach so gerühmte Flexibilität ihre Kinder und produziert Alterseinsamkeit und schlechte Pflege.

Aber wir sind alle nicht tiefenentspannt genug. Eindeutig.

 

Männlichkeiten und Stammesdenken

Arnold Böcklin - Germanen auf Eberjagd

Das traditionelle Germanenbild kämpferischer Männlichkeit via Wikimedia Commons: Zwei Kerle in seltsamen Leibchen, die so bei den germanischen Stämmen gewiss niemand getragen hat. (Und wer ohne Speer oder Schusswaffen Wildschweine fangen will … und draufgeht: Selber schuld, sag ich.) Immerhin ist einer davon nicht blond.

Über einen kurzen Link bei der Mädchenmannschaft fand ich zu einem Artikel über Männlichkeit bei LOTTA, einer antifaschistischen Zeitschrift für NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen.

Der gesamte Artikel zitiert zur Argumentation einen Haufen misogyner Äußerungen, in denen neue und alte Rechte teilweise die Vergewaltigung feiern. Insofern sei beim Lesen Vorsicht geboten. Da manch ein zitierter Herr heuer für die AfD-Fraktion arbeitet, braucht eine vielleicht auch einen Eimer zum Reinkotzen.

Jedenfalls stehen nachdenkenswerte Sätze in dem Artikel.

Männer_Bande(n) und Krieg?

Männlichkeit, so Connell, steht nicht nur mit der Weiblichkeit als Gegenüber im Verhältnis, sie setzt vor allem die Männer untereinander in Beziehung. Diejenigen Männer, die selbst nicht (…) dem leitenden Bild von Männlichkeit entsprechen, müssen enorm viel Energie darauf verwenden, dem Idealbild des „echten Mannes“ hinterher zu jagen. Damit schaffen sie das Ideal immer wieder neu und erhalten somit das System aufrecht, das sie dazu antreibt.

Klar gibt es Konkurrenzdruck innerhalb jedes Geschlechtersystems — die meisten als Frauen sozialisierten Menschen werden wissen, dass niemand so sehr auf deinem Körper und Outfit herumhacken kann wie andere Frauen. Allerdings geht es nicht unbedingt darum, anderen Frauen die eigene Weiblichkeit beweisen zu müssen — meine weiblichen heterosexuellen Bekannten denken wohl kaum darüber nach, ob es unweiblich ist, wenn eine von ihnen ein Bier zischt, wohingegen ein heterosexueller Mann mit einem fruchtigen Cocktail in der entsprechenden Runde schon eher nachdenken müsste.

In der extremen Rechten herrschte seit jeher das Bild des „soldatischen“ und „kriegerischer“ Mannes vor, das eng mit der Weltsicht des Daseins als Kampf verknüpft ist. (…)

Donovan propagiert (…) eine „natürliche“, triebgesteuerte Männlichkeit, die durch Kampf, Revier, Antiintellektualität und Frauenhass geprägt ist. (…) Donovans Vorstellungen sind nicht nur extrem misogyn, sondern sie haben einen antiegalitären und antidemokratischen Kern. Männlichkeit ist für ihn gleichbedeutend mit Kampf und Durchsetzung der eigenen Interessen. Diskussion und Intellektualität sind für ihn weiblich, Zeichen der Dekadenz und des Niedergangs …

Bande/Stamm und Boden?

Witzigerweise habe ich mich in den letzten Wochen zwecks Recherche auf einem echt sympathischen heidnischen Blog rumgetrieben. (Ja, solche gibbet auch.) Dabei stieß ich auf eine kleine und äußerst lesenswerte Serie über Stämme: Teil 1, Teil 2, Teil 3

Und da fiel mir dann auf, dass diese Verteidiger der ursprünglichen Männlichkeit mit ihren Thor-Steinar-Uniformen ein echt schräges Bild von den germanischen Stämmen haben, die sie so gern als Idealbild heranziehen.

Zum Thema Blut und Boden schreibt MartinM:

Zu einer „typischen“ Stammesgesellschaft gehört in aller Regel ein Mythos über den Ursprung des Stammes. Meistens betrachten sich die Stammesangehörigen als Nachkommen eines mythischen Vorfahrens (…) und daher als eine einzige große Familie. Die Betonung liegt dabei auf „Mythos“, denn praktisch alle Stammesgesellschaften adoptieren Stammesfremde, nehmen sie in die „Stammesfamilie“ auf (…) Die West- und Ostgoten der Spätantike waren ebenso wenig alle Nachkommen (…) des legendären Königs Berings, wie die heutige weißen englischsprachigen protestantischen Bürger der USA allesamt Nachkommen der mit der Mayflower gelandeten Pilgerväter wären.

Ein Stamm kann zwar ein Gebiet als „Stammesland“ beanspruchen, ist aber, anders als ein (National-)Staat, nicht unbedingt an ein bestimmtes Territorium gebunden: Ein Stamm besteht, wie die Goten, fort, auch wenn er die ursprüngliche Heimat verlässt …

Und was da ist das mit Diskussionen, die als zu feminin verschrieen sind?

Stammeshäuptlinge (männlich / weiblich) müssen sich durch besondere Fähigkeiten auszeichnen. Besonders talentierte Jäger werden „Jagdhäuptling“, begabte Strategen „Kriegshäuptling“ usw. . Diese Häuptlinge üben ihr Amt meistens nur für eine begrenzte Zeit aus. Alle Häuptlinge müssen gute Diplomaten und Organisatoren sein. (…) Da Stammeshäuptlinge in der einen oder anderen Weise in ihrer Macht sehr beschränkt sind, herrschen sie vor allem durch die „Kraft ihrer Persönlichkeit“.

Allerdings neigt die Menschheit bekanntermaßen zum Tribalismus — siehe oben — Stammesdenken, wo keines hingehört.

In der Verhaltensforschung bezeichnet „Tribalismus“ etwas Anderes: Es ist die in allen menschlichen Gesellschaften zu findende moralisch-psychologische Anlage fast aller Menschen, ihre Stellung als Individuum immer in Beziehung zu konkreten Bezugsgruppen zu definieren. (…) Fühlen wir uns einer Gruppe zugehörig, zeigen wir intuitiv – manche Verhaltensbiologen würden sagen: instinktiv – altruistisches und kooperatives Verhalten. Gegenüber Menschen aus Fremdgruppen ist oft das Gegenteil der Fall. Wir sind misstrauisch, weniger empathisch und „Fremden“ gegenüber sogar tendenziell feindlich eingestellt. …

Stamm und Häuptling?

Und die Suche nach dem „starken Mann“, der sagt, wo’s langgeht?

Zwischen der Stammesgesellschaft im eigentlichen Sinne und staatlich verfassten Gesellschaften gibt es eine Übergangsform, das in der Politenthnologie als „Häuptlingstum“ bezeichnet wird. Häuptlingstum gibt es bei sesshaften Ethnien, die permanent herrschende Oberhäupter anerkennen. Solche Häuptlinge werden in der Geschichtsschreibung oft „Stammesfürsten“, manchmal auch „Stammeskönige“ genannt. Unter anderem unterscheiden sie sich von den „Häuptlingen“ in Stammesgesellschaften durch ihre umfassenden Befugnisse: der „Stammesfürst“ / die „Stammesfürstin“ ist in jeder Hinsicht Chef.

Das Häuptlingstum ist Folge einer zunehmenden gesellschaftlichen Ungleichheit, die verstärkt in arbeitsteilige Ackerbaukulturen, aber auch in manchen Hirtenkulturen auftritt. (…) Die arbeitsteilige Gesellschaft mit organisiertem Ackerbau und spezialisiertem Handwerk ist (…) so produktiv, dass Überschüsse erzielt werden, die gehortet oder getauscht werden können. Die (…) Ungleichheiten (…) führen dazu, dass diese Überschüsse nicht gleichmäßig verteilt werden und auch dazu, dass sie nicht jenen zukommen, die sie durch ihre Arbeit erwirtschaftet haben. (…)

Von staatlich organisierten Gesellschaften unterscheiden sich Häuptlingstümer unter anderem dadurch, dass es kein Gewaltmonopol gibt. Zum Gewaltmonopal gehört ein ausreichend großer „Erzwingungsstab“ in Form einer Garde (…), aber auch von Steuereintreibern usw., mit dessen Hilfe die Regierung ihre Entscheidungen durchsetzen könnte. Häufig können die Häuptlinge nicht einmal allein entscheiden, sie sind auf die Mitwirkung des Stammes oder der Ältesten angewiesen und müssen ständig mit Intrigen und Revolten rechnen.

Eine fragt sich da schon, ob daher die Paranoia mancher Möchtegern-Häuptlinge stammt. (Ahem.)

Diverse Intrigen und derlei gibt’s in den isländischen Sagas übrigens zuhauf zu begutachten. Wer zum klassischen Altertum neigt, lese bei Homer etc. nach.

Noch wichtiger allerdings finde ich diese Bemerkung:

Nur wenn die (erweiterte Familie), der Clan oder die Gefolgschaft des Häuptlings über zahlreiche Arbeitskräfte verfügt, kann sie einen Produktionsüberschuss erwirtschaften, der für ihre Verpflichtungen und die für Häuptlingstümer typischen internen Machtkämpfe ausreicht. Nicht zufällig ist Sklavenhaltung in Häuptlingstümern weit verbreitet; in einer egalitären Stammesgesellschaft wäre sie unsinnig. Häuptlingstümer sind häufig expansiv bis eroberungssüchtig, getrieben u. A. vom ständig steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Kriegsgefangene werden normalerweise versklavt.

(Hervorhebung von der Zitierenden.)

Wenn ich jetzt mal um zwei Ecken denke und ein paar Vergleich ziehe:

Wir hatten das anno 33 bis 45 ja schon, das mit dem starken Mann und dem tribalistischen Denken. Wir hatten einen Häuptling namens Adolf Hitler, der einen kompletten Staat zum expansiven, parasitären Häuptlingstum ummodelte. Im Gegensatz zu den alten Stammeskönigen konnte er sich dabei eines Gewaltmonopols bedienen.

In Häuptlingstümern sterben laut MartinM circa 25 Prozent ihrer Mitglieder eines gewaltsamen Todes. In Staaten zehn Prozent oder weniger.

Wir haben derzeit weniger.

Fazit

Wir brauchen alles Mögliche in diesem Land. Starke Männer, die sagen, wo’s langgeht, fehlen auf dieser Liste allerdings.

Gender-Gaga: Erwischt!

Also, ich habe einen kleinen Kurs bei der Volkshochschule über Kommunikationsformen gemacht. Auch über so Zeugs, das Menschen tun, die als Frauen sozialisiert wurden.

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Im Bildwörterbuch des Duden von 1956 kommt zwar kein Herrenkuchen vor, dafür aber ein „Herrenzimmer“. Das Pendant „Damenzimmer“ fehlt logischerweise, dafür sind im „Schlafzimmer“ eine Frau im Negligée und eine Zofe zu finden.

Gestern habe ich mich dabei ertappt, wie ich ein Lob/Dankeschön kleingeredet habe.

Ich habe nicht gesagt, „Gern geschehen“, sondern einen ganzen Wust von Wörtern benutzt, um nur nicht zu besonders erscheinen. Das war sowohl eher gaga als auch dem Gender geschuldet, daher die Überschrift.

Dabei ist es so im Nachhinein keinesfalls selbstverständlich, fünf mittelgute Bekannte zum Zwecke eines CSD-Schlachtplans daheim zu verköstigen. Immerhin, ich musste nicht fahren, aber trotzdem. Selbst wenn es „nur“ Nudeln mit diversen Saucen aus dem Glas waren statt selbstgekochtem vegetarischem Ragù oder gar einem Drei-Gänge-Menü. (So was gibt’s bei mir nicht, auch wenn ich einigermaßen kochen kann.)

Es ist aber auch keinesfalls selbstverständlich, dass Leute einige Stunden Anfahrt für so was in Kauf nehmen. Insofern: Ihr wisst wer ihr seid, ich lüpfe das Hütchen. Auch für die Gastgeber:innen vor mir.

Mich jetzt zu fragen, warum ich so reagiere – und das schon seit Jahren – ist wahrscheinlich müßig. Ich bin mir relativ sicher, dass meine Eltern, wenn, dann vor allem indirekt dran schuld sind. Meine Mutter kann sich auch prima für Leistungen entschuldigen und bei Komplimenten verlegen werden, wenn ich so drüber nachdenke.

Also gilt das nächste Mal: Nur „Danke“ bzw. „Bitte gern“ sagen und dann lieber die Energie für Produktiveres nutzen. Also zum Beispiel dafür, der sogennanten Mehrheitsgesellschaft in den Hintern zu treten.

Paradox/andauerndes Schweigen

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Ich habe ja die letzte Zeit nicht besonders viel hier von mir vermelden lassen. Unter anderem stehen noch ein paar Gedanken zu einer Podiumsdiskussion bei der Buchmesse aus, die ich gehört habe.

Meine Gedanken kreisten in den letzten Monaten leider vermehrt um meinen Hauptberuf — nicht, weil so viel zu tun gewesen wäre (war es allerdings auch), sondern weil mir einige ungelöste Konflikte schwer im Magen lagen. Allgemein blankliegende Nerven wegen einer leichten Unterbesetzung und vier Wochen Überstunden meinerseits, deren Abfeiern zunächst auf unbekannt vertagt wurde, sorgten dafür, dass ich seit Oktober auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch ging. Ich war nicht mehr in der Lage, das tägliche Auf und Ab abzufedern, ganz zu schweigen von schwierigen Kunden und den eben vorhandenen Konflikten im Team. Nebenbei zwei, drei undurchdachte Entscheidungen meinerseits, die mit mehr Schlaf vielleicht nicht getroffen worden wären: Dadurch wachten einige schlummernde Drachen auf, die besser nicht gekitzelt worden wären.

Tatsächlich habe ich offline so viel darüber rumgemosert (also geschimpft), dass ich mir schon selbst nicht mehr zuhören wollte.

Jedenfalls haben die aufsummierten Unannehmlichkeiten nun dafür gesorgt, dass ich gekündigt habe und zunächst in ein selbstfinanziertes Sabbatquartal gehen werde. Ansonsten wären es wahrscheinlich zum Herbst eine Krankschreibung und Stresshelferlein namens Antidepressiva geworden. Und ich nehme keine verschreibungspflichtigen Sachen als Lifestyle-Drug.

Falls also wer ein Lektorat braucht, bitte melden.

Mich erstaunt, dass ich diesen Hauptberuf, der mir seit einem knappen Jahr so was von auf die Nerven ging, auf einmal wieder gern ausübe — auch wenn’s jetzt vorläufig nur noch ein paar Wochen sind. Was ein gelöster Konflikt alles bewirken kann …

 

Was man noch sagen darf

Derletzt habe ich mich mit einem befreundeten Autoren über folgende Phrase diskutiert: „aber das darf man heutzutage ja nicht mehr sagen“.

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Andere haben diese Phrase an anderen Stellen oft genug zerlegt, aber ich plane, die werten Kolleg*innen zu pieksen, von denen ich „aber das darf man ja nicht mehr sagen“ schon oft genug lesen musste.

Und ausgerechnet von Autor*innen finde ich das eine äußerst peinliche und kurzsichtige Form der Selbstbeweihräucherung.

Aber von vorne.

Ursachen

Wir stellen fest, dass heutzutage die Debattenkultur sehr zu wünschen übrig lässt. Derzeit sind Shitstorms, Mobbing und Beschimpfungen in fast jeder Nische von Social Media nicht mehr wegzudenken. Und live sieht es manchmal nicht viel besser aus.

Meine Lieblingsschrifstellerin N.K. Jemisin hat wohl aus solchen Gründen große Teile ihres Blogs verschwinden lassen, was sehr schade ist, denn sie hat viele kluge Dinge über Rassismus in Büchern geschrieben.

Aufgrund dieser kommunikativen Schieflage ensteht der Eindruck, dass manche Meinungen es mit mehr Widersprüchen zu tun bekommen als andere.

Konkret scheinen es häufiger die eher konservativen Menschen zu sein, die mit Vorwürfen von Rassismus, Homophobie, Tierquälerei und sonstigem überhäuft werden, je nachdem, wo sie ihre Meinung äußern. Das ist nicht schön, Leute werden mehr oder weniger grundlos verletzt, und es hilft der Diskussion nicht weiter.

Wer dann nicht nachdenkt, findet, dass „aber das darf man ja nicht mehr sagen“ ganz prima diesen Sachverhalt der Totschlagargumentation zum Ausdruck bringt und schreibt die Phrase einfach mal ab.

Wie verquer diese Denkweise ist, zeigt sich spätestens daran, dass diejenigen ihre kontroverse oder vermeintlich kontroverse Meinung ja eben doch in die Welt hinausposaunt haben, und zwar, ohne staatliche Zensur oder gar eine Verhaftung befürchten zu müssen.

Da also der Blockwart nicht die Gestapo gerufen hat und eins selbst unbehelligt weiter schreibt/spricht, ist der Inhalt der Phrase „aber das darf man ja heutzutage nicht mehr sagen“ sachlich falsch, sobald über die deutsche Gesellschaft gesprochen wird.

Damit beißt sich die Katze in den Schwanz:

Ohne die heutige Meinungsfreiheit hätten wir das Problem mit der Debattenkultur gar nicht: Alle dürfen die eigene Meinung öffentlich äußern (mit kleinen Einschränkungen, Aufrufe zum Mord beispielsweise werden nicht gern gesehen) und dazu gehört dann eben auch, dass ich Meinungen anderer Leute öffentlich als Mist bezeichnen darf.

Wir müssen also damit leben, dass andere unsere Meinungen mistig finden und uns das auch mitteilen

Aber das ist halt sehr unerotisch. Lieber behaupte ich, dass meine Meinung unterdrückt wird. Dann kann ich sicher sein, dass mich irgendwer bemitleidet und es ganz super findet, wie mutig ich meine Meinung gesagt habe.

Mut ist was Anderes. Tut mir leid, Leute.

Daher also mein Vorwurf der peinlichen Selbstbeweihräucherung.

Die Geister, die ich rief …

Nun ist es aber so: Indem zahlreiche Menschen fälschlicherweise behaupten, sie würden unterdrückt, entsteht eine Atmosphäre der Bedrohung. Manche Leute überlegen sich dann tatsächlich, was sie noch sagen dürfen. Und sie werden diejenigen hassen, die sie vermeintlich unterdrücken.

Furcht führt zu Hass. Das wussten schon die Jedi, aber die Botschaft ist noch nicht angekommen.

Es besteht Grund zur Annahme, dass manche Kräfte die Spaltung dieser Gesellschaft anhand von unversöhnlichen Meinungen voranzutreiben wünschen, und die monierte Phrase ist da eine erstklassige Möglichkeit.

Divide et impera – teile und herrsche – ist als Weisheit sogar noch älter als Star Wars.

Glücklicherweise gibt es aber Parteien, deren Wahlprogramme direkt oder indirekt davon sprechen, wieder mehr Ordnung und Sicherheit und Höflichkeit und gesunden Menschenverstand und Einigkeit in Deutschland fördern zu wollen.

Klingt auch erstmal ganz toll, nicht wahr?

… die werd ich nicht mehr los?

Bis dann die beispielsweise die AfD meint, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nahelegen zu müssen, dass das Idealbild einer deutschen Frau ist, drei Kinder zu haben, und dieses Idealbild auch schön immer gezeigt werden solle.

Und, sagen wir mal, in letzter Konsequenz würden dann meine Romane nicht mehr gedruckt, weil die ganz offensichtlich von der Genderlobby und der homosexuellen Weltverschwörung gefördert wurden, um die Jugend zu verderben.

Und eben nicht nur meine Romane. Wie lange würde es dauern, bis z.B. Amazon seine Regeln akzeptabler Texte in vorauseilendem Gehorsam einschränkt?

Wie lange bis zur echten Zensur,

… wenn wir weiter ohne Grund Furcht verbreiten, die Spaltung vorantreiben und zu viele Leute sich davon kopfscheu machen lassen?

Im einig Vaterland wird der Herrscher bejubelt, und sonst regiert die Grabesstille. Heißt, diejenigen, die nicht jubeln, werden schon mal einen Kopf kürzer gemacht.

Hatten wir schon mal, inklusiver Verbrennung nicht genehmer Bücher. Brauchen wir nicht wieder.

Und daher also mein Vorwurf der Kurzsichtigkeit, werte Kolleg*innen.

Ich hätte da wirklich Besseres von euch erwartet.

 


Bildquelle: Pixabay, https://pixabay.com/de/zensur-unterdr%C3%BCckung-schweigen-1315071/

Nicht zum Prekariat …

… gehört meineeine.

Ich weiß auch nicht, ob diejenige freischaffende Journalistin, die mich am letzten Samstag besuchen sollte, und das zugehörige Kamerateam sich zu den prekär arbeitenden Menschen zählen.

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Aber fest steht, dass die drei oben genannten Menschen sich einen Tag reserviert hatten, um Aufnahmen von mir zu machen und ein Interview mit mir zu führen. Die Journalistin hatte für ein längeres Vorgespräch mit mir telefoniert, Flugtickets bzw. Bahnkarten gekauft, mit dem Kamerateam die Logistik besprochen … dienstags und mittwochs.

Am Donnerstag fiel dann dem ZDF bzw. einer von diesem beauftragten Produktionsfirma ein (die Quelle war hier leider nicht sehr genau), dass das doch nichts wird mit dem Thema, und stattdessen ein anderes gesellschaftspolitisches Thema drankommt (ich weiß leider nicht, was, und ob ich die Aufmerksamkeit gerne abtrete).

Donnerstags also die Absage. Zwei Tage vor einem Termin, der seit zwei Wochen feststeht, und der, wohlgemerkt, recht eilig gemacht wurde. Also Juli ginge auf keinen Fall mehr, das sei zu spät, sagte die Dame von der Produktionsfirma.

Nun ja. Ich hoffe, irgendwer muss die eigenen Worte (also, den Bullshit) essen, wie das auf Englisch so schön heißt.

Den monetären Verlust, den ich durch einige Stunden Vorbereitung  hatte, durch zwei längere Telefonate und die erforderliche Kommunikation mit der Tanztruppe, die ebenfalls erscheinen sollte, kann ich nicht beziffern, da ich als Autorin nicht nach Stunden bezahlt werde.

Fest steht: Ich hätte in den geschätzten drei bis vier Stunden Vorbereitung auch mindestens drei bis vier Normseiten Roman tippen können. Oder mich um diesen Blog und/oder das Marketing bereits erschienener Romane kümmern können.

Das Kamerateam und die Journalistin, die von solchen Aufträgen tatsächlich leben müssen, wissen sicher besser, wie viel Geld sie verloren haben, und ich hoffe, dass in ihrem Vertrag eine Klausel steht, die derartige kurzfristige Absagen wenigstens etwas abmildert.

Trotzdem: Eine sollte meinen, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht nur sendungsbewusst tut, sondern seiner gesellschaftlichen Verantwortung auch sonst etwas gerechter wird.

Achtung vor dem Plotkaninchen

The American pet stock standard of perfection and official guide to the American fur fanciers' association (1915) (17539427083)

Ich so: Ich hab keinen Bock mehr auf Kerls, und schon gar nicht gay, ich mach dann als nächstes (zensiert).

Ein Plotbunny hoppelt vorbei, sieht eine achtlos rumliegende Möhre, auch bekannt als „Das Inkubus-Thema ist noch nicht voll ausgereizt, außerdem braucht Urban Fantasy nicht so viel Recherche wie (zensiert), das geht quasi nebenher“. Das Bunny frisst die Möhre, mutiert zum Monsterkarnickel und zeigt mir böse grinsend den Mittelfinger.

Tja … dreimal darf das werte Publikum raten, was ich gestern Abend nach der  Queer Gelesen gemacht habe, statt die Ereignisse in Wiesbaden (und die netten Leute dazu) gemütlich sacken zu lassen.

Antwort: Recherche und Plotplanung.

Aargh./Freu.