Beweisstück A. Eine a_sexuelle Anthologie

Hervorgehoben

Pünktlich zur Ace Week 2021 ist unsere kleine, feine Anthologie „Beweistück A“ erschienen.

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Was denken Sie, wenn Sie »Asexualität« hören? An ungehorsame Töchter, eitle Zauberer, einsame Werwölfe oder glückliche Familienväter? Oder an etwas ganz anderes?
Mal nachdenklich, mal komisch, oft fantastisch und immer spannend erzählen 19 Geschichten vom asexuellen Spektrum.

Mit Beiträgen von Ruth Boose, Carmilla DeWinter, Martin Engelrecht, Erich H. Franke, Jens Gehres, Marcus R. Gilman, Mo Kast, Carmen Keßler, Nicole Kojek, Emeryn Mader, Lili S. McDeath, Friederike Niemann, Katherina Ushachov, Vampyrsoul, Florian Waldner, Jordan T. A. Wegberg, Ria Winter und Amalia Zeichnerin

Alle Erlöse gehen an das Projekt 100 % Mensch.

Erhältlich ist das Buch mit der ISBN 9783754346570 anderem bei:

Unserer Druckerei: https://www.bod.de/buchshop/beweisstueck-a-eine-asexuelle-anthologie-9783754346570.

Beim infernalen A: https://www.amazon.de/Beweisst%C3%BCck-Eine…/dp/3754346571

 
Dem Shop mit dem so simplen wie aussagekräftigen Namen: https://www.buecher.de/…/produ…/detail/prod_id/62824023/
 
Einem Shop, der mehr als 400 Jahre auf dem Buckel hat: https://www.osiander.de/shop/home/artikeldetails/A1062452341
 
Und natürlich allen anderen Buchhandlungen.

 

 

Loki, oder: vom Queerbaiting

 

SÁM_66,_79r,_Loki

Sieht nicht aus wie in der Serie: Loki aus einem isländischen Manuskript, 18. Jahrhundert

In meiner Nische des Internets schlugen die Wellen hoch, als im Trailer für die Marvel-Miniserie Loki (bei Disney+) ein Steckbrief der namensgebenden Hauptfigur zu sehen war. Darin stand: „Gender: Fluid.“

Endlich versprache die Oberen bei Disney genau die Diversität, die seit dem Mittelalter Kanon ist! Der echte Loki Laufeyason ist ja mindestens die Mutter eines Pferdes mit acht Beinen und war laut Vorwürfen seitens Odin Allvaters als Amme tätig.

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass der Marvel-Loki nicht mit einer Gottheit identisch ist, der diverse heidnische Menschen Alkoholika opfern. Trotzdem mag ich die Marvel-Figur (und FrostIron-Fanfiction ist sowieso seit 2012 mein Kryptonit), weshalb ich Geld für ein Abo ausgab, um die Serie anzuschauen.

Da ich niemanden mit meiner Meinung spoilern möchte und ich außerdem eine CN: Genozid, Suizidversuch habe, bei Interesse bitte hinter dem Link weiterlesen. Weiterlesen

Zwischenzeitlich anderswo …

Ich war beschäftigt dieser Tage: Die Anthologie ist fast druckfertig. Wir versuchen schon mal, Lesetermine und ein bisschen Promo zu organisieren.

Außerdem hatte ich da noch eine Konferenz zu organisieren, deren Ergebnisse auf der Vereinsseite nachzulesen sind. Teil 1 und Teil 2. Es war gut. Ich bin trotzdem froh über die zwei Wochen Urlaub ab heute. Noch ist viel zu tun, daher:

ace networking_v2

Mein zehnjähriges Jubiläum als Frau mit Blog ist im Sommer untergegangen. Muss ich das feiern wollen?

Nervenaufreibendes letztes Wochenende

Die Nachwehen der Sachbeschädigung an unserem Pavillon werden mich noch ein Weilchen beschäftigen. Aber immerhin: Die Anfang Juli bestellten und verloren geglaubten Buttons sind dann heute (!) doch noch eingetroffen …
Ein Teil des am CSD-Samstag zusammengesammelten und/oder gekauften Papiers. Das Büchlein ist übrigens sehr zu empfehlen.

Cover für „Beweisstück A“

Das lang gehegte asexy Anthologieprojekt hat ein Cover!

Während ich im Hintergrund fleißig als Lektorin an den Beiträgen für unsere asexuelle Anthologie werkle, hat Dana Brandt aus Carmen Keßlers und meinen teils nebulösen Wünschen ein Cover gezaubert, in das ich ein bisschen verliebt bin.

Neben den Herausgeberinnen haben folgende Menschen mit eigenständigen Veröffentlichungen eine Geschichte gespendet:

Amalia Zeichnerin, Erich H. Franke, Jordan Wegberg, Katherina Ushachov, Lili S. McDeath, Marcus R. Gilman, Martin Engelbrecht, Mo Kast, Nicole Kojek, Ria Winter und Ruth Boose.

Ich freue mich gerade ungemein auf das fertige Ergebnis. Aber noch ist warten und zwischendrin ein Buchsatz angesagt: Das geplante Veröffentlichungsdatum ist die Ace Week Ende Oktober.

Löffel und Prioritäten

Es gibt die oft zitierte Weisheit, dass du erst merkst, wie wichtig etwas ist, wenn du es verlierst oder wenn es bedroht ist. Und es gibt Tage, da zweifle ich an meiner Berufswahl.

dr dewinter in heroischer pose

Heute ist so eine Gelegenheit. Etwas kurzfristig dieses Jahr, wie alles eben kurzfristig ist – in diesem Fall Anfang Mai – fing ich ernsthaft an, nach dem CSD Stuttgart zu schauen. Was war am berühmten letzten Samstag im Juli geplant?

Sie hoffen auf eine Demo und echte, anfassbare Infostände. Demo am Samstag, Infostände diesmal Samstag und Sonntag. Allein dass ich dieses Jahr zwei Tage Infostand organisieren müsste statt einen Sonntag, ließ mich erst mal hilflos mit den Armen rudernd zurück. Bis ich das mit dem finanzierenden Verein abgesprochen hatte (zwei Tage kosten logischerweise mehr Miete als einer, und ich brauche einen Parkplatz für je mindestens 20 Euro) und mit dem Orga-Team in Stuttgart geklärt hatte, dass wir bei einem Randplatz auch nur samstags kommen dürften, waren zehn Tage vergangen. Das ist etwas langsamer als mein übliches Tempo. Offenbar ist mit mein Energiekonto doch leerer, als ich gern glauben möchte.

Und selbst, wenn der Infostand nicht klappt wegen der Leute, die ich dafür brauche: Die Demo startet um 14 Uhr statt wie üblich um 16 Uhr. Das ist bei Feierabend um 13 Uhr (plus hinterher Kasse zählen) nicht mal als Zuschauerin pünktlich zu schaffen von meiner Provinzgroßstadt aus.

Dann brauchte ich drei Tage, um mich so weit zu pimpen, dass ich der Apotheker-Kollegin mitteilen konnte, dass ich am Stuttgarter CSD-Samstag gern frei hätte.

Warum pimpen? Weil wir schon einiges an Diskussionen zu Terminplänen hatten dieses Jahr. Derzeit ist die Kollegin nämlich wegen Long Covid in Wiedereingliederung, darf maximal fünf Stunden am Tag arbeiten und hat verständlicherweise keinen Bock, mehr als zwei Samstage hintereinander zu übernehmen.  (Ich hab auch keinen Bock, was aber während ihrer vier Wochen Krankheit auch niemand gestört hat.)

Weil ich außerdem den Karlsruher CSD-Samstag am 5. Juni frei will, bot ich an, am Samstag vor meinem Urlaub vormittags zu arbeiten. Und ach, da ist ja noch Notdienst, der ab 18 Uhr zu leisten wäre. Und weil Notdienst plus Wiedereingliederung halt so eine Sache ist, sage ich Idiotin, dass wir uns das ja teilen können, mit dem tariflich vorgesehenen Split um 22 Uhr. Was im schlechtesten Fall heißt, dass ich am Sonntag frühestens um 9:30 Uhr daheim bin und den kompletten Tag als Zombie verbringe, weil ich nachts rausgeklingelt wurde und selbst ohne Kundschaft die Nacht neben einem brummenden Kommisionierautomaten geschlafen habe. Also gute Aussichten auf einen super erholsamen Urlaubsanfang./Sarkasmus Ende.

Die DeWinter ist nett und rücksichtsvoll und versteht natürlich, wenn jemand krank ist.

Dann frage ich vorgestern, am Pfingstsamstag, die Kollegin, ob ich den Stuttgarter CSD-Samstag freihaben kann. Der halt zufällig vor dem Urlaub der Kollegin liegt. Die da gern frei hätte und dann verspricht, dass sie mal bei der Filiale fragt, ob wir wen ausgeliehen bekommen.

Und weil das abends nach einem anstrengenden Vortrags- und Kongresstag ist und vor einem Sonntagsnotdienst (von 8:30 bis 20:30 bis zur Ablöse), habe ich keinen Nerv, per Messengerdienst oder am Telefon deswegen eine Diskussion anzufangen, sondern fühle mich dankbar, dass sie bereit ist, nach Ersatz zu fragen.

Und heute bin ich nach dem lebhaften Notdienst müde und habe außerdem dank Wetter einen Migräneschädel. Zum Wütendsein über mich und die Ironiefreiheit der Kollegin reicht die Energie nicht, aber traurig geht. Jedenfalls kann ich mich gerade über das asexy Bullshit-Bingo nicht so richtig freuen, das fink erstellt hat.

Warum überhaupt so viele Gefühle? Weil so ein CSD mir halt doch wichtig ist, obwohl er auch beschissen viel Arbeit macht, selbst wenn du nicht die komplette Veranstaltung, sondern nur einen Stand organisierst.

Und weil das ja kein religiöser Feiertag ist, muss ich außerdem erst mal erklären, warum ich das überhaupt wichtig finde. Was mich ankäst. Und weil garantiert nur die Mitlesenden mit Minderheiten-Buchstabe blicken, wie kacke das sich anfühlt, überhaupt erkären zu müssen, warum das wichtig ist.

Die Erklärerei wäre natürlich nicht nötig, wenn ich mir einen Job gesucht hätte, bei dem die Samstage nicht als Arbeitstag gewertet werden.

(Und mal wieder die Beobachtung, dass die fünf Tage arbeitende Bevölkerung es zwar selbstverständlich findet, dass andere am Samstag die Läden für sie öffnen, aber sich dann wundern, warum ich für ihre Frage nach „dem Brückentag“ nach einem Donnerstags-Feiertag mittlerweile eher einen gestreckten Mittelfinger übrig habe.)


Bildchen freundlicherweise zur Verfügung gestellt von JJ Link.

Aber …

Gestern, am 17. Mai, war mal wieder IDAHOBITA – Internationaler Tag gegen Homo-, Trans-, Bi-, Inter- und Acefeindlichkeit.

Zu den deprimierenden Statistiken aus Deutschland und bei den europäischen Nachbarländern ist an anderer Stelle einiges gesagt und geschrieben worden. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, und ein schrecklich netter Teil des Unterwasser-Monstrums ist mir letzte Woche begegnet.

Er ging in etwa so: „Also, die Frau X hat jetzt einen neuen Apotheker eingestellt. Der hat einen Mann, aber der ist sehr nett und die Kundschaft ist auch total begeistert.“

Und ich guckte die Erzählende an und fragte mich zuerst: Wieso „aber“?

An sich reihte sie ja einige neutrale Informationen aneinander. Neu angestellter Apotheker, wahrscheinlich schwul oder bi, seine Chefin findet ihn nett und die Kundschaft ist auch zufrieden.

Nur das Wörtchen „aber“, das wertet das alles auf einmal. Als würde es sich ausschließen, gleichzeitig zu einer sexuellen Minderheit und nett und kompetent zu sein.

Zum nächsten fragte ich mich, ob die betreffende Person schon mitgekriegt hat, dass sie das zu einer nicht-heterosexuellen Frau gesagt hat – wir kennen uns seit gut zwei Jahren.

Zum letzten stelle ich fest: Diese 90 Prozent fast unsichtbaren Eisberg aufzutauen, das ist noch viel Arbeit. Sehr viel Arbeit.

Das asexuelle Spektrum: aufgezeichnete Lesung

Schon im März hatte ich eine kleine Zoom-Lesung im Rahmen von #allabendlichqueer der Literatunten.

Nach einigem Überlegenen, ob die Aufzeichnung gut genug ist (typisch für meinen Hang zum Perfektionismus), habe ich dann doch gebastelt und zurechtgeschnitten, sodass es jetzt einen exklusiven Einblick in Teil 2 des Buches zu hören gibt.

Schöne Gefühle?

Coverbild Nacht über dem Tal von Wendelgard von Staden, ISBN-978-3-423-25114-3Derletzt also Hedwig von Stadens autobiographisches „Nacht über dem Tal“ gelesen.

Es spielt nur etwa zwanzig Kilometer östlich von meinem Wohnort. Die Autorin beschreibt ihre Jugend als Landadelige von 1933 bis 1946. Die KZ-Gedenkstätte zum von ihr beschriebenen Lager verbirgt sich im Wald, neben der heutigen Zufahrt zum Bahnhof von der B10 aus.

 

Von Staden schreibt über ihre Emotionen nach Kriegsende:

„Denn verworren waren die deutschen Gefühle, die von der deutschen Größe, der deutschen Ehre, dem schönen Land der Treu, dem Sterbenmüssen für’s Vaterland. Diese alten Gefühle waren vermischt worden mit etwas anderem, etwas Grauenhaftem, das wir bei uns im Täle gesehen hatten. Es war ein so schönes Bild gewesen, das wir von uns als Deutsche in uns getragen hatten. Nur – es war eine andere Seite gewachsen, die berechnete Vernichtung einer ganzen Rasse, die Unmenschlickeit.“

Über manche Sachen wunderst du dich, dass sich manche wundern: Denn es wäre 1933 absehbar gewesen. (Für Kinder nicht, zugegeben, aber es haben sich wohl auch Erwachsene gewundert.)

Die so beschriebenen „alten Gefühle“ waren zu dem Zeitpunkt gar nicht so alt. Verkürzt erklärt: Der Nationalismus der Nazizeit war ein direktes Erbe der deutschen Romantik als Kunst- und Denk-Epoche. Deren Idee einer Sprach- und Kultureinheit wurde von der deutschsprachigen Politik eingesetzt, um Ressentiments gegen Napoleons Eroberungszüge zu schüren.

Menschenrassen waren gleichfalls etwas, das sich das 19. Jahrhundert anhand von Darwins Theorien ausgedacht hat, um (wieder verkürzt) die Kolonialherrschaft zu legitimieren. Überhaupt wurden und werden sowohl die Geschichtsschreibung als auch die Biologie sehr häufig dazu herangezogen, zu beweisen, dass irgendwas immer schon so war und damit „natürlich“ sei.

Ohne dieses damals nicht sehr alte Denken vom deutschen Volk wäre es für die Nazis unmöglich gewesen, die ariosophische Idee der „arischen Herrenrasse“ des Guido List aufzugreifen und damit Politik zu machen.

Bei der Ariosphie handelt es sich um einen Abkömmling der Theosophie, einer esoterischen Lehre, deren „Rassen“-Rhetorik ohne die oben genannte Vorarbeit ebenfalls nicht möglich gewesen wäre. Die ariosophische Theorie fantasiert übrigens von aus Atlantis stammenden Ariern und einem Armanen-Orden, der seit Jahrtausenden Geheimnisse tradiert. Wie Hitlers wiederholte Lächerlichmachung esoterischer und heidnischer Bestrebungen beweist, muss eins solcherlei Geschwurbel nicht einmal glauben, um es zu verwenden.

Jedenfalls war ab etwa 1900 der Nährboden dafür da, dass die eher willkürlich anhand ihrer (imaginierten) Ahnenreihe, Sprache und Religion zu solchen bestimmten „Deutschen“ das Geschwurbel glaubten. Und sich an ihrer eigenen eingebildeten Größe derartig berauschten, dass sie ihrem Führer jubelnd in den Abgrund folgten.

Weshalb der Antifa aus gutem Grund alle verdächtig sind, die irgendwas von „gesundem Nationalstolz“ und „Volk“ salbadern. (Oder auch vom „wahren Sowieoso-Tum“, „Make America Great Again“, etc. pp. Deutschland hat kein Urheberrecht auf völkisches Denken und Nationalismus.)

Ich stimme ja selten mit der katholischen Kirche überein, aber dass Stolz sich zu einer Todsünde auswachsen kann, hat die Geschichte oft genug bewiesen. Der „gesunde“ Stolz darauf, zufällig passende Eltern im passenden Staat zu haben, wird jedenfalls so schnell krank, dass es besser ist, diesbezüglich keinen Stolz zu entwickeln.


Bildchen von der verlinkten Webseite, dtv