Teaser für der Albenbrut zweiten Teil

Heute ist IDAHOT – der internationale Tag gegen Homophobie und Trans*phobie.

Da vier meiner Figuren thematisch passende Diskussionen führen, praktischerweise auf den ersten Seiten des zweiten Teils, wollte ich die hier mal teilen.

Zur Spoilervermeidung, sollte irgendwer Angst davor haben, bitte klicken und

Tankred fühlte sich immer noch wacklig auf den Beinen, als er und Alea aufstanden. Zugegeben hatte Alea sein Bestes getan, mit den wenigen Heilzaubern, die er zustande brachte, und Tankreds Hintern schmerzte nur noch ein bisschen. Doch die Wirtin sah ihn schief an, als er die Treppe hinunter in die Gaststube stakste, also ahnte sie wohl, was er und Alea in der Nacht miteinander getrieben hatten.
Glücklicherweise hatte sie außer ihnen beiden und Guntrun keine Gäste, die Zeugen von Tankreds Schande –
Wieso Schande?, fragte Alea über das Blutglas.
Hitze kroch in Tankreds Wangen, und er rieb an dem Opalamulett auf seiner Stirn. Ohne dieses blöde Ding hätte er sich selbst heilen können. Wäre es dir nicht peinlich?
Hmm, machte Alea, würdigte Tankred aber dann das ganze Frühstück über keines Blickes. Dafür grinste Guntrun wie eine Katze, die Sahne aus der Küche gestohlen hatte. Tankred gab sich Mühe, Letzteres nicht zu beachten.
Somit sprachen sie alle drei nur das Notwendigste, während sie zusammenpackten und ihre Flucht nach Norden fortsetzten. Erst, als sie einen menschenleeren Abschnitt auf der schmalen Straße durch die Berge erreichten, trieb Guntrun ihr Pony neben Tankreds. „Ich hätt‘ gar nicht fragen brauchen. Damals.“
Oh, bei den Göttern, warum musste sie ausgerechnet das Thema ansprechen, das zu den Unannehmlichkeiten der letzten zwei Wochen geführt hatte? Sicher waren Tankred und sein Liebster jetzt einen Schritt weiter, aber Tankred spürte, wie Alea, der voraus ritt, sich verspannte, seine Schultern zurücknahm, als bereitete er sich auf einen An- griff vor. Tankred wollte ihn verteidigen, doch mit einen erneuten Streit wäre nichts gewonnen.
„Aber“, fuhr Guntrun fort, bevor Tankred sich einen Vortrag zurechtlegen konnte „ihr seid eben nicht so, wie man es erwartet.“
„Ich wusste nicht, dass man überhaupt etwas erwartet“, log er. Sechs Jahre unter Ritter Ingfrieds tadelnden Blicken hatten ihm einen guten Eindruck verschafft.
Sie rutschte im Sattel hin und her und sah dann zu Boden. „Na. Was man eben so über Männer sagt, die sich nicht wie richtige Männer benehmen. Dass die gar keine Frau suchen, sondern einen, der es ihnen von hinten besorgt.“
„Aha“, machte Tankred. Das war nicht neu, und die Beleidigungen dazu auch nicht. Schwester. Tucke. Kissenbeißer. Verkehrtrum. – Aber was war dann Tankred? Halb verbogen? Und was war mit Heilika? Gab es die überhaupt, wenn sie in gar keine Richtung zeigte? – „Solche wie Alea und ich.“
„Eben nicht. Ich mein …“ Guntrun wedelte mit einer Hand, als hoffte sie, er würde das verstehen.
Tankred hob die Brauen.
„Keiner würde euch nachsagen, dass ihr euch nicht wie Kerle verhaltet.“
„Soll ich mich jetzt geschmeichelt fühlen?“
Guntrun zog die Nase hoch. „Du machst das absichtlich. Damit ich mir blöd vorkomme.“
Da mochte Tankred nicht widersprechen, also neigte er nur den Kopf. Vorne hatte Alea sich beruhigt und hörte zu. „Wir sind zwei Männer. Es ergibt keinen Sinn, danach zu fragen, welcher von uns die Frau ist. Es sei denn, du wolltest einen von uns verachten.“ Tankred blinzelte. Deswegen war Alea vorhin so still gewesen, nicht wahr? Um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen, schob er hinterher, „Außerdem bist du eine Frau.“
Guntrun machte ein nachdenkliches Geräusch.
Schwierig zu erklären. Wenn Tankred nur Beleidigungen hatte, um jemanden wie ihn und Alea von denen zu trennen, die die Beleidigungen erfunden hatten … ihm fehlten Wörter. Glücklicherweise brütete Guntrun über seiner Erklärung und schwieg, bis sie mittags haltmachten.

xxx

Wie erwartet waren Heilika und Ingfried geritten, als wären die Druden hinter ihnen her.
In Regenau, nach einundhalb Regentagen, vier Pferdetauschen und einer durchwachten Nacht, bestimmte Ingfried sie gleich zum Schloss, ohne wenigstens eine Pause beim Kloster einzulegen, wo sie sich hätten frisch machen können. Ihre Pferde und Kleider starrten gleichermaßen vor Matsch. Ingfried hatte sich nicht mit einer Kapuze aufgehalten, also klebten die langen graubraunen Haare in Strähnen an seinem Kopf, und selbst vor Heilikas halbwegs wohlwollendem Auge sah er einem Herumtreiber ähnlicher als einem Ritter.
Dementsprechend behandelten die Wächter sie mit weniger Ehrerbietung als erwartet, und verwiesen sie zunächst an ihren Vorgesetzten.
„Seine Gnaden ist beim Mittagessen“, sagte der Hauptmann. „Ihr werdet Euch gedulden müssen. Ehrwürdiger Ritter.“
Ingfried schnaufte.
„Ach, bitte.“ Heilika neigte den Kopf zur Seite und klimperte mit den Wimpern. Der Mantel verbarg ihre Figur, und ihre kurzen Haare steckten unter ihrer Kapuze; ideale Bedingungen also. „Wir sind seit gestern früh unterwegs und haben vertrauliche Nachrichten. Wollt Ihr nicht wenigstens einen Boten zum Herzog schicken?“
Der Wächter glotzte sie an. Heilika tat ihr Bestes, hoffnungsvoll dreinzuschauen. „Ähm. Sicherlich, mein Fräu– äh. Ehrwürdiger Knappe.“
„Vielen Dank“, flötete sie, und schenkte ihm ein Lächeln. „Wo finden wir die Ställe?“

Ingfried musterte sie über den Widerrist seines Pferdes, als sie endlich in einem Boxengang standen, und schien darüber zu vergessen, das Pferd zu striegeln.
„Was schaut Ihr so?“
„Ich wusste nicht, dass du das kannst.“
Täuschte Heilika sich, oder keimte da Hoffnung? „Es war ungemütlich. Die Viecher hatten schlechte Laune.“
„Und das heißt?“
„Manchmal ist mein Stolz nicht so wichtig. Und am Ende ist der Wächter noch viel blöder als ich, wenn er auf diese Kleinmädchenmasche hereinfällt.“ Sie wandte sich wieder ihrem Striegel zu und strich die Haare heraus, die in den Borsten hängen geblieben waren.
„Du könntest also die ganze Zeit so liebreizend sein.“
Heilika zog die Nase hoch. Wie erwartet. „Könnte ich. Aber mit Liebreiz fängt man eitle Tölpel, keine Schwarzkünstler.“

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