Teaser: Von der Vernunft, Liebe und Freiwilligkeiten

Manchmal finde ich es schon faszinierend, was mein Hirn so zusammenkocht. Da hatte ich derletzt selbiges Paper über konservative Manipulation online gestellt, und dann kam Kritik, dass wir „Rationalität“ zu unkritisch verwenden, und irgendwem gefällt das Wort „Pädophilie“ nicht.

Jedenfalls sollten jene, welche das Paper lesen, zu dem Schluss kommen, dass es mit der Rationalität beim Menschen nicht so weit her ist wie gemeinhin angenommen wird. Ehrlich. Wer ein gutes Sachbuch sucht, möge sich vertrauensvoll an Kahnemans „Schnelles Denken, langsames Denken“ wenden.

Trotz aller Hindernisse, die mein Hirn mir in den Weg legt, kann ich natürlich versuchen, sachlich zu bleiben …

Was die Pädophilie angeht, halte ich es für relativ wurst, wie das Phänomen heißt, solange die Definition sich nicht ändert. Wichtig ist doch, jenen – oder allen – Liebenden klar zu machen, dass ihre Liebe einen Scheiß wert ist, wenn sie eine Erwiderung per Erpressung, Drohungen und Gewalt einfordert.

Solche Gedankengänge schlagen sich dann gelegentlich auch in Romanen nieder. Das aktuelle Projekt hat derzeit keinen Arbeitstitel, der mir gefällt. Wir werden sehen. Zeitlich ist es ein Viertel Jahr nach Albenbrut angesiedelt, nachdem mich eine Person zu viel nach einer Fortsetzung fragte … F. ist schuld.

Insofern ein Teaser Trailer. Achtung, Rohfassung eines Tetxtes, der noch nicht mal seinen ersten Wendepunkt hat.

(Wir sind auf einem Schiff …)

Talesia und ihre Zwillingsstadt Antinoúm lagen über die Hänge unterhalb der Sikulia ausgebreitet wie eine nicht mehr besonders saubere, ausgefranste weiße Decke. Auf einigen Hügeln prunkten Tempel, rechteckige Gebäude mit Säulen und Giebeldächern. Davor blitzte es – teilvergoldete Götterbilder, vier bis fünf Manneslängen hoch. So etwas gab es in Friedlant schon seit Jahrhunderten nicht mehr. […]

Um den Palast und weiter auf einem Bergrücken bemühten sich die Stadthäuser der Reichen mit säulenflankierten Eingängen, die Umgebung einzuschüchtern. Ein sehr großes, rundes Bauwerk, die Arena, erhob sich im Tal zwischen den Städten. Vom Berg führten drei Aquädukte nach Talesia und zwei nach Antinoúm.

„Weißt du, wieso die Stadt Antinoúm heißt?“, unterbrach sich Henri im Aufzählen der Namen selbiger Wasserleitungen.

Tankred zuckte mit den Achseln.

„Einst hatte der Imperator Iulius Severus Sagitta einen Geliebten – einen jungen Sklaven namens Antinous. Auf Besuch hier in Talesia machten sie einen Ausflug mit dem Boot. Dabei stürzte Antinous ins Meer und ertrank. Böse Zungen behaupteten, dass er mit seinem Los als Delicium weit weniger zufrieden gewesen war als sein Herr, und deswegen ins Wasser gegangen sei. Sagitta störte sich nicht an den Gerüchten. Zu Antinous Andenken gründete er eine Stadt, denn er hatte im Traum gesehen, wie Antinous vom Göttervater ausgewählt wurde, Botschaften von den Menschen zum Himmel zu bringen. Er ließ sogar einen Tempel errichten, wo die Menschen ihre Bitten hinterlassen konnten. Daraufhin wandte seine Tochter sich an den Senat, dieser erklärte ihn für unzurechnungsfähig und ernannte die Tochter zur Imperatrix.“

Obwohl eine solche Geschichte die verderbten Sitten des alten Centerre bewies, hatte sie es nicht in die Lehrbücher Friedlants geschafft. Tankred atmete tief durch, salzige Seeluft gegen das flaue Gefühl in seinem Magen. Alea – der half gerade Colonio, das Schiff in den Hafen zu steuern, dank der Abwesenheit des Blutglases unbeschwert von den Gedanken, die Tankred heimsuchten – und Alea war nicht gesprungen, obwohl er häufig genug Gelegenheit dazu gehabt hatte. Das musste reichen. „Und die Lehre daraus wäre?“

„Die Ratianer – und die Centerrer allgemein – halten die Verliebtheit für einen Zustand geistiger Umnachtung.“

Eine Tatsache, die Tankred allerdings gelernt hatte. „Hm. Vielleicht heißt es auch, dass alle Liebe wenig nützt, wenn einer der Beteiligten nicht nein sagen darf.“ Überhaupt. „Ich habe nie begriffen, wie man sich einerseits für Selbstkontrolle und Vernunft preisen kann, und gleichzeitig …“ Er suchte mit der Hand nach Worten.

„Gleichzeitig nichts dabei findet, an anderen Menschen jede noch so kleine Laune auszulassen? Wie man sich als liebendes Haupt der Familie aufspielen kann und dann Dinge tut, die einem mit den eigenen Kindern Übelkeit verursachen würden?“ Henri klopfte einen Rhythmus auf die Reling. „Man sollte tatsächlich meinen, dass es früher aufgefallen wäre. Aber dass sich das alles widerspricht, haben die Philosophen erst vor zweihundert Jahren bemerkt.“

So viel Leid.

Henri bedachte Tankred mit einem Seitenblick, hob eine Hand und ließ sie wieder sinken. Gut. Denn so nett gemeint die Geste auch gewesen wäre, so hatte Henri doch keine Vorstellung, wer hier warum Trost brauchte.

… Das alte Rom war ein faszinierender Ort. Unter anderem stolperte Kaiser Hadrian nicht über die Gründung von Antinopolis in Ägypten.

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