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Über Carmilla DeWinter

Carmilla DeWinter schreibt Phantastik und verque(e)re Texte.

Die Mär vom unpolitischen Schreiben

Hypermnestre écrivant BnF Français 874 fol. 175v

 

Via #schreibengegenrechts, geriet ich an eine Handvoll Blogposts von anderen Schreibenden. Also von solchen Menschen, die außer Blogposts noch andere Texte verfassen, ob fiktionale Prosa oder Poesie.

Zwei merkenswerte, die diesen Artikel mitverursacht haben, möchte ich hier verlinken, nämlich Matthias Engels darüber, wie mit der derzeitigen Lage umzugehen sei, und davon ausgehend Wolfgang Schnier über Freiheit.

Jedenfalls hielten einige dieser Autor*innen ihr Schreiben bis dato für unpolitisch.

Ja.

Ehrlich.

Ich finde das eine recht befremdliche Aussage von Menschen, die Geschichten erzählen, die nachher von anderen gelesen werden sollen.

Aber, werden manche einwenden, ich habe noch nie mit einem Gedicht gegen den Kapitalismus gewettert, oder noch nie einen Blogpost zum Klimawandel geschrieben, und noch nie in einer Geschichte eine politische Partei erwähnt.

Mag sein. Ich habe bis Mitte 2011 auch nicht politisch gebloggt. Trotzdem habe ich mir nur im Teeniealter den Luxus geleistet, zu glauben, meine Fiktion sei unpolitisch.

Irgendwann habe ich nämlich Folgendes begriffen, noch bevor Lisa Cron mit ihrem Schreibratgeber daherkam: Menschen leiten aus Geschichten Aussagen über die Natur des Menschen und der Welt her.

Stories erzielen einen Lerneffekt durch Mitleiden. Deswegen stehen die meisten von uns so auf Fiktion.

Schreibe ich zum Beispiel über Echte Kerle (TM), die den Tag retten, während ihre Treuen Frauen (TM) daheim auf sie warten, ist das eine politische Aussage. Sie bedeutet, dass ich nur Echten Kerlen (TM) zutraue, den Tag zu retten, und dass ich von deren Frauen erwarte, treu daheim zu bleiben und den Haushalt zu erledigen.

Eine einzelne solche Story mag ja nicht viel Gewicht haben, aber irgendwie … sind sie überall. Seit Jahrtausenden.

Logischerweise leitet sich dank reiner Masse das Publikum die Aussage her, dass Frauen und solche, die dafür gehalten werden, nicht so wichtig sind wie Männer und solche, die dafür gehalten werden.

Doch politische Aussagen finden auch subtilere Wege:

Hat das zerstrittene, gut situierte Ehepaar 50+ in meinem Gesellschaftsroman eine Reinigungskraft? Wie heißt die? Verdient sie in der Story überhaupt einen Namen? Woher kommt sie? Wieso geht sie putzen, obwohl sie mal in Irkutsk Kinderkrankenpflegerin war? Ist sie angemeldet?

Wieso erzähle ich überhaupt von einem zerstrittenen deutschen Ehepaar 50+ statt über Inna, die kürzlich ihren Mann verlassen hat und außerdem nicht weiß, wie sie ihrer begabten Tochter weiter den Gesangsunterricht finanzieren soll?

Schon mit der Wahl, über ein gut situiertes Ehepaar zu schreiben statt über eine Reinigungskraft, bewerte ich die Verhältnisse in diesem Staat. Reich = wichtig. Nicht sozialversicherte Putze = uninteressant.

Auch das ist eine politische Aussage. Und vielleicht ist sie gefährlicher als ein mies gereimter Protestsong, denn die Botschaft fällt ja nicht auf, sondern versteckt sich unter einem Haufen Ehedrama.

Selbiges funktioniert im übrigen auch mit Fantasy. Ist eigentlich schon mal wem aufgefallen, dass Harry Potter keine Fremdsprache in der Schule lernen muss, sich aber über die Aktzente der Schüler*innen aus Beauxbatons und Durmstrang lustig machen darf? (Aber wenigstens kommen die Hauselfen zu ihrem Recht …)

Insofern ist es durchaus angebracht, als Autor*in zu überlegen, welche Macht ich habe, und wie ich sie nutze.

Neuigkeiten

So. Nach monatelangem Warten habe ich dank fehlenden Mails die Ausstrahlung verpasst, darf mich aber über die Mediathek freuen …

Avatar von Carmilla DeWinterDer Torheit Herberge

So. Hier kommen dieser Tage einige Leute mehr als sonst an: Guten Tag.

Leider hielt es der WDR nicht für nötig, mich über den Ausstrahlungstermin dieser Sendung hier zu informieren, sonst hätte ich besser aufgepasst und mich hier früher gemeldet. Ingesamt bin ich mit dem Ergebnis tatsächlich zufrieden, was der stressige Dreh nicht vermuten ließ.

Nebenbei: AktivistA wird beim Berliner Christopher Street Day mitdemonstrieren.

Ursprünglichen Post anzeigen

#lbm16 – Messenachlese

Um nicht weiter über meinem Buchblock für die Anthologie zu verzweifeln, hier eine Fotostrecke von der Messe.

Ein Blick auf den noch vollständigen Stand von Dead Soft und Incubus:giraffenstand klein

In unmittelbarer Nachbarschaft eines Magazins, das sich m.E. eine Ausstellungsfläche in Größe von Amazon plus Security nicht leisten können sollte:von wegen wahrheit

Ein Schelm, wer denkt, dass da russisches Geld geflossen ist … Divide et impera, nicht wahr?

Bei Andrang für regenbogenfarbige Stände vor allem am Samstag zeigten die Mundwinkel selbiger Menschen tendenziell nach unten.

Mein Besuch ließ sich die gute Laune jedenfalls von den Herren in Schwarz nicht verderben: Aetherwelt-Botschafterin Anja Bagus und meine Amtskollegin Dorothe Reimann. (Sowie ein namenloser Drache.)dorothe anja u ich

Kein Kuchen, und die anderen haben auch mitgegessen, trotzdem war das Süßgebäck einen asexy Witz wert (und sehr lecker). – Dank den edlen Spender*innen!kekse sind besser als sex

Bianca Nias hat einen wahren Spruch auf dem Pulli: „Ich bin Autorin. Alles, was du sagst und tust, könnte in einer Geschichte verwendet werden.“echte wahrheiten

Der aus dem Marvel-Universum geflüchtete Loki, nach einigen Stunden Messe am Samstag schon etwas zerzaust, findet Dead Soft gut, vermiss aber sein Zepter:loki approves

Und wenn ich nicht am Stand war? Gab’s vor allem am Samstag was zu gucken.

Der Kleine Buch Verlag für meine Goldstadt-Kollegin Uschi Gassler: der kleine buch verlag

Andrang bei der Lesung von Kai Meyer: kai meyer liest

Und ein Haufen Cosplayer*innen: cosplay von oben

Am Ende blieb folgende Ausbeute, denn entgegen des Vosatzes kam ich mehr Papier heim, als ich losgefahren war:buchausbeute kleinIn der Tasse ist übrigens Ingwertee, denn mittlerweile habe ich die für diese Saison überfällige Erkältung.

Und wer wissen will, wie der Rest vom Giraffenrudel den Samstag überlebt hat, gehe zum Bericht von Dead Soft.

Der Arbeitsbericht Migration ist da!

So, die Früchte  meiner kollektiver Arbeit sind so langsam erntbar:

coverentwurfBenefiz-Anthologie zugunsten von PRO ASYL:
Um zur gelungenen Aufnahme von Flüchtlingen beizutragen, stellen MitarbeiterInnen des fiktiven „Bundesamts für magische Wesen“ hier Berichte aus ihrer Behörde und phantastische Kurzgeschichten vor. Die meisten handeln von gelungenen und weniger gelungenen dauerhaften Wohnsitzwechseln, andere erzählen von der Schwierigkeit, sich zwischen Ländern und Spezies zu verständigen.
Mit Beiträgen von: Alpha O’Droma, Angelika Monkberg, Antonia Günder-Freytag, Hagen Ulrich, Patricia Strunk, Carmilla DeWinter, Margarethe Alb und einigen mehr.

Für € 2,99 erwerbbar beim Bundesamt für magische Wesen als PDF, EPUB und MOBI.

Via Amazon für Kindle auch 2,99 €

Taschenbuch  für 6,99 €, ISBN 978-3-839103-80-7 z.B. auch bei Thalia.

Von den elektronischen Exemplaren gehen, sofern innerhalb Deutschlands verkauft, mindestens 1,70 €, von den Printausgaben mindestens 1,02 € an PRO ASYL.

 

 

#schreiben gegen rechts: Angst und Autorität

Im Rahmen ihres Aufrufs zur Blogparade #schreibengegenrechts sagt Anna Schmidt, dass sie Angst hat, vor all jenen, die keine Angst vor denen haben, die nach immer härteren Maßnahmen schreien und Zäune bauen möchten. (Und die, unter anderem, auch gegen Abtreibungen sind, wahrscheinlich, damit mehr blonde Frauen blonde Kinder zur Welt bringen …?)

Jedenfalls fielen mir in der letzten Woche zwei englischsprachige Links in die Hände – einmal Laurie Penny über Held*innen, und einmal Vox über den Aufstieg des Donald Trump. Außerdem noch ein intelligenter Text auf Deutsch, denn gegen Blödheit zu pöbeln, bringt’s nicht.

Der erste Schluss ist, dass es für manche Leute wirklich gruselig sein muss, in dieser Welt zu leben. Vieles ist im Umbruch:

Schwarze Menschen wehren sich gegen rassistische Sprache in sechzig Jahre alten Kinderbüchern.

Leute beschweren sich, weil bei den Avengers die Echten Kerle (TM) überwiegen und Black Widow keinen eigenen Film bekommen sollte.

Schwule und Lesben wollen heiraten dürfen – nicht zu vergessen, dass es auch Bisexuelle, Pan- und A_sexuelle gibt, die vielleicht ihre gleichgeschlechtlichen Partner*innen ehelichen möchten. Währenddessen diskutieren andernorts Leute darüber, die Ehe nicht mehr steuerlich zu bevorzugen oder Partner*innenschaften mit mehr als zwei Personen gesetzlich zu ermöglichen.

„Gender-Ideolog*innen“ verschandeln unsere schöne deutsche Sprache mit Lücken und Sternchen.

Im deutschsprachigen Internet kann jede*r die eigene Meinung äußern, es gibt Dutzende Nachrichtensendungen auf Dutzenden Fernsehkanälen und genauso viel per Radio: Was ist jetzt eigentlich die Wahrheit?

Und damit kommen wir zu den echten Problemen:

Der Arbeitsmarkt ist in vielen Bereichen darauf angelegt, prekär zu sein, und der Mindestlohn reißt es da auch oft nicht raus. Manche Jobs werden einigermaßen gut bezahlt, aber nur befristet oder in Teilzeit vergeben, andere für ungelernte Arbeiter*innen sind langfristig mies bezahlt ohne Hoffnung auf Besserung.

Und nun strömt da eine Menge Leute ins Land, die erstmal untergebracht und gefüttert werden will. (Weil die USA Kriege ums Öl angefangen haben, die sie nicht gewinnen konnten. Weil wir unsere Hähnchenreste nach Westafrika verschiffen und u.a. deshalb die Wirtschaft in den Ländern dort vor die Hunde geht. Weil wir billige Smartphones kaufen wollen und es uns scheißegal ist, ob fürs Schürfen nach seltenen Erden Leute versklavt werden. Oder weil die Geflüchteten selbst mit gemäßigten demokratischen Ansichten daheim auf der Abschussliste standen. Oder oder oder.)

Diese Leute sind nicht alle gut ausgebildet, das heißt, bleiben sie und dürfen sie arbeiten, dann verstärkt das zunächst den Druck auf den Niedriglohnsektor weiter. Was manchen Arbeitgeber*innen nur recht sein kann, aber die dort Angestellten um ihr Auskommen bangen lässt.

In so einem (gefühlten) Chaos sind Leute willkommen, die sagen, wer gut ist und wer böse, und die mit einfachen Lösungen komplexe Probleme verschwinden lassen wollen. Die erhöhte Aufnahmebereitschaft für solche einfachen Lösungen liegt in der Natur mancher Menschen, nämlich jener, die autoritär sind.

In den USA kreischen sie für Donald Trump, der die Welt klar in zwei Lager einteilen kann.

Und bei uns? Bei uns gehen AfD und andere auf Stimmenjagd.

Beweisführung: Es lässt sich mir vier Fragen herausfinden, ob eine Person autoritätsgläubig ist.

  1. Please tell me which one you think is more important for a child to have: independence or respect for elders?

  2. Please tell me which one you think is more important for a child to have: obedience or self-reliance?

  3. Please tell me which one you think is more important for a child to have: to be considerate or to be well-behaved?

  4. Please tell me which one you think is more important for a child to have: curiosity or good manners?

Was ist wichtiger in der Kindererziehung: Unabhängigkeit oder Respekt vor Älteren? Gehorsam oder allein zurecht kommen können? Umsicht oder ruhiges Verhalten? Neugier oder gute Manieren?

Ins selbe Horn tutet die AfD, wenn sie für Baden-Württemberg fordert: „Lehrer müssen wieder in die Lage versetzt werden, durch effiziente pädagogische Maßnahmen den Unterricht zum Wohle der lernwilligen Schüler zu gestalten.“

Ich will jetzt nicht behaupten, dass es keine Schulen gibt, an denen das Lernen dank eines Haufens Chaot*innen mehr als erschwert wird, aber was zum Henker sind „effektive pädagogische Maßnahmen“? Smartphoneentzug bis zum Pausenklingeln doch gewiss nicht.

Im Übrigen ist das Experiment Hauptschule (noch so was von der Liste) m.E. diesbezüglich grandios gescheitert – erstens handelt es sich dabei zumeist um Klassensegregation unter anderem Namen, was Gräben fördert. Zweitens, Leute zusammenzusperren, die als Jobaussichten „Hartz 4“ angeben, finde ich nicht gerade eine entspannte Lernatmosphäre.

Wir sehen also: Es gibt für manche Leute tatsächlich Grund, Angst zu haben. Die anderen heulen vor allem liebgewonnenen Gewohnheiten und Machtpositionen hinterher.

Autoritäre Menschen suchen in solchen Fällen nach Anführer*innen, die ihnen den kürzesten Ausweg aus der (vermeintlichen) Misere weisen – und dabei viel zu häufig nach hinten zeigen und/oder ihren Ausweg über Leichen gehen.

Was ist zu tun?

Kurzfristig: Wählen gehen und den Ängstlichen nicht das Feld überlassen.

Langfristig: Den Leuten beibringen, Widersprüche aller Art auszuhalten und zu beweisen, dass es nur in der Mathematik einfache Lösungen gibt.

… Und jetzt verrate mir bitte wer, wie das geht, denn Generationen von halbwegs cleveren Romanautor*innen vor mir haben es auch nicht geschafft.

Ehren-Amt: Benefiz-Anthologie

Noch ist es nicht fertig, aber bald, bald: Zum 21. März, dem internationalen Tag gegen Rassismus, soll eine Sammlung von Kurzgeschichten käuflich erwerbbar sein, die ich derzeit in redaktioneller Bearbeitung habe, nachdem  die Kolleg*innen das Lektorat meinerseits überlebt haben:

coverentwurf

Vorraussichtlich für 2,99 € gibt es Stories von mir, Alpha O’Droma, Angelika Monkberg, Antonia Günder-Freytag, Dorothe Reimann und noch einigen mehr.

Alle Erlöse werden wir an den Förderverein von PRO ASYL spenden.

Buchmesse Leipzig: Klappe die Zweite

Nach meinem Ausfall letztes Jahr wage ich einen neuen Versuch für die Buchmesse in Leipzig.

Ein Europäischer Kleindrache inspiziert ein Bücherregal auf Nesttauglichkeit

Ein Europäischer Kleindrache inspiziert ein Bücherregal auf Nesttauglichkeit

Am Stand von dead soft (Halle 5 E 221) werde ich nach Plan anwesend sein

am Donnerstag den 17.März von 14 – 16 Uhr und

am Freitag, den 18.März von 16 – 18 Uhr.

Ich bin auch am Samstag bis ca. 14 Uhr auf dem Messegelände, wer also nur am Samstag Zeit hat, möge sich bitte bei mir melden, hier drunter einen Kommentar hinterlassen oder sich sonstwie bemerkbar machen.

 

Linkspämmchen: So weit isses schon

Zweimal weise Worte bezüglich der hiesigen Bananenrepublik.

Felice Vagabonde trifft das, was die Mädchenmannschaft schon seit Jahren sagt, nochmal: Die Anfänge sind schon lange vorbei.  (Auch wenn der Text einmal die Selbstbezeichnung Schwarzer Menschen ignoriert).

Und das mit dem Stinkefinger? … (Wieso waren da eigentlich Menschen, die sich über einen Stinkefinger aufregen konnten? Hm? Hab ich da was läuten hören, dass da eine nicht angemeldete Demo stattfand … eventuell weil da ein Heimleiter seinem Bruder was gesteckt hat?)

Ich weiß ja, eine soll nicht alle über einen Kamm scheren, aber ich hab derzeit weniger Angst, als mittelprächtig linke Bazille im Sommer zum Demonstrieren nach Berlin zu fahren als im März geschäftsmäßig zur Leipziger Buchmesse.