#lbm2018 – Messenachlese

Schon die Hinfahrt mittwochs gestaltete sich abenteuerlich, aber da alle meine Züge Verspätung hatten, kam ich tatsächlich beinahe pünktlich in Leipzig an. Danach musste ich mich noch um eine Reservierung für den Sonntag kümmern, denn der ursprünglich geplante Zug war samt reserviertem Platz so lautlos verschwunden, dass ich nicht einmal einen Verspätungsalarm von der Bahn bekam.

Für mehr bitte klicken: Weiterlesen

Mitleid

Von einem „freundlichen Impuls, andere zu beschützen, der mit einer Spur Verachtung versetzt ist“, schreibt Robert M. Sapolsky. Wahrscheinlich meint er das Mitleid.

Die meisten Menschen, denen das Mitleid anderer offen zugetragen wird, verwehren sich dagegen. Das kann ich verstehen, denn Mitleid bedeutet häufig eine Bevormundung. Mitleid stellt selten das herrschende System infrage.

Insofern gilt wohl, dass Mitleid ein Gefühl ist, das ein Mensch besser für sich behält.

Silvester/Gelesen 2017

Schon wieder ein Jahr rum. Falls irgendwer das heute noch liest: Übersteht die Nacht gut und fangt 2018 gut an. Mögen euch viele gute Geschichten und vielleicht auch ein bisschen Weisheit begegnen.

bucheulen

Dieses Jahr habe ich notiert, was ich gelesen habe, das weder ein Sach- oder Fachtext noch Fanfiction war. (Letzteres hätte den Rahmen gesprengt.) Ich hätte mit weniger gerechnet, muss ich gestehen, aber so ist es im Schnitt alle zwei Wochen ein Roman.

Die Einteilung erfolgt nach der Wichtigkeit, die darin enthaltenen heterosexuellen Beziehungen zukommt. Ich bin sicher nicht die einzige nicht-heterosexuelle Person, die bitte gerne einfach mal in Ruhe lesen möchte, ohne dauernd die vermeintlichen Defizite vorgeführt zu bekommen.

Andere mögen auf der Suche nach ihnen fremden Stimmen, nach Neuem sein. Solche Suchende finden in allen Abteilungen Ideen.

Ob ich einen Text gut oder schlecht fand, ist davon völlig unabhängig, wie das geneigte Publikum gleich feststellen kann.

Eher heterolastig:

Elfendiener von Julia Fränkle – erotiklastige Romantasy. Die Romanze ist für mich unglaubwürdig, da es sich bei der Heldin um eine meine Nerven tötende Mary-Sue handelt. Weltenbau aber interessant.

Das tote Herz von Rainer Würth – Schnell und spannend erzählter Psychothriller, aber im Nachgeschmack irgendwie schal: „Organspende ist böse“, oder so.

Tod in Alepochori – Claudia Konrad – deutsch-griechischer Krimi, schnell und spannend, leider ohne richtige Auflösung.

Der blaue Himmel – Galsan Tschinag. Trotz/wegen seiner Abschweifungen hochinteressante und spannende Erzählung über einen Nomadenjungen in der Mongolei und dessen Hund. Endet leider etwas abrupt.

Die Rückkehr – Galsan Tschinag. Autobiographischer Roman, wieder voller interessanter Abschweifungen, schöne Sprache und diesmal auch mit richtigem Ende.

Träume aus Feuer – Maja Winter. Rache und Intrigen von nibelungemhaften Ausmaßen treffen auf einen hochinteressanten Weltenbau.

Zarin Saltan – Katherina Ushachov. Eine mir etwas zu kurz geratene, feministische Nacherzählung des russischen Märchens „Zar Saltan“. Die Bösewichtinnen könnten eine überzeugendere Motivation brauchen, ansonsten gut zu lesen.

Kriegsklingen – Joe Abercrombie. Eine Ansammlung von Ekelpaketen und Hoffnungslosen. Nicht, dass ich was gegen miese Charaktere hätte, aber diese Kerle fesseln meine Aufmerksamkeit nur bedingt. Nach 30% aufgegeben, weil mir ihr weiteres Schicksal völlig gleichgültig ist.

Henkersmarie – Astrid Fritz. Historischer Roman über eine Henkersfamilie um 1540. Das Endefinde ich ein wenig zuckrig, dafür gibt es hochinteressante Einblicke ins Leben und Denken der frühen Neuzeit.

Nicht so heterolastig:

Lippen abwischen und lächeln – Max Goldt – sporadisch zu lesende, sehr erfreuliche und genau beobachtete Miniaturen.

Nachtschatten: unantastbar – Juliane Seidel. Siehe Rezi. Insgesamt ein Lehrstück darüber, dass mensch keine Romanze einfügen sollte, wenn mensch sich damit unwohl fühlt.

Cynthia Silbersporn – Hexengeschichten für Erwachsense – Fred Keller. Nette Ideen, aber leider haben mir die Figuren zu wenig echte Schwierigkeiten.

The Three Body Problem (auch deutsch „Die Drei Sonnen“) – Liu Cixin – äußerst interessante und hochspannende Variation über „Was, wenn wir nicht allein sind?“, kann aber sein, dass diese chinesische Betrachtung der Menschheit manchen nicht schmeckt.

Existenz – David Brin. Fetter Science-Fiction-Wälzer. Extrem interessante und spannende Meditation darüber, was intelligentes/menschliches Leben ist. Nebenbei spinnt es sowohl den Klimawandel als auch das Internet gekonnt weiter.

The Stone Sky – N.K. Jemisin. Dritter Band der „Broken Earth“-Trilogie. Noch eine Ansammlung von Menschen, die selten nett zueiander sind, sich überwinden müssen, trotzdem mit Mitgefühl zu handeln, aber neben dem Weltenbau zum Niederknien weiß die Geschichte um Essun und ihre verlorene Tochter bis zum Ende Echos zu erzeugen und zu fesseln. Absolute Leseempfehlung, wie für alles von dieser Autorin.

Die Ersatzmuse – Fred Keller. (Der ortsnahe und mir liebe Kollege kauft auch alle meine Texte.) Der Autor schreibt sich noch warm, hat aber im Vergleich zu Cynthia oben schon einiges dazugelernt. Insgesamt geht’s in dieser Sammlung von Kurzgeschichten weniger um Spannung als um Feel-Good-Atmosphäre, was gut funktioniert.

Wodans Fluch – Stephan Grundy.  Historische Fantasy/Nibelungenauskopplung über die Blutsbrüderschaft zwischen Hagan (also Hagen von Tronje) und dem fränkischen Prinzen Walthari. Schöne Sprache, überzeugende Recherche zur Spätantike und den Hunnen. Da es im Grunde ein Fanfic ist, verzeihe ich das zum Ende hin holprige Pacing und weiß die nicht gelöste sexuelle Spannung (=UST) zu schätzen.

A Darker Shade of Magic – V.E. Schwab. (Auch deutsch als „Die vier Farben der Magie“). Atemberaubendes Abenteuer zwischen vier Varianten von London (einmal viktorianisch, die anderen sehr anders), das durch Tempo, genaue Beobachtung und originellen Weltenbau besticht.

A Gathering of Shadows (Shades af Magic 2) – V.E. Schwab. Hier merkt eine dann, dass sich die Serie an „Young Adults“ wendet, also Menschen, die gerade erwachsen werden. Ich wollte dementsprechend die komplette Truppe manchmal schütteln, was aber der Unterhaltsamkeit und Spannung keinen Abbruch tat. Fieser Cliffhanger, weshalb ich gleich dranhängte:

A Conjuring of Light (Shades of Magic 3) – V.E. Schwab. Und wir stürzen nach dem Cliffhanger in wörtlich zu nehmende Dunkelheit. Nur zu zwei Dritteln geschafft, bevor dieses Posting zu erledigen war.

Eher verqueer:

Aneiryn von Jona Dreyer – schwule historische Fantasy. Ich kann mit den Figuren nicht genug anfangen, um die Serie weiterlesen zu wollen, qualitativ ist der Text aber völlig in Ordnung. Die Autorin umschifft elegant alle Fallen, die das Arrangierte-Heirat-Trope so mit sich bringt.

Blank Spaces von Cass Lennox – Ein nettes englischsprachiges Häppchen, ace/gay romance, fühlt sich sehr wahr an.

Der Fluch der Herzkönigin – Serena C. Evans – Eine lesbische Variation über Alice im Wunderland. Herzig und originell.

Meine Mutter, sein Exmann und ich – T.A. Wegberg – Ein mir leider etwas zu kurz geratenes Jugendbuch zum Thema „mein einer Elternteil ist trans*. Hilfe!“

Die Akte Daniel – She S. Rutan & Neko Hoshina – Habe ich nicht beendet, denn weder die Figuren noch die unterliegende Weltverschwörung sprechen mich an.

Eine Ahnung von Pan – Jobst Mahrenholz – seufz. Gay Contemporary/Romance. Zarte, zögerliche Annäherung von zwei Männern mit vielen Ecken und Kanten.

Anderswelt – Berlingtons Geisterjäger 1 – Amalia Zeichnerin. Sympathisches Ensemble in einer interessanten steampunkig-fantastischen Welt. Die Autorin schreibt sich offensichtlich noch warm, weshalb weder Stil noch Zeichensetzung durch besondere Eleganz bestechen.

Feierdäg*

Liebe Menschen,

weihnachtsgruß 2017

ich habe zwar keine größere Pause vor, aber für solche, die sich dieser Tage freinehmen, vorträglich ein paar gute Wünsche für egal welches Fest, das ihr feiert (bzw. nachträglich für das, das ihr schon gefeiert habt): Ich hoffe, ihr bekommt ein wenig Frieden, Freude und Liebe ab.

 

(*) Badisch für Feiertage

 

Gewinnspiel zur AAW 2017

ETA Sonntag, 29.10. – Geschlossen.

So, wegen Krankheit mit etwas Verspätung, da die Asexual Awareness Week ja schon heute Morgen begonnen hat:

Es gibt zwei Printexemplare von Albenzauber zu gewinnen.

Albenzauber 640pt

Wie?

Ihr antwortet hier bis einschließlich Samstag, den 28.10.2017 unter den Blogbeitrag, wann euch das erste Mal bewusst wurde, dass A_sexualität existiert.

Immerhin geht’s ja bei der Asexual Awareness Week genau darum. Ich will keine Informationen über eure sexuelle Orientierung oder Details zu eurer damaligen Reaktion, es sei denn, ihr wollt sie öffentlich machen.

Ansonsten Rechtliches, also die Teilnahmebedingungen:

Teilnahmeberechtigt sind natürliche Personen ab 18, die eine Postadresse in Deutschland haben.
Der Gewinn wird per Brief oder Päckchen versendet. Es besteht kein Anspruch auf den Gewinn, eine Barauszahlung ist nicht möglich. Der Gewinnanspruch ist nicht übertragbar. Anfallende Versandkosten werden von mir übernommen. Damit euch der Gewinn erreicht, brauche ich logischerweise eure Anschrift, welche ihr mir im Falle des Gewinns per E-Mail an: carmilladewinter[at]yahoo[punkt]de mitteilt. Die Adresse gebe ich selbstverständlich nicht an Dritte weiter und nutze sie nur für das Gewinnspiel.  Die Bedingungen können sich jederzeit ändern und das Gewinnspiel kann ohne Angabe von Gründen vorzeitig beendet werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Im Falle eines Gewinns gebe ich euren Namen (bzw. den Nickname, unter dem ihr teilgenommen habt) hier nach Ende des Gewinnspiels bekannt.

Und, damit hier ein Anfang ist: Ein Artikel in der Brigitte, 2005. Danach fünf Jahre nachgedacht. Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte.

Marcus Johanus bringt es auf den Punkt

Häufiger werde ich gefragt, wie man mich denn darin unterstützen kann, meine Romane weiter zu verbreiten – worüber ich mich natürlich sehr freue. Über die Antworten sind die meisten dann überrascht, denn es ist viel einfacher, Selfpublisher zu unterstützen, als viele glauben. In der Regel dauert das nur Sekunden. 1. Like, was das Zeug […]

über 9 Dinge, die du tun kannst, um Selfpublisher zu unterstützen — MARCUS JOHANUS

Gilt im Übrigen auch für Bücher aus Kleinverlagen.

An Menschen, die bloggen

Eine Momentaufnahme in Berlin: Ich gehe in die Markthalle, kaufe beim Wurststand Salami am Stück. Der Verkäufer, der mir sehr freundlich mein Rückgeld gibt, hat asiatische Augen. Die Steinpilze beim Gemüsehändler bekomme ich von einem offensichtlich türkischen Mitbürger. Die Bäckereiverkäuferin antwortet mir in breitestem Schwäbisch. Nachher ruhe ich mich im Café aus. Dort sitzen an […]

über Schreiben gegen Rechts – ein Buch der Zuversicht! — Bunt und farbenfroh …

Ich selbst habe noch keine zündende Idee, aber hier schon mal de Aufruf zum Mitmachen und Weiterverteilen.

 

Wer darf eigentlich in der Öffentlichkeit über (die eigene) Asexualität sprechen und wer entscheidet darüber?

Niemand ist frei von Stereotypen. Auch Medienschaffende nicht. Wie sehr wir gewohnt sind, geanderten Menschen die Deutungshoheit über ihr Leben zu nehmen, lesen Sie hier.
Ich bitte um Vergleiche mit der Behauptung, dass Schwule ja nur der Homo-Propaganda aufgesessen seien. Oder mit der Behauptung, dass Frauen, die nach pränataldiagnostischen Maßnahmen abtreiben, vom Neoliberalismus beeinflusst seien. Oder mit der Behauptung, dass Schwarze Menschen kindhaft seien und daher in Sklaverei besser aufgehoben. Siehe auch Kopftuch-Debatte etc.
Die Methode, zu behaupten, dass Leute in Outgroups bzw. Minderheiten nicht wissen, was sie tun, hat seit Jahrhunderten System.

Nixblix´ simple Sicht der Dinge

Diese Frage stellte sich mir jüngst, nachdem ich mich auf eine Interviewanfrage gemeldet habe, in der es darum ging, dass Asexuelle über ihre Entwicklung berichten, wann und wie sie den Begriff „Asexualität“ für sich fanden und was Intimität für sie bedeutet. Und vor allem, wie sie Intimität in einer Liebesbeziehung leben, wenn die gesellschaftliche Erwartungshaltung darin besteht, dass diese Art von Beziehungen nur dann als legitim betrachtet werden, wenn Intimität in ihnen körperlich und vor allem sexuell ausgedrückt wird.

Nun habe ich zwar mit Anfang Zwanzig körperliche Nähe im Sinne von Kuscheln, Küssen und Streicheln erst mühsam lernen müssen, da dies aber meine Form der Sexualität darstellt, nach der ich mich seit der Pubertät gesehnt habe, dachte ich mir, ein Versuch könnte nicht schaden, und meldete mich auf die Anfrage. Zumal ich seit meiner Selbstfindung im vergangenen Jahr mit Hilfe meines besten Freundes dabei bin, mir meine eigene Sexualität Stück…

Ursprünglichen Post anzeigen 801 weitere Wörter