Katze tot/Fragezeichen/Systemrelevanz

Physics, Schrödinger'S Cat, Schrödinger

Diese Katze war zum Zeitpunkt, als das Foto entstand, lebendig. Bild von Geralt via Pixabay.

Mein Schweigen seit letzter Woche liegt darin begründet, dass die Katze tot ist: Die Kollegin hat dann doch Corona, Ansteckungsweg unbekannt.

Vielleicht hatte ich mir das auch nach der Nebenhöhlensache eingesammelt und ihr weiterverteilt, und der seltsame Schnupfen war doch keine Grippe mit ein bisschen Rhinovirus?

Ich war garantiert bis zum 8. März ansteckend, und das wäre dann ein später, aber nicht unmöglich später Krankheitsbeginn ihrerseits.

Aber am 2. März hat da noch niemand drüber nachgedacht. Vor allem nicht bei einem doofen Schnupfen.

Viele Fragezeichen. SARS-CoV-2 macht schräge Dinge mit Menschen und manchmal (sehr häufig) halt auch gar nichts. Aber wenn man es bös hat (also eine Lungenentzündung davon bekommt), hat man’s wohl richtig bös, wenn ich den Ausführungen des Robert-Koch-Instituts richtig gefolgt bin.

Jedenfalls ist die Kollegin samt der dazu eingeteilten A-Schicht am Montag dann noch nachträglich in Quarantäne versetzt worden, und ich bin seit Dienstag fast in Vollzeit, was ich irgendwie nicht mehr gewohnt bin. Ein Quartalsbeginn mit erhöhtem Aufkommen von Inkontinenzbedarf und Pflegehilfsmittellieferungen ist auch noch dabei, wir diskutieren uns den Mund fusselig. Nein, Händedesinfektion nur 100 Milliliter, die kriegen wir leider zu einem Preis geliefert wie sonst die 500 Milli. Und nur drei, und nur zwei Packen Handschuhe, weil andere wollen auch noch was. Aber immerhin haben wir welche, ne?

Sagrotan Flächendesinfektion ist aus. Mein Handy bekommt nach jedem Arbeitstag eine Behandlung mit Wasser und Seife. Und Ihres?

(Sprühen ist halt bequemer als Klodeckel mit Lauge putzen, ich weiß.)

Masken kann ich in Rückstellung nehmen. Nein, ich verstecke keine vor Ihrem Kind mit Mukoviszidose oder Ihren gebrechlichen Eltern. Wenn wir unsere letzten Einzelstücke rausgeben, müssen wir bei jedem weiteren Corona-Fall den Laden dicht machen.

Dass ich auf Montag eine Nacht wegen Notdienst und auf Mittwoch eine Nacht hormonbedingt höchstens je vier Stunden geschlafen habe, macht die Sache nicht besser.

Als gestern noch Energie übrig war, habe ich die Punk’n’Roll-Version einer Behelfsmaske zu nähen angefangen.

Schrödingers Corona

Physics, Schrödinger'S Cat, Schrödinger

Grundlagen der Physik via geralt, Pixabay. In einer Box, in der die Freisetzung von Gift dem Zufall überlassen ist, weiß eins nicht, ob die Katze darin tot oder lebendig ist, bis eins die Box öffnet.

 

So, eine Kollegin hat nach trockenem Husten am Wochenende Fieber entwickelt und ist zwei Wochen krankgeschrieben. Ein Test wurde nicht angeordnet, weil sie keinen Kontakt zu nachweislich mit SARS-CoV-2 Infizierten hatte. Obwohl sie in einer Apotheke arbeitet, wo es, sagen wir mal, vielleicht nicht ganz uninteressant wäre zu wissen, ob wir ohnehin meist angeschlagene Patient:innen gefährden.

Das mit dem Kontakt ist insofern eine Milchmädchenrechnung, da das Robert-Koch-Institut davon ausgeht, dass die tatsächliche Fallzahl die gemeldeten Fälle um mindestens 4,5- bis 11-fach übersteigt. Wo diese Fälle rumspringen ist, wie es so schön auf Englisch heißt, „anyone’s guess“ — kann eins nur raten. Gehen die noch arbeiten? Sitzen die schniefend mit mir im Bus? Keine Ahnung.

Logisch könnte die Kollegin auch eine Grippe haben, die Symptome ähneln dem, was ich vor drei Wochen hatte, nur heftiger.

Das, worunter die Kollegin leidet, ist also gleichzeitig Schrödingers Corona und Schrödingers Virusgrippe. Solange wir die Kiste nicht öffnen, wissen wir es nicht. Ohne Test keine Statistik.

Für mich ändert sich vorläufig wenig: Der Spuckschutz wirkt in beide Richtungen. Ich rücke den Leutchen weiterhin nicht zu sehr auf den Pelz, und die sind glücklicherweise meist unter 15 Minuten in meiner Nähe.

Trotzdem hat die Nachricht uns alle heute beim Arbeiten irritiert. Die Kollegin mit der immunsupprimierten Mutter, die mit dem Ehemann bei der Feuerwehr, usw.

Nach der Schicht kaum konzentrationsfähig.

… Nebenher Leute, die sich um Sinn und Unsinn von Seuchen in einer WhatsApp-Gruppe streiten und darüber entzweien. Als wäre dem Phänomen Existenz an sich irgendein höherer Sinn abzugewinnen. Die Nornen haben die Stäbe geworfen (hören Sie den Zufall klappern?), irgendwer hat vielleicht deswegen einen Kampf mit den Jöten verloren. Frau Hels Rechen hat dieses Jahr feinere Zinken. (Oder wie auch immer eins es sonst betrachten mag.)

Nicht, dass jeder Todesfall nicht einer zu viel wäre. Ich richte mich auf unangenehme und traurige Nachrichten ein. (Und höre Musik dazu.)

Was wir als Einzelne und als Gesellschaft aus Seuchen und Naturkatastrophen machen, wo wir Sinn und Unsinn finden, ist wie immer unser Ding und keiner höheren Macht anzulasten. Schade nur, dass manche nichts Besseres zu tun haben, als Schuldschieberei und (Sozial-)Darminismus zu betreiben.

#staythefuckathome

Covid-19, Virus, Coronavirus, Pandemic, Epidemic

Covid-19, von TheDigitalArtist via Pixabay.

Also. Ich bin ja bekanntermaßen nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Teilzeit-Apothekerin.

Vor gut drei Wochen ist etwas passiert, das mir zu denken gegeben hat. Ich hatte vorher neun Tage mit einer Nebenhöhlenentzündung daheim verbracht. Mittwoch und Donnerstag war jeweils ein halber Tag arbeiten angesagt. Freitags und samstags war Nebenjob im Homeoffice, und da hatte ich wieder vermehrt einen trockenen Husten. Sonntag kamen eine sehr, sehr laufende Nase und leichte Gliederschmerzen hinzu.

Lästig, aber verschmerzbar. In der Nacht schwitzte ich was weg, am nächsten Morgen wachte ich mit einseitigem Kopfweh auf und dachte: „Na, Rotzerei und eine Migräne obendrauf. Danke, höhere Mächte.“ Nahm Schmerzmittel, frühstückte und machte mich auf zu einem 10-Stunden-Tag Apotheke. Wäre ja peinlich, sich schon wieder krankschreiben zu lassen wegen zwei Lappalien, zumal das Schmerzmittel die einseitigen Kopfschmerzen linderte und ich nicht mal mein echtes Migränemittel hinterschieben musste. Gegen den trockenen Husten hatte ich noch was da, weil meine Nebenhöhlen haben immer trockenen Husten.

Wenn ich den Dienstag ebenfalls eingeplant gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich gebeten, einen Ersatz für mich zu finden, aber wenn ich an den nächsten beiden Tagen ausschlafen konnte? Da hatte ich schon unter erschwerteren Bedingungen gearbeitet. (S.u.) Und konzentriert war ich ja auch.

Außerdem waren von der anderen Berufsgruppe (den Pharmazeutisch-Technischen Assistentinnen) zwei krank, aus einer Filiale würde Ersatz da sein. Da noch ausfallen und alles den Noobs überlassen, die sich in unserer Filiale nicht auskennen? Nicht gut.

Also ich mindestens zweimal die Stunde raus zur Hintertür, Nase putzen und/oder husten, Taschentuch in ein verschlossenes Gefäß, Hände desinfizieren, weiter im Text. Zwischendurch noch mal in die Armbeuge gehüstelt.

Mittwochs war der Spuk bis auf ein bisschen Husten vorbei.

Es stellte sich am Montag drauf raus, dass wenigstens eine meiner beiden PTA-Kolleginnen das gleiche Viehzeug gehabt hatte, bloß heftiger: Gleiche Symptome plus Fieber und extreme Erschöpfung, eine Woche Krankschreibung. Anscheinend hatte uns allen beiden wer am Mittwoch oder Donnerstag den entsprechenden Virus überreicht, aber die andere hatte es ungleich härter getroffen.

Und eine von den Vertretungen hatte sich, wie ich vorgestern erfuhr, wohl bei mir angesteckt und lag zwei Wochen flach.

Keine davon Grippe geimpft. Ich hole mir aber seit fünf Jahren den Piks. Da kann man zwar noch Grippe bekommen, entwickelt aber mildere Symptome.

So mir nichts, dir nichts hatte sich meine lästige Erkältung also als wahrscheinliche Virusgrippe entpuppt.

(Die nächste nachgewiesene Virusgrippe begegnete mir eine Woche später im Notdienst. Die war im Krankenhaus, wurde mit einem Mundschutz entlassen und bekam das entsprechende Mittelchen dagegen, nämlich Tamiflu.)

Wir lernen also zwei Dinge daraus:

Erstens ist das mit der Statistik so eine Sache. Ich hatte in meinem Leben schon öfter etwas, das wahrscheinlich eine Virusgrippe war, aber in Arztpraxen macht niemand einen Test, verteilt keinen Mundschutz und verbietet einem auch nicht, die Großeltern zu besuchen. (Nicht, dass ich auf die Idee gekommen wäre, aber manche sind da eben auch einfacher gestrickt und wissen nicht mal, dass sie ihre Viren verbreiten, wenn sie husten oder auch nur sprechen.)

Quarantäneansage war auch nicht — das vorletzte Mal anno 2018 war ich arbeiten, weil wir sonst ab Mittwoch die Apotheke hätten schließen müssen, und hatte, völlig erschöpft und mit Kreislaufproblemen einen Heidenspaß, die Apothekerkammer zu überzeugen, dass ich den 24-Stunden-Sonntagsnotdienst unter diesen Umständen leider nicht auch noch machen kann.

Zweitens: Mein Schnupfen war der anderen Virusgrippe. Und ich habe in Gegenwart von Menschen über 60 in meinen Ärmel gehustet.Keine Ahnung, wer das Viehzeugs jetzt meinetwegen noch hatte, und wie die damit zurechtgekommen sind.

Das heißt, das nächste Mal bleibe ich bei so extremer Rotzerei daheim: #staythefuckathome.

Das heißt aber auch: Die Zahl der unbekannten Fälle ist viel höher, weil sie ja als „Lappalien“ angesehen sind. Ob nun Virusgrippe oder jetzt Corona. Überall da, wo die Ansteckungskette unbekannt ist, steht eine Person zwischen 20 und 40, die halt mal ein bisschen rumgehustet hat, oder eine Nacht geschwitzt, oder vielleicht sogar beides. Aber ich hab doch kein Fieber! Bin doch nicht krank.

Du bist aber ansteckend, Herzchen.

Und manche Leute müssen deiner Lappalie wegen ins Krankenhaus.

Also halt gefälligst Abstand.

 

 

 

 

Amtliches kurz vor Weihnachten

Wie so viele Menschen im Einzelhandel hege ich zur Weihnachtszeit eine Hassliebe: Viel Geschäft sorgt für gute Einnahmen, von denen mein Chef mein Gehalt zahlt, und viel Geschäft sorgt gleichzeitig für viel Stress. So nett die meisten Leute sind, die in den Laden kommen: Es gibt auch Arbeit, die nicht im Bedienen von Kund*innen besteht, und die bleibt dann liegen, bis eine im schlimmsten Fall drüberfällt.

Dieser Stress kann wiederum zu einer leichten Zombiefizierung führen. Über die Effekte habe ich beim Amt aller Ämter geschrieben.

Vergesst explizite Szenen …

https://i1.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a1/Aesculap-serpentine.jpg/311px-Aesculap-serpentine.jpg… ich habe hier ein viel besseres anatomisches Rätsel.

Diese Woche hatte ich das Vergnügen mit einem Notdienst in der Apotheke.

Und da rief mich also kurz nach zehn ein Mensch an, der meinte: „Also, äähh, ich hatte da eine kleine Auseinandersetzung mit meiner Freundin … und, ähm, dabei hat sie eine Tür zugeschlagen und dabei mein bestes Stück eingeklemmt.“

Ich denke: Will der mich verarschen? Neue Belästigungsmasche? Und wie zum Henker hat er das hingekriegt? (Unmöglich ist es nicht, aber ich hätte eher erwartet, dass in einem solchen Fall Finger oder Nasen leiden.)

Die Treffsicherheit der Dame ist m. E. zu bewundern.

Jedenfalls war sie durchaus ernst gemeint, die Frage. Ich riet zu ausdauernder Kühlung und einen Arzt aufzusuchen. Eventuell noch eine Ibuprofentablette gegen Schmerzen und Entzündungen.

Der Unglückliche fragte noch, ob ein männlicher Kollege vor Ort sei (nein, nicht um die Uhrzeit, da managen wir den Laden jeweils alleine), aber auch der hätte ihm wohl kaum etwas anderes erzählt.

Leben halt. Falls wer von den geschätzten Autorenkolleg*innen die Episode brauchen kann, dürft ihr sie gerne verwenden …

Patriarchat bei der Arbeit:

Aesculap-serpentine

Wenn die unverheiratete Frau mit dem antibiotika-verursachten Vaginalpilz lieber zur Frauenärztin geht, um sich mit Fluconazol-Kapseln zum Einnehmen ihre Leber zu vergiften, statt mit ein paar freiverkäuflichen und wesentlich harmloseren Tabletten zum Einführen ihr Jungfernhäutchen zu gefährden.

(So viel kann ich gar nicht fressen, wie ich kotzen möchte.)

Zukunftsängste

In Apotheken wird ja gern auch mal über das Gesundheitssystem gejammert.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen mit einer älteren Dame, die darüber schimpfte, dass mittlerweile so viele Ausländer*innen als Ärzt*innen arbeiten, und dass die je alle so schlecht Deutsch können.

(Das ist sicher nicht schön, wenn’s mit der Kommunikation hapert, aber dann liegt wohl was mit der derzeitigen Bezahlung und den Arbeitsbedingungen im Argen, wenn so viele deutsche Ärtz*innen ins Ausland wirtschaftsflüchten … und in diesem Fall ist es dann eine echte Wirtschaftsflucht, weil einen Job, zu essen und ein Dach über dem Kopf hätten die hier allemal.)

Jedenfalls war der Tenor, „ach, armes Deutschland, mit den vielen Ausländern.“ Und, „Ich mache mir Sorgen um Sie junge Leute, Sie müssen da ja so viel mitmachen.“

Woraufhin ich am Liebsten geantwortet hätte: „Mir machen Rassist*innen, Alt- und Neu-Nazissen, die jede Pegida-Propaganda nachplappern, aber mehr Sorgen als zugewanderte Ärzt*innen.“

Aber das gehört sich halt nicht.

Jedenfalls möchte ich hier alle Leser*innen bitten, selbige Petition für ein Verbot von Demos vor Unterkünften von Geflüchteten zu zeichnen, und gegenbenenfalls hier oder hier weiterzulesen.

Edit 15. August: Arwin Yale hat auch noch einen nachdenklich-wütenden Beitrag zum Thema.

Cocktail gegen den Zombiemodus

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Notdienste sind nicht schön. Trotzdem muss ich angelegentlich in der Apotheke übernachten.

Am Tag darauf bin ich dann im Zombiemodus: Nach mindestens zweimal unterbrochenem Tiefschlaf fällt es mir schwer, geradeaus zu denken, und Autofahren sollte ich eigentlich auch nicht.

Jedenfalls habe ich meine Zobiezeit heute genutzt, um Dinge zu tun, die ich sonst gerne rausschiebe: Ich habe Bildchen mit Architektur für das neue Projekt gesucht, und mir von Wikipedia auf Occitanisch bestätigen lassen, dass der Prota mit höchster Wahrscheinlichkeit auf Enric Marrron d’Aiguescur getauft sein, aber nicht hören wird.

Versüßen tue ich mir das mit einem selbstkreierten Cocktail, der auf einen nerdigen Namen hört. Eine recht süffige Angelegenheit zur Resteverwertung, die dem geraden Denken allerdings nicht unbedingt zuträglich ist.

Für den Zitronensäurezyklus werden benötigt:

3 cl Limoncello

3 cl Mandarinenlikör

2 cl Limettensirup

2 cl Zitronensaft

8 cl Orangensaft

und natürlich: Chrushed Ice.

Prost.

Todessehnsüchtige Leistungsmenschen

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Es war einmal ein Sonntagnachmittag im Spätherbst , an dem hatte die DeWinter Notdienst in der Apotheke zu schieben.

Ein Mensch, geschätzte Mitte vierzig, klingelt. „Ich brauche was gegen Husten. Ich muss morgen auf Geschäftsreise und kann da nicht krank sein.“

Im Gegensatz zu dem, was Laien glauben, ist dies kein besonders aussagekräftiger Wunsch. Immerhin hat er der Apothekerin die Frage abgenommen, wer denn den Husten hat. Die DeWinter denkt: Fällt ihm aber früh ein.

Deswegen dreht sie auch die Reihenfolge der Fragen um, mit der sie sonst Husten abklopft: „Seit wann haben Sie denn den Husten?“

„Ach, schon fast zwei Wochen. Vor allem, wenn ich Rad fahre. Ich fahre jeden Tag zehn Kilometer ins Geschäft, und das geht nicht mehr so gut in letzter Zeit.“

Okay. Es besteht Grund zum Verdacht, dass das nicht mit einer Erkältungssalbe zu beheben ist. „Ist das ein trockener Husten, oder kommt da Schleim raus, wenn Sie husten?“

„Schleim kommt da schon mit. Da haben Sie doch bestimmt was dafür. Ich muss die nächsten Tage echt fit sein.“

Immer noch misstrauisch, fragt die DeWinter weiter: „Ist der Schleim klar, oder hat der eine Farbe?

„Da sind immer grüne Brocken bei.“

Mittlerweile ist es sehr schwierig, sich ein Augenrollen zu verkneifen, denn wenn ich seit geschätzt einer Woche grüne Brocken huste, dann sollte ich davon ausgehen, dass die nicht innerhalb eines Tages zu beheben sind. Aber offensichtlich sind grüne Brocken in der Lunge  für manche Menschen kein Anlass, an ihrem allgemeinen Gesundheitszustand zu zweifeln, geschweige denn, mal trotz regelmäßigen Einkommens und gültiger Versicherungskarte eine*n Ärzt*in aufzusuchen.

Die DeWinter schickt den Leistungsmenschen zur Notfallpraxis.

Neunzig Minuten später ist er mit einem Rezept wieder da: Zehn Tage Antibiotikum gegen Lungenentzündung.

Der Darwin Award lässt grüßen.

Chemie für Laien

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Die Modepraline lästerte über eine Apothekerin bzw. Drogistin ohne Humor. Deutsche Medien haben ebenfalls keine Hemmungen, über meinen Beruf herzufallen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass allen Apotheker*innen ein Heiligenschein gebührt und unsere Westen so weiß sind wie ein frisch gewaschener Kittel, aber manchmal, manchmal … verzweifelt eins schon an der Welt.

Jedenfalls dachte ich, das kann ich auch. Aber von der anderen Seite des HV-Tisches (so heißen die Verkaufstheken im bundesdeutschen Apotheken-Sprech).

Aber fangen wir mal an:

Eine recht edel angezogene Dame betritt die Apotheke, es folgen die üblichen Begrüßungsfloskeln.

„Ich hätte gerne Vitamin C. Ohne Ascorbinsäure.“

Die DeWinter blinzelt erst mal, weil sie sich verhört haben muss. „Ohne Ascorbinsäure.“

Ein herrisches Nicken seitens der Kundin. „Genau.“

„Äh.“ Die DeWinter ist zu geschockt, um in einen Lachanfall auszubrechen. „Vitamin C ist Ascorbinsäure.“

„Nein, es muss welches ohne Ascorbinsäure geben.“

„Ehrlich? Wie kommen Sie darauf?“ (Es sage keine*r, die DeWinter sei besonders einfühlsam. Außerdem will sie wissen, wer solchen Unfug verzapft.)

Die Kundin, schon recht verschnupft: „Es muss Vitamin C ohne Ascorbinsäure geben.“

Die DeWinter nickt: Keine Quellenangabe heißt Internet, irgendein Forum. Faszinierend, dass sie trotzdem an ihrer Meinung festhält.

Weil Menschen grundsätzlich lieber „dem Internet“ glauben als einer Person, die Geld dafür bezahlt bekommt, so etwas zu wissen, ist das Gespräch hiermit als gescheitert anzusehen. Jetzt gilt es nur noch, die Dame so zu verabschieden, dass sie nicht merkt, was die DeWinter von ihrem Intellekt hält. Es gelingt ihr leider nicht:

„Also, selbst wenn ich Ihnen jetzt ein Präparat aus Hagebutten verkaufe, die natürlich reich an Vitamin C sind, kommen Sie damit nicht um die Ascorbinsäure drum rum. Weil Vitamin C Ascorbinsäure ist.“

Die Dame schüttelt den Kopf und verlässt den Laden.