Ace und queer, Ergänzung

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Via des Carnival of Aces habe ich einen hochinteressanten Artikel auf Englisch gefunden.

Zusammenfassung der These: In früheren Zeiten wurden Menschen als „queer“, also sexuell abweichend verurteilt, sofern sie

a) von Gender-Normen abwichen und/oder

b) keinen Hetero-Sex hatten.

Das kann heißen, dass eine Person Sex mit Menschen des gleichen Genders/Geschlechts hatte, es kann aber auch bedeuten, dass diese Person gar keinen Sex hatte!

Bezeichnende Beleidigungen: „alte Jungfer“ und „überzeugter Junggeselle“.

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Asexy Bore-Out

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Über einige Ecken klingelte ein größeres Printmedium beim Verein an, ob nicht wer was über Asexualität schreiben würde.

Ich habe es getan, und werde bei Gelgenheit den Erscheinungsort und Termin nennen, aber bei Merlins Bart: Ich habe dieses Rumgeeier manchmal verflucht satt.

„Asexualität ist eine sexuelle Orientierung. Wir verspüren keine sexuelle Anziehung und haben deswegen zumeist kein Verlangen nach sexueller Interaktion.“ Etc pp.

Nein, wir sind nicht alle …  (Bitte Bingo einfügen.)

Asexualität existiert !!Einself!

https://c2.staticflickr.com/6/5238/5899196028_c59c74c1c4.jpg

Können wir jetzt bitte über was anderes reden? Die Schnittmenge von Schwulenhass und Aromantihass, beispielsweise. Oder wenigstens, dass das Konzept der romantischen Orientierung auch anderen hilfreich sein könnte, und dass es ein asexuelles Spektrum gibt. Irgendwas, das nicht bedeutet, dass ich schon wieder die gleichen (invasiven) Fragen beantworten muss?

*seufz*

Zum Weiterlesen:

Der asexy Bore-Out scheint verwandt mit dem Feminist Bore-Out.

Und dann habe ich noch ein Queer-Lexikon gefunden.

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Buchkritik: Wings of Destruction

Normalerweise klopfe ich Texte mit asexuellen Figuren nur auf die queeren Aspekte ab, aber der hier gab so viel an Fehlern her, der ist auch für Autor*innen interessant.

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In einem Thread des englischen AVEN-Forums werden asexy Buchempfehlungen gesammelt, und daher stammte auch einer meiner Neuerwerbe, „Wings of Destruction“ von Victoria Zagar. Derzeit nur auf Englisch erhältlich, was aber auch nicht schlimm ist.

Meine Betaleserinnenseele blutete beim Lesen, deswegen habe ich denn auch öffentlich zwei von fünf Sternen verteilt.

Aber erstmal das Positive: Eine asexuelle Figur, über deren Status wir nicht rätseln müssen, weil Martin sich nämlich als asexuell bezeichnet. Und dann krallt er sich dank seiner sexuellen Orientierung bzw. deren Abwesenheit gleich einen Engel (mit einem ultrabesch… Namen. Anael! Böses Wortspiel, ick hör dir trapsen.)

Außerdem noch eine Figur aus dem LSBTTIQ-Bereich.

Die Voraussetzung ist originell, denn sonst wollen alle immer Armageddon verhindern, statt es auszulösen.

Leider krankt das Ganze an einem miesen Lektorat:

Einfallslose Satzanfänge. Wiederholungen. Engel, die im gleichen Satz nach Shakespeare und stereotypen Gangster*innen klingen.

Und der Weltenbau passt nicht.

Angeblich ist vor hundert Jahren…

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Gut gemeint …

Über meine asexy Nische des Buchstabensalats wird gelegentlich geschrieben. Ein Verriss, inklusive Hinweisen zur Recherche.

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Oder: Einige Hinweise an Personen, die über Asexualität schreiben möchten, aber nicht seit Jahren in der Materie stecken.

Normalerweise sagt mir ein Google Alert, wenn irgendwo in Deutschland etwas über Asexualität geschrieben wird. Leider/glücklicherweise ging sowohl mir als auch dem Rest der Community ein Artikel vom 2. Juni in der Frankfurter Rundschau durch die Lappen.

Fängt an wie immer: „Doch, so Leute gibt’s auch! Und sie schreiben darüber im Internet!“

(Origineller hingegen gestaltet sich dieses Fundstück aus der Morgenpost Sachsen, wo wir in einen größeren Zusammenhang eingebettet sind.)

Einerseits finde ich es äußerst schmeichelhaft, dass die Autorin mein Bingo zitiert – ist schließlich eine Menge Hirnschmalz dafür draufgegangen, damit alle es benutzen können – aber dass sie es dann nicht fertigbringt, nachzuschauen, wann die erste deutschsprachige Bloggerin mit mehr als drei Posts online gegangen ist, finde ich ein bisschen schade. (Tipp: Runterscrollen und Archiv öffnen.)

So gern ich hier…

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Let’s talk about… Gender in der Urban Fantasy: Sie wollte es, er konnte nicht anders – Vergewaltigungsmythen

Via Jery Schober kommt diese ultralange Abhandlung über Dinge, die ich schon vermutet habe, aber wie immer: Erst wenn was ausformuliert ist, kann eins dessen gesamte Schrecklichkeit überblicken.
Ich weiß, warum ich Paranormal Romance und „Seelenverwandtschaften“ nicht abkann, und Alpha/Omega-Dynamiken in Fanfictions nur mit seehr langen Fingern anfasse. Eins ersetze jedes beliebige magische Band/Vorbestimmung mit „Testosteron“ oder allgemein „Hormonen“, und verstehe, was ich meine.

Um zu zitieren: „Niemand verbietet ihnen [den Autor*innen], die Gender Rollen zum Beispiel einmal komplett umzudrehen, eine vollständig matriarchalische Gesellschaft zu konstruieren und Männer als verständnisvoll, liebevoll, unterstützend und vor allem nicht als aggressiv zu beschreiben. (…) Aber sie tun es nicht. Stattdessen vermitteln sie das, was ihnen selbst und ihren LeserInnen bekannt ist: eine Welt, in der Gewalt gegen Frauen zum Alltag dazu gehört.“
Mal wieder der Beweis, dass es einfacher ist, Hybridwesen zu erfinden, statt außerhalb der gesellschaftlichen Normen zu denken.

Es gäbe noch mehr zu diversen Zitaten zu ergänzen, aber das führt zu weit …

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Logo Gender in der Urban Fantasy

Hallo ihr Lieben! :)

Heute führen wir gemeinsam die Let’s talk about… – Reihe Gender in der Urban Fantasy weiter. Es hat ein wenig länger gedauert als geplant, weil das aktuelle Thema doch um einiges komplexer und umfangreicher ist, als ich angenommen hatte. Vor zwei Wochen haben wir entspannt und relativ locker begonnen, indem wir uns fragten, was an Vampiren in der Young Adult Urban Fantasy eigentlich so attraktiv ist (HIER). Das Thema dieser Woche ist definitiv schwieriger und für einige sicher harter Tobak: wir beschäftigen uns mit Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy bzw. Paranormal Romance. Dafür möchte ich euch das Paper „Rape Myths‘ Twilight and Women’s Paranormal Revenge in Romantic and Urban Fantasy Fiction“ (2014) von Kristina Deffenbacher vorstellen.
Doch bevor wir starten, muss ich sicherstellen, dass ihr die Basis ihrer Arbeit kennt und versteht.

Einerseits geht es um die Gender Rollen, die mit einer Vergewaltigung einhergehen…

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Award-eskes

Die Sache mit dem Award zog Kreise, weil zwei Bekannte es nicht lassen konnten, mich zurückzunominieren …

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Obwohl ich hier ja nicht mehr so viel poste, haben sowohl Fiammetta als auch tschellufjek beschlossen, mir einen Award für kleine Blogs zu überreichen … Logischerweise erst, nachdem ich sie vom anderen Blog aus nominiert hatte *seufz*

Ich werde mir hier mal eine Handvoll interessante Fragen rauspicken und dann einfach die alte Empfehlungsliste kopieren …

Fiammetta fragte unter anderem:

1. Welches Wort oder welche Phrase hasst du so richtig?

„alternativlos“ ist schrecklich, desgleichen alles Gerede, das „früher war alles besser“ oder irgendwelche „Goldenen Zeitalter“ beschwört. Ich habe genug über die europäische und sonstige Geschichte gelesen, um zu wissen, dass das absoluter Quatsch ist.
2. Nutzt du einen Wandkalender, einen Taschenkalender oder macht das alles dein Handy?

Taschenkalender, mit einem Monat pro Liste. Ich brauche alles auf einen Blick. Mein Handy ist so alt, dass es das noch nicht kann, und selbst dann wäre mir eine Hardcopy lieber.
5. Hast du…

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Hilfe! Ein Award!

Frau Zucker hat mir einen Award überreicht: „Liebster Blog“, wobei es sich im Grunde um eine Ketten-Frage-Runde für aufstrebende Blogger*innen handelt.

Ich verbeuge mich dankbar und schreibe einfach mal die Regeln ab:

  1. Verfasse einen Post zu diesem Award, füge das Awardbild ein und verlinke die Person, die dir diesen Award verliehen hat.
  2. Beantworte die 10 Fragen.
  3. Denke dir weitere 10 Fragen aus.
  4. Tagge (also nominiere) 10 Blogger, die unter 200 Leser haben.
  5. Sage den Bloggern, die du nominiert hast, dass sie einen Award bekommen haben und somit getaggt wurden.

Das Schrecklichste ist, eine Wahl treffen zu müssen. Oder mir Fragen ausdenken zu müssen. (Kann mich nicht entscheiden, womit Theorie 1 bewiesen wäre.)

Und ich werde zeigen, dass ich mich ganz schlecht an Regeln halten kann.

Selbiges sind Frau Zuckers Fragen und meine Antworten:

1. Bereitest du deine Blogbeiträge vor oder schreibst du frei Schnauze?

Das kommt darauf an. Politische und andere komplexe Themen gehen in der Regel durch drei bis fünf Entwürfe, bis ich mit meiner Logik zufrieden bin.

2. Auf welchen deiner Blogbeiträge bist du besonders stolz bzw. welcher liegt dir besonders am Herzen?

Grraaah. Mistfrage, ehrlich, Auswahl zu groß. Wenn wir bei diesem Blog bleiben, wahrscheinlich der hier über Coming outs und langweilige Figuren. Der ist auch repräsentativ für den Blog und dessen Thema.

3. Wen (tot oder lebendig) würdest du für deinen Blog gerne einmal interviewen?

Wenn mir intelligente Fragen einfallen: N.K. Jemisin ist meine Heldin und der Grund, warum es diesen Blog in dieser Form gibt.

4. Gibt es ein Thema, über das du gern bloggen würdest, dich aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht traust?

Seit längerer Zeit drücke ich mich um den Zusammenhang zwischen meiner queeren Subspezies und der Hautfarbe von Menschen, thematisiert hier.

5. Bloggen ist zeitaufwändig. Was gibt es dir zurück?

Anderer Leute Meinungen, Horizonterweiterung, und das befriedigende Gefühl, gelegentlich eine Diskussion zu verursachen. Außerdem denke ich klarer, wenn ich meine Gedanken aufschreibe und in eine lesbare, nachvollziehbare Form bringen muss.

6. Was war es für ein Gefühl, deinen allerersten Blogbeitrag zu schreiben?

Das war der hier: „Mal schauen, wie lange ich durchhalte“. In 2011, auf der anderen Seite. Mal überlegen: Stolz. Neugier auf die Reaktionen. Und „denen zeig ich’s“, insofern, als dass ich mir in den Kopf gesetzt hatte, mehr als 10 Beiträge zusammenzubekommen, was zu diesen Zeiten zu meinem Thema auf Deutsch den absoluten Rekord dargestellt hätte. Dass ich fast vier Jahre später noch dran bin, hätte ich damals wahrscheinlich selbst nicht geglaubt.

7. Fühlst du dich deinen Lesern gegenüber verpflichtet zu bloggen, auch wenn du manchmal absolut keine Lust darauf hast?

Ich habe keinen festgelegten Plan, außer, dass zwei Posts im Monat bei rumkommen sollten, um die geschätzten Leser*innen nicht zu enttäuschen. Insofern kann ich, wenn ich mal keine Lust habe, mich relativ gemütlich zurücklehnen und auf Inspiration warten. Grundsätzlich gilt: Wenn ich was zum drüber Bruddeln finde, dann habe ich in der Regel auch Lust, dies öffentlich zu tun. (Bruddeln: Schwäbisch für Herumnörgeln.) Dabei bin ich gar keine Schwäbin.

8. Hast du inspirierende Blogs, von denen du dir gerne eine Scheibe für deinen eigenen Blog abschneiden würdest?

*Zeigt auf Frage 3* Ansonsten bewundere ich beispielsweise an der Schriftzeit, dass hier eine Einzelpersonen jede Woche so einen Haufen Inhalt auf die Reihe bekommt, und an der Trippmadam, dass sie konsequent Siezt, und das mit einem extrafeinen Humor.

9. Ich bin hungrig: Welches deiner Lieblingsgerichte lässt sich in 20 Minuten zubereiten?

Spaghettini mit gebratenen Garnelen in einer Wein-Sahne-Sauce. Ansonsten immer da: Pasta und exzellentes Pesto. Vegane Liebligsgerichte brauchen alle länger.

10. Was sollten Menschen, die dich nicht gut kennen, über dich wissen?

So als Warnung? Will ich, dass sowas im Internet steht? Eigentlich reicht es doch, wenn ich weiß, warum ich tue, was ich tue. *breit grins*

Versuchen wir’s mal: Wenn Sie mit mir diskutieren möchten, müssen Sie mir zuerst beweisen, dass Sie mich ernst nehmen.

Und: Ich reagiere ganz ungehalten auf männliches Macho-Gepose und Personen, die meinen, mich mit ihrer größeren Körpermasse und lauteren Stimme einschüchtern zu können. Ich kann ganz prima passiv-aggressiv sein, wenn es nötig ist.

Jetzt zehn Blogs???

(Aber nicht die Schwestern Coletta, die sind quasi die Großmütter dieses Postings.) Und mit unter 200 Follower*innen – was zu eruieren gar nicht so einfach ist, weshalb ich angelegetlich geschätzt habe.

Mein WordPress-Feed hat 55 Blogs, und mein RSS noch ein paar extra. Wow. War mir gar nicht bewusst vorher. Aber von vorne, höchst individuell, teilweise persönlich bekannt und bestenfalls halbwegs repräsentativ:

1. Trippmadam, wobei diese schon Fragen beantwortet hat, und sich nicht bemüßigt fühlen muss, dies noch einmal zu tun.

2. Der k_eine Unterschied. Denkanstöße zuhauf, aber keine Antworten zu erwarten, da ein Kollektiv.

3. Fructus Dulces sorgt unter anderem für musikalische und sprachlich Horizonterweiterung.

4. Die Weltenschmiede. Noch so ein Blog, von dem ich keine Antworten erwarte. Denkanstöße in eine völlig andere Richtung, zwecks Fortbildung und so.

5. Tschellufjek. Mehr Politik und nicht-fantastische Lektüre.

6. Marmor und Ton. Persönliches, zu Schreibendes und gelegentliches Fangirling.

7. Anarchistelfliege. Mehr Denkanstöße.

8. The Ace Theist. Englisch. Außer, dass wir beide Träger*innen schwarzer Ringe sind, haben wir nicht viel gemeinsam, aber ich lese wahnsinnig gerne mit. Wird nicht antworten.

9. High in Clichés. Mehr Denkanstöße.

10. Wortgepüttscher. Schafft’s regelmäßig, mich zum Grinsen zu bringen.

Und zehn Fragen. Ich war da mal völlig unkreativ und hab mir was teilweise zusammengeklaut … aber wozu das Rad neu erfinden und so.

1. Der oder das Blog?

2. Ist Bloggen politisch oder privat? Oder vielleicht beides? Warum?

3. Als Revisionistin n-ten Grades: Durch wie viele Inkarnationen geht ein durchschnittlicher Blogpost bei dir/Ihnen? Oder hängt’s vom Thema ab?

4. Gibt es ein Thema, über das du/Sie gern bloggen würdest/würden, dich/sich aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht traust/trauen?

5. Bloggen verpflichtet: Postings nach Laune, nach Stundenplan, oder …?

6. Reader/Feed/Lesezeichen anschauen: Gibt es da zwei Blogs und/oder Seiten, von denen keine*r erwarten würde, dass sie von ein und derselben Person verfolgt werden? (1)

7. Was muss ein Blog haben, um deine/Ihre Aufmerksamkeit zu fesseln?

8. Gibt es Blogs, die dich/Sie inspirieren?

9. Schamlos Eigenwerbung machen: Bitte den eigenen Lieblingspost und/oder subjektiv wichtigsten Post verlinken.

10. Was kommt auf den Tisch, wenn Gäst*innen zu beeindrucken sind?

(1) Bei mir: Fanfiction.net beißt sich grundsätzlich mit allem. Außer, wenn es das nicht tut. Ansonsten beißen sich Tribal Dance-Kulturklau-Modekrams und queer-feministische Aspekte, an denen nage ich noch.

Die Inkonsistenz von Erinnerung

Gegenwärtig feile ich unter anderem an einer Fanfiction im Captain-America-Fandom, die gepostet sein will, bevor mir „Age of Ultron“ einen Strich durch die Gedanken macht.

Die andere Feilerei findet für’s Bundesamt für magische Wesen statt.

Jedenfalls erweitert Fanfic manchmal den Horizont: Ich höre mich gerade durch eine Liste von „awesome russian metal“, der (ohne Betrachtung der Texte) wirklich Spaß macht. Grund ist meine Hauptfigur des „Winter Soldier“, der im zweiten Captain America-Film unter von Elektroschocks verursachter Amnesie leidet.

Mehr erzähl ich jetzt nicht, falls irgendwer keine Ahnung vom Marvel Filmuniversum hat, das aber irgendwann ändern möchte. Ich mag die Captain America-Filme, weil Steve Rogers teilweise eine Punk-Attitüde an den Tag legt, die eins dem Genre allgemein und der Figur im Besonderen nicht zutraut. Und das Fandom hat was, sogar Analysen, warum Steve Rogers kein Übermensch im Nietzschen Sinne ist.

Aber zurück zum Winter Soldier. Die Fanfic-Schreiberei hatte außerdem ein bisschen Nabelbeguckung zur Folge, denn: Wer unfreiwillig den größten Teil des eigenen Lebens vergessen hat, sich nun aber in Fetzen erinnert, hat kein Narrativ, um alles zu einer Lebensgeschichte zusammenzuknüpfen. Eins schaut zurück und erkennt die Person nicht wieder, die eins damals war.

Wobei, wenn ich so zurückschaue, frage ich mich manchmal, wie viele meiner Erinnerungen modifiziert sind, um ins Narrativ zu passen. Manchmal verstehe ich mein 16 Jahre altes Ich nicht, und mein 33 Jahre altes Ich befindet sich so weit außerhalb der Komfortzone meines 18 Jahre alten Ichs, dass dieses sich bei einer exakten Zukunftsvorhersage wohl an den Kopf getippt hätte, obwohl die Basis-Charaktereigenschaften dieselben sind.

So viel also zu zuverlässigen Erzähler*innen …

Alle sind Charlie, keiner ist Jude

Bin ja sonst keine, die einfach so und ungefragt fremder Menschen Einträge rebloggt, aber das hier ist ein so eindrucksvoller und nachdenklich machender Text bezüglich CharlieHebdo und der Geiselnahmen, dass ich nicht umhin kann.

Avatar von lindwurmDer Lindwurm

Es ist der 9. Jänner 2015, Freitag Abend. Zum ersten Mal seit 1945 findet in der großen Synagoge in Paris kein Gottesdienst statt. Aus Sicherheitsgründen. Wenige Stunden zuvor haben Terroristen vier jüdische Mensch ermordet. Sie waren ganz zurecht davon ausgegangen, in einem koscheren Supermarkt welche anzutreffen. 48 Stunden lang zeigte die ganze Welt Solidarität mit den zwei Tage zuvor ermordeten Autorinnen und Zeichnern von „Charlie Hebdo“. Millionenfach wurde das Bekenntnis „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) in Tweets und auf Facebookprofilen verbreitet. Auch politische Parteien und einige islamische Verbände wollten ebenso Charlie sein wie jene Zeitungen und Fernsehsender, die vom Mut des französischen Satireblattes so weit entfernt sind wie ich vom Mond. Dennoch war das ein wichtiges Zeichen, ein Zeichen dafür, dass man den Versuch von Extremisten, ihnen nicht genehme Meinungen mit Mord zu unterdrücken, nicht hinnehmen wolle. Vielleicht sind nun, nach zwei Tagen Hochspannung, alle nur müde geworden und…

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Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust …

Oder: Bin ich Charlie?

Irgendwie konnte ich mit diesem Satz nichts etwas anfangen, obwohl meine Gefühle bei Unglauben anfingen, und über Bestürzung bei Wut und Trauer endeten, mit einer Dosis Trotz. (So als Teil einer fiktiven Behörde, die regelmäßig Tiefschläge verteilt.) Ähnlich geht’s mir auch mit den Geiselnahmen dieser Tage.

Andere waren bezüglich des Attentats schneller, und daher werde ich zwei Links posten in der Reihenfolge, die meine Gedanken ebenfalls genommen haben:

Zuerst hier die Trippmadam, welche sich Gedanken über die PEGIDA’sche Phrasendrescherei im Angesicht des Anschlags macht.

Noch gibt es kein Lager, in dem ich sagen kann, ich finde Extremismus jeder Art schlecht, aber ich weigere mich, gleichzeitig vor den Menschen Angst zu haben, die in der Hoffnung auf ein sichereres/besseres Leben nach Deutschland kommen, auf welchem Wege auch immer. (Abgesehen davon ist die EU beispielsweise an miesen wirtschaftlichen Zuständen in vielen afrikanischen Ländern nicht ganz unschuldig. Stichwort Altkleider oder Hähnchenreste. No more Hendl, baby.)

Und dann ist da die Anarchistelfliege, die Charlie Hebdos Karikaturen *istisch findet, aber trotzdem mitfühlt.

Es waren auch die *ismen, die vor einem guten Jahrzehnt dafür sorgten, dass ich mein Titanic-Abo nicht verlängerte, auch wenn ich damals noch keine Worte dafür hatte. Zu viel Witze über … und zu wenige über die Denke, die dahintersteckt.

Jedenfalls bin ich der Meinung, dass Satire grundsätzlich alles darf, und jede*n aufs Korn nehmen darf. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass sie ihre Schläge aber grundsätzlich in alle Richtungen gleichmäßig austeilen sollte. Dumpfbacken, die nur einfache Erklärungen wollen und trotz aller offensichtlichen Widersprüche daran festhalten, gibt’s in jeder Religion, mit jedem Schulabschluss, am rechten wie am linken Rand, und überall dazwischen auch.