Wie die Überschrift schon sagt: Die alljährliche Befragung der ace Community mit Internetzugang ist eröffnet und sucht Teilnehmende. Mittlerweile gibt es 16 Sprachen zur Auswahl, darunter auch Deutsch.
Neben Menschen aus dem asexuellen Spektrum und noch Unentschiedenen freut sich das Survey Team auch über Beteiligung von nicht-asexuellen Verbündeten ab 15 Jahren.
Manchmal hilft es nur, sich die Beleidigung zu eigen zu machen.
Anekdotische Beispielsammlung
Da ist das Elternteil, das dem offen queeren Nachwuchs stolz berichtet, es hätte bei der letzten Bundestagswahl statt CSU das Bündnis Sarah Wagenknecht gewählt. (Beide Truppen kamen in Sachen queer nicht besonders gut weg bei den Wahlprüfsteinen.)
Eine mir bekannte trans Frau zitiert eins ihrer Elternteile: „Da kommt ein langer, harter Kampf auf euch zu.“
Meine migrantisch lesbare Bankberaterin blickt nicht, dass ich gegebenenfalls lieber auf etwas Gewinn verzichte, als weiter in Fonds zu investieren, die Meta und Elon-Hitlergruß-Musk reicher machen.
(Ich investiere in Fonds, die Immobilien im Portfolio haben. Ist das als Person, die zur Miete wohnt, vertretbar?)
Es gibt eine kleine Truppe sehr lauter lesbischer Frauen, die Hass auf trans Personen zu ihrem Markenkern gemacht haben.
Nachdem Geflüchtete in Hamburg eine Bezahlkarte haben, sollen jetzt auch Personen mit Bürgergeld eine bekommen.
Diverse migrantische Personen in meinem Umfeld haben nichts Besseres zu tun, als auf Personen neidisch zu sein, die später nach Deutschland gekommen sind als sie selbst.
Und so weiter.
System dahinter?
Nach Solidarität zu rufen ist einfach. Solidarisch sein weniger. Das ist nicht neu, aber in Zeiten von Autoritarismus noch eine ganz andere Hausnummer als vor 2008.
Wir sehen derzeit, dass folgende Gruppen besonders angegangen werden: muslimische Geflüchtete, trans Personen, Personen ohne Arbeit.
Derartige Auseinzelungen haben selbstverständlich System.
Muslimische Personen, die vor 2001 zugezogen oder hier geboren sind (zumeist aus der Türkei, Iran, Nordarfrika bzw. deren Eltern oder Großeltern von dort stammen) werden eingeladen, Menschen aus Syrien, Afghanistan und Irak zum Teufel zu wünschen. Wenn ich die entsprechenden jungen Kolleginnen so angucke, funktioniert das hervorragend.
Die lesbischen Personen wie Alice Schwarzer, die gegen trans Personen auffahren, gibt es schon seit den 1970ern. Neu ist, dass die Politik gemerkt hat, dass sie sich dieser Personengruppe bedienen kann, um gegen das SBG und überhaupt die medizinische und psychosoziale Versorgung von trans Personen mobil zu machen. Ich weiß nicht, ob und wie die anti-trans Frauen merken, dass sie sich von Nazis instrumentalisieren lassen.
Mit der permanenten Unterstellung, dass Personen, die Bürgergeld bekommen, eigentlich arbeiten könnten, werden Personen aus dem Niedriglohnsektor zum Hass eingeladen – und dazu, sich mit ihrem miesen Mindestlohn zufriedenzugeben. (Debunking solcher Mythen durch sanktionsfrei e.V.)
Sich unter einer bereits marginalsierten Gruppe die Schwächsten rauszupicken, ist Teil des antidemokratischen Rollbacks. Tatsächlich scheint es Teil des menschlichen Systems zum Stressabau, nach unten zu treten (die Klimakatastrophe ist halt auch schlecht am Kragen zu packen). Autokratien erhöhen künstlich den Stress, auch bekannt als „flood the zone with shit„, was dann logischerweise Entsolidarisierungen zufolge hat.
Martin Niemöller hat das in markante Verse gepackt:
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist … Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
Spätestens nach Merz‘ Aussagen sollte aber das Regenbogenfarbene Zirkuszeltkollektiv (auch bekannt als LGBTQIA+ Community) gemerkt haben, dass der Rollback gegen die TNQ-Fraktion nur der Anfang ist.
Genauso wurde ja schon beim Potsdamer Treffen 2023 gegen „integrationsunwillige“ muslimische Personen mit deutschem Pass geplant, insofern ist Hass gegen die später Zugezogenen zwar verständlich, aber am Ende genau das, was Rechten von uns wollen.
Lösungsversuche
Das Kollektiv Save Sciene beobachtet:
The relative powerlessness and stigma of targeted groups often leads to a lack of solidarity with victims during democratic backsliding, but this is a critical and preventable error. Privileged folks should stand up for the persecuted as authoritarianism rises, because it is a lot easier to stop persecution of minorities when it is still controversial than to defy it when repression has reached the mainstream and become accepted as conventional.
„Die relative Machtlosigkeit und das Stigma, das auf den attackierten Gruppen lastet, führt oft zu einem Mangel an Solidarität mit den Opfern während eines Demokratieabbaus, dies ist jedoch ein kritischer und vermeidbarer Fehler. Privilegierte Personen sollten für die Verfolgten eintreten, während der Autoritarimus an Boden gewinnt, denn es ist sehr viel einfacher, die Verfolgung von Minderheiten zu stoppen, während diese noch kontrovers diskutiert wird, als sich gegen die Repression zu stellen, sobald diese den Mainstream erreicht hat und als normal akzeptiert wurde.“ (Übersetzung durch die Autorin dieses Postings, Hervorhebung ebenfalls.)
Quelle: The Anti-Autocracy Handbook. A Scholar’s Guide to Navigating Democratic Backsliding. Open access unter https://zenodo.org/records/15696097
Was auch erklärt, warum Die Linke als Partei erhöhten Zulauf hat. Die sind einfach radikal solidarisch und machen den Job, den eigentlich die SPD zum Großteil erledigen sollte. Bezahlbare Mieten, höhere Steuern für Reiche, und: Sie sind nicht auf das Sündebock-Narrativ der bösen Geflüchteten reingefallen. Etc. pp.
… Jetzt ist die Frage: Kriegt die politische Linke es hin, ihre Grabenkämpfe (beispielsweise zu Waffenlieferungen an die Ukraine) als „agree to disagree“ zu behandeln, sodass wir die Rechten und religiösen Faschisten an der Machübernahme hindern können?
Ich habe dank Arbeit und Nebenberuf einen recht weit gestreuten Kollegen- und Bekanntenkreis, der meine Filterblase immer wieder anpikst.
Dennoch sind die unterschiedlichen Wahrnehmungen manchmal frappierend. So durfte ich der politischen Analyse eines sich bereits im Unruhestand befindlichen Herrn aus dörflichem Umfeld lauschen. Das Problem seien die Linken, denn von links werde gehetzt. Und, so hatte ich den Eindruck, meinte er, dass das auf einmal und total aus dem Nichts heraus begonnen hätte, kurz vor der Bundestagswahl.
Leider hatte ich an dem Tag einen Migräneanfall, sodass mir die Löffel fehlten, persönlich zu widersprechen. Das hole ich nun nach, in der Hoffnung, dass es anderen helfen möge, sich zu sortieren.
Seit etwa 2020 stolpere ich in unserer Innenstadt, und ironischerweise oft an einer Brücke, die nach Guernica benannt wurde, über Aufkleber, die folgende Inhalte haben: „FUCK LGBTQ“, „Fuck Grün“, oder gleich vier Durchstreichungen: Grünen-Logo, Regenbogen-Flagge, Antifa-Symbol und Davidstern. Persönlich fühlte ich mich da auf drei Ebenen angesprochen, durchgestrichen und damit bedroht, obwohl ich einfach nur zum Bus nach Hause wollte. Die vierte Ebene beträfe unter anderem meine ehemalige Klavierlehrerin.
Wahlweise stammt und stammte das Geklebe von Revolte Pforzheim, Der III. Weg, oder anonym.
Aber gehetzt wird von links?
Wie meine muslimische Kollegin einen AfD-Aktivisten mit „Islamists go home“ samt übler Karikatur auf dem Pulli freundlich beraten konnte, weiß ich auch nicht. Ich hätte ihm wohl den Pierre Vogel um die Ohren gehauen und frage mich, ob er reingekommen wäre, wenn eine Person im Hijab an der Theke gestanden hätte.
Aber gehetzt wird von links?
Letztes Jahr fand bei uns zum zweiten Mal ein kleiner CSD und zum zweiten Mal eine christliche Gegendemo statt, wo, hust, erbauliche und bemerkenswert uninformierte Flyer darüber verteilt wurden, dass alle Queers in der Hölle brennen werden.
Aber gehetzt wird von links?
Seit 2016 es Reaktion-Emojis auf Facebook gibt, hinterlassen Menschen unter fast jedem Posting von meinen queeren Verbündeten einen Freu-Smiley, wenn es um zerstörte Bücher oder Gewalt gegen unsere Community geht. Wahlweise mit oder ohne Hinweis, dass wir alle eh nur krank seien oder ins Lager gehören etc.
Aber gehetzt wird von links?
Die bekannt eher konservativ bis rechte Springer-Presse gibt Elon Musk die Chance, die AfD lobzuhudeln (mit Absicht kein Link) und haut jetzt auf alle ein, die irgendwas gegen Rechts machen oder zu den Brandmauer-Demos aufgerufen haben. Dazu zählen die hiesigen großen Kirchen. Herr Merz, CDU, stellt eine Kleine Anfrage, ob es denn rechtens sei, dass sich von einer Demokratie geförderte Organisationen um die Demokratie sorgen und derartige Demos unterstützen. (Siehe dazu z.B. den Volksverpetzer. Keine Klicks für Springer.)
Aber gehetzt wird von links?
In Anbetracht der Tatsachen finde ich, dass der große Teil von „links“ die letzten Jahre echt gesittet unterwegs war. Beispielsweise einmal im Jahr CSD statt jeden Montag Corona-Leugnungs- und Putin-Anbiederungs-Spaziergang.
Dies belegt auch die Statistik. Für 2022 hat zum Beispiel das Redaktionsnetzwerk Deutschland einen Artikel. „Links“ geht manchmal ohne Erlaubnis oder maskiert auf Demos und schlägt auch mal Scheiben und Autos kaputt, und manchmal Rechten ein blaues Auge. „Rechts“ verhetzt das Volk und zündet erfahrungsgemäß schon mal Häuser an, in denen sich noch Menschen befinden. (Quelle: RND)
Konsequenterweise konstatiert die Tagesschau für das erste Halbjahr 2024: „Rechtsextreme Straftaten erreichen Rekordhoch.“ (Quelle: Tagesschau.)
Irgendwie ist es aber möglich, in Deutschland zu leben, ohne sich mit rechter Hetze auseinandersetzen zu müssen. Dass das ein Privileg ist, möchten die derart Gesegneten sicher nicht hören.
So ein Hinweis auf Privilegien oder die Nutzung des Terminus „alter weißer Mann“, das wäre aber, so im Grunde genommen, auch linke Hetze, oder?
Nachdem meine Albenbrut im Alter von 10 Jahren sowohl eine E-Gesamtausgabe als auch einen Print dazu bekommen hat, werde ich am Sonntag, 2. März, um 19:30 Uhr ein bisschen daraus vorlesen.
Allabendlichqueer ist eine Veranstaltung über Zoom – das jeweils aktuelle Programm samt Links findet ihr bei „Wir schreiben Queer“.
Für die Lesung am Sonntag gelten folgende Einwahldaten:
Der Link wird zu den Lesungsterminen jeweils ab circa 19:20 Uhr geöffnet sein und die Lesungen werden etwa gegen 20:00 Uhr enden. Im Anschluss kann jede*r an einer lockeren Buchdiskussion teilnehmen, die nicht mehr aufgezeichnet wird.
Tödliche Linien auf dem Boden. Hier war ein Alien das (fiktive) Opfer. Throwback zur Leipziger Buchmesse 2018.
Ich bin ja auch nicht so glücklich mit allem. Oder, um ein Politikteil von Zeit Online zu paraphrasieren: Wenn du einen Haufen Steuern zahlst, sollte wenigstens die Verwaltung funktionieren und beispielsweise genug Betreungs- und Lehrkräfte in halbwegs intakten Schulen vorhanden sein.
Ein paar Sachen sind da sicher das Wohlstands-Paradox: Je mehr verschiedene Pflegezuschüsse o. ä. es gibt, desto eher brauchst du eine Sozialarbeiterin im Gesundheitsamt, die den Leuten sagt, welches Formular sie wann ausfüllen sollen/dürfen. Je mehr Straßen du hast, desto mehr musst du investieren, um sie befahrbar zu halten. Insofern sollte jede neue Straße gut bedacht sein und öffentliche Gebäude könnte eins vielleicht so bauen, dass sie gut zu pflegen und sanieren sind? (Guckt das hiesige brutalistische Rathaus an. Hmm.)
Wo die andere Kohle hinfließt – hm. Meine Heimatstadt hat zum Beispiel 1,4 Millionen Euro für eine unausgegorene Kunstsache rausgeballert, die m. E. besser in einen neuen Aufzug in der kombinierten Musikschule/Stadtbibliothek geflossen wären und so was.
Die Bundesregierung legt übrigens regelmäßig Subventionsberichte vor. (Achtung, das Dokument von 2021-24 ist ein großes PDF.) Über die Höhe und den Grund einzelner Posten ließe sich sicherlich streiten, vor allem, wenn gefühlt wenig bei rumkommt. (Forschungsgelder für die Automobilbranche zum Beispiel: Abgasskandal bei VW. E-Autos kommen nicht so in die Pötte, wie sie es optimalerweise täten. Auch Herr Spahns Maskendeals lassen sich da aus 2021 finden.)
Jedenfalls. In manchen Teilen der Bevölkerung herrscht irgendwie das Gefühl vor dass „alle“ (sic!) oder auf jeden Fall zu viele Steuern im Ausland landen, oder auf jeden Fall, dass alle anderen mehr Vorteile haben als eins selbst, obwohl sie diese Vorteile nicht verdienen.
Da hat dann der rechte Populismus einen echt klasse Job abgeliefert. Der Job ist in dem Fall, Linien zu ziehen.
Was im Fall von Migration Linien sind wie zwischen „echten“ Deutschen, Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft, erwünschten und unerwünschten Zugewanderten ohne Staatsbürgerschaft. Drei Linien, deren Definition sich übrigens jederzeit verschieben lässt, sobald sie mal gezogen wurden. Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft kann ich einen Pass entziehen, auch wenn sich das eigentlich nicht gehört. Vor allem, weil „straffällig“ ein extrem dehnbarer Begriff ist.
Sobald das durch ist, wackelt auch die Grenze zwischen „echten“ und „unechten“ Deutschen. Sind Deutsche islamischen oder jüdischen Glaubens deutsch genug? Warum trägt die Ehefrau dieses Erwerbsunfähigen eigentlich Hijab? Ist die integriert und verdient das Paar dann, Kindergeld zu beziehen? Was ist mit kritischen Stimmen? Sind die aufrechte Deutsche genug? (Die DDR hat gern Kunstschaffende ausgebürgert.) Was ist mit Menschen, die behindert sind/werden? Mit Arbeitslosen, die gefühlt zu faul sind, um zu arbeiten? Mit trans Personen, die die Linie zwischen Männern und Frauen gefährden? Sind die es wert, in diesem Land leben zu dürfen? Und wenn ja, welche Rechte gestehen wir ihnen zu?
Genauso die Linie zwischen Erwerbslosen, die es würdig sind, unterstützt zu werden, und solchen, die es nicht sind: Sobald ich eine Linie gezogen habe, die suggeriert, dass eine Gruppe weniger wert ist, kann ich die Torpfosten versetzen. Bis halt alle Erwerbs- und Wohnungslosen zum Beispiel im Arbeitshaus landen. (Idee u. a. aus dem kolonialen England. Null von Zehn, do not recommend, siehe Charles Dickens.)
Insofern mag ich das Narrativ von „Arbeit muss sich wieder lohnen“ nicht so gern. Wenn die Kohle aus dem Vollzeitjob nicht zum Leben reicht, sollte ich mich vielleicht eher fragen, ob der Mindestlohn zu knapp bemessen ist oder die Mieten völlig überteuert sind, anstatt Erwerbslose zu bashen?
Aber auf angeblichen „Sozialschmarotzern“ rumzuhacken, ist viel einfacher und entmenschlicht sie noch.
Und sobald ich dieses Narrativ aufnehme, haben die Rechten gewonnen. Das wissen die Leute Rechts außen, aber die anderen merken es immer zu spät.
War der letzte Post über Gründe, nicht zu wählen, ein bisschen gemein? Üblicherweise versuche ich ja, sachlich zu bleiben und mich nicht von meinem Hang zum Sarkasmus völlig wegreißen zu lassen.
Sachlichkeit bringt mich gefühlt nicht so weit, wie ich gern wäre. Diese Frustration teile ich wahrscheinlich mit sehr vielen Menschen in diesem Land. Und mit Beschimpfungen sind wir dann bei der allgemeinen Debatten(un)kultur angekommen.
„Provokation, so wird […] deutlich, ist ein zentrales – wenn auch umstrittenes – Element populistischer Politik.“ (Wielowiejski 2024: 326)
Und eins lässt sich halt echt gern provozieren. (Case in Point: Petitionen gegen Musk sind öffentlichkeitswirksam, aber zahnlose Tiger. Kaufts halt keine Teslas mehr, legt den Xwitter-Account auf Privat, deinstalliert das Fratzenbuch und den Messenger auf eurem Handy, nutzt bevorzugt Signal.)
Aber zurück zum Rant. Vielleicht hätte ich einen weniger ungnädigen Text geschrieben, wenn es nicht kurz vor Migräne gewesen wäre.
Schmerzen haben strengt an und führt bei mir dazu, dass ich eigentlich niemanden sehen und hören möchte. In einem solchen Zustand bittet man mich besser nicht um Spenden oder wichtige Entscheidungen. Autofahren vermeide ich lieber.
In der Regel bekomme ich es hin zu kommunizieren, dass das mit dem Kommunizieren gerade nicht so gut ist.
Aber vor den Schmerzen kommt das Prodrom — zwei bis zwölf Stunden, bevor der Anfall richtig losgeht, habe ich oft eine Schniefnase und/oder Schokoladenhunger. Außerdem bin ich dann schon mal unkonzentrierter und grantig bin rücksichtslos und merke es nicht, bis der Unfug schon angestellt ist bzw. das Auto oder die Gefühle anderer Menschen eine neue Delle haben.
Thematisch gibt es eigentlich genug Literatur zum Thema, aber noch mal: Es gibt Kräfte in dieser Gesellschaft, die allgemeine Grantigkeit für eine gute Sache halten. Menschen, die Angst haben oder vor Neid oder echten und vermeintlichen Ungerechtigkeiten fast platzen, sind halt ein bisschen wie ich auf Migräne: für das Gemeinwohl nicht förderlich.
Quelle für das Zitat: Wielowiejski, Patrick. „Rechtspopulismus und Homosexualität.“ (2024). E-Book im Open Access.
Die Ace Community Survey ist seit mittlerweile Jahren eine feste Institution in der Ace-Welt. Schon seit einer Weile hat die Umfrage sprachlich expandiert, es gibt also einen deutschen Fragbogen, auch für dieses Jahr.
„Asexual Pirates are not interested in your booty.“ – Ggf. finden sie aber deine Erfahrungen in einer heteronormativen Welt super faszinierend, egal welche sexuelle Orientierung du hast.
„Es ist wieder so weit – wir sind auf der Suche nach Menschen, die an der Ace Community Umfrage teilnehmen möchten! Die Ace Community Umfrage wird vom Ace Community Survey Team – einer community-basierten Ehrenamtlichen-Organisation – in Zusammenarbeit mit der Northwestern University (Evanston, Illinois, USA) durchgeführt. Sie sammelt wichtige Informationen zur Demografie und den Erfahrungen von Menschen in der ace Community (“ace” als zusammenfassender Begriff für Menschen, die sich als asexuell, demisexuell, grau-asexuell oder einer anderen Orientierung des asexuellen Spektrums identifizieren).
Die Teilnehmenden haben außerdem die Möglichkeit zu entscheiden, ob ihre Daten auch externen Forschenden zur Verfügung gestellt werden sollen oder ausschließlich unserem Team.
Die Umfrage ist offen für alle Personen, egal ob ace, nicht ace oder noch unsicher. Die einzige Voraussetzung ist ein Mindestalter von 15 Jahren. Da wir möglichst viele Menschen erreichen wollen, um die Diversität der Community möglichst gut einzufangen, freuen wir uns sehr, wenn der Link zu dieser Umfrage mit weiteren, potentiell interessierten Personen oder ace Communitys geteilt wird.
Hier geht es direkt zur Ace Community Umfrage 2024.
Alle Ergebnisse der Umfrage werden unter https://acecommunitysurvey.org veröffentlicht und können dort eingesehen werden. Automatische E-Mail Updates über neue Ergebnisse oder Ankündigungen (meist englisch) können hier abonniert werden.“
Es war 2014, als ich über eine ziemlich geile Idee stolperte, die Hagen Ulrich, Autor von Vampirromanen, hatte. Wenn in Deutschland alles verwaltet wird, muss es auch Vorschriften für magische Wesen geben. Und ein Amt, das sich um alles kümmert. Also, das Bundesamt für magische Wesen: Platz für gehobenen Nonsens und Satire.
Nicht nur ich fand die Idee anfangs sehr klasse, es entstanden bis 2016 zwei kleine Anthologien, ich schrieb einige Blogbeiträge für die zugehörige Internetseite. Ich half einmal beim Verkaufsstand bei der RingCon und beim CSD Köln aus.
Finanziell gelohnt hat sich das nie, aber ich hatte, als so langsam die Begeisterung in der restlichen Fantasy-Schreib-Szene nachließ und ein Verlag gegründet wurde, ein paar Aufträge für Lektorate.
Aber gleichzeitig fing es an zu knirschen.
Strike 1: Sprachverbote?
Da lieferte sich der Amtsleiter auf Twitter ein Gefecht mit mir lieben Kolleginnen ums Thema rassistische Ausdrücke. Nun bin ich grundsätzlich dagegen, irgendwelche Wörter zu verbieten und weiß durchaus, was Rollenprosa ist. Aber im Alltag tut es echt nicht weh, „Schokokuss“ oder „Schaumkuss“ zu sagen statt rassistische Ausdrücke zu reproduzieren, wenn es nicht absolut nötig ist. Ich kann mich noch lebhaft dran erinnern, dass ich mich als etwa Zwölfjährige über die geänderte Aufschrift auf einer Süßkram-Box wunderte, woraufhin mir meine Mutter erklärte, dass das M-Wort halt in dem Fall eine Beleidigung sei und dass man das nicht mehr sagen sollte. Und damit war die Sache bzw. der Schokokuss für mich gegessen. Damit will ich nicht behaupten, ich hätte keinen Rassismus verinnerlicht, aber zumindest in dem Fall hat’s gewirkt und ich vermisse im Alltag auch nichts.
Ich muss keinesfalls, um mich gegen ein vermeintliches Sprachverbot zu wehren, diverse rassistische Ausdrücke in meine Twitter-Timeline werfen, wie es der Amtsleiter tat. Da sehe ich dann keine Satire mehr, das ist, bestenfalls, Trotz.
Strike 2: Die TERF-Diskussion
Mit einer unreflektierten Verteidigung von J. K. Rowling ging es weiter. Wieder erst mal bei Twitter. Eine geschätzte Kollegin teilte irgendwas über Rowlings Trans-Feindlichkeit, die Amtsleitung widersprach, dass Rowling keineswegs transfeindlich sein, ohne sich um die Fakten zu kümmern. Im Grunde habe ich die Zerlegung ihrer angeblich nicht transfeindlichen Streitschrift nur geschrieben, damit alle (inklusive Amtsleitung) blicken, dass das Traktat transfeindlich ist. Ob das gelungen ist, bleibt dahingestellt. Ich wage es zu bezweifeln.
Strike 3: Sind Content Notes einfach nur Mimimi?
Ich muss gestehen, ich mag Content Notes. Ich lese viel Fanfiction, und sehr gern bei AO3, da dort ausführlich getaggt wird. Ob es um Beziehungskisten oder verschiedene Arten von Gewalt oder anderen Probleme geht: Es gibt halt einfach Tage, an denen ich keinen Bock auf Thema Wasauchimmer habe, und dann kann ich den Text wann anders lesen oder ihn fürderhin gepflegt ignorieren. Ich selbst weiche beispielsweise sehr viel heterosexuellem und heteronormativem Content aus, weil ich das im echten Leben schon genug habe.
Ich kann also verstehen, dass das Menschen auch in Büchern schätzen. Zumal es bei mir „kein Bock auf“ ist und andere vielleicht, sagen wir, tatsächlich schwierige Alkoholiker*innen in der Familie haben und dann nicht unbedingt aus dem toten Winkel mit Alkoholismus konfrontiert werden wollen. Das Leben ist ohnehin schon mies genug. Es ist meiner Meinung nach okay, wenn sich Menschen ihre Freizeitbeschäftigung kuratieren möchten und ebenfalls für sie anstrengenden Themen lieber ausweichen.
Sich dann darüber lustig zu machen, dass manche Leute Content Notes schreiben oder ebensolche ihren Romanen voranstellen und die „Generation Mimimi“ das auch noch gut findet oder gar darum bittet — das finde ich schlechten Stil. Oder vielleicht ist es Neid, weil es das früher nicht gab? (Manchmal hätte ich das als Teenie wohl brauchen können.)
Jedenfalls finde ich diese Art von Spott weniger Satire, als sich Applaus von Rechts einzusammeln, indem auf einer Praxis rumgehackt wird, die a) nicht verpflichtend ist und b) in modern-linker Manier die Zugänglichkeit zu Texten verbessern möchte.
Ähnlich läuft das für mich mit dem Gendern. Tu es oder lass es bleiben, aber wenn du Applaus dafür möchtest, dass du es Scheiße findest: Dann kriegst du kein Geld von mir, wenn ich es vermeiden kann.
Fazit
Die rechte Rhetorik hat da wohl verfangen, wenn sich die Amtsleitung von irgendeiner Sprachpolizei verfolgt fühlt? Alternativ könnte ich als Begründung für das völlig unaltersgemäße Trotzverhalten Neid auf die (jungen) Kolleginnen vermuten, bei dem ein nicht unerhebliches Maß Misogynie mitspielen dürfte.
Nach einigem Zittern und Bangen, ob wir den angekündigten Termin halten können, ist es so weit: „Beweisstück A – Neue Indizien“ ist bestellbar!
Was erwartet euch?
Mordverdächtige Filmdiven und Märchenprinzessinnen, die lieber einen anderen Job hätten. Teenager und ein Wertiger, die an den Erwartungen ihres Umfelds verzweifeln. Ein Schneider und eine Gruppe Freunde, die mit magischen Rätseln konfrontiert sind, während Nerds sich mit der Postapokalypse herumschlagen müssen.
19 Geschichten dienen als neue Beweisstücke dafür, wie farbenfroh die Palette an asexuellen und aromantischen Figuren sein kann und welch vielfältige Möglichkeiten das Leben jenseits klassischer romantischer Paarbeziehungen bereithält.
Mit Beiträgen von Annina Anderhalden, Annika Baumgart, Jay Blue-Corax, DasTenna, Carmilla DeWinter, Jens Gehres, Marcus R. Gilman, Kaj Iden, Gregor Jungheim, Katharina Lucas, Tanja Meurer, Morning Dew, Nayina, Lydia R. Noir, Finn A. Pieber, Juliane Seidel, skalabyrinth, Katherina Ushachov und Judith Wolfertstetter.
„Beweisstück A – Neue Indizien“ mitder ISBN 978-3-7578-8600-4 hat 384 Seiten und ist als Softcover oder elektronisch erhältlich. Wie schon vor zwei Jahren hat DasTenna das Innenleben mit liebevollen Illustrationen ausgestattet. Wir empfehlen daher den Kauf des Prints statt des E-Books.
Am meisten Geld erhält InSpektren, wenn ihr direkt bei BoD ordert.
Lang ist es nicht mehr zur Ace Week 2023, und dafür hatten ja DasTenna und ich eine neue Sammlung Kurzgeschichten angekündigt. Wir gehen davon aus, dass die Anthologie Ende der Woche vorbestellbar sein wird.
Das neue Cover ist aber schon lange fertig, und was soll ich sagen? Es läuft wohl unter der Prämisse: „Wir haben ein großes A versteckt. Findet ihr es?“ Zu diesem Zwecke hat Dana Brandt mit einem selbstgebauten Grafikpinsel im Wahrsten Sinn des Wortes – und übertragen – Großes geleistet. Vielen Dank an dieser Stelle!
Der geplante Erscheinungstermin von „Beweisstück A – Neue Indizien. Eine ace und aro Anthologie“ ist der 18. Oktober.