Grundgesetz für Alle: Jetzt mitzeichnen!

GGFA-mini240x124-schwarzFür Eilige, die wissen, worum es geht: Mitzeichnen.

Moment, wie, Grundgesetz?

Die Fraktionen des Deutschen Bundestags beraten zurzeit über eine Änderung des Artikels 3, Absatz 3 Grundgesetz.

Wir erinnern uns, was da drinsteht:

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. (Quelle.)

Wieso ist das nicht „für alle“?

Als der Grundgesetz-Artikel entstand, erinnerte sich niemand an tausende von den Nazis verfolgte homosexuelle und trans Menschen. Der Paragraph des Strafgesetzbuchs, mit dem Männer verfolgt wurden, die Sex mit Männern hatten, wurde erst 1994 endgültig abgeschafft. Von einer rechtlichen Gleichstellung für alle sexuelle Orientierungen sind wir z.B. im Adoptionsrecht immer noch weit entfernt. Und dass sexuelle Minderheiten es nicht unbedingt einfacher haben, ist vielen von euch sicher am eigenen Leib bekannt. Unsere Gleichberechtigung ist also nicht ausdrücklich im Grundgesetz verankert. Das erlaubt den Gesetzgebenden, bei manchen Sachen nachlässig zu sein oder zu trödeln.

Ganz besonders heftig ist das bei trans und nicht-binären Personen — das Grundgesetz erkennt nur „Männer und Frauen“, und es darf nicht Auslegungssache bleiben, was „Geschlecht“ nun eigentlich bedeutet. Wie hoffentlich bekannt sein sollte, gibt es in ace Communitys einen hohen Anteil nicht-binärer Menschen.

Mitzeichnen?

Dann einfach zu grundgesetz-für-alle.de rüberklicken und Unterschrift druntersetzen. Damit alle merken, dass da endlich was passieren muss.

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(Crosspost des gleichlautenden Aufrufs auf aktivista.net)

Mit Sozialdemokrat:innen reden? — der zaunfink

„Mit Rechten reden?“ Das ist eine seit einiger Zeit immer wieder zu Recht gestellte und unterschiedlich beantwortete Frage. Macht das Sinn? Wenn ja, wie bekommt man es hin, der Auseinandersetzung mit Menschen, die gar nicht sachlich diskutieren wollen, trotzdem irgendeinen Mehrwert abzutrotzen? Spätestens seit heute frage ich mich: Mit Sozialdemokrat:innen reden? Geht das?  […]

Mit Sozialdemokrat:innen reden? — der zaunfink

… zu Posteritätszwecken. Zum tief Seufzen und zum Fremschämen über sozialdemokratische Heten.

Dabei hatte der Guardian erst erklärt, wie gute Debattenkultur funktioniert. (Via La Mère Griotte.)

„Das asexuelle Spektrum“: Noch 13 Tage …

„Das asexuelle Spektrum“ ist nun offiziell in der gedruckten Version vorbestellbar!

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Ich freue mich, dass es endlich so weit ist, daher im Anschluss ein Linkspam zur Pre-Order:

Genialokal

Prinz Eisenherz

Thalia

Osiander

Hugendubel

… die meisten anderen Buchläden mit Online-Bestellmöglichkeit, und …

der infernalische Versandhandel mit der eigenen Logistik

Ausschreibung für Beweisstück A: Eine a_sexuelle Benefiz-Anthologie

Nach einem Jahr Planungen, Verlagsabsagen und konspirativen Gesprächen ist es so weit: Carmen Keßler und ich schreiben aus.

— und haben verlängert bis 31. Mai.

Beweisstück A?

„If he was asexual, there would be no tension in that, no fun in that – it’s someone who abstains who’s interesting.“ – „Wäre er asexuell, läge keine Spannung darin, keine Unterhaltung – interessant ist die Figur, die auf etwas verzichtet.“ (Quelle.)

acebooks

Dergestalt äußerte sich Steven Moffat 2012 in einem Interview gegenüber dem „Guardian“ über Sherlock, die Hauptfigur der gleichnamigen BBC-Serie. Aces wie Todd aus „Bojack Horseman“, Kevin aus Karen Healeys „Guardian of the Dead“ oder Varys aus „Game of Thrones“ strafen diese Behauptung Moffats Lügen – und das haben auch wir vor. Zumal die Menge an Geschichten mit Figuren aus dem asexuellen Spektrum auf dem deutschsprachigen Markt bislang ziemlich überschaubar ist.

Wie der Arbeitstitel bereits andeutet, planen wir eine Kurzgeschichtensammlung, die beweisen soll, dass es für spannende Konflikte nicht zwangsläufig einer sexuellen Spannung zwischen Figuren bedarf – und zu guter Letzt, dass es für Geschichten mit asexuellen Figuren einen Markt gibt. Dass die Zahl der Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum bislang überschaubar ist, hängt nämlich auch mit der weitverbreiteten Ansicht zusammen, es gäbe kein Publikum, das sich für a_sexuelle Geschichten interessiere.

Deshalb suchen wir komische, tragische, gruselige und spannende Geschichten, Kriminalfälle und Abenteuer, die sich auf kreative Weise mit der Asexualität ihrer jeweiligen Figuren auseinandersetzen und damit als Beispiel für die Bandbreite an Möglichkeiten dienen, die das gesamte asexuelle Spektrum zum Erzählen bietet. Es darf durchaus romantisch werden, allerdings suchen wir bevorzugt Stories, die explizit keine Liebesgeschichten sind. Wir sind im Genre nicht festgelegt, bitten aber, bei der FSK unter 18 zu bleiben.

Selbstverständlich sind alle herzlich eingeladen, Beiträge zur Anthologie einzureichen, ob sie dem asexuellen Spektrum angehören oder nicht.

Alle Einnahmen der Anthologie kommen der Initiative „Projekt 100 % Mensch“ zugute, die sich deutschlandweit mit Aufklärungsarbeit unter anderem für queere Menschen stark macht (mehr unter https://100mensch.de/ – im Shop gibt es auch Ace-Armbänder). Geschichten und Lektorat werden daher nur in Form eines fertigen E-Buchs als Beleg bezahlt.

Und nun kommen wir zu den Formalitäten.

Die Beiträge sollten eine Länge von 25 Normseiten bzw. 6300 Wörter nicht überschreiten. Eine Beispielnormseite sowie nützliche Hinweise zur Einrichtung einer solchen findet ihr unter:

https://www.autorenwelt.de/blog/federwelt/heute-schon-geschrieben-teil-1-normseite-einrichten-themen-suchen-anfangen

bzw. unter

https://www.literaturcafe.de/normseite-dokumentvorlage-download/

Einreichungen bitte im Format .doc/.docx oder .odt, möglichst ohne Absatzformatierungen: bevorzugt Flattersatz linksbündig, kein Erstzeileneinzug. Von Software-Flüster:innen freuen wir uns über Anführung in Guillemets (»…«). Euer Name und eure Mailadresse in einer Kopfzeile nehmen uns viel Arbeit ab. Dateibenennung am besten mit „Name Autor:in_Titel“.

Bitte nur unveröffentlichte Texte einsenden.

Einsendeschluss: 31. Mai 2021.

Einreichen unter: beweisstueck-a[bei]web.de – wie so häufig bitte das [bei] gegen @ ersetzen.

Geplanter Umfang: 250 bis 300 Buchseiten (330 bis 400 Normseiten)

Herausgeberinnen: Carmen Kessler und Carmilla DeWinter

Geplanter Veröffentlichungstermin: Ende November 2021

Wir haben ein Stylesheet vorbereitet, falls ihr wegen Kommas, Gender Gaps und diversen anderen Dingen Fragen habt: Stylesheet Beweisstück A

Mehr Informationen zum Thema asexuelles Spektrum:

https://aktivista.net/

https://asexualagenda.wordpress.com/

https://www.researchgate.net/publication/232473247_Toward_a_Conceptual_Understanding_of_Asexuality

http://juliesondradecker.com/?tag=the-invisible-orientation

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Edit 2021-06-24: Die Ausschreibung ist geschlossen, wir haben neunzehn Beiträge und sind äußerst gespannt. Die Autor*innen der ausgewählten Text wurden bereits informiert.

Flaggenmemory

Ein beinahe verschütt gegangener Text, während ich auf die letzte Runde PDF für das Sachbuch zur Druckfreigabe warte.

Ich habe eine Stoffmaske in Ace-Farben. Selbstgenäht aus T-Shirt- und Tennissockenstoff.

ace_maske

Im Sommer wurde ich von einer Person darauf angesprochen, die wahrscheinlich ebenfalls nicht ganz hetero ist, und erklärte ihr, was das für eine Flagge ist. Woraufhin sie meinte, dass sie sich all die neuen Flaggen kaum merken könnte.

Ich entblödete mich dann zu dem Kommentar, dass eine ja in Anbetracht mancher Kreationen (beispielsweise einer eigenen Ace/Aro-Flagge) sich manchmal fragt, warum wir noch eine Flagge brauchen.

Aroace_(aroaesflags_v2)

Aroace Flagge, gestohlen hier: https://lgbta.wikia.org/wiki/Aroace – Fünf horizontale Balken in orange, gelb, weiß, hellblau und dunkelblau

Und ja, ich freue mich auch, dass es eine eigene Ace-Flagge gibt, insofern werde ich mich manchmal wundern (grade bei den ganzen Grau-A_sexualitäten), aber nie sagen, dass die Leute keine eigene Flagge haben sollten. Offenbar brauchen sie einen eigenen Begriff für ihre Empfindungen, und wer bin ich, ihnen ein paar bunte Streifen dazu zu verwehren?

Sich alle Flaggen zu merken, ist allerdings schwierig. Sehr schwierig, zumal sich manche sehr ähnlich sehen. Es lohnt sich daher nicht, mit Menschen beleidigt zu sein, die zufällig meine Untergruppe noch nicht kennen oder denen da was entfallen ist oder die farbenblind sind oder was auch immer.

Die Frage ist also nicht: Brauchen wir noch eine? Sondern: Was zum Henker wollen wir eigentlich mit diesen Flaggen?

Anmerkung: Was mit geschlechtlichen Minderheiten ist, kann ich nicht beurteilen, daher gelten die folgenden Ausführungen für Menschen aus sexuellen (und teilweise auch aus romantischen) Minderheiten. Dass nicht alle Menschen sexueller Minderheiten mit trans Personen solidarisch sind, ist eine traurige Tatsache. Andersherum kommt das wohl auch vor, aber wenn, dann seltener.

Außenwirkung

Um einen politischen oder werblichen Zweck zu unterstreichen, ist ein eindeutiges, wiedererkennbares Zeichen sinnvoll. Nicht umsonst gibt die Regierung Geld für Hashtags wie #WirBleibenZuhause aus. Auch einige meiner Schreib-Kolleginnen haben sich deshalb Logos entwerfen lassen.

Rewe wird sich also kaum eine Glasschiebetür mit mehr als 20 Flaggen zukleben. Genauso wenig wird eine Stadt oder ein Unternehmen, die einen CSD unterstützen, damit anfangen (können), mehr als 20 Flaggen zu hissen. So viele Masten sind ja üblicherweise auch nicht vorhanden.

Außerdem stellt sich bei einem solchen Meer von Bunt die Frage, was dann bei denen ankommt, die das sehen sollen. Zumal manche Communities sich weniger einig sind als meine.

Die Regenbogenflagge ist bekannt genug, dass sie bei uns im Juni 2020 vom Bahnhofsvorplatz gestohlen und gegen eine Russland-Flagge ersetzt wurde. Was wäre noch erkennbar (im Guten wie im Schlechten), wenn da tatsächlich ein Quilt hinge, wie die Akronymverwurstelung QUILTBAGPIPE* vorschlägt?

Und ganz ehrlich, die Regenbogenflage-Ersetzenden werden wohl so lange mit mir ein Problem haben und mich für russlandfeindlich halten, wie ich die Ehe für alle unterstütze, egal was meine sexuelle Orientierung ist.

In diesem Rahmen ist die Regenbogenflagge offenbar sowohl aussagekräftig als auch ein Hingucker. Es gibt üblicherweise keinen Grund, sich von dieser Flagge als Außensignal politisch nicht angesprochen zu fühlen, nur weil die Asex-Flagge, die Bi-Flagge oder sonst eine Flagge für sexuelle Minderheiten nicht mit dabeihängt.

Im Guten wie im Schlechten, wie gesagt. Menschen, die als nicht-heterosexuell auffallen, bekommen alles mögliche von Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Angriffen ab. Welcher Art die Minderheit genau ist, interessiert jene wenig, die hassen.

Innenwirkung

Was bei der Deutschen Bahn ein schickes Zeichen ist, wäre auf einer Veranstaltung, die von der Buchstabensuppen-Community für die Community ausgerichtet wird, ein grober Fehler. Hier wird das Fehlen von Buchstaben, Begriffen (und manchmal auch Flaggen) oft als Hinweis verstanden, dass eine bestimmte Buchstabengruppe nicht willkommen ist. (Kluges zu den Akronymen vom fink.)

Ausschlüsse sind gelegentlich gewollt, manchmal aber keine Absicht. Eine inklusive Sprache innerhalb der Communities ist von Vorteil, zumal manche Pressevertretenden immer noch „schrille Paraden“ für „Schwule (und Lesben)“ bemühen, wenn sie von einem CSD schreiben. Tatsächlich sind das teilweise sehr bunte (und laute) Demonstrationen für die Rechte sexueller und geschlechtlicher (und manchmal auch romantischer) Minderheiten. Aber das ist halt kompliziert, nicht?

Die größte Wirkung entfalten die Flaggenfarben jedoch innerhalb der Community, die sich diese Flagge gewählt hat: Um eventuell ähnlich tickenden Menschen zu signalisieren, dass sie nicht allein sind. Das klingt nicht nach viel, aber es kann viel wert sein.

Wenn ich mit meinen Ace-Farben rumlaufe, kann ich sicher sein: Uneingeweihte haben keine Ahnung, dass ich überhaupt Farben einer Flagge trage. Ein paar Nicht-Aces werden wissen, was es heißt, und ansonsten grinsen sich die asexuellen Mitmenschen eben gegenseitig wissend an. Und fallen sich bei Demos wie dem CSD durchaus mal um den Hals, ohne sich zu kennen.**

Einfach, weil sie sich freuen, dass da noch jemand ist.

 


* QUILTBAGPIPE: Queer/questioning, undecided, inter*, lesbian, trans, bisexual, asexual, gay, pan, inter*, poly, everyone else who wants under the umbrella. – Queer/fragend, unentschlossen, inter*, lesbisch, trans, bisexuell, asexuell, schwul, pan, inter*, poly und alle anderen, die mit unter den Schirm wollen.

** Also, wenn grade keine AHA-Regeln angebracht sind.

(Sinn und Unsinn von Masken aller Art steht hier nicht zur Debatte, ich behalte mir vor, diesbezügliche Kommentare nicht freizuschalten.)

Video-Vorschau „Das asexuelle Spektrum“

Im Rahmen der AktivistA-2020-Onlinekonferenz habe ich mein Sachbuchprojekt vorgestellt und ein bisschen was aus dem dritten Teil vorgelesen.

Der Erscheinungstermin für „Das asexuelle Spektrum. Eine Erkundungstour“ ist übrigens der 30. Januar 2021. Falls uns nicht der Himmel auf den Kopf fällt oder Ähnliches. Und hier ist der Klick zum Verlag. (Und hier ist die Playlist aller drei Vorträge.)

Gelesen: „Ace“ von Angela Chen

Vor einem guten Monat erschien auf Englisch ein Buch von Angela Chen namens „Ace – What Asexuality Reveals About Desire, Society and the Meaning of Sex“ (Beacon Press Boston, ISBN 978-0-8070-1379-3).

Da ich mir ja zur Aufgabe gemacht habe, beim Thema Asexualität wenigstens halbwegs auf de aktuellen Stand zu sein, habe ich es gekauft, und als Abschluss der Ace Week für euch eine Meinung dazu verfasst.

Wobei ich sagen muss, dass mich sonst das Cover mit diesen Flecken (Buntpapierfetzen wie früher im Kunstunterricht?) ein wenig abgeschreckt hätte. Mit dem Inhalt hat es jedenfalls erst nach einer Pause zum Nachdenken zu tun.

Kurze Inhaltsübersicht

Der Text liest sich sehr flüssig. Ausgehend von eigenen Erfahrungen hat Angela Chen einige Dutzend andere Aces interviewt und deren Geschichten in Fragestellungen an die US-Gesellschaft verwandelt:

Schadet die allgemeine Erwartung, dass Männer immer super versessen auf Sex seien, genau dieser Personengruppe?

Hat uns die sexuelle Befreiung uns wirklich freier gemacht?

Inwieweit haben wir Überschneidungen mit Vorurteilen gegenüber rassifizierten Menschen, Menschen mit BeHinderung, und religiösen Stereotypen?

Was bedeutet eigentlich „romantisch“? Wo ist die Grenze zwischen Romanzen und Frenudschaft? Und wieso ist Sex ein Maßstab bei der Bewertung, wie wichtig eine Beziehung sein darf?

Was ist „compulsory sexuality“ (Sexnormativität) und was ist hermeneutische Ungerechtigkeit? Wie verhindern unsere Vorstellungen von Sex und dem, was Menschen wollen, dass Menschen eben nicht das tun (oder lassen), was sie möchten?

Das alles bereitet Chen informativ und verständlich auf.

Sehr tröstlich ist auch die Einflechtung der verschiedenen Lebensgeschichten. Obwohl ich genug Aces kenne, tut es immens gut, ein paar Fragen und Probleme gespiegelt zu sehen, die ich auch schon hatte.

Mehr Kompendium als Erleuchtung

Der Witz ist, dass ich dieses Buch nicht unbedingt gebraucht hätte, und da werden manche ähnlich empfinden. Was Angela Chen zusammengetragen hat, wissen halbwegs aufmerksame Beobachtende der asexy Blogosphäre schon.

Ich selbst fand also in dem Buch sehr wenig neue Anstöße, sondern eher eine Zusammenfassung von klugen Gedanken, die ich bei oder dank der Asexual Agenda schon gelesen habe. Damit will ich Angela Chens Fähigkeit, pointierte Fragen zu stellen und Dinge zu beobachten, gar nicht in Abrede stellen. Es wird Menschen im asexuellen Spektrum geben, die diese Diskussionen nicht so genau mitverfolgt haben oder viel später dazugestoßen sind, und die dieses Buch dann umso mehr schätzen werden. Außerdem hat eine gedruckte, zitierfähige Zusammenfassung von Online-Diskussionen immensen Wert.

Was ist eigentlich die Zielgruppe?

Einerseits steht das erklärte Ziel des Buchs schon auf dem Cover: Wie können die Lebensgeschichten asexueller Menschen helfen, besser zu verstehen, wie die westlichen Gesellschaften in Bezug auf Sex ticken? Was können wir alle gewinnen, wenn wir Dinge aus einer asexuellen Perspektive betrachten?

Das heißt, die Zielgruppe sind vornehmlich Menschen, die sich nicht als ace begreifen.

Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es gelungen ist, diese Zielgruppe anzusprechen.

Was es aber zu tun scheint, und da sind Sara von the notes which do not fit und ich einer Meinung mit diversen Menschen, die bei Amazon Rezensionen hinterlassen haben: Es ist hilfreich für unentschlossene Menschen und solche, die ein nagendes Unbehagen mit den Erwartungen spüren, die uns die Sexnormativität aufbürdet.

Brauche ich das?

Kommt drauf an.

Wer sowieso schon alles zum Thema gelesen hat und sich mit der eigenen Selbstbeschreibung als ace wohlfühlt, braucht es nicht unbedingt und folge weiterhin den relevanten Blogs.

Wer einen kurzen und knackigen Einstieg in die aktuellen Debatten sucht, ist hier genau richtig.

Ebenfalls sehr sinnvoll erscheint es für jene, die überlegen, ob sie sich ins asexuelle Spektrum verorten sollen oder wollen. Wir finden hier all die Selbstzweifel und Einwände, die in dieser Findungsphase am drängendsten sind.

Insofern hat Angela Chen auf jeden Fall etwas getan, das mich das Hütchen lüpfen lässt: Ein Ratgeberbuch verfasst, ohne einen einzigen Ratschlag zu verteilen.

Eine etwas andere Meinung zum Thema hat Ace Admiral.

Crosspost bei carmilladewinter.com, aktivista.net und Amazon.

A_sexualität, Videos, Schon wieder die

Falls irgendwer nachschauen will, ich war letzte Woche im Livestream von 100 % Mensch:

Teil 1 bei Youtube

Teil 2 bei Youtube

Unter der Ankündigung meckerte eine Person, dass da ja schon wieder die Carmilla DeWinter zu sehen sei.

Entgegen aller anderslautenden Gerüchte bin ich nicht so furchtbar scharf darauf, vor Kameras zu sitzen. Allerdings werde ich verhältnismäßig häufig drum gebeten. Was halt passiert, wenn eine zufällig in einem Verein im Vorstand ist, der sich als einziger in Deutschland ums Thema Asexualität kümmert.

Ich hätte gern mehr Leute in diesem Verein, die ich zu so was schicken kann, und die nicht schon mit fünf anderen, ebenfalls wichtigen Vereinen beschäftigt sind, und die keine 500 Kilometer Anfahrt haben. Auch Männer und/oder welche mit Neopronomen. Nicht immer nur die selben drei bis fünf Leute/Frauen. (Wie immer handelt es sich hier ja um eine geringe Anzahl von Menschen, die Zeugs machen, und eine sehr viel größere Anzahl von Menschen, die erwarten oder hoffen, dass andere Zeugs machen.)

Ich fände es auch geil, wenn es einen separaten Verein gäbe, der sich um a_sexuelle Menschen kümmert und in die Communities wirkt, statt „Bildung und Aufklärung“ zu betreiben. Und/oder eine Truppe, die nach dem Vorbild von Aces NRW hauptsächlich Institutionen wegen Fehldarstellungen anschreibt. Und/oder Stammtische mit soliden Ansprechpartner*innen bzw. welche, die zuverlässig über queere Zentren erreichbar sind, statt sich in Foren oder Discord zu verabreden/verabreden zu müssen. Und/oder …?

Aber so weit sind wir halt noch nicht.

Wenn 50% aller Aces nicht bei ihren Eltern und nur etwa 75% bei ihren Lieblingsmenschen geoutet sind, dann weiß ich auch, warum wir da noch Geduld haben müssen. Weil Öffentlichkeitsarbeit ein Coming-out erfordert. Aber die Reaktionen sind halt oft negativ, insofern beißt sich da die sprichwörtliche Katze in den Schwanz.

Mit bleibt weiterhin die Bitte an alle, die es sich leisten können, mutig zu sein.

„Das asexuelle Spektrum“: Cover!

Aus Vernunftgründen haben wir die Expedition rausgelassen und „Das asexuelle Spektrum“ in die obere Zeile geholt.

Ich bin zufrieden, jetzt muss ich nur nochmal den Text an die neuesten Gegebenheiten anpassen und dann kann’s losgehen.

Unterstriche und andere Neuschöpfungen

Derletzt stolperte ich über eine Meinung bei AcesNRW, die mich etwas befremdete. Da der Blogtext aber zu einem komplett anderen (und wichtigen) Thema ging, wollte ich keine Diskussion in den Kommentaren anfangen. Außerdem verlinkt es sich in echten Beiträgen besser.

200px-Asexual_flag.svgA_sexualität als Kurzform für „asexuelles Spektrum“. Woher kommt das?

Zeit für eine kleine Geschichtsstunde für Menschen, die erst nach 2015 auf Ace-Communities gestoßen sind.

Das erste Mal gesehen habe ich das bei Andrzej Profus. Andrzej hatte die „Wer A sagt, muss nicht B sagen“-Zines zusammengestellt, angefangen 2013. Damals war ich recht irritiert davon, dass die erste Ausgabe im Untertitel „zine über a_sexualität“ stehen hatte.

Auf meine Nachfrage erklärte Andrzej, der Unterstrich solle verdeutlichen, dass es Asexualität vielfältig sei und dass es keine klar zu ziehende Grenze zwischen Asexualität und Sexualität gebe. (Also quasi der graue Flaggenbalken in Schriftform.) Damals, in den schlechten alten Zeiten, gab es „allo“ ja noch gar nicht, und eins sprach eben von Asexualität und Sexualität als Gegensatz.

Danach dümpelte die Idee so zwei Jahre rum, bis Annika Spahn sie aufnahm, sie bei einer der kleinen Ace-Konferenzen in Stuttgart verwendete und sie so beim Verein AktvistA n.e.V. landete. (Nicht wundern, damals wollte die Software sich mit den Sternchen nicht so richtig vertragen.)

Unabhängig davon, ob das mit dem Unterstrich in fünf oder zehn Jahren noch sinnvoll ist, stammt die Idee also von einer der ersten, aber mittlerweile leider verschollenen Ace-Aktivist*innen und damit aus der Community.

Und was meine ich jetzt mit der anderen Neuschöpfung?

Ich selbst bin eine von denen, die „aspec“ als eine Kombi von aromantischem und asexuellen Spektrum extrem seltsam finden. Allosexuelle aromantische Menschen und alloromantische asexuelle Menschen haben sehr andere Erfahrungen. Das alles unter einen Begriff packen zu wollen, finde ich wenig sinnhaft, grade weil allosexuelle Aros noch weniger gesehen werden als Aroaces.

Das wird mich jetzt aber nicht daran hindern, mich beim Label „aspec“ angesprochen zu fühlen. Bloß verwenden mag ich’s nicht.