Gelesen: The Steel Remains und The Cold Commands, von Richard Morgan

Auf Jery’s Empfehlung hin hatte ich mir also zunächst ein Buch gekauft, nachdem ich die Leseprobe verschlungen hatte. Und, als der Text nicht für den Urlaub reichte, da genauso inhaliert, gleich noch ein zweites. Und ich habe Meinungen dazu.

(Das heißt jetzt nicht, dass das hier zu einem Buchblog wird, und es ist keine Einladung, mich um Rezis zu bitten. Empfehlungen werden aber gerne genommen, vielleicht schreibe ich sogar darüber.)

Richard Morgans „The Steel Remains“ (Deutsch: „Glühender Stahl“) ist der erste Teil der „A Land Fit For Heroes“-Trilogie.  Teil Zwei, „The Cold Commands“, ist 2011 erschienen. (Deutsch: „Das kalte Schwert“). Teil Drei ist für Anfang Oktober angesagt.

Der deutsche Klappentext von „Glühender Stahl“ taugt meines Erachtens nichts und liefert vage falsche Informationen, ein tödlicher Cocktail, also versuche ich mich mal dran:

Worum geht’s?

Ringil Eskiath, Held der Schlacht von Gallow’s Gap, zehrt seit zehn Jahren eher schlecht als recht von dem Ruhm, den er damals erworben hat. Als seine Mutter auftaucht, und ihn bittet, nach einer Verwandten zu suchen, die wegen Schulden in die Sklaverei verkauft wurde, scheint das zunächst eine willkommene Unterbrechung der Monotonie. Unabhängig davon müssen sich seine ehemaligen Weggefährt*innen Egar Dragonbane und Archeth Indamaninarmal mit übernatürlichen Einmischungen herumschlagen. Bald erkennen die drei, dass einige Legenden nicht vorhaben, im Reich der Geschichten zu verweilen …

Meines Erachtens nötige Warnungen: Recht hoher Ekelfaktor aufgrund von sehr expliziten Gewaltdarstellungen: Blut, Schleim und die häufig vernachlässigten Verdauungsendprodukte. Nichts für Menschen, die nicht drei Mal pro Seite „fuck“ lesen wollen. Nichts für Leute, die die entsprechende Tätigkeit lieber nur in Andeutungen vorgeführt bekommen.

Damit das hier nicht irgendeine beliebige Rezension wird, werde ich mich auf zwei Blickwinkel beschränken.

 

Was sagt die queere Bloggerin?

Ringil Eskiaths Gefühle rangieren meistens irgendwo zwischen wehmütig, milde angepisst und stinkwütend. Und, ach ja, er ist schwul, in einer dezidiert homophoben Umgebung. Anstatt sich in die Ecke zu stellen und sich was zu schämen, hat er beschlossen, sich nicht mehr zu entschuldigen. Ich kann diesen Typen so gut verstehen. Hingegen ist Archeth ist eine Halbmenschin, die Frauen bevorzugt.

Es gibt ein Minimum von drei Sprachen, einen gewonnenen Krieg gegen intelligente Echsenwesen/Drachen, und zwei Sorten übernatürliche humanoide Lebensformen. Die Dwenda scheinen von den keltischen Faerie inspiriert und sind genauso freundlich (also, gar nicht). Die „Sky Dwellers“ werden von den Menschen jener Welt als Götter verehrt. Am ehesten erinnern mich die Beschreibungen jenes Götterhimmels an das, was ich vom Voodoo weiß. Welche Ziele dieser Haufen verfolgt, ist immer noch ein sorgsam verborgenes Rätsel.

Insofern: volle Diversitäts-Punktezahl.

Der Autor hat seine Hausaufgaben gemacht in Punkto Religion, Kriegsfolgen, Sklaverei, Misogynie, Homophobie und allerlei Dingen mehr. Das heißt nicht, dass die Leute dort netter miteinander umgehen als sonstwo, sondern, dass die Zusammenhänge kommentiert werden. Und nicht plötzlich irgendwie sexy sind.

Die Anzahl der von anderen Leser*innen und meinerseits markierten Zitate (k.A. ob das mit E-Pub geht) ist im ersten Band demnach relativ hoch. Und entsprechend düster ist der Weltentwurf, ohne jedoch den Glauben an bessere Zeiten zu verlieren, was ein unglaublich schwieriger Spagat angesichts all dieser desillusionierten, verbitterten Figuren ist, die jede*r irgendwann ihre Ideale verraten haben.

 

Was sagt die Schrifstellerin/verhinderte Lektorin?

Beinahe volle Punktzahl für das Worldbuildung. Die reichlich sumpfige Geographie ist kein Mimikry eines mir bekannten Kontinents, und der beschriebene Planet hat ein „Band“, also einen Ring, wie unser Saturn. Die beschriebenen nicht-menschlichen Rassen haben nur entfernt Ähnlichkeit mit dem, was mir in der High Fantasy sonst so begegnet ist. Minuspunkte für die Verwendung von Wörtern, die aus der Bibel stammen, und die diese Figuren nicht kennen können (sollten), und für ein Technologielevel, das mich unter anderem wundern lässt, wo das Schwarzpulver ist, und wie die Wasserversorgung und -entsorgung in den Städten funktioniert. Der Buchdruck scheint ebenfalls noch nicht erfunden. Irgendwie fluktuiert das alles zwischen Hochmittelalter und einer beinahe steam-punkigen, und damit viktorianischen, Atmosphäre.

Manchen Leser*innen ist im ersten Band vermutlich nicht genügend erklärt. Morgan wirft eine*n ins kalte Wasser, und wer untergeht, hat Pech gehabt.

Ansonsten gibt es ein bisschen Handwerkliches zu bemängeln. Offiziell wechselt die Perspektive nur jedes Kapitel – und manchmal unangekündigt im Kapitel – was aber auch dem E-Format geschuldet sein kann, das vielleicht einige Leerzeilen und Sternchen gefressen hat. Ich glaube, ich weiß, warum ich xxx mache.

Gelegentlich muss ich am Kapitelanfang zwei Sätze lesen, um zu wissen, in wessem Kopf ich bin, da würde ein „Ringil“ statt „er“ nicht unbedingt schaden, zumal die Ausdrucksweisen der drei wichtigsten Perspektivfiguren sich recht ähnlich, wenn auch nicht völlig identisch, sind.

Morgan ist, trotz seiner Vorliebe für Vier-Wort-Flüche, wortreich in mehreren Aspekten. Er ermüdet zwar nicht mit sich wiederholenden Erklärungen (deren sind es eben eher zu wenig), aber muss ich in einem Kampf wirklich wissen, wie jeder der zwölf Gegner gestorben ist? Wahrscheinlich ließe sich nicht nur die Anzahl der Adverbien und Adjektive kürzen.

Andererseits: Ich musste tatsächlich ein Wort nachschlagen, was mir sonst beim Lesen englischer Texte nicht sehr häufig passiert. Meistens lässt sich so etwas ja aus dem Kontext erschließen, „lugubrious“ allerdings war mir als Adjektiv und auch sonst völlig neu.

Außerdem: Rückblenden mitten in (Action-)Szenen, im ersten Band vor allem für Ringil. Großes No-No in jedem Schreibratgeber. Aus einem Grund, den ich der Poesie jener Rückblenden zuschreibe, funktioniert das im ersten Band für mich. Andere Leute würden vermutlich die Augen verdrehen. Was ich dann auch in Band zwei getan habe, wo die Rückblicke doch unmotivierter erscheinen, und noch nicht einmal dazu dienen, Spannung zu erzeugen.

Um jetzt hier zu beweisen, warum ich für Teil Eins fünf von fünf Sternen vergeben würde, und für Teil Zwei vier …

 

Beispiele gefällig?

Die ersten Sätze überhaupt:

„When a man you know to be of sound mind tells you his recently deceased mother has just tried to climb in his bedroom window and eat him, you only have two basic options. You can smell his breath, take his pulse and check his pupils to see if he’s ingested anything nasty, or you can believe him.“

Wenn ein Mann, von dem du weißt, dass er vernünftig ist, dir erzählt, dass seine kürzlich verstorbene Mutter gerade versucht hat, in sein Schlafzimmer zu klettern und ihn zu fressen, hast du nur zwei Möglichkeiten. Du kannst an seinen Atem riechen, seinen Puls fühlen, und seine Pupillen untersuchen, um festzustellen, ob er etwas Schädliches zu sich genommen hat, oder du kannst ihm glauben. (Eigene Übersetzung.)

 

Und dann noch, aber ohne Übersetzung: „The Steel Remains“, Auf 52 %, Kapitel 19

… [Ringil] felt the accustomed kiss of the grip on his palms, felt the grin on his face turn into a snarl.

Cold chime as the scabbard gave up its embrace.

And the Ravensfriend came out.

You want to know how it ends, Gil? Grashgal, cryptic and rambling and more than a little drunk one evening at An-Moral, holding out the newly-forged Ravensfriend in scarred black hands and squinting critically down the runnel. Fireglow from the big room’s hearth seemed to drip off the molten edges of the steel. (…) I’ve seen how it ends. Someday, in a city where people rise through the air with no more effort than it takes to breathe, where they give their blood to strangers as a gift, instead of stealing it with edged iron and rage the way we do, someday, in a place like that, this motherfucker is going to hang up behind glass for small children to stare at. (…) they put their noses up so close to that glass their breath fogs it, and you can see the small, slow-fading prints of their hands in the condensation after they’ve run off to look at something else. And it doesn’t mean a thing to them.

(…)

That’s how it ends, Gil. With no one to remember, or care, or understand what this thing could do when you set it free.

Ringil met the first of Hale’s men in a blur of eager motoion and the blue sweeping arc of the blade. …

Teaser für der Albenbrut zweiten Teil

Heute ist IDAHOT – der internationale Tag gegen Homophobie und Trans*phobie.

Da vier meiner Figuren thematisch passende Diskussionen führen, praktischerweise auf den ersten Seiten des zweiten Teils, wollte ich die hier mal teilen.

Zur Spoilervermeidung, sollte irgendwer Angst davor haben, bitte klicken und Weiterlesen

Linkspam: Artikelserie Queerphobie

Ich prokrastiniere gerade. Von wegen Überarbeitung zweiter Teil Albenbrut – meiner Lektorin gefiel das Ende nicht, und ich finde sowohl das Schreiben wie das Editieren von Sexszenen wahnsinnig schwierig. (Ja ja, ich weiß, hätt‘ ich mir halt ein anderes Genre suchen sollen.)

Sehr viel erbaulicher ist eine Artikelserie über Queerphobie in der HuffPo, die ich gefunden habe und einfach mal weitergeben will. Erbaulich in dem Sinne, als dass Wolfgang Fänderl Ursachen sehr ausführlich beleuchtet und Möglichkeiten aufzeigt, was dagegen zu tun:

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7