Carmillöses Fundstück

Für Englischkönner*innen gibt es bei Youtube eine Mystery-Webserie unter dem Namen „Carmilla“ zum Anschauen. Noch verständlicher mit eingeschalteten (englischen) Untertiteln, und als Bonus LGBT*-freundlich.

Ich kann nur sagen: Ich nehme mein Müsli mit lactosefreiem Joghurt, nicht mit Blut, bin aber ansonsten, wenn auch auf andere Art, keine bessere Mitbewohnerin:

Echte und falsche Namen

Irgendwann in einem Kommentar hatte ich einen Text über meinen Namen angedroht.

Da ich nach jahrelanger Verweigerungshaltung eingeknickt bin und ein Profil bei Facebook habe, zu diesem Anlass eine Erklärung meines Pseudonyms.

Mit meinem bürgerlichen Namen schaue ich an dreißig Stunden die Woche seriös aus dem weißen Kittel. Zumeist habe ich es mit Kund*innen zu tun, die ein fortgeschrittenes Alter haben, oder mit sonst irgendwelchen unbescholtenen Bürger*innen, die keine Ahnung haben, was „queer“ bedeutet. Außerdem müssen derzeitige und zukünftige Chefitäten nicht gleich wissen, was ich in meiner Freizeit so treibe – ich habe immerhin gleich zwei erklärungsbedürftige Nebenbeschäftigungen.

Nebenher verwende ich seit, hm, acht Jahren „Carmilla DeWinter“ für Mails. Ursprünglich wollte ich damals nur einen Autorinnennamen für fanfiction.net, der meinem echten Namen etwas ähnelt und von Englischmuttersprachler*innen ausgesprochen werden kann. Mein echter Name ist da, sagen wir mal, nicht so geeignet.

Es stellte sich heraus, dass der Name mir so gut gefällt, dass ich ihn nicht mehr hergeben will, und überall verwende, wo es geht.

Nehmen wir uns zuerst den zweiten Bestandteil vor. DeWinter. Nein, nicht Du Maurier, sondern Dumas père.

Evanesca Feuerblut hat hier einen so ausführlichen Artikel über das verfasst, was Milady in den Drei Musketieren so anstellt, dass ich nur noch das Wichtigste zitieren will:

Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass Mylady in gewissem Sinne trotz ihrer negativen Rolle zu den wenigen selbstbestimmenden Frauen der damaligen Literaturszene zählte. Im Grunde genommen nahm sie sich das heraus, was sich in der damaligen Gesellschaft nur Männer trauten

 

Carmilla ist da schon wesentlich unbekannter. Meistens vergessen die Leute das R.

Wer ist Carmilla?

Wie Milady DeWinter auch ist sie eine fiktive Gestalt, nämlich eine der ersten Vampirinnen der Literaturgeschichte. Jene Carmilla wanzt sich an Laura heran, eine Halbwaise, die mit ihrem Vater und wenig Personal auf einer Burg lebt. Wie es sich für Vampire der Ära vor Anne Rice gehört, bekommt Carmilla am Ende die Schöne nicht, sondern stirbt unter grausigen Umständen.

Lesbische Untertöne? Aber hallo.

Was LeFanu mit eben jenen bezweckte, bleibt dahingestellt. Ein Skandälchen für die Leser*innen, damit drüber gesprochen wird? Was zum Schauen für das männliche Auge? Einfach so? Schwierig zu sagen.

Aber auch hier wieder eine, die sich was rausnimmt, sich exzentrisch verhält und damit ziemlich lange durchkommt. Und natürlich muss beide, zeitgemäß, die volle Rache des Patriarchats einholen.

Sowohl Milady DeWinter wie auch Carmilla sind also Mädels, die ihr Leben selbst unter Kontrolle haben. Beziehungsweise ist jede von ihnen eben ein Babe In Total Control Of Herself. Kurz: Bitch.

Und da gibt es nun wahrlich schlechtere Namesvetterinnen.