Über Carmilla DeWinter

Carmilla DeWinter schreibt Phantastik und verque(e)re Texte.

Jetzt vorbestellbar: Lokis Fesseln (mit Teaser)

Nachdem der Verlag und ich hätten ahnen sollen, dass ein Loki drin ist, wo Loki draufsteht, erscheint mit knapp sechs Wochen Verspätung Lokis Fesseln offiziell am 1. Mai diesen Jahres.

Die geneigten Lesenden treffen Loki, eine nordische Gottheit mit wechselnden Pronomen, einigen von Lokis Nachwuchs (darunter die Weltenschlange Jörmungand), Lokis Noch-Ehefrau, einen von Lokis Exen und eine postmoderne Heidin, denn Loki benötigt ganz dringend eine Chauffeuse zum Polarkreis, um da ein paar wichtige Runensteine in Sicherheit zu bringen. Es folgt daraufhin etwas, was der Verlagschef in einem Gespräch als „aberwitziges Roadmovie“ bezeichnete. Nicht zu Unrecht.

Ich selbst bevorzuge „Nordisches Familiendrama in fünf Akten“ als Untertitel.

Zu bestellen beim Verlag, beim großen bösen A oder einer Buchhandlung Ihres Vertrauens, beispielsweise zu finden bei Genialokal.

Und damit das geneigte Publikum eine Ahnung hat, was der Verleger meinte, hier ein kleiner Teaser:

Einige Zeit später schubste Váli Loki mit der Schulter gegen das Bein, wie um sie aufzufordern, sich nicht zu verstecken.
»Ist das ein Delphin?«, fragte eine kratzige Stimme, die aus ein paar Metern Entfernung zu ihnen herüber klang.
Loki hob den Kopf. Delphin in der Ostsee? Nein. Auch Schweinswale zeigten sich heute keine. Nur Jörs Rücken tauchte gelegentlich zwischen den Wellen auf, und Jör wusste seine Sichtbarkeit für Menschen gezielt zu steuern.
Die kratzige Stimme gehörte einem älteren Herrn. Er war mit einigen anderen Menschen gesetzteren Alters nähergetreten. Loki meinte, sie einem Reisebus aus München zuordnen zu können, der direkt vor ihnen an Bord gefahren war.
»Ich weiß nicht, was das für ein Tier ist«, sagte eine grauhaarige Dame und linste durch ihre Goldrandbrille. Eine zweite Dame hatte ein Smartphone gezückt und versuchte wohl, besagtes Tier zu fotografieren.
Wovon reden die? Jör hob den Kopf aus den Fluten. Er hatte noch einmal an Größe zugelegt und hätte locker ein Motorrad samt Biker verschlingen können.
»Jesses Maria«, sagte die Dame mit der Goldrandbrille. »Allmächtiger.«
Die älteren Herrschaften wichen als Traube von der Reling zurück und diskutierten aufgeregt, was das für ein Tier sei. Und ob eine Gefahr von ihm ausging.
»Whoa, geil, Seeschlange!«, brüllte ein Jugendlicher vom Oberdeck.
Jör riss die Augen auf und starrte Loki an.
Die können mich sehen.
Loki starrte zurück. Unmöglich. Jör war ein mächtiger Zauberer.
Das ist keine Absicht, ergänzte Jör.
»Scheiße«, fluchte Jasna.
»Los, mach dich klein und warte in Rødby«, befahl Loki.
Jörs Kopf tauchte unter die Wellen. Schon glaubte Loki, dass er gehorcht hatte, da tauchte er wieder auf. Würde ich, wenn ich könnte. Aber jemand lässt mir keine Wahl, weder mit der Größe noch mit der Entfernung zu … dir. Bist du sicher, dass du nichts angestellt hast?
Jasna und Váli musterten Loki aus schmalen Augen. Als könnte es nicht genauso gut Jör sein, der ihnen allen einen bösen Streich spielte.

… den offiziellen Klappentext finden Sie auf der passenden Unterseite dieses Blogs.

Keine Sexgeschichten

Aus gegebenem Anlass — dem irritierten Blick einer Person im Skype-Call nämlich — muss ich mal was klarstellen: In der Regel enttäusche ich journalistisch Tätige, weil ich zwar gern über das asexuelle Spektrum aufkläre und Fragen über gesellschaftliche Zusammenhänge stelle, meine eigene Sexualhistorie aber nicht detailliert wiedergebe.

Dekobild: Mensch mit Bart, Grimasse und Lupe

Ich finde die Frage, ob da schon mal aus einvernehmlichen Gründen ein Penis drin war, nicht besonders relevant für das, was ich bin und tue. Es interessiert mich auch nicht, ob andere weibliche und weiblich gelesene Menschen in heterosexistischen Zusammenhängen als jungfräulich gelten. Das hat ja keinen Einfluss darauf, ob die Person kluge Dinge zu sagen hat, zum Ladendiebstahl neigt, mir sympathisch ist oder sonstige menschlich relevante Eigenschaften besitzt. (Ich winke mal allen, denen solche Fragen auch schon gestellt wurden.)

Mir ist klar, dass in manchen Zusammenhängen über Sex geredet werden muss — aber in Medienberichten über asexuelle Menschen verharrt dieses Reden oft in einer Pose, wo eine Person sich der Neugier der Mehrheitsgesellschaft preisgibt. Im Namen der Aufklärung und Information, natürlich.

Irgendwie war mir mit diesem Argument der Information nie ganz wohl. So neugierig ich bin (grauenvoll neugierig), manche Fragen stelle ich doch nicht. Wer mir im Vertrauen etwas erzählen will, gern. Wahrscheinlich erzähle ich etwas zurück. Aber das ist ein Unterschied zu einer Information, die für den öffentlichen Konsum bereitgestellt wird.

Und dann fiel ich in anderem Zusammenhang über einen Aufsatz von Ely Przybylo. Darin geht es unter anderem um die Logik von Sexualität. Przybylo beruft sich auf Foucault: Sexualität sei ein Wissensbereich, der entwickelt wurde, um die Bevölkerungsentwicklung zu beeinflussen. Natürlich geschah diese Entwicklung nicht von einer einzelnen Stelle, sondern irgendwer merkte, dass irgendein Wissen praktisch war, andere bekamen Wind davon, daraufhin wurde die Wissensproduktion gefördert, etc. Und auf einmal sind wir heute, wo Sexualität nicht mehr als Maßstab eines gesunden, glücklichen Lebens wegzudenken ist.

Zur Logik der Wissensproduktion über Sexualität gehöre demnach das öffentliche Geständnis. Aus dem, was wie geschildert wird, lernt die Öffentlichkeit, was erwünscht und normal ist. Und wenn etwas als unnormal markiert wird, kann sich die Öffentlichkeit dank des Vergleichs darin sonnen, wie normal sie doch ist.

Heißt, wenn ich etwas erzähle, das als unnormal markiert ist — und sobald es darum geht, dass ich in meiner Eigenschaft als Ace und damit Minderheit befragt werde, bin ich markiert — dann dient sämtliche Beantwortung intimer Fragen hauptsächlich dazu, 99 Prozent der Lesenden in ihrer Normalität zu bestätigen.

Dabei wird diese Bestätigung mir außerdem keinen Dank einbringen, wie Kübra Gümüşay in ihrem Buch Sprache und Sein bemerkt. Die Mehrheitsgesellschaft beruft sich zunächst auf ein Recht darauf zu erfahren, wie oft, warum und ob die portraitierte Person was getan hat. Wer sich aber dem Geständnisdruck beugt, gibt zu, unnormal zu sein und eine Maßregelung zu benötigen. Ob diese sich dann in der Herablassung der Fragenden und/oder später in der Kommentarspalte äußert, ist unerheblich.

Was ich also wusste, aber nicht erklären konnte, haben Przybolo und Gümüşay in klare Worte gefasst.

Ich mag „normal“ als Wort nur, wenn es um Blutdruck, Serumspiegel und so was geht. Wo ein unnormaler Wert eben kurz- bis langfristig Menschen ins Krankenhaus oder in den Sarg befördern kann. Ansonsten gibt es keine Veranlassung, „normal“ zu verwenden und sich noch was drauf einzubilden.

Und daher möchte ich auch weiterhin nicht dazu beitragen, dass irgendwer das eigene normale Ego streichelt.


Referenzen/Weiterlesen:

Ela Przybylo, Crisis and safety: The asexual in sexusociety, Sexualities 2011 14: 444, https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1363460711406461

Kübra Gümüşay, Sprache und Sein, ISBN 978 3 442 77125 7

Bildquelle: Image by Tumisu, please consider ☕ Thank you! 🤗 from Pixabay

#Bücherhamstern, zum Zweiten

Neben einer Heft-Edition folgt nun die Edition Rechts der Mitte.

Noch nicht gekauft, da hoffentlich signiert zu erwerben, ist Eine Socke namens Rechts von Christian von Aster und Sabine Klotzsche. (Was soll ich sagen? Ja, schon wieder von Aster. Denn: Asti macht geilen Scheiß.)

Ein Interview in der Siegessäule machte mich auf Tobias Ginsburgs Die letzten Männer des Westens aufmerksam. Auch das werde ich wohl kaufen und dann allen geben, die es brauchen können. Wobei Männlichkeitskult, Heldentum und Faschisten bzw. Diktatoren, die nicht zugeben würden, dass sie Faschisten oder Diktatoren oder sogar beides in Personalunion sind, zumindest für meineeine bereits zusammenhängen — einer von denen hat zwei Grenzen weiter eine Invasion vom Zaun gebrochen, die seine Untertanen nicht „Krieg“ nennen dürfen. (Theoretisch wären es ja russische Staatsbürger*innen, aber Vlad the Bloody II. Putin hätte wahrscheinlich nichts dagegen, zum Zar ernannt zu werden. Ein wenig in die ähnliche Richtung argumentiert das Nollendorfblog: „Warum Europas Freiheit am Tampon-Behälter im Männerklo verteidigt wird“)

Apropos Bücher brauchen.

Der weiße Fleck

Bereits verliehen ist Der weiße Fleck von Mohamed Amjahid, nachdem sich eine Person meines Vertrauens ungläubig zum ZDF-Film über die Wannsee-Konferenz äußerte. Wie Menschen andere so entmenschlichen könnten. Ich hatte mich nicht gewundert, was einerseits einem gewissen Zynismus geschuldet sein dürfte, zum anderen der Tatsache, dass ich den von dieser Person regelmäßig ausgeliehenen FOCUS mehr deswegen lese, um zu wissen, für wie politisch mittig sich der Mainstream hält. (Antwort: Sehr. Aber ist er es auch?)

Ins selbe Horn tuten Anne Ottos Woher kommt der Hass? (sind wir nicht alle ein bisschen autoritär?) und zumindest auch dem Titel nach der leider nicht mehr bespielte Gjallarhorn-Weblog bzw. Odins Auge des Nornirs Aett.

#Bücherhamstern, zum Ersten

Ich bin an diesem Nicht-so-richtig-Buchmesse-Samstag hoffentlich viel unterwegs, daher also ein wenig früher:

Weil ich schon immer Probleme hatte, mich an Vorgaben zu halten (vor allem im Kunstunterricht), geht mein erstes #bücherhamstern-Posting gar nicht zu Büchern, sondern zu Heften.

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MaroHefte Nummern 2 und 1 von links. Freiwillig zensiert, obwohl eigentlich nichts zu sehen wäre, das irgendwie pornös ist.

Der MaroVerlag macht nämlich nicht nur Bücher, sondern seit Kurzem auch zweimal jährlich schicke Hefte mit einem Essay und passender Kunst dazu.

Empfehlen kann ich vor allem die Nummer 2: „Das Jungfernhäutchen gibt es nicht“ und nicht nur wegen des genialen Titels die Nummer 1: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe das erste Quinoa-Bällchen“.

Zwei völlig verschiedene Themen, beide aber zum Nachdenken. In einem Fall über den eigenen Sprachgebrauch — nicht nur über Jungfern und Jungfrauen und angeblich zugehörige Häute, sondern auch über die Frage, wie viel Scham in die Anatomie des menschlichen Schritts gehört.

Im anderen Fall hinterfragt eins hoffentlich später das eigene „ökige“ Konsumverhalten — und den Kapitalismus im Allgemeinen.

Lang abgetaucht / Neuheit / LBM-Absage heißt #Bücherhamstern

Also, erst mal: Ta-daa! So ab Ende März/Anfang April dürfte mein nächster Roman käuflich erwerbbar sein. Bis dahin: Es gibt ein Cover. Ein saugeiles Cover, meine ich. Das nordische Familiendrama in fünf Akten erscheint bei Edition Roter Drache.

Eine halbe Stunde Vorablesung gibt es beim Aspec*German-Discord am 23. Februar ab 20 Uhr.

Die letzte Zeit war ich noch ruhiger als sonst. Das lag erst mal an einer Lektoratsarbeit, die ich leichtsinnigerweise zugesagt hatte, und wo ich hoffe, dass ich das Wunder vollbracht habe, das der hoffnungsvolle Neuautor von mir und seinen knapp 100’000 Wörtern erwartet hat. Und das innerhalb von 14 Tagen. Uff.

Der zweite Grund steht oben: Irgendwie waren mein Verleger und ich der Meinung, dass bei mir nicht so viel zu tun sein würde. Es stellt sich jedoch raus, dass Urban Fantasy genauso geübt sein will wie High Fantasy, weshalb etwa 2000 Wörter Gelaber gestrichen und durch etwa 5000 Wörter Plot und Charakterisierung ersetzt werden mussten. Ebenfalls innerhalb von 14 Tagen. Der Roman ist ja Frühjahrs-, wenn auch nicht Messeprogramm. Mehr uff und kurze Nächte.

Dass das kein Messeprogramm ist, hat mich äußerst erleichtert. Persönlich finde ich die Absage der LBM als diesmal nicht schlimm, für die Verlage, Autor*innen und ein bisschen auch politisch ist es eine Katastrophe — zumal sich ein paar Tage später rausstellte, dass es vielleicht doch gegangen wäre, dank der Lockerungspläne. Insofern werde ich an selbigem Wochenende ganz ruhig nach Leipzig fahren, ein bis zwei Veranstaltungen besuchen und eventuell die Verwandtschaft eine Stadt weiter behelligen.

Um die wirtschaftlichen Verluste aufzufangen, hat Grit vom Art Skript Phantastik einen Vorschlag: Lasset uns den Hashtag #Bücherhamstern wiederbeleben.

Gelesen 2021

Die alljährliche Aufstellung, falls wer noch Impulse abseits der Auslagen in großen Buchläden sucht.

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Pirate Aba: The Wandering Inn 1 & 2The Wandering Inn ist eine Webserie, die noch nicht beendet wurde. Die fertigen Staffeln gibt es auch als E-Bücher, was nett ist, wenn eine nicht am leuchtenden Bildschirm lesen möchte. Die Grundidee ist genial: Eine Gruppe Magier holt Menschen aus der uns bekannten Welt in eine Welt voller Level. Und so wird Erin, die Protagonistin, einfach nur dadurch [Innkeeper Level 1], indem sie in einem verlassenen Wirtshaus die Tische abwischt. Nebenbei gibt es noch Skills/besondere Fähigkeiten zu erwerben. Der erste Teil liest sich locker weg, obwohl er zwischen mehreren Ich-Erzählstandpunkten und mehr oder weniger Allwissender Perspektive hin und her schwankt. Bei Teil 2 stört mich die Serien- und Compterspieltendenz zu noch größeren und gemeineren Schurken/Gefahren, die ohne schönes Foreshadowing auftauchen, außerdem schwankt die Autorin zwischen teilweise extemer Ernsthaftigkeit und dann wieder völliger Albernheit. Nichts gegen Comic Relief, aber so ein bisschen sollte es dann doch zusammenpassen. Daher Teil 2 nicht beendet, obwohl die Antinium das interessanteste „Volk“ sind, das mit seit Langem in der Fantasy begegnet ist.


Diverse/Unbekannt, herausgegeben und übersetzt von Rudolf Simek et al.: Sagas aus der Vorzeit – Von Wikingern, Berserkern, Untoten und Trollen, Band 1: Heldensagas und Band 2: Wikingersagas. — Eine Übersetzung altnordischer Sagas, die vom 12. bis zum 14. Jahrhundert enstanden sind. Mit Unterbrechungen gut lesbar.

Dass altnordische Helden sich einen Namen mit Plünderungen und Kriegen gegen andere Kleinkönige machen und häufig unter dramatischen Umständen sterben, weil sie sich zwischen zwei Verpflichtungen aufreiben, passt nicht zum heutigen Bild von Heldentum. Als Zeitzeugnisse und Hinweise auf die damalige Mentalität (und darauf, was im skandinavischen Hochmittelalter als eine gute Geschichte galt), sind die Heldensagas äußerst interessant. Für Suspense taugen sie in der Postmoderne kaum — am Ende sind alle tot. Diesbezüglich am spannendsten ist die Völsungensaga, und deren Ende war mir leider bereits bekannt. Ansonsten: Hätten Sie’s gewusst? Siegfried der Drachentöter hat dunkle Locken und starke Wangenknochen. Und über Ivar „den Knochenlosen“ darf zumindest als Sagafigur spekuliert werden, ob er ein Ace war.


Jennifer Hauff: Verschnitt — Medizinthriller. Ein alternder Medizinprofessor leidet unter seltsamen Krankheitszeichen. Ein Grund für ihn, seine Forschungen weiter zu forcieren: Geschlecht sei reine Erziehungssache. Das will er mit „Vereindeutigungs“-Operationen und Hormongaben an Kindern mit Intersexualität beweisen. Eine OP-Assistentin kreidet ihm den Verlust ihrer geliebten Schwester an — vergiftet sie ihn? Und wieso hat der Bruder der OP-Assistentin noch eine Rechnung mit ihr und dem Prof offen? Die drei Fäden sind dicht verwoben, bis zum spannenden und nicht vorhersehbaren Schluss.


Wendelgard von Staden: Nacht über dem Tal. Eine Jugend in Deutschland — Autobiographie einer Landadeligen von quasi gleich um die Ecke, oder, um mit den Worten meiner Mutter zu sprechen: „Hast du gewusst, dass in Vaihingen ein KZ war?“ (Vahingen/Enz, und ja, das wusste ich schon vorher, man begegnet auf dem Weg zum Bahnhof den Wegweisern zur Gedenkstätte). Sprachlich schlicht, aber nachdrücklich berichtet die Autorin von 1940 bis 1946. (Siehe auch zugehöriger Blogpost.)


Mithu Sanyal: Identitti — ein Roman über Identitäten und Rassismus mit einem Klecks Phantastik. So saugeil, dass ich nur wortlos und begeistert mit den Armen rudern kann. Das Buch ist mit Post-its versorgt und wird sicher noch einmal gelesen — wozu ich als Erwachsene sonst selten den Drang verspüre.


Christian von Aster: Die wahrhaft unglaublichen Abenteuer des jüdischen Meisterdetektivs Shylock Holmes und seines Assistenden Dr. Wa’tsun — eine Conan-Doyle-Pastiche, die es nur für die Startnext-Finanzierenden gab. Äußerst unterhaltsam, dabei lebensklug und mit mehr Überraschungen, als ein Kampfkrake Arme hat.


Saxo Grammaticus: Gesta danorum/Die Geschichte der Dänen — was auf dem Titel steht. Übersetzt von Paul Herrmann und Carl Knabe. Im zweiten Anlauf diesen eher unübersichtlichen und schwerfällig erzählten Mix aus Mythologie, Sagastoffen und etwas echter Geschichtsschreibung geschafft. Aber was will eine von einem mittelalterlichen Mönch, der schon in der Einleitung schreibt, dass er eigentlich keinen Bock drauf hat, weil er so was nicht kann? Notiert unter Zeugs, das der damalige Bischof wohl besser an wen anders delegiert hätte.


Joanne M. Harris: Runemarks — dystopische Fantasy. Wir sind in England, fünfhundert Jahre nach Ragnarök. Eine neue Gesellschaft hat sich aus den Ruinen der Neuzeit erhoben, das Technologielevel ist etwa auf dem Stand unseres 17. Jahrhunderts. Die vierzehnjährige Maddy ist mit einer „Runemark“ geboren und hat einen guten Draht zu Magie und Übernatürlichem, weshalb sie den restlichen Dorfbewohnenden suspekt ist. Und dem „Order“ sowieso. Dessen nummerierte Agenten vertreten die neue Staatsreligion. Dazu noch ist Maddy mit dem Landstreicher Old One-Eye befreundet. Als der beschließt, mit Maddys Hilfe den Schatz unter einem Hügel im Umkreis des Dorfes zu heben, kommt es zu einer Konfrontation zwischen alten und neuen Gottheiten — Ragnarök ist vielleicht noch lange nicht zu Ende.

Spannend und wendungsreich nutzt die Autorin Ideen aus der nordischen Mythologie. Gute Unterhaltung, die aber bei mir keinen nachhaltigen philosophischen Eindruck hinterließ.


Patrick Geary: Europäische Völker im Mittelalter. Zur Legende vom Werden der Nationen — ein Sachbuch, das enthält, was draufsteht. Der Autor, ein Historiker für Spätantike und frühes Mittelalter, untersucht den Begriff des „Volks“ von Herodot bis Karl dem Großen. Und stellt fest, dass sich unter dem gleichen Namen (wie „Franken“) über die Zeit verschiedenste Konzepte und Menschen verbergen. Falls also wieder irgendwer behauptet, dass „die Deutschen“ seit Jahrhunderten, wenn nicht seit der Antike irgendwie die gleichen Menschen mit den gleichen Idealen sind: Dieser Text beweist das Gegenteil.

Bevor die Quellen editiert werden konnten, musste man einen Kanon jener überlieferten Aufzeichnungen erstellen, die tatsächlich als Quellen deutscher Geschichte gelten konnten. Das heißt, man musste definieren, was „Deutschland“ in der Vergangenheit bedeutete, und diese Vergangenheit als Vor- und Frühgeschichte deklarieren. Die Herausgeber der Monumenta erfüllten diese Aufgabe, indem sie sämtliche Texte aus oder über Regionen erfassten, in denen germanisch sprechende Völker gesiedelt oder geherrscht hatten.

Es hätte somit auch anders ausgehen können mit dem Deutschtum …


Ben Aaronovitch: What Abigail Did That Summer — Urbane Fantasy, Kurzroman. Hier channelt der Autor auf sehr sympathische Weise eine dreizehnjährige, nerdige „mixed-race“ Besserwisserin und schickt sie mit sprechenden Füchsen auf die Suche nach einigen vermissten Teenagern. Wie alles von Ben Aaronovitch spannend, unterhaltsam, mit unaufgeregter LGBTIA+-Repräsentation und auf eine angenehme Weise die Sehgewohnheiten hinterfragend.


Johannes Kram: Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber … — das Sachbuch beschäftigt sich damit, wie Schwulen- und Homosexuellenfeindlichkeit im 21. Jahrhundert aussieht, und wie sie sich in der Frage „Was wollt ihr denn noch alles?“ manifestiert. Als sei es der Job sexueller Minderheiten, für jeden Klecks menschenwürdiger Behandlung dankbar zu sein.


Anja Bagus: Die Zeitarbeiterin — episodenhaft erzählter Roman um eine Studentin, die aus Geldnot bei einer Zeitarbeitsfirma anheuert und dadurch den merkwürdigsten Menschen begegnet. Außer ihrem einen Kollegen, den findet sie vielleicht etwas zu gut.

Diese autobiographisch angehauchte Erzählung ist leider viel zu schnell rum, denn Mia und ihre Kolleg*innen sind zumindest mir sehr ans Herz gewachsen, von denen hätte ich noch fünfzig Seiten mehr vertragen.


Isa Theobald: Anouk 2 – Sterben bringt Glück. — Zweiter Teil der Urban-Fantasy-Serie um Anouk, Sukkubus und Vollstreckerin des Kuratoriums. Zwischen dem unvermeidbaren Haufen Sexszenen drückt Isa Theobald gehörig aufs Tempo und schafft einen Pageturner mit interessantem Weltenbau und einem Haufen sympathischer, aber teilweise undurchsichtiger Figuren. Es lohnt also, den etwas holprigeren ersten Teil der Serie zu lesen. Der ist, wie bereits erwähnt, ebenfalls zum Wegsuchten, aber die Exposition hat eine kleine Lücke.


Bernhard Stäber: Wächter der Weltenschlange – Midgards Schild. — Zweiter Teil der letztes Jahr begonnenen Urban-Fantasy-Duologie. Wir folgen Malin und Rune, die den letzten Nachkommen der Weltenschlangen zum Nordkap bringen müssen. Dabei werden sie weiterhin von drei Disen verfolgt, die den Weltenbrand zu verhindern suchen. Außerdem ist noch mindestens eine weitere Partei an dieser Reise interessiert.

Mit diesem Buch hat die Duologie einen würdigen und sehr stäber-esken Abschluss bekommen: Wer offene Fragen nicht mag und gern romantische Klischees bedient sieht, wird mit dem Text nicht glücklich. Alle anderen erleben einen zauberhaften Streifzug durch die Mythen und Sagen der Norweger und Saami und müssen sich Fragen nach Schicksal, Vorbestimmung und freien Entscheidungen stellen.


Anette Juretzki: Sternenbrand (1: Blind und 2: Blau) — Space Opera in zwei Teilen. Dass mir Deutschsprachiges begegnet, das wie Albenbrut aus Platznot in zwei Teilen erscheint, kommt auch selten vor. In Sternenbrand treffen wir eine Söldnercrew auf der Suche nach Hinweisen auf den Verbleib der rätselhaften „Phantome“, die vor hundertfünfzig Jahren beinahe die Galaxis verwüstet hätten.

Neben einer verwickelten Liebes-Dreiecksgeschichte um drei männliche Wesen serviert die Autorin einen schönen Weltenbau und einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte. Grundsätzlich ist es aber noch M/M bzw. „Gay“, daher für Menschen nicht zu empfehlen, die ihre SF lieber ohne viel Liebesgeschichte haben.


N. K. Jemisin: The City We Became — der Auftakt zu einer neuen phantastischen Serie, wobei ein Argument zu führen wäre, dass es sich um Horrorliteratur im besten Sinne handelt. Diesmal entführt uns N. K. Jemisin ins heutige New York City. Das wird gerade zu einer eigenständigen Entität und sucht Avatare. Doch eigenständige Städte bedrohen ihre Gegenstücke in den Paralleluniversen, daher fährt die „Frau in Weiß“ ihre Tentakel aus, um die Stadtwerdung zu verhindern …

Ganz wie bei dieser Schrifstellerin zu erwarten, treffen wir hier keine einfache Urban Fantasy mit den üblichen Versatzstücken wie Werwesen, Blutsauger*innen und dämonischer Unterwelt, sondern ein Problem auf einer weit kosmischeren Skala mit einigen Lovecraft-Anleihen. Wobei sie hier beweist, dass, egal wie schräg die nicht-euklidische Geometrie wird, die ganz normalen menschlichen Abgründe weitaus gruseliger sind.


Dana Brandt: Die Hüterin – Scheiß auf Schicksal — Urbane Fantasy. Eine junge Frau in wirtschaftlichen Nöten findet einen Ring, der sie zur Hüterin der Magie Europas macht. Und hat erst mal keine Lust auf diese Halluzination …

Neben einer erfrischend fluchenden Heldin, die keine sein will, und einigen wirklich charmanten Nebenfiguren (unter anderem Bäume, die beim Kartenspiel schummeln), treffen wir auf einen interessanten Weltenbau. Sich erneuernde Magie, Zaubereibegabte, die mit den Magiewesen im Clinch liegen und alles tun würden, um die neue Hüterin klein zu halten … Wer keinen allzu großen Wert auf wenig Flüche und makellose Grammatik legt, ist hier sehr gut unterhalten.


Lee Bardugo: Shadow and Bone, Siege and Storm, Ruin and Rising (erste GrishaVerse-Trilogie) — Lee Bardugo sagt von sich selbst, dass sie „Tsarpunk“ (im Vergleich zu Steampunk) verfasst hätte, was ungefähr passt. Wir treffen russische Einflüsse (von der Gesellschaft bis zu einigen Märchen-, Geschichten- und historischen Anleihen wie Rasputin) in einer einnehmenden High-Fantasy-Welt, in die einst ein mächtiger Grisha (Zauberer) ein Loch aus Dunkelheit gerissen hat. Dort vernichten drachenartige Wesen jedes Leben, und der Riss breitet sich zudem immer weiter aus.

Hoffnung auf ein Ende dieser Plage keimt im Zarenhaus auf, als sich die junge Soldatin Alina als Sonnenbeschwörerin herausstellt. Sie wird aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und soll nun im Palast der Grisha ihre Kunst perfektionieren. Doch so einfach ist das alles nicht, denn sowohl der oberste Grisha als auch ein undurchsichtiger Priester am Zarenhof haben eigene Pläne.

Die Trilogie liest sich dank eines meisterhaft gesetzten Tempos und konstant gehaltener Spannung ratzfatz weg. Obwohl es „Young Adult“ ist, sind die moralischen Fragen, vor denen Alina steht, alterslos.


H. P. Lovecraft: diverse Versuche mit Kurzgeschichten und Schatten über Innsmouth (nicht beendet). — Eventuell bekomme ich noch raus, was außer dem Konzept von kosmischen Tentakelpriestern an Lovecraft so toll sein soll. Die Weite des Weltalls find ich offenbar nicht gruselig genug. Und über den aus jeder Zeile tropfenden Mittelschicht-Chauvinismus mit extra viel Rassismus kann ich mich zwar gruseln, aber ich habe das genug in live (siehe AfD-Wahlplakate), und so schön ist die Sprache dann doch nicht, dass ich darüber hinwegsehen kann.


Mary Renault: The Charioteer — schwules Coming-of-Age im Weltkrieg. The Charioteer ist ein Klassiker der schwulen Literatur und erstmals 1953 erschienen. Wir treffen den kriegsversehrten Laurie, der sich in einen Kriegsdienstverweigerer verliebt, der im Militärkrankenhaus Pflege-Ersatzdienst ableistet. Nebenbei trifft Laurie einen alten Schulkameraden wieder, für den er vor Jahren geschwärmt hatte. Wen Laurie hinterher abkriegt, wird nicht verraten, aber es gibt ein Happy End — eine Seltenheit für schwule Literatur aus der Zeit.

Der Roman hätte ein typisches Melodrama von einer Dreiecksgeschichte werden können, aber dafür setzt Mary Renault die Akzente zu dezidiert auf die Frage nach Identität und Community. Eine gemeinsame Verfolgung und/oder eine gemeinsame Marginalisierung wirft uns mit allerlei Menschen in eine Gruppe, mit denen wir sonst keine Gemeinsamkeiten haben. Egal um welche Minderheit es sich handelt. Inwieweit muss/will eins solidarisch sein? Muss ich diese Leute mögen? Muss ich mich zuerst als Teil der Minderheit verstehen und dann als etwas anderes? Und was unterscheidet eine beliebige ausgegrenzte Gruppe von einer Community? Diese Fragen sind, wie sich zeigt, zeitlos. (Referenz auch dazu die Talk-Serie Community, quo vadis? von 100 % Mensch.)


Ria Winter: Der Feuervogel von Istradar — Slavic Fantasy. Eine Diebin mit Meinungen zur Politik und eine Palastwächterin in Istradar begegnen sich, als die Diebin versucht, im Palast etwas zu stehlen. Der berühmte Feuervogel von Istradar ist jedoch schon Monate vor dem Einbruch aus der Schatzkammer verschwunden. Weil die Wächterin meint, dass die Diebin etwas darüber weiß, spioniert sie ihr hinterher. Aber der Feuervogel ist unauffindbar und die politsche Lage spitzt sich zu — ohne Feuervogel keine Allianz mit dem Zaren. Damit ist Istradar von einem Krieg bedroht. Nebenbei kommen sich die beiden Frauen langsam näher.

Der Roman ist spannend und liest sich schnell. Neben dem überzeugenden Weltenbau, der mit seinen slawischen Einflüssen für die hier stilbildende angloamerikanische Fantasy eher rar ist, bestechen vor allem die liebenswerten, runden Nebenfiguren und die zahlreichen hübschen Wendungen.


Christian von Aster und Holger Much: Das Koboltikum — Illustrierte phantastische Anthologie. Christian von Aster hat hier einige Kurzgeschichten und Balladen über Kobolde versammelt. Die sind oft schräg — sonst wäre es nicht von Aster — manchmal fies, manchmal komisch und manchmal liebenswert. Dazu hat Holger Much die Kobolde, wie immer detailverliebt und zauberhaft, illustriert.


Alice Oseman: Loveless — Coming-of-age/Young Adult. Die achtzehnjährige Georgia ist zum Schulabschluss noch ungeküsst und will im ersten Semester an der Uni dringend etwas daran ändern. Schließlich möchte sie nicht Loveless sein — ohne Liebe. Dazu bittet sie ihre feierfreudige Mitbewohnerin Rooney um Rat. Alles gerät außer Kontrolle, als Rooney auffällt, dass Georgias bester Kumpel in sie verliebt ist, und Georgia ermuntert, da etwas draus zu machen.

Es folgt eine asexuelle Selbstfindung mit Irrungen fast Shakespear’schem Ausmaßes, viel Humor, klugen Gedanken über die Liebe und einem völlig unromantischem Happy End, das ich totzdem zum Seufzen schön finde. Der Stil ist locker-flockig, Oseman beherrscht ihre Spannungsbögen, und zeichnet außerdem liebevoll runde Figuren, die ich einfach umarmen will.


Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit — kongeniale Aufbereitung der Menschheitsgeschichte. Von der Sprache über die Religion zum Ackerbau bis zum Kapitalismus: Harari zeigt Entwicklungen auf, die mein Geschichtsunterricht nie so thematisiert hat und befragt moderne Mythen auf ihren Gehalt. Was bietet eigentlich der Monotheismus für Vorteile, wenn Sie ihn nicht als gläubige Person verteidigen? Sind Nationalstaaten wirklich eine Errungenschaft, wie ich es noch in den späten 1990ern gelernt habe? (Siehe auch Geary oben.) Wie groß ist der Unterschied zwischen Religionen und Ideologien tatsächlich? Warum funktionieren Staaten heute anders als Imperien im Altertum? Ist ein naturnahes Leben in einem Stammesverband wirklich gewaltloser und erstrebenswert? Etc.

Wir reden noch immer von „ursprünglichen“ Kulturen, aber wenn wir mit „ursprünglich“ etwas meinen, das sich unabhängig entwickelt hat, uralte regionale Traditionen verkörpert und nicht von außen beeinflusst wurde, dann gibt es das heute nicht mehr. In den vergangenen Jahrhunderten haben sich sämtliche Kulturen unter einer Flut globaler Einflüsse bis zur Unkenntlichkeit verändert.


Askin-Hayat Dogan und Sarah Stoffers (Hg.): Urban Fantasy going queer — Kurzgeschichtensammlung. Die Herausgebenden baten 23 offen queere Schreibende deutschsprachiger Fantasy um eine Kurzgeschichte. Urban sollte es sein, und am besten noch aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen. Daher dreht sich in dem Sammelband nicht alles um Queerness. Was der Qualität der Geschichten aber keinen Abbruch tut. Zwischen klassischen Werwolf-Krimis und richtig originellem Zeug, mal mit gutem, mal mit fiesem Ende bewegen sich sehr unterhaltsame und oft nachdenkliche Geschichten.


Kübra Gümsay: Sprache und Sein — ein Versuch, die Grenzen der Sprache auszuloten. Was bedeuten bestimmte Perspektiven? Wo errichtet die Sprache der Mehrheit Wände für Minderheiten? Wo hindert uns Sprache am Sein, wo ermöglicht sie es erst? Was bedeutet es, durch Sprache in eine Objektposition gedrängt zu sein? Und wie erreichen wir, dass alle frei sprechen können?

Ein kluger Text über Ausgrenzung und Teilhabe, den ich nur weiterempfehlen kann. Und den ich wahrscheinlich des Öfteren zitierenn werde, denn auch an pointierter Formulierkunst mangelt es keineswegs.


… und wie immer kam dazu ein Haufen Fanfiction. Manche davon sehr klug. Hauptsächlich diente selbige Lektüre der Realitätsflucht in den stimmungsmäßig miesen Phasen: Kein Corona, wenig Heten, Happy End garantiert.

Ansonsten ist einiges angefangen, aber noch nicht fertig. Im Gegensatz zu 2021. Guten Rutsch also.

 

Mittwinter/Feierdäg/(Zehn-)Jahresrückblende, 2011-2021

Meineeine hatte dieses Jahr im Sommer zehnjährige WordPressanmeldung. Erster Eintrag damals: Mal schauen, wie lange ich durchhalte

Aber selbst so ein seltenes Tier wie ich möchte lieber nicht nur existieren, sondern leben.

(Manchmal schreibt die DeWinter DOch erstaunlich haltbares Zeug)

Damals hatte ich viel Ambition und erst drei Kurzgeschichten unter meinem Klarnamen veröffentlicht.

Die Titel-Eule war jedoch schon ein paar Jahre früher für mein fanfiction.net-Konto in Gebrauch. Aber ich mag diese schlechtgelaunte Eule so sehr, dass ich sie immer noch gern verbreite. Spezies unbekannt, geknipst 2007 im Zoo von Calgary. Carmilla DeWinter wurde übrigens 2005 als Pseudonym für Fanfiction gefunden und ist damit bereits sechzehn.

Eule im Blechrohr, mittäglich mies gelaunt

Ansonsten war 2021 ein Sachbuch zu feiern. Die gesammelte Presselandschaft hat den Verlag, Das asexuelle Spektrum und mich gezielt ignoriert, umso netter ist es natürlich, dass trotzdem Menschen das Buch gelesen und besprochen haben (merci hier an den Blog des Queer-Lexikons, dessen andere Artikel ebenfalls empfehlenswert sind).

Mit der Ko-Konspirantin Carmen Keßler/DasTenna habe ich eine Anthologie herausgegeben. Das Beweisstück A hat gute 700 Exemplare verkauft und für das Projekt 100% Mensch ein hübsches Sümmchen eingespielt.

Außerdem habe ich total verpeilt zu erwähnen (Grund die Wolken von unten), dass da noch eine Kurzgeschichte war, ebenfalls als Benefiz, aber diesmal für die Weissenburg, ein queeres Zentrum in Stuttgart. Nämlich One Track Mind – Immer nur das Eine in Die Melodie zwischen uns. Wer noch ein bisschen Gay-Romanzen für die Feiertage sucht: Es sind ein paar sehr hübsche dabei.

Als ich One Track Mind im letzten Herbst abgeliefert hatte, wollte Svea Lundberg, die Herausgeberin, unbedingt wissen, was weiter passiert. Daraus erwuchsen einige zehntausend Wörter, die noch nicht fertig sind. Es werde Corona-verarbeit-Seifenoper! Diesmal komplett ohne Fantasy.

Ansonsten war das Jahr eben Pandemiejahr zum Zweiten. Irgendwo zwischen medialer Aufregung und dem privaten Gefühl, dass wenig passiert, wenn du deinen Kram (Sachbuch etc.) nicht so recht mit Leuten feiern kannst. Weil online ist zwar nett, aber halt ohne Umarmung. Und Lesungen, so selten ich sie sonst bestreite, haben doch gefehlt.

So gesehen waren die immer mal wieder auftauchenden Depri-Gewitterwolken erstaunlich milde und kurz. Nachdem ich im November die anthologische Ko-Konspirantin nach einem Wochenendbesuch verlassen musste, war dann auch erst mal ein paar Wochen nix mit großen Lichtblicken. (Der Ko-Konspirantin ging es wohl ähnlich, bloß hat sie ein Monster und ich habe Gewitterwolken, die sind nicht ganz gut geeignet, um Leuten Schuldgefühle einzureden.)

Und Migräne war sowieso (und ist heute schon wieder). Wenn das Wetter per Klimawandel so bleibt, kann ich mich zu jedem Jahreszeitenwechsel wohl auf drei bis vier Wochen Naratriptan- und Thomapyrin-Dauerfeuer einstellen. Es sei denn, die Menopause rettet mich rechtzeitig. Klar kann ich mich nun fragen, ob dieses Jahr Depri-Wolken und Migräne miteinander zusammenhängen. Nur, weil die Tablette den Schmerz wegmacht, heißt das ja nicht, dass der Migräneanfall vorbei ist, und Migräneanfälle sind prima Energieräuber. Mit Schmerzen habe ich üblicherweise nicht mal die Energie mich darüber aufzuregen, dass ich Schmerzen habe. Und manchmal schaffe ich es kaum aus dem Bett, um eine Tablette einzuwerfen. Prost!

Mit Triptanen wird dann die Antidepressivasuche auch lustig (nicht), weshalb ich noch nicht so weit bin, die Ärzteschaft damit zu behelligen. Immerhin: Ich schlafe durch, ich kann mich noch über Zeug freuen, ich fange nicht aus Überforderung an zu heulen, und ich kriege mehr als das Nötigste gebacken. Zimmerpflanzen sind auch noch keine gestorben. Also isses zwar nervig, aber nicht lebensbedrohlich.

Jedenfalls. Nein, ich möchte bitte hier nicht über Sinn und Unsinn von manchen Regelungen und die Existenz von Coronaviren diskutieren. Bringt nichts. Eins kann nur hoffen, dass wir beim nächsten Mal klüger sind, und das nächste Mal wird uns garantiert nicht erspart bleiben. 2009 hatten wir halt Glück, dass zwar Pandemie war, aber halt keine, die den hiesigen Stadtrat innerhalb von 18 Monaten gleich um zwei Menschen erleichtert hat.

Ansonsten: Es war immerhin richtig CSD! Bloß ist dank Pandemie die Stammtisch-Infrastruktur zusammengebrochen, weshalb es schwieriger war, Menschen zu rekrutieren.

Juni 2021, CSD Karlsruhe, als das Wägelchen und ich noch trocken waren

Während die Seifenoper noch wächst, wird im Frühjahr bei Edition Roter Drache Lokis Fesseln erscheinen. Cover-Freude dann separat nach den Feiertagen. Ich hoffe, wie die eine oder anderen Blog- und Schreibkollegin, dass 2022 mal wieder Buchmesse Leipzig wird.

Den Rohentwurf für dieses Posting habe ich einen Tag vor Jul / Wintersonnenwende 2021 getippt. Heute ist Jul, und gleich beginnt die längste Nacht des Jahres. Grade bei so Mistwetter im Hirn ist das ein schönes Datum, und irgendwie auch ein bisschen konkretere Hoffnung als so ein Kind, das dich vor einer Hölle rettet, an die du vielleicht Schwierigkeiten zu glauben hast. In meiner Hölle sitzt Hel jedenfalls mit Baldr am Tisch in ihrer Halle und hebt gemütlich einen.

Kürzester Tag des Jahres 2021, Pforzheim, ziemlich genau 12 Uhr mittags.

Wie auch immer, egal, ob und wie und was ihr feiert, ich hoffe, ihr könnt die Feiertage genießen.

Beweisstück A. Eine a_sexuelle Anthologie

Pünktlich zur Ace Week 2021 ist unsere kleine, feine Anthologie „Beweistück A“ erschienen.

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Was denken Sie, wenn Sie »Asexualität« hören? An ungehorsame Töchter, eitle Zauberer, einsame Werwölfe oder glückliche Familienväter? Oder an etwas ganz anderes?
Mal nachdenklich, mal komisch, oft fantastisch und immer spannend erzählen 19 Geschichten vom asexuellen Spektrum.

Mit Beiträgen von Ruth Boose, Carmilla DeWinter, Martin Engelrecht, Erich H. Franke, Jens Gehres, Marcus R. Gilman, Mo Kast, Carmen Keßler, Nicole Kojek, Emeryn Mader, Lili S. McDeath, Friederike Niemann, Katherina Ushachov, Vampyrsoul, Florian Waldner, Jordan T. A. Wegberg, Ria Winter und Amalia Zeichnerin

Alle Erlöse gehen an das Projekt 100 % Mensch.

Erhältlich ist das Buch mit der ISBN 9783754346570 anderem bei:

Unserer Druckerei: https://www.bod.de/buchshop/beweisstueck-a-eine-asexuelle-anthologie-9783754346570.

Beim infernalen A: https://www.amazon.de/Beweisst%C3%BCck-Eine…/dp/3754346571

 
Dem Shop mit dem so simplen wie aussagekräftigen Namen: https://www.buecher.de/…/produ…/detail/prod_id/62824023/
 
Einem Shop, der mehr als 400 Jahre auf dem Buckel hat: https://www.osiander.de/shop/home/artikeldetails/A1062452341
 
Und natürlich allen anderen Buchhandlungen.

Loki, oder: vom Queerbaiting

 

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Sieht nicht aus wie in der Serie: Loki aus einem isländischen Manuskript, 18. Jahrhundert

In meiner Nische des Internets schlugen die Wellen hoch, als im Trailer für die Marvel-Miniserie Loki (bei Disney+) ein Steckbrief der namensgebenden Hauptfigur zu sehen war. Darin stand: „Gender: Fluid.“

Endlich versprache die Oberen bei Disney genau die Diversität, die seit dem Mittelalter Kanon ist! Der echte Loki Laufeyason ist ja mindestens die Mutter eines Pferdes mit acht Beinen und war laut Vorwürfen seitens Odin Allvaters als Amme tätig.

Selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass der Marvel-Loki nicht mit einer Gottheit identisch ist, der diverse heidnische Menschen Alkoholika opfern. Trotzdem mag ich die Marvel-Figur (und FrostIron-Fanfiction ist sowieso seit 2012 mein Kryptonit), weshalb ich Geld für ein Abo ausgab, um die Serie anzuschauen.

Da ich niemanden mit meiner Meinung spoilern möchte und ich außerdem eine CN: Genozid, Suizidversuch habe, bei Interesse bitte hinter dem Link weiterlesen. Weiterlesen

Zwischenzeitlich anderswo …

Ich war beschäftigt dieser Tage: Die Anthologie ist fast druckfertig. Wir versuchen schon mal, Lesetermine und ein bisschen Promo zu organisieren.

Außerdem hatte ich da noch eine Konferenz zu organisieren, deren Ergebnisse auf der Vereinsseite nachzulesen sind. Teil 1 und Teil 2. Es war gut. Ich bin trotzdem froh über die zwei Wochen Urlaub ab heute. Noch ist viel zu tun, daher:

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Mein zehnjähriges Jubiläum als Frau mit Blog ist im Sommer untergegangen. Muss ich das feiern wollen?