Exotenstatus oder: Wie schreibe ich über Minderheiten? – Teil 1

Dies ist ein Text, den ich den letzten beiden Wochen ausgebrütet habe, daher das weitreichende Schweigen.

Vorgeschichte: Der Gay-Romance-Fail

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Es war einmal ein Online-Magazin, bei dem erschien die Rezension nebenstehender Sammlung von Gay(-Romance)-Kurzgeschichten. Ein Troll hatte nichts Besseres zu tun, als einen Kommentar zu posten, in dem es darum ging, dass hier rechtschreibschwache weibliche Wesen pornösen Schund für „frustrierte Hausfrauen“ produziert hatten.

Abgesehen davon, dass ich mir als Seitenbetreiber*in diese und andere Äußerungen verbeten hätte, produzierte der Kommentar eine mittlere Krise in der Gay-Romance-Szene.

Ich bin der Meinung, dass das Drama etwas kleiner ausgefallen wäre, hätte der Troll nicht ein „Hetentussen“ in den Raum geworfen.

An der Anthologie hatten sich nämlich neben Autoren (also mit männlichen Pronomen) auch Autorinnen beteiligt, deren einige nun aber nicht hetero waren. Und auf einmal kloppten sich die Liebesromanautorinnen mit den echten und eingebildeten Schreibenden von „Literatur“, die Männer mit den Frauen und die Heten mit dem lsbttiqa*ect Volk. [1] Nicht nur in der betreffenden Kommentarspalte, sondern mindestens auch in diversen Gruppen und Profilen bei Facebook.

Ich gehe davon aus, dass die Wortwahl des Trolls pure Berechnung war, um das größtmögliche Chaos zu verursachen.

Im Folgenden werde ich länger ausholen und erklären, warum das so gut funktioniert hat.

Nebenbei dient diese Serie von Postings als Anleitung, Minderheiten und marginalisierte Gruppen besser zu verstehen und besser zu schreiben. Formuliert ist dieser Crashkurs anhand dreier Kapitel aus Julia Seranos „Excluded“, das ein verflucht gutes Buch ist und hiermit allen englischkönnenden Menschen ans Herz gelegt sei.

Wie kommen Minderheiten zustande?

Wenn ich mit einer blauen Bluse rumlaufe, werde ich in der Regel nicht beachtet. Benutze ich dazu einen blauen Lippenstift, werde ich beachtet – die Tatsache „blauer Lippenstift“ wird als bemerkens-wert erachtet (heißt, es werden Bemerkungen darüber gemacht), während die blaue Bluse dazu auf dem gewöhnlichen mitteleuropäischen Radar zum Hintergrundrauschen gehört.

Der blaue Lippenstift ist somit für meine provinzstädtische bis dörfliche Umgebung eine als besonders gekennzeichnete, also markierte Eigenschaft, die Bluse nicht. Es werden, wie gesagt, Bemerkungen gemacht, ich werde gefragt, warum und wieso – die Eigenschaft ist somit frag-würdig, und mir wird unterstellt, mit meiner Farbwahl etwas bezwecken zu wollen.

In einer Großstadt wie Berlin, beim Clubben oder auf einer Halloween-Party fällt ein blauer Lippenstift dagegen weniger auf.

Das beweist, dass eine markierte (und damit bemerkenswerte) Eigenschaft immer von der Situation und vor allem von derjenigen Person abhängt, die diese Eigenschaft betrachtet.

Es werden aber nicht nur blaue Lippenstifte markiert, sondern auch Körperformen („fett“), Kleidungsstücke (Kopftuch, „Mann in Frauenkleidern“), Hautfarbe („farbig“), Geschlecht („Frau“) und allerlei mehr. Eins ist irgendwie „normal“, und das andere fällt auf.

Heißt zum Beispiel, in Mitteleuropa sind Männer (und solche, die dafür gehalten werden) auf der Straße nicht bemerkens-wert, es sei denn, sie sind anderweitig markiert („in Frauenkleidern“, Dreadlocks, Trachten jeder Art außerhalb spezieller Feste etc.). Wohingegen Frauen (und solche, die dafür gehalten werden) häufig einem Strom von Blicken und Bemerkungen ausgesetzt sind („die hat aber stramme Oberschenkel“, „Grüß Gott, schöne Frau“, Pfeifen, Hupen im Vorbeifahren …).

Wen bemerken wir wie?

Wahrnehmungsverzerrung: Ingroup/Outgroup

Wir bemerken eher Menschen, die wir als nicht zu unserer Gruppe gehörig empfinden.

Obwohl es eigentlich bekannt sein sollte, dass keine zwei Menschen exakt gleich sind, neigen Menschen dazu, sich in Gruppen einzuteilen. Eine Gruppe ist die eigene Gruppe (Ingroup), zu der ich gehöre bzw. zu der ich mich zähle, und die zweite Gruppe, zu der ich mich nicht zähle, ist die Outgroup. Die Anderen, eben

Mitglieder der Ingroup werden wohlwollender betrachtet und behandelt als Mitglieder der Outgroup. Tatsächlich werden Mitglieder der Outgroup nicht nur negativer beurteilt, sondern mensch neigt dazu, diese Mitglieder auch als uniforme Masse mit den gleichen, negativ behafteten Eigenschaften zu betrachten.

Ob eine Ingroup/Outgroup-Situation vorliegt, erkennt eins meistens am „die“. „Wir“ sondern uns von „denen“ Besonderen ab.

Das reicht von eher harmlosen Verallgemeinerungen („Die Amis haben ein echt schräges Verhältnis zu Krankenversicherungen.“) bis hin zu bösartigen, diskriminierenden Vorurteilen („Die dürfen nicht in den Laden, die klauen doch alle.“).

Wahrnehmungsverzerrung: Unerwartet = Schlecht

Über den Hang der Menschheit, auf unerwartete Ereignisse mit Stress zu reagieren, habe ich bereits andernorts geschrieben. In den meisten von uns sind noch jene unserer Vorfahren tief verankert, die in jedem Hinweis auf ein Raubtier oder Krankheiten eine Lebensgefahr für ihre Gruppe wittern mussten.

Aber – was ist nun unerwartet?

Leider ist das immer im Kopf der Betrachtenden. Unerwartet heißt, wir nehmen an, dass es sehr selten ist. Oder wir nehmen an, dass es einer Norm oder einem Gesetz widerspricht, die wir für allgemeingültig halten. Und/oder es widerspricht einem Stereotyp oder einer Annahme, die wir von einem bestimmen Menschen haben.

Wir stellen also fest, dass sich hier die Katze teilweise in den Schwanz beißt: Ich laufe herum, sehe Menschen, und nehme an, dass die alle heterosexuell sind – was Unfug ist, denn wir haben geschätzte fünf Prozent Nicht-Heten. In der Regel fallen diese schwulen, lesbischen, bi-, pan-, a_sexuellen Menschen aber nicht auf (ich falle auch nicht deswegen auf), sodass ich meine Annahme „alle sind heterosexuell“ quasi bestätigt finde, bis mir das Gegenteil bewiesen wird.

Pakte

Diese zweite Verzerrung des „Unerwartet = Schlecht“ erklärt allerdings nicht, warum wir die Eigenschaft „Frau“ markiert haben, denn Frauen stellen etwa 50% der Bevölkerung. Also gibt es neben „ist unerwartet“ in Bezug auf die Outgroupbildung bzw. Markierung noch andere Einflussfaktoren, zum Beispiel eine stillschweigende gesellschaftliche Übereinkunft.

Julia Serano nennt als Beispiel einer solchen Übereinkunft auch das Beispiel „Wirtschaftsprüfung“ versus „Sexarbeit“ – wir sind nicht überrascht, wenn uns eine Wirtschaftsprüferin auf einer Party begegnet, wohingegen wir überrascht sind (und es für bemerkens-wert erachten), wenn wir einer Sexarbeiterin begegnen, obwohl in den USA prozentual gesehen (und geschätzt) in etwa so viele Menschen als zertifizierte Wirtschaftsprüfer*in tätig wie in der Sexarbeit aktiv sind.

Über Ursachen dieser gesellschaftlichen Pakte werde ich nicht referieren, dazu bemühen Sie bitte eine Suchmaschine Ihrer Wahl und die Anderungsform Ihrer Wahl (z.B. Frauenhass/Misogynie, Behindertenfeindlichkeit, etc.)

Allgemeine Konsequenzen des Markiertseins

Ganz gleich, wie nun die Markierung zustande kam: Wir finden es natürlich, diese markierte Eigenschaft eines anderen Menschen zu bemerken, zu kommentieren, zu hinterfragen und negativer zu beurteilen als eine erwartete Eigenschaft.

Und wir finden es auch natürlich, wenn andere Leute das tun, selbst, wenn wir keine besondere Meinung zu der Eigenschaft haben – vorausgesetzt, wir sind Teil der Übereinkunft, dass eine Eigenschaft markiert ist.

Eine Person mit einer (bekannten) markierten Eigenschaft sieht sich dementsprechend häufig Bemerkungen und Fragen ausgesetzt, denn ihre Eigenschaft ist nun mal als frag-würdig akzeptiert.

Und damit eben auch fragwürdig, also eben auch zweifelhaft und verdächtig. Für die markierte Eigenschaft muss es also ein Motiv geben, oder mindestens einen Grund.

Notiz: „Es ist eben so“ ist nur ein akzeptabler Grund, wenn es um die unmarkierte Eigenschaft geht.

Unmarkiert ist normal, alles andere ist unnormal, unnatürlich, abnorm, vielleicht sogar krank?

Unmarkiert ist normal, die Standard-Erfahrung, damit maßgeblich und objektiv. Erfahrungen markierter Menschen sind immer subjektiv und ein Einzelfall.

Unmarkiert ist alltäglich. Markiert ist exotisch, anders – mal aufregend, mal mysteriös, aber immer undurchschaubar und mit verborgenen Beweggründen.

Markiert ist mal glamourös, mal stigmatisiert, und häufig mit einem Werturteil verbunden.

Daraus folgt, dass eine markierte Eigenschaft ein Grund ist, Menschen anders zu beurteilen als solche mit unmarkierter Eigenschaft – an die geanderte Gruppe wird ein anderer und meist strengerer Maßstab angelegt als an die vermeintlichen „Normalen“: ein Double Standard bzw. zu Deutsch eben die Doppelmoral.

Und hieraus erschließt sich dann, warum wir mit Minderheiten und Gruppen mit markierten Eigenschaften so umgehen, wie wir umgehen.

Weil wir also mit zweierlei Maß messen, ergeben sich für geanderte Gruppen regelmäßig soziale Zwickmühlen, von denen ich in Teil 2 schreibe.

 


[1] Lsbttiqa*etc ist immer ein Adjektiv und kurz für „lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell, queer, a_sexuell und alles andere, das wir gerade nicht auf dem Schirm haben“.

Regenbogen-Buchstabensuppen-Stories

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Sogar zwei Kurzgeschichten von mir haben es in diese Anthologie geschafft, die es vorerst aber nur als E-Buch beim infernalischen A zu beziehen gibt, Kindle Unlimited sei verflucht.

Ich habe ein L und ein A zur Buchstabensuppe beigetragen.

Kostprobe:

> huhu, annika!

Ach, Mist. Da loggt eine sich für zwei Minuten bei Facebook ein, um ein Gefälligkeits-Like zu verteilen, und dann merkt das ausgerechnet diejenige, die nichts von chilligen Freitagabenden auf der Couch hält. Dabei hat der heutige Abend perfekt angefangen: Mein Flo ist unterwegs, erst Vorglühen und dann Typen aufreißen. Ich muss also mit niemandem reden oder positive Vibes ausstrahlen.

Soll ich mich totstellen oder unfreundlich sein?

Gewinnspiel zur AAW 2017

ETA Sonntag, 29.10. – Geschlossen.

So, wegen Krankheit mit etwas Verspätung, da die Asexual Awareness Week ja schon heute Morgen begonnen hat:

Es gibt zwei Printexemplare von Albenzauber zu gewinnen.

Albenzauber 640pt

Wie?

Ihr antwortet hier bis einschließlich Samstag, den 28.10.2017 unter den Blogbeitrag, wann euch das erste Mal bewusst wurde, dass A_sexualität existiert.

Immerhin geht’s ja bei der Asexual Awareness Week genau darum. Ich will keine Informationen über eure sexuelle Orientierung oder Details zu eurer damaligen Reaktion, es sei denn, ihr wollt sie öffentlich machen.

Ansonsten Rechtliches, also die Teilnahmebedingungen:

Teilnahmeberechtigt sind natürliche Personen ab 18, die eine Postadresse in Deutschland haben.
Der Gewinn wird per Brief oder Päckchen versendet. Es besteht kein Anspruch auf den Gewinn, eine Barauszahlung ist nicht möglich. Der Gewinnanspruch ist nicht übertragbar. Anfallende Versandkosten werden von mir übernommen. Damit euch der Gewinn erreicht, brauche ich logischerweise eure Anschrift, welche ihr mir im Falle des Gewinns per E-Mail an: carmilladewinter[at]yahoo[punkt]de mitteilt. Die Adresse gebe ich selbstverständlich nicht an Dritte weiter und nutze sie nur für das Gewinnspiel.  Die Bedingungen können sich jederzeit ändern und das Gewinnspiel kann ohne Angabe von Gründen vorzeitig beendet werden.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Im Falle eines Gewinns gebe ich euren Namen (bzw. den Nickname, unter dem ihr teilgenommen habt) hier nach Ende des Gewinnspiels bekannt.

Und, damit hier ein Anfang ist: Ein Artikel in der Brigitte, 2005. Danach fünf Jahre nachgedacht. Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte.

Marcus Johanus bringt es auf den Punkt

Häufiger werde ich gefragt, wie man mich denn darin unterstützen kann, meine Romane weiter zu verbreiten – worüber ich mich natürlich sehr freue. Über die Antworten sind die meisten dann überrascht, denn es ist viel einfacher, Selfpublisher zu unterstützen, als viele glauben. In der Regel dauert das nur Sekunden. 1. Like, was das Zeug […]

über 9 Dinge, die du tun kannst, um Selfpublisher zu unterstützen — MARCUS JOHANUS

Gilt im Übrigen auch für Bücher aus Kleinverlagen.

Demnächst ist Asexual Awareness Week!

Ungewohnt hierzulande: Die AAW beginnt sonntags.

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Vom 22. bis zum 28. Oktober sind Aces und Organisationen, die sich mit Buchstabensuppen-Menschen beschäftigen, aufgerufen, Dinge zu tun, die die Bekanntheit von A_sexualität steigern und dafür sorgen, dass unsereins mit dem Respekt behandelt wird, den wir verdienen.

Ich liebäugele gerade mit einem Gewinnspiel für Prints von Albenzauber.

Für Menschen, die ebenfalls Lust haben, sich zu beteiligen, aber keine Bücher zu verlosen haben, gibt es ebenfalls Möglichkeiten.

Ihr könntet …

… die Unibliothek Eures Vertrauens um die Anschaffung von Literatur über A_sexualität bitten. “Understanding Asexuality” von Anthony F. Bogaert sollte in keiner Sammlung zu Sexologie fehlen.

… den Link zu dieser Doku über Asexualität verschicken, um Zweifelnde und Kritiker*innen aufzuklären, oder einfach nur auszuloten, was eure Bekannten so über A_sexualität denken.

… euch eine Teerose oder sonst etwas in Flaggenfarben basteln.

… als ganz subtiler Wink AktivistA bei Facebook liken.

… darüber twittern, bloggen, oder in sonst welchen Medien entsprechende Links und Bilder teilen. Optionen finden sich beim Verein eures Vertrauens.

 

An Menschen, die bloggen

Eine Momentaufnahme in Berlin: Ich gehe in die Markthalle, kaufe beim Wurststand Salami am Stück. Der Verkäufer, der mir sehr freundlich mein Rückgeld gibt, hat asiatische Augen. Die Steinpilze beim Gemüsehändler bekomme ich von einem offensichtlich türkischen Mitbürger. Die Bäckereiverkäuferin antwortet mir in breitestem Schwäbisch. Nachher ruhe ich mich im Café aus. Dort sitzen an […]

über Schreiben gegen Rechts – ein Buch der Zuversicht! — Bunt und farbenfroh …

Ich selbst habe noch keine zündende Idee, aber hier schon mal de Aufruf zum Mitmachen und Weiterverteilen.

 

Wer darf eigentlich in der Öffentlichkeit über (die eigene) Asexualität sprechen und wer entscheidet darüber?

Niemand ist frei von Stereotypen. Auch Medienschaffende nicht. Wie sehr wir gewohnt sind, geanderten Menschen die Deutungshoheit über ihr Leben zu nehmen, lesen Sie hier.
Ich bitte um Vergleiche mit der Behauptung, dass Schwule ja nur der Homo-Propaganda aufgesessen seien. Oder mit der Behauptung, dass Frauen, die nach pränataldiagnostischen Maßnahmen abtreiben, vom Neoliberalismus beeinflusst seien. Oder mit der Behauptung, dass Schwarze Menschen kindhaft seien und daher in Sklaverei besser aufgehoben. Siehe auch Kopftuch-Debatte etc.
Die Methode, zu behaupten, dass Leute in Outgroups bzw. Minderheiten nicht wissen, was sie tun, hat seit Jahrhunderten System.

Nixblix´ simple Sicht der Dinge

Diese Frage stellte sich mir jüngst, nachdem ich mich auf eine Interviewanfrage gemeldet habe, in der es darum ging, dass Asexuelle über ihre Entwicklung berichten, wann und wie sie den Begriff „Asexualität“ für sich fanden und was Intimität für sie bedeutet. Und vor allem, wie sie Intimität in einer Liebesbeziehung leben, wenn die gesellschaftliche Erwartungshaltung darin besteht, dass diese Art von Beziehungen nur dann als legitim betrachtet werden, wenn Intimität in ihnen körperlich und vor allem sexuell ausgedrückt wird.

Nun habe ich zwar mit Anfang Zwanzig körperliche Nähe im Sinne von Kuscheln, Küssen und Streicheln erst mühsam lernen müssen, da dies aber meine Form der Sexualität darstellt, nach der ich mich seit der Pubertät gesehnt habe, dachte ich mir, ein Versuch könnte nicht schaden, und meldete mich auf die Anfrage. Zumal ich seit meiner Selbstfindung im vergangenen Jahr mit Hilfe meines besten Freundes dabei bin, mir meine eigene Sexualität Stück…

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Instrumentalisiert …

… kommt sich eine gelegentlich vor, wenn die eigene Minderheit mal wieder als Beweis dafür dienen soll, was mit queeren Bewegungen im Besonderen und der Gesellschaft im Allgemeinen nicht stimmt.

SW Testbild

Als die Welt noch einfacher war: Schwarz/Weiß-Testbild

Feddersen war es, der in der taz über sämtliche Wörter herzog, deren Einführung nach 2000 datiert. Gleich im Titel bezeichnet er das Buchstabensuppenkürzel (LSBTTIQAPetc.) als „breitgetretenen Quark“. (Wer den teilweise beleidigenden Unfug komplett lesen will, benutze eine Suchmaschine.)

Nun mag dieses Buchstabenkürzel vom LSBTTIQAPetc. nicht unbedingt handlich sein, und manchmal eine Gemeinschaft vorspiegeln, die es so nicht gibt, oder besser gesagt, bei der es sich eher um eine Zwangsgemeinschaft handelt. Aber wir alle haben eine Gemeinsamkeit: Wir stören die Leute dabei, sich ihre Welt eindeutig in männlich und weiblich, „normal“ und „unnormal“ zurechtlügen zu können. Daher möchten wir bitteschön zu Hause bleiben, uns was schämen und bloß nicht darüber reden, dass alles ein bisschen komplizierter ist, als mensch so annimmt.

Die wenigsten schaffen es übrigens zu sehen, dass das, was sie kritisieren, wenn es ihnen widerfährt, genau das ist, was sie anderen antun. (Ich will mich hierbei nicht ausnehmen.)

In der Schwulst-Ausgabe vom Sommer 2017 schreibt die altgediente Stuttgarter Travestiekünstlerin Frl. Wommy Wonder:

„… ihm fehlen halt treuen Herzens und in beneidenswerter Naivität all die vielen vielen (viel zu vielen) Unterbegriffe und Nebenschubladen, in die man heutzutage alles unterteilt …“

Satire? Nicht so gemeint? Keine Ahnung. Zäumt das Pferd jedenfalls von hinten auf und schlägt in eine Kerbe, die eigentlich schon tief genug ist. Neue Wörter entstehen, weil plötzlich über Dinge nachgedacht wird, die im wahrsten Sinne des Wortes vorher unsagbar waren. Das hat erstmal wenig mit Unterteilung zu tun, auch wenn’s von außen vielleicht so aussieht. Sollte ein*e Kabarettist*in aus der Buchstabensuppe eigentlich wissen, auch wenn ich Frl. Wonders Texte sonst sehr zu schätzen weiß.

Der neueste diesbzügliche Artikel stammt von heise.de/Telepolis, und ich habe nicht mal die gerinste Ahnung, was die Ätzerei eigentlich bezwecken soll. So viel habe ich mitgenommen: Hipster sind total lächerlich, weil sie alle voll individuell sein wollen, es aber nicht sind.

Diese Erkenntnis ist nun nicht so brandneu, da über Hipster und ihre Brillen/Frisurem/Karohemden/Jutetaschen/etc. schon seit Jahren gewitzelt wird. Gefühlt gab es sogar zuerst den Hipsterwitz und dann den Hipster.

Was irgendjemandes sexuelle Orientierung damit zu tun hat, bleibt mir allerdings auch nach der vierten Seite Text schleierhaft.

Offensichtlich ist der sehr wahrscheinlich heterosexuelle Autor einer vorurteilsbedingten Falle erlegen, die ich oben schon angerissen habe: Wer sich nämlich nicht brav für das eigene (Anders-)Sein schämt, muss ja ganz offensichtlich auffallen wollen. Anstatt, mensch glaube es nicht, einfach nur (mit einem passenden Begriff für die eigenen Empfindungen) zu sein.

Dass eins mit dem passenden Begriff gleichzeitig darauf hinweist, dass die säuberliche Sortierung nach männlich/weiblich, „normal“/“unnormal“ völliger Unsinn ist und nur im Kopf derjenigen existiert, die diese Sortierung vornehmen, ist quasi Bonus. Auch wenn die Leute selten merken, dass sie ihren eigenen Vorurteilen über die Menschheit erlegen sind und stattdessen lieber die Schuld bei den vermeintlichen Störenfrieden suchen.

Linkspämmchen

Zur Überbrückung meiner überstundenbedingten Sendepause ein paar Kleinigkeiten zum Stöbern.

Mit der Religion hab ich’s ja schon öfter gehabt, hier ist auf Englisch eine Argumentationshilfe, wenn ein religiöses Cleverle mal wieder „aber wenn du glaubst, wirst du nichts verloren haben“ bemüht.

Bei Belles Lettres gibt es eine extrem hilfreiche Erklärung des Konjunktivs im Deutschen. Besser als jeder Deutschunterricht an meinem Gymnasium, der konnte mir das nämlich nicht vermitteln.

Und ein Video auf Englisch: „Sag die Wahrheit!/Tell the Truth!“ von Jordan Peterson – ein Argument gegen den Nihilismus und für’s Maul Aufreißen.

Was denn auch @handyfeuer regelmäßig tut: Ein neues Video über A_sexualität.