Echte und falsche Namen

Irgendwann in einem Kommentar hatte ich einen Text über meinen Namen angedroht.

Da ich nach jahrelanger Verweigerungshaltung eingeknickt bin und ein Profil bei Facebook habe, zu diesem Anlass eine Erklärung meines Pseudonyms.

Mit meinem bürgerlichen Namen schaue ich an dreißig Stunden die Woche seriös aus dem weißen Kittel. Zumeist habe ich es mit Kund*innen zu tun, die ein fortgeschrittenes Alter haben, oder mit sonst irgendwelchen unbescholtenen Bürger*innen, die keine Ahnung haben, was „queer“ bedeutet. Außerdem müssen derzeitige und zukünftige Chefitäten nicht gleich wissen, was ich in meiner Freizeit so treibe – ich habe immerhin gleich zwei erklärungsbedürftige Nebenbeschäftigungen.

Nebenher verwende ich seit, hm, acht Jahren „Carmilla DeWinter“ für Mails. Ursprünglich wollte ich damals nur einen Autorinnennamen für fanfiction.net, der meinem echten Namen etwas ähnelt und von Englischmuttersprachler*innen ausgesprochen werden kann. Mein echter Name ist da, sagen wir mal, nicht so geeignet.

Es stellte sich heraus, dass der Name mir so gut gefällt, dass ich ihn nicht mehr hergeben will, und überall verwende, wo es geht.

Nehmen wir uns zuerst den zweiten Bestandteil vor. DeWinter. Nein, nicht Du Maurier, sondern Dumas père.

Evanesca Feuerblut hat hier einen so ausführlichen Artikel über das verfasst, was Milady in den Drei Musketieren so anstellt, dass ich nur noch das Wichtigste zitieren will:

Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass Mylady in gewissem Sinne trotz ihrer negativen Rolle zu den wenigen selbstbestimmenden Frauen der damaligen Literaturszene zählte. Im Grunde genommen nahm sie sich das heraus, was sich in der damaligen Gesellschaft nur Männer trauten

 

Carmilla ist da schon wesentlich unbekannter. Meistens vergessen die Leute das R.

Wer ist Carmilla?

Wie Milady DeWinter auch ist sie eine fiktive Gestalt, nämlich eine der ersten Vampirinnen der Literaturgeschichte. Jene Carmilla wanzt sich an Laura heran, eine Halbwaise, die mit ihrem Vater und wenig Personal auf einer Burg lebt. Wie es sich für Vampire der Ära vor Anne Rice gehört, bekommt Carmilla am Ende die Schöne nicht, sondern stirbt unter grausigen Umständen.

Lesbische Untertöne? Aber hallo.

Was LeFanu mit eben jenen bezweckte, bleibt dahingestellt. Ein Skandälchen für die Leser*innen, damit drüber gesprochen wird? Was zum Schauen für das männliche Auge? Einfach so? Schwierig zu sagen.

Aber auch hier wieder eine, die sich was rausnimmt, sich exzentrisch verhält und damit ziemlich lange durchkommt. Und natürlich muss beide, zeitgemäß, die volle Rache des Patriarchats einholen.

Sowohl Milady DeWinter wie auch Carmilla sind also Mädels, die ihr Leben selbst unter Kontrolle haben. Beziehungsweise ist jede von ihnen eben ein Babe In Total Control Of Herself. Kurz: Bitch.

Und da gibt es nun wahrlich schlechtere Namesvetterinnen.

Linkspämmchen und Kopfkratz

Trippmadam hat ihre Samstagslinks gepostet, wie immer hochinteressant.

Aus Autor*innen-technischer Sicht interessant ist ihr Verweis auf Anke Gröner, den ich hier aufnehmen möchte: Was wird eigentlich überliefert?

Außerdem via Rumklicken gefunden: ein (englischsprachiges) Interview auf Salon, wo es um weibliche Sexualität als Streitobjekt zwischen Konservativen und Liberalen im weitesten Sinne geht, oder dem Konflikt zwischen Kriegerkuturen, wo der Körper eines Menschen der Allgemeinheit gehört, und Nicht-mehr-Kriegerkulturen, wo der Körper dem Individuum gehört.

Außerdem hat mich jemand auf diesen Bericht hier hingewiesen: In China wurden etwa zwei Dutzend Autor*innen von Slash-Fanfiction verhaftet. Slash-Fanfic nimmt in der Regel zwei Kerls aus einem Fandom und schreibt sie als Paar (Zum Beispiel Kirk/Spock, Sherlock/John Watson, Professor X/Magneto … Slash wegen des Schrägstrichs). Ein ziemlich beliebter Zeitvertreib unter weiblichen Fans, dem ich mich ebenfalls nicht entziehen konnte. Jedenfalls ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis irgendwer anders (*hust* Russland *hust*) auf die Idee kommt, (Fanfic-)Autor*innen wegen der Propaganda für Homosexualität zu verhaften.

Was soll ich sagen? Manchmal bleibt einer nur, sich entweder den Kopf zu kratzen, oder „aargh“ zu machen und zu verzweiflen.

Ace mit Goldstern

Ein bisschen Politik von meiner anderen Seite.

Avatar von Carmilla DeWinterDer Torheit Herberge

Nun habe ich vor einiger Zeit diesen Text von Bäumchen hier gefunden, in dem auch das Wort Asexualität fällt.

Ich habe es lange Zeit Desexualisierung genannt, um es von Asexualität zu trennen, aber langsam seh ich die Grenzen aufweichen. Ich kämpfe seit Jahren mit einem sterbenden Gefühl, mit einem sterbenden Begehren, und ich sehe diese Asexualität nicht als wunderbar oder als Identität, die ich »embracen«, umarmen und lieben kann. Ich wurde dazu gemacht.

Bäumchen nimmt auf diesen englischsprachigen Artikel Bezug. Als asexy Bloggerin, die ihre Identität umarmt, habe ich mich erstmal am Kopf gekratzt, weil für mich mindestens zwei Paar Stiefel, wenn nicht mehr. Dann habe ich versucht zu verstehen, wie diese Schwierigkeiten zustande kommen. Offensichtlich überschneidet sich das, was Asexualität will, und das, was dann draußen ankommt, nicht zu hundert Prozent.

Warum ist das so? Wie trägt die Rezeption von Asexualität dazu bei, dass Leute, die nicht dem westlichen…

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Rosenkavalierin

Habe gestern Abend für’s hübsch Tanzen ein Röschen bekommen. In Orange. Außerdem wie bei jeder Bauchtanzvorführung: Diskussionen über Schmuck, anderer Frauen* Figuren, Nagellack, Schminke, etc. Jedenfalls muss das mein Unbewusstes so beeinruckt haben, dass folgendes dabei rauskam:

Compare me not to a rose

I am not

a thing to be groomed

or pruned

to resemble your idea

of beauty.

Vergleiche mich nicht mit einer Rose

ich bin kein Ding

das gepflegt wird

oder zurechtgeschnitten

nur um

deiner Vorstellung von Schönheit

zu entsprechen.