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Über Carmilla DeWinter

Carmilla DeWinter schreibt Phantastik und verque(e)re Texte.

Ace und queer, Ergänzung

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Via des Carnival of Aces habe ich einen hochinteressanten Artikel auf Englisch gefunden.

Zusammenfassung der These: In früheren Zeiten wurden Menschen als „queer“, also sexuell abweichend verurteilt, sofern sie

a) von Gender-Normen abwichen und/oder

b) keinen Hetero-Sex hatten.

Das kann heißen, dass eine Person Sex mit Menschen des gleichen Genders/Geschlechts hatte, es kann aber auch bedeuten, dass diese Person gar keinen Sex hatte!

Bezeichnende Beleidigungen: „alte Jungfer“ und „überzeugter Junggeselle“.

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Amt mit Unsinn von mir, aber ohne Gender Gap

Gelegentlich schreibe ich ja für’s Bundesamt für magische Wesen. Nachdem ich Mitte Juli ein Wochenende lang tanzend auf einem Mittelaltermarkt schwitzen musste, hatte ich Lust auf ein wenig Behördensprech statt Marksprech: Fragen und Antworten zum Thema „Magische Wesen auf Mittelaltermärkten.“ Inspiriert von, na, was wohl? Drachenblutseife.

Der Gender Gap wurde mir dann vom Amtsleiter wegen Suchmaschinenoptimierung gestrichen.

Meinung: Stattdessen sollte die Suchmaschine wissen, dass sie nach Drachen auch nach Drach*innen suchen kann.

Asexy Bore-Out

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Über einige Ecken klingelte ein größeres Printmedium beim Verein an, ob nicht wer was über Asexualität schreiben würde.

Ich habe es getan, und werde bei Gelgenheit den Erscheinungsort und Termin nennen, aber bei Merlins Bart: Ich habe dieses Rumgeeier manchmal verflucht satt.

„Asexualität ist eine sexuelle Orientierung. Wir verspüren keine sexuelle Anziehung und haben deswegen zumeist kein Verlangen nach sexueller Interaktion.“ Etc pp.

Nein, wir sind nicht alle …  (Bitte Bingo einfügen.)

Asexualität existiert !!Einself!

https://c2.staticflickr.com/6/5238/5899196028_c59c74c1c4.jpg

Können wir jetzt bitte über was anderes reden? Die Schnittmenge von Schwulenhass und Aromantihass, beispielsweise. Oder wenigstens, dass das Konzept der romantischen Orientierung auch anderen hilfreich sein könnte, und dass es ein asexuelles Spektrum gibt. Irgendwas, das nicht bedeutet, dass ich schon wieder die gleichen (invasiven) Fragen beantworten muss?

*seufz*

Zum Weiterlesen:

Der asexy Bore-Out scheint verwandt mit dem Feminist Bore-Out.

Und dann habe ich noch ein Queer-Lexikon gefunden.

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Cocktail gegen den Zombiemodus

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Notdienste sind nicht schön. Trotzdem muss ich angelegentlich in der Apotheke übernachten.

Am Tag darauf bin ich dann im Zombiemodus: Nach mindestens zweimal unterbrochenem Tiefschlaf fällt es mir schwer, geradeaus zu denken, und Autofahren sollte ich eigentlich auch nicht.

Jedenfalls habe ich meine Zobiezeit heute genutzt, um Dinge zu tun, die ich sonst gerne rausschiebe: Ich habe Bildchen mit Architektur für das neue Projekt gesucht, und mir von Wikipedia auf Occitanisch bestätigen lassen, dass der Prota mit höchster Wahrscheinlichkeit auf Enric Marrron d’Aiguescur getauft sein, aber nicht hören wird.

Versüßen tue ich mir das mit einem selbstkreierten Cocktail, der auf einen nerdigen Namen hört. Eine recht süffige Angelegenheit zur Resteverwertung, die dem geraden Denken allerdings nicht unbedingt zuträglich ist.

Für den Zitronensäurezyklus werden benötigt:

3 cl Limoncello

3 cl Mandarinenlikör

2 cl Limettensirup

2 cl Zitronensaft

8 cl Orangensaft

und natürlich: Chrushed Ice.

Prost.

„Angst(mache) mit System“ – Eine Analyse konservativer Manipulation und Rhetorik

Köln 2013 182

Ausgehend auch von Antje Schmelchers Pädophilie-Vorwürfen rollt im Zuge der Debatten um den Bildungsplan Baden-Württemberg eine Welle von Falschmeldungen über Deutschland hinweg: LSBTTIQ-Menschen wollten Kinder verwirren und homosexuell machen, der „Genderismus“ plane den Verfall der deutschen Sprache, etc.

Zahlreiche Leser_innen glauben die Argumente. Warum sie so gut funktionieren und was eins entgegnen kann, haben Jürgen Kaufmann und ich im Auftrag des LSBTTIQ-Netzwerkes Baden-Württemberg aufgeschlüsselt.

Da die besprochenen Manipulationstechniken nicht nur in der Bildungsplandebatte auftauchen, sondern auch in Bezug auf z.B. „Homo-Ehe“ und Inklusiondebatten, möchten wir das Paper auch für Menschen bereitstellen, die nicht zum Netzwerk gehören.

Hier geht’s zum Download der PDF-Datei: angst-mache- mit system

Keine Gemeinnützigkeit für die Gleichstellung … bis jetzt

ritter sport regenbogen

Da ich ja auch noch zu dem Verein da gehöre, interessiert mich das deutsche Vereinsrecht ein bisschen.

Doch: Überraschung! Vereine, die sich für Menschen aus dem Bereich GSRM (Gender, sexuelle und romantische Minderheiten) einsetzen, sind nicht automatisch gemeinnützig, sondern müssen in der Regel irgendwelche Umwege nehmen, um an die Genehmigung vom Finanzamt zu kommen.

Das bedeutet, ihnen entstehen Steuernachteile, und Leute, die an sie Spenden, können diese Spende nicht von der Steuer absetzen. In der Regel führt das dazu, dass weniger Leute spenden.

Wenn sich dadurch wer gestört fühlt, möge si*er doch hier auf der Kampagnenseite von 100 Prozent Mensch vorbeischauen und unterschreiben.

Buchkritik: Wings of Destruction

Normalerweise klopfe ich Texte mit asexuellen Figuren nur auf die queeren Aspekte ab, aber der hier gab so viel an Fehlern her, der ist auch für Autor*innen interessant.

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In einem Thread des englischen AVEN-Forums werden asexy Buchempfehlungen gesammelt, und daher stammte auch einer meiner Neuerwerbe, „Wings of Destruction“ von Victoria Zagar. Derzeit nur auf Englisch erhältlich, was aber auch nicht schlimm ist.

Meine Betaleserinnenseele blutete beim Lesen, deswegen habe ich denn auch öffentlich zwei von fünf Sternen verteilt.

Aber erstmal das Positive: Eine asexuelle Figur, über deren Status wir nicht rätseln müssen, weil Martin sich nämlich als asexuell bezeichnet. Und dann krallt er sich dank seiner sexuellen Orientierung bzw. deren Abwesenheit gleich einen Engel (mit einem ultrabesch… Namen. Anael! Böses Wortspiel, ick hör dir trapsen.)

Außerdem noch eine Figur aus dem LSBTTIQ-Bereich.

Die Voraussetzung ist originell, denn sonst wollen alle immer Armageddon verhindern, statt es auszulösen.

Leider krankt das Ganze an einem miesen Lektorat:

Einfallslose Satzanfänge. Wiederholungen. Engel, die im gleichen Satz nach Shakespeare und stereotypen Gangster*innen klingen.

Und der Weltenbau passt nicht.

Angeblich ist vor hundert Jahren…

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Fotostrecke zur Abkühlung

Weil ich ungern im Internet rausposaune, dass ich in Urlaub gehe, war ich für zwei Wochen einfach mal so verschwunden.

Bei mir hat es um 23:30 Uhr noch immer 25°C draußen, was zu warm zum Lüften ist, also dachte ich, ich gebe mal einige Eindrücke des Landes wieder, wo ich zwar häufig bei Sonnenschein, aber durchschnittlich 12°C unterwegs war.

Und da ich jetzt verstehe, warum manche Leute süchtig nach einer Insel sein können, auf der es zieht wie die sprichwörtliche Hechtsuppe, werde ich meinen Blogheader auch ein bisschen aufhübschen …

Weiterlesen

Gut gemeint …

Über meine asexy Nische des Buchstabensalats wird gelegentlich geschrieben. Ein Verriss, inklusive Hinweisen zur Recherche.

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Oder: Einige Hinweise an Personen, die über Asexualität schreiben möchten, aber nicht seit Jahren in der Materie stecken.

Normalerweise sagt mir ein Google Alert, wenn irgendwo in Deutschland etwas über Asexualität geschrieben wird. Leider/glücklicherweise ging sowohl mir als auch dem Rest der Community ein Artikel vom 2. Juni in der Frankfurter Rundschau durch die Lappen.

Fängt an wie immer: „Doch, so Leute gibt’s auch! Und sie schreiben darüber im Internet!“

(Origineller hingegen gestaltet sich dieses Fundstück aus der Morgenpost Sachsen, wo wir in einen größeren Zusammenhang eingebettet sind.)

Einerseits finde ich es äußerst schmeichelhaft, dass die Autorin mein Bingo zitiert – ist schließlich eine Menge Hirnschmalz dafür draufgegangen, damit alle es benutzen können – aber dass sie es dann nicht fertigbringt, nachzuschauen, wann die erste deutschsprachige Bloggerin mit mehr als drei Posts online gegangen ist, finde ich ein bisschen schade. (Tipp: Runterscrollen und Archiv öffnen.)

So gern ich hier…

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Todessehnsüchtige Leistungsmenschen

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Aesculap-serpentine.jpg?uselang=de

Es war einmal ein Sonntagnachmittag im Spätherbst , an dem hatte die DeWinter Notdienst in der Apotheke zu schieben.

Ein Mensch, geschätzte Mitte vierzig, klingelt. „Ich brauche was gegen Husten. Ich muss morgen auf Geschäftsreise und kann da nicht krank sein.“

Im Gegensatz zu dem, was Laien glauben, ist dies kein besonders aussagekräftiger Wunsch. Immerhin hat er der Apothekerin die Frage abgenommen, wer denn den Husten hat. Die DeWinter denkt: Fällt ihm aber früh ein.

Deswegen dreht sie auch die Reihenfolge der Fragen um, mit der sie sonst Husten abklopft: „Seit wann haben Sie denn den Husten?“

„Ach, schon fast zwei Wochen. Vor allem, wenn ich Rad fahre. Ich fahre jeden Tag zehn Kilometer ins Geschäft, und das geht nicht mehr so gut in letzter Zeit.“

Okay. Es besteht Grund zum Verdacht, dass das nicht mit einer Erkältungssalbe zu beheben ist. „Ist das ein trockener Husten, oder kommt da Schleim raus, wenn Sie husten?“

„Schleim kommt da schon mit. Da haben Sie doch bestimmt was dafür. Ich muss die nächsten Tage echt fit sein.“

Immer noch misstrauisch, fragt die DeWinter weiter: „Ist der Schleim klar, oder hat der eine Farbe?

„Da sind immer grüne Brocken bei.“

Mittlerweile ist es sehr schwierig, sich ein Augenrollen zu verkneifen, denn wenn ich seit geschätzt einer Woche grüne Brocken huste, dann sollte ich davon ausgehen, dass die nicht innerhalb eines Tages zu beheben sind. Aber offensichtlich sind grüne Brocken in der Lunge  für manche Menschen kein Anlass, an ihrem allgemeinen Gesundheitszustand zu zweifeln, geschweige denn, mal trotz regelmäßigen Einkommens und gültiger Versicherungskarte eine*n Ärzt*in aufzusuchen.

Die DeWinter schickt den Leistungsmenschen zur Notfallpraxis.

Neunzig Minuten später ist er mit einem Rezept wieder da: Zehn Tage Antibiotikum gegen Lungenentzündung.

Der Darwin Award lässt grüßen.